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Filmkritik: Dancer of the Dark

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    Filmkritik: Dancer of the Dark

    Dancer in the Dark



    Diesesmal war ich nach langer Kinoabstinenz von 2 Tagen wieder im Kino und habe mir den Hit der Cannes Festspiele angeguckt. Der wurde nicht nur mit der goldenen Palme ausgezeichnet, sondern BJÖRK auch mit dem Jurypreis für die Beste Darstellerin.
    Es fängt alles im Dunkeln an. Ihr erinnert euch sicher noch, bei der Zeugung, in Abrahams Wurstkessel war es auch dunkel. In der Gebärmutter ist es dunkel. Davon können sich einige von euch ein Lied singen, und im Keller ist es dunkel. Wenn man eine Schwarze Augenbinde um hat ist es dunkel, und wenn dieser Film anfängt ist es ca. 4 Min. lange dunkel, und man hört eine Musik.
    Ich wollte schon den Billiardeur rufen, und mich beschweren, als nach langer langer Zeit der Film anfing.
    In der Zwischenzeit hab ich meine Nachtmahlzwischenmahlzeitsnachspeise gehalten.
    4 Kukuruze, 12 Langos, 8 Kaugummis, 2 Kebabs, 3 Erdbeerschnitten, 2 Kardinalschnitten, eine mit Erbeerfüllung, eine mit Vanillefüllung. 1 Tafelspitz mit Röstkartoffel, Knoblauchfrikassee, Ketchupsenf, Popcornschlagobers, und als Nachspeise einige Körperteile meiner Geliebten.
    So nun zum Ernst. SELMA JESCHKOVA ( Björk ), spielt eine leicht debile, sehr arme, und unglaublich nette Person, mit einem sehr großen Herz. Sie ist in der Tschechoslowakei aufgewachsen, und nach einigen Jahren in die Usa emigriert, wo sie in einer Metallfabrik arbeitet, und dort für die Überwachung der Maschinen zuständig ist, und immer wieder Metallplatten in eine Druckerpresse schieben muß, die dann zu Wannen gepreßt werden.
    SELMA wohnt mit Ihrem Sohn Gene zusammen, und das in einem kleinen Wohnwagenhaus.
    Vis a Vis wohnt Ihr Nachbar BILL ( David Morse ), der mit seiner Frau LINDA versucht so schlecht als recht über die Lebensrunden zu kommen.
    Das Leben das SELMA führt ist wirklich sehr karg. Diese Frau, ich weiß nicht woher sie so gut spielen kann, hat absolut nichts. Weder einen TV, noch Comichefte, noch eine Satelittenanlage.
    Ich habe keine Ahnung wieso sie so glücklich ist. Für uns total unverständlich, die wir in einer westlich zivilisierten Metaphysischen Multimediageldwelt leben.
    SELMA´s einziges Glück und der größte Wunsch, ist für Ihren Sohn die teure Augenoperation zu bezahlen.
    SELMA steht kurz vor der Erblindung. Ihr Sohn hat auch wie sie Myopie, eine erblich bedingte Kurzsichtigkeit, die viele Leute betrifft. Das einzige was GENE helfen kann ist eine Operation, und so arbeitet SELMA irre viel um sich die paar $ eben zusammenzusparen die die Operation braucht.
    Man merkt förmlich Ihr Gefühl, und Ihre innere reine Freude, wenn sie am Wochenende, mit einigen Dollars eben heimkommt, und das weglegt.
    Sie hat einen speziellen Aufbewahrungsort, hinter dem Bügelbrett, und eines Tages, wird die Schatulle, die ein Kuvert ist, durch eine Blechdose ersetzt.
    BILL und LINDA schenken GENE ein Fahrrad, das einzige was er sich immer wünschte. GENE ein mittelmäßiger Schüler, weiß von seinem großen Pech nichts.
    Spätestens da, war der Zeitpunkt gekommen, wo wir und die anderen Kinobesucher, um die Wette schneuzten, und schnieften, und die Schmalztränen aus den Augenringen hervortraten.
    Literweise Salzflüssigkeit machten sich die Stiegen Richtung Leinwand breit, um einen Streifen ähnlich wie
    „ Blair Witch Project „ – „ Dead Man Walking „ einzutränken.
    Wurden aber durch einen, im Kino integrierten Abfluß gehindert. JEFF ( Peter Stormare ) ist der einzige Mann der sich um die nette SELMA mehr als nur kümmern will. Er hat ein gutes Herz, und empfindet wirklich ein großes Stück für sie. Leider wird seine Liebe nicht erwidert, da SELMA eben nur Zeit hat für die Arbeit.
    Zu Hause arbeitet sie ebenfalls, indem sie Spangen auf kleine Kartons steckt, die dann in den Verkauf kommen.
    Ihre beste Freundin CATHY ( Catherine Deneuve ) hilft Ihr hin und wieder dabei, und sie ist sowas wie Ihre Schwester. Eines Tages muß SELMA eben auch eine Nachtschicht nehmen, da der Termin, für die Bezahlung des Arztes im Blindeninstitut immer näher rückt.
    So ca. alle 30 Minuten wird der Film durch Selbsterdacht gesungene Stücke von Björk unterbrochen, die ungefähr so klingen, als würde man einen Kanaldeckel an die Wand stellen, und ihm befehlen, die Unabhängigkeitserklärung rückwärts zu singen, indem er auf einer Panflöte aus gebrauchten Bierflaschen, aus der Biotonne gestohlen, pfeifft.
    Einfach unmöglich, und wenn so Musik klänge, dann würde ich meine CD Sammlung der Volkshilfe Box schenken.
    Björks Musik ist eine Folter, wie die Ziegenzungenzehenabschleckfolter der Chinesen im Mittelatler beim Golfkrieg.
    Nun, der Film ist sowas von spannend, und das obwohl er so einfach gemacht ist, einfach billig, und so schmalzig traurig, das ich jetzt noch heulen könnte.
    Wie gut das ich da nicht alleine bin. Eines Tages kommt BILL zu Ihr, und beichtet SELMA das er Probleme mit dem Geld hat. Seine Frau LINDA ist eine Kaufsüchtige, und die Bank will unbedingt Geld von ihm, und er hat nichts, er wolle sich sogar das Leben nehmen, und er weiß nicht wie er das Geld zahlen soll, das er braucht. Sein Verdienst als Polizist ist sehr kärglich, und LINDA arbeitet eben nichts.
    Und er will auch LINDA nicht erzählen, das sie sich ändern soll. BILL bittet SELMA dieses Geheimnis für sich auf alle Fälle zu behalten, und im Gegenzug erzählt im SELMA von Ihrer Blindheit. Und auch er schwört es nie wem zu sagen. Eines Tages bittet BILL, SELMA ihm das Geld für 1 Monat zu leihen, aber sie kann nicht, weil sie es für die Operation für GENE brauche.
    Als Selma wieder Nachtschicht hat, hat sie sich an einer Maschine verletzt, und sie fast ruiniert.
    Daraufhin wird sie gefeuert, und das schweren Herzens des Abteilungsleiters. Wie ungerecht eben diese ganzen Firmen sind – erinnert mich wieder an „ Germinal „. Sie kann nichts machen, und auch die Interventionen von CATHY sind fruchtlos. Sie geht langsam tastend an den Bahngeleisen heim, die paar Kilometer, was sie des öfteren schon gemacht hat.
    Die arme Frau, die kann so schlecht sehen, sie rackert sich ab, sie spart sich das nötigste vom Mund ab, und ist zu jedem immer freundlich und fröhlich.
    Ihre Welt ist eben das Musical, und das teilt sie in kleinen Kinos mit CATHY, die Ihr des öfteren erzählen muß, was auf der Leinwand sich so tut.
    Eines Tages als BILL bei SELMA zu Gast ist, lügt er sie an, wegzugehen, und bleibt einfach stehen.
    SELMA in der Meinung er sie weg, merkt es nicht, da sie ihn absolut nicht sieht, und steckt eben Ihr verdientes in die Versteckte Schatztruhe hinter dem Bügelbrett, indem sich über 2000 $ befinden.
    BILL sieht das und vergreift sich leider daran. Als SELMA das rausfindet, wandert sie zu ihm rüber, und will ihn sprechen. Seiner Frau LINDA, die SELMA böse begegnet, hat BILL erzählt, das SELMA in ihn verliebt ist, und mit ihm eben ein Verhältnis haben will. Nicht mal da wird SELMA böse, also so eine Frau hab ich selten gesehen wirklich. Beide fangen an fast zu streiten wegen dem Geld. BILL hat es nämlich an die Bank eingezahlt und dann wieder heimgenommen, damit LINDA glaubt, BILL habe eh genug Geld.
    BILL will aber das Geld nicht hergeben, und SELMA braucht es, weil die Frist für die Bezahlung beim Doktor eben an diesen Nachmittag abgelaufen ist. Was dann passiert, ist eben – bis zu Filmende –sehenswert.
    Wenn nur die schreckliche Musik nicht wäre. Der Streifen ist so extrem berührend, und als BILL ihr das Geld wegnahm, war es soweit, das ich am Liebsten laut geschimpft hätte, so aufgebracht und aufgewühlt war ich innerlich. Also hab ich mich mit meiner Liebsten verabredet Stierkampf zu spielen.
    Der Sitz meines Vordermannes, war mein freiwilliger Stier, ich spielte den Speer vom Torrero, rannte gegen den Sessel, meine Freundin, hatte ein großes Stoffleintuch, und wedelte damit herum.
    Der Vordermann flog in hohen Bogen, gegen die Leinwand und hinterließ ein Riesiges Loch, aus dem die ganzen alten Kukuruzleichen hervorpurzelten, die aus den letzten 12.000 Kinobesuchen überblieben, da wir sie sorgfältigt versteckt hatten.
    Anfangs ging mir das am Nerv, so ne verwackelte Kamera, wie bei „ Geister „, auch von LARS VON TRIER
    Aber nach einiger Zeit hat man sich daran gewöhnt, auch an das Gemüt, und den Blick von Björk.
    Der Film ist so einfach, und so wirkungsvoll, und das Ende is so einer der besten aller Filme die ich je sah.
    Tränen fließen, und ich verspreche eben jedem, der mich weint, er ist kein Mensch.
    Wie wichtig ist es doch Menschen zu helfen, die arm sind. Nachdem Film diskutierten wir die Patenschaft für ein Dritte Welt Kind. Der Film hat eine eigenartige Wirkung eben auf das Gemüt, er beschäftigt dich noch einige Zeit danach. Es gibt so viel Grausamkeit auf dieser Welt, und ich frage mich, warum müssen immer so zerbrechliche Gemüter am meisten leiden ? Wieso ist Geld so wichtig auf dieser Welt ?
    Wenn nur nicht die Musik wäre, die grausliche, und das ganze um 20 Min. kürzer wäre. Hat nämlich 135 Min. gedauert.

    Traurige

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