Der Sturm


Wie schnell können doch 125 Min. vergehen, denkt man sich nach dem Film, und irgendwie bereut man es nicht schon jetzt bei der Oscarverleihung 2001 dabeizusein, und mit zuerleben, wie der beste Salzwasserbeckentankfilm 2 Oscars bekommt.
Das was GEORGE CLOONEY mitmachte, verdient wirklich alles. Nun es war ein schöner Oktobertag, kurz vor Halloween auf der Ostküste der Usa. MICHAEL IRONSIDE spielt einen Boß, dem 2 Schiffe gehören, unter anderem auch die ANDREA GAIL, ein Schwertfischerschiff, das jedesmal mit der Besatzung für 1 – 2 Wochen auf See ist, um große Mengen Schwertfische zu fangen, die dann die Leute essen die in Amerika wohnen. Was für eine gute Idee. Es war nämlich vor 9 Jahren ein Megamörderriesenorkansturm, tobend in der Nähe des Bermudadreieckes, und wie schon so vieles verfilmt wurde, endlich auch mal die Story von einem Riesensturm.
„ Twister „ springt auf „ Armageddon „ auf, während „ Apollo 13 „ im Fitneßcenter sitzt, und schwitzt und schwitz, und „ Dante´s Peak „ zuguckt, wie „ Asteroid „ gedreht wird, nachdem „ White Squall „ die Bodybuildingmeisterschaften gewinnt.
Dachte ich mir halt nach dem Film. Nun, einfach irre schön, so rauszufahren auf das Meer, mit dem Vorhaben, Geld für die Familie zu verdienen, so ganz wie normale Menschen halt, einfach zu überleben, und das trotz einer Arbeit die man nicht unbedingt gerne tut. Die Weite See, der blaue Horizont, der rötliche Sonnenuntergang, ein paar blöde Kollegen, und vor allem ein nettes Mädchen das da auf der Riesenleinwand Ihr Unwesen treibt. Jedenfalls fährt das Schiff ANDREA GAIL hinaus, mit GEORGE CLOONEY als Kapitän, und als Neufrischlingreenhorn MARK WAHLBERG. Der Autor SEBASTIAN JUNGER hat den Versuch der Besatzung, der Todesgefahr zu entrinnen, in einem Bestseller dokumentiert. Regie-Seebär WOLFGANG PETERSEN machte jetzt einen großen Hollywood-Hit daraus. Rein optisch ist dies der vermutlich überwältigendste Film, der je auf See gedreht wurde, und wahrscheinlich auch der Optisch perfekteste der die nächste Zeit gedreht wird. Man sieht schon am Anfang das da eine Mulmige Sache auf See aufzieht, und insgeheim wünscht man sich nach der Hälfte die ganze Besatzung nach Hause, damit den Jungs nichts passiert.
Die Meteorologen irren hier eigentlich nicht, wenn sie von einem Jahrhundert Orkan sprechen, und man fängt an zu bibbern. Ganz sinnlich kaut man seine 27 Fingernägel ab, und bedauert das man zu ungelenkig ist, um Zähennägel zu kaufen. Dann kommen so halt langsam die Fingernägel der Freundin dran, die zuerst sinnlich glucksend einem anschaut und nach dem Sinn fragt, und dann nach einiger Zeit mit schmerzverzerrten Lippen Richtung Notausgang sieht, und irgendwie Ihre Tasche in Kontakt mit meinem Sonnengeflecht kommen läßt.
Könnte aber auch eine Faust gewesen sein. Das Schiffchen will bei den Grand Banks einer Fischbank, Schwertfischerl fangen, und fährt zu einem anderen Ort, wo es laut Capitäns Aussage, viel mehr kriegen soll.
Man ahnt schon unheimliches, als ein alter Seebär im Lokal, berichtet er sei 1963 dort gewesen, und es war sehr schlimm, und irgendwie fühlt man mit den alten Seefahrern mit, die die ganzen Entdeckungsfahrten um die ganzen Kaps der Irgendwas machten, und hofft weiterhin, sich den Magen streichelnd, das nichts passiert.
Doch kurz ausgedacht und ausgesprochen, sieht man schon ein Containerschiff, und noch ein Transportschiff sich gegen die Wellen zu Wehr setzend, und man fängt an einige Schulgebete aufzusagen.
Auf dem Schiff passiert so einiges. Ein Hai hätte fast ein Besatzungsmitglied als Soletti verwechselnd, angeknabbert, ein anderer sich ewig streitender hätte fast den Ertrinkenstod erlitten, wenn nicht sein Verbaler Feind, in aus dem Wasser gerettet hat, indem er ihm patriotisch nachhüpfte und ihn rettete. Was für eine herrliche Szene, so kurz mal im Tod zu sein, zu Ertrinken, und man lebt da irgendwie einfach mit.
Nachdem man die Hand seiner Freundin nicht mehr halten darf, die mit einem Lederhandschuh bekleidet ist, weicht man halt auf dessen Fuß ab, was sie mit ungelenkigen, Bist Du verrückt, beantwortet, und man muß wieder mit seinen eigenen Gliedmaßen vorlieb nehmen.
Dann versucht die Freundin von George Clooney, am anderen Schiff, das dem Bösen Boß MICHAEL IRONSIDE gehört, ihn vor einem Sturm zu warnen, was aber aufgrund der Technik nicht geht, und auch eine andere Nußschale ist vor dem Ertrinken, und muß von Offizieller Seite gerettet werden, mit einem Hubschrauber, und was sich da abspielt ist wirklich einen Oscar wert. Der Mut, der Patriotismus, die Liebe zu seinem Job, da wird nicht gedacht, da wird nicht gemeckert, da wird nicht gemault, da wird nicht geängstigt, da wird mutig einfach das Ruder in die Hand genommen, und runter mit den Rettern, und raus mit den halb ersoffenen. Als dann noch einige bei wirklichem Argen Sturmwind ins Wasser sausen, ist es aus mit der Ruhe, und das Herz fängt an schnell zu schlagen. Meine Güte was für ein Kinosommer dachte man noch vor einiger Zeit, ich schau mir nur die wichtigsten Filme an, und nun weiß ich das dieses Jahr sicher 80 – 100 x das Kino besucht wird. Und endlich, nach langem Warten sieht man den Sturm, dessen Making Offs schon so lange in den Privatsendern herumgeistern.
Die ANDREA GAIL kehrt nämlich mit einer Irren Ladung um, und schon vorher hätte die Besatzung die Zeichen der Zeit sehen müssen, die Ihnen geschickt wurden, damit sie nicht weiterfahren.
Es gibt eben Momente im Leben, in denen Fisch eben nicht so wichtig wie das Leben ist. Nicht mal für einen Fänger von Fisch.
Dann macht noch die Eismaschine bankrott, und geht nicht mehr, und alle sind sauer, und haben noch viel Fisch im Kühlraum.
Dann beginnt erst so richtig der Sturm, er weht, er beutelt, er stürmt, und orkanet, er wellt, und nässt, er regnet, und er ängstigt, Horribler Weise.
Ein Wahn. Glücklicherweise hatte ich bei dem Film , 12 Kg Feh Taschentücher mit, 1 Kg für meine Freundin, 11 Kg für mich, oder war es umgekehrt ? Na egal, Der Film bietet alles, ohne Falschen Patriotismus, oder blöder Dialoge, oder überlastiger Filmszenen. Nein der Film ist nicht nur seheneswert, der Ist Übersehenswert, einfach Überqualifiziert. Man erlebt einfach mal das Fischerleben, man erlebt es wie es ist, bei dem schweren Job früh aufzustehen, Fische zu fangen, für das Mittagessen von Tausenden von Leuten verantwortlich zu sein.
Man erlebt wie es ist, auf engsten Raum miteinanderauszukommen, und nachdenklich verläßt man das Kino.
Wie oft hat man seinen Chef besucht ihm alles Gute gewünscht ? Mit den anderen Leuten geredet, und dann erst wenn sie Tod sind, wird aus Arbeitern – Helden. Hier die Seeleute, welche die riskantesten Manöver wagen - weil sie keine andere Chance mehr haben um Ihr Leben zu retten. Dort der Einsatz von Rettern auf Schiffen und in Helikoptern, die lieber ihr eigenes Leben riskieren, als Schiffbrüchige im Stich zu lassen
Nur eines – die Charaktäre sind etwas blaß, wenig wird auf sie eingegangen, und man hätte sich noch 20 Minuten mehr Film gewünscht. Dann war noch zuviel Filmmusik dabei.
Aber im ganzen ist es ein Wässriges Stürmendes sehenswertes Erlebnis der besonderen Art.
Nachdem man sich dann ängstlich um den Hals und die Hüften seiner Zuckerblume geschmissen hat, und merkte das sie lieber die Spannung des Filmes alleine geniessen will, weiß man wie alleine man mit seinen Ängsten vor wilden Wassermassen ist.

88,23 von 100