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Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns

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    Dèmoni 2... l'incubo ritorna
    (Dämonen / Dance of the Demons 2 / Dèmoni 2 / Demons 2 / Demons 2: The Nightmare Returns / Demons 2: The Nightmare Continues / Demons 2: The Nightmare Is Back)

    Italien 1986 - Directed by Lamberto Bava



    Wenn das Tor zur Hölle verschlossen ist, kehrt das Böse zur Erde zurück.

    Und in der Fortsetzung zum Italo-Horror-Hit Dèmoni (Dämonen 2; in Good Old Germany wurde die Reihenfolge der Filme nämlich vertauscht) kommt das Böse aus dem Fernseher und korrumpiert die labile, arglose und heftig mit Stimmungsschwankungen kämpfende Sally (Coralina Cataldi-Tassoni, Opera) just an ihrem Geburtstag! Die hübsche junge Dame verändert sich fortan sehr zu ihrem Nachteil und attackiert alles, was ihr vor das geifernde Dämonenmäulchen respektive die krallenbestückten Dämonenpfötchen stolpert. Bald ist im modernen Hochhaus, in dem sie das Appartement bewohnt, wo die Geburtstagsparty steigen sollte, die Hölle los, sehr zum Leidwesen der Mieter und Besucher, die da unter anderem wären: Die hochschwangere Hannah (Nancy Brilli, Camping del terrore) und ihr Mann George (David Edwin Knight), Fitnessbudenbetreiber Hank (Bobby Rhodes, L'ultimo cacciatore) und seine muskelbepackte Klientel, das Luxus-Call-Girl Mary (Virginia Bryant, The Barbarians), eine allein lebende Frau (Anita Bartolucci) mit ihrem Hund, sowie die kleine Ingrid (Asia Argento (La chiesa, Trauma, La sindrome di Stendhal, Il fantasma dell'opera) in ihrem Spielfilmdebut) samt Eltern (Antonio Cantafora und Luisa Passega).

    Ich muß gestehen, daß ich Dèmoni 2... l'incubo ritorna früher wesentlich schwächer als den Vorgänger fand, eine Fehleinschätzung, die ich hiermit revidieren möchte. Zwar ist der Film in einigen Bereichen zweifellos schwächer, aber das macht er durch seine anderweitigen Stärken wieder so sehr wett, daß sich beide Dèmoni-Filme letztendlich nichts schenken und sich auf Augenhöhe gegenüberstehen. Was gibt es also am Streifen auszusetzen? Nun, der Grundplot ist lediglich eine Variation der bekannten Thematik, wobei der Schauplatz vom Kino in einen Wohnkomplex verlegt wurde. Der Film-im-Film ist eine Art Dokumentation und handelt von vier Jugendlichen, die eine abgesperrte Zone erforschen. Sämtliche Figuren sind einmal mehr dürftig charakterisierte Stereotypen, zu denen man keine emotionale Bindung aufbauen kann. Am ehesten fiebert man noch ein wenig mit George und Hannah mit, der Rest ist kaum mehr als uninteressantes Kanonen- bzw. Dämonenfutter. Wie bei Dèmoni gibt es auch hier wieder einen ärgerlichen Nebenhandlungsstrang; der ist diesmal sogar noch dämlicher (Sally Ex-Freund Jacob (Bruno Bilotta) ist unterwegs zur Party) und - man höre und staune - crasht mit Karacho zielsicher ins Leere.

    Im Vergleich zum Vorgänger wurden auch die Gewaltspitzen gehörig abgefeilt, was Dèmoni 2 trotz beachtlichem Body-Count einiges an Härte nimmt. Der Film wirkt einfach generell zurückhaltender, zahmer und unblutiger. Auch den enthusiastischen Drive von Dèmoni konnte (oder wollte) man hier nicht in diesem Ausmaß reproduzieren; dem Film mangelt es somit ein wenig an Schmackes, an Power, an Schwung. Das könnte natürlich auch damit zusammenhängen, daß Simon Boswells durchaus guter Score dem von Claudio Simonetti nicht ganz das Wasser reichen kann (das geniale Titelstück Démonica ausgenommen), und daß die Popsong-Auswahl, diesmal von Gruppen bzw. Sängern wie The Smiths, The Cult und Peter Murphy, leider eher lahm und beliebig ausgefallen ist. Dem gegenüber steht das zwar episodenhafte, dafür aber auch recht abwechslungsreiche Drehbuch, welches erneut von den Herren Dario Argento (auch Produktion), Lamberto Bava, Franco Ferrini und Dardano Sacchetti verfaßt wurde. Sehr schön ist etwa der ironische Einstieg ins Geschehen mit dem "blutbesudelten" Messer, und auch den Schluß finde ich um einiges besser als das doch etwas platte wenngleich recht garstige Standard-Ende des Vorgängers. Die "Auflösung" hier ist ambitioniert und erfreulich rätselhaft, fast schon visionär.

    Wo Dèmoni 2 allerdings wirklich glänzt, das sind die zahlreichen Set-Pieces, die exzellent gestaltet und grandios in Szene gesetzt sind. Man denke nur an die beeindruckende Sequenz, in welcher der Dämon die Wand zwischen Fiktion und Realität durchbricht, aus dem Fernsehen durch das TV-Gerät in unsere Welt herüberwechselt. Oder die sensationelle Einstellung, als das bereits infizierte Geburtstagskind bei Gegenlicht als unscharfe Silhouette aus ihrem Zimmer tritt, mit der leckeren Torte im Vordergrund (für mich eine der schönsten Szenen der gesamten Horrorfilmgeschichte; kein Wunder, daß dieses immens stimmungsvolle Motiv u. a. auch als Poster-Artwork für Italien und Deutschland diente). Oder die Horde Dämonen, die - von unten nach oben gefilmt - das Stiegenhaus herabstürmt, während sich die Kamera leicht zu drehen beginnt. Nicht zu vergessen Hannahs langer Kampf mit dem drolligen Mini-Dämon bei flackerndem Lichtschein, ihre einfallsreiche, unorthodoxe Gegenwehr (Stichwort: Maniküre) und das unrühmliche Ende des fiesen kleinen Rackers. Mich hat diese Sequenz stark an die dritte Episode von Dan Curtis' Trilogy of Terror (1975) erinnert, wo sich Karen Black der außer Rand und Band geratenen Zuni Fetish Doll erwehren mußte.

    Im Gegensatz zum Vorgänger gelingen Lamberto Bava hier ein paar nette Suspense-Szenen, der klaustrophobische Aspekt kommt besser zum Tragen, und hin und wieder ist Dèmoni 2 sogar ein wenig unheimlich. Sergio Stivalettis und Rosario Prestopinos Spezialeffekte sind überwiegend top-notch, wobei insbesondere Stivaletti zeigen darf, was er draufhat. Die von ihm kreierten Transformationen, wie Sallys schaurige Verwandlung oder die Metamorphose des Hundes, wissen auch heutzutage noch zu beeindrucken. Weniger gelungen sind das Design und die (trashige) Animation des Mini-Dämons, auch wenn die Sequenz überaus vergnüglich und denkwürdig ist. Die Atmosphäre ist dichter und eindringlicher als bei Dèmoni, und auch die surrealen, alptraumhaften Einschübe stehen dem stylischen, schlichtweg phantastisch aussehenden Streifen gut zu Gesicht. Von den Schauspielern sticht Bobby Rhodes hervor, der mit seiner lautstarken, aggressiven Tour-de-Force-Performance seine Darbietung in Teil eins sogar noch toppt. Auch Asia Argento, damals süße zehn, überzeugt, wobei man nur hoffen kann, daß man sich am Set gut um sie gekümmert hat. Die Szenen, denen sie ausgesetzt wurde, sind teilweise starker Tobak und definitiv der Stoff für Alpträume, wenn nicht gar Traumata.

    Alles in allem ist Dèmoni 2... l'incubo ritorna somit ein gleichwertiges Sequel, das im Prinzip eine fast identische Geschichte in einem anderen Rahmen neu erzählt, sich gleichzeitig aber auch vom Vorgänger unterscheidet. Daß einem manche Elemente bekannt vorkommen - zum Beispiel aus Filmen wie Shivers, Trilogy of Terror, Alien, Videodrome oder Gremlins - hat mich dabei nicht im Geringsten gestört, erscheinen sie doch in neuem Zusammenhang fast schon wieder originell. Mit diesem Film hat die Dèmoni-Reihe auch schon ihren Abschluß gefunden, was jedoch findige Produzenten und Verleiher nicht davon abhielt, die populäre Reihe inoffiziell "fortzusetzen". Die Ausnahme ist natürlich Michele Soavis großartiger La Chiesa (The Church aka Demons 3, 1989), welcher ursprünglich ja als dritter Teil der Dämonen-Saga konzipiert war, auf Drängen Soavis dann aber eigene Wege beschritt. Umberto Lenzis stimmungsvoller Black Zombies (1991) heißt im Original zwar Demoni 3, hat mit der Reihe aber in etwa so viel zu tun wie Bruno Matteis Terminator II (Contaminator, 1989) mit James Camerons Science-Fiction-Kult. Ansonsten geistern noch folgende Filme als "Sequels" herum: Lamberto Bavas La Casa dell'orco (Ghosthouse 2 - Das Ungeheuer lebt aka Demons 3: The Ogre, 1988), Michele Soavis La Setta (The Sect aka Demons 4, 1991), Lamberto Bavas La Maschera del demonio (Black Sabbath aka Demons 5: The Devil's Veil, 1989) und Luigi Cozzis Il Gatto nero (Dead Eyes aka Demons 6, 1989).
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      Witchtrap
      (The Presence)

      USA 1989 - Written & Directed by Kevin S. Tenney



      Wenn sich eine kleine Gruppe selbstbewußter Parapsychologen in einem Spukhaus breit macht, um selbiges von dem bösen Geist, der sich dort eingenistet hat, zu exorzieren, dann kann man davon ausgehen, daß dieses Vorhaben kein gutes Ende nehmen wird. Denn daß mit dämonischen Mächten nicht zu spaßen ist, haben schon Filme wie Robert Wises The Haunting (Bis das Blut gefriert, 1963) und John Houghs The Legend of Hell House (Tanz der Totenköpfe, 1973) eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Beim mörderischen Gesellen, der in Kevin Tenneys Witchtrap (bzw. The Presence, wie der Director's Cut heißt) sein Unwesen treibt und nicht daran denkt, kampflos das Feld zu räumen, handelt es sich um Avery Lauter (J.P. Luebsen), einen nach Unsterblichkeit gierenden Hexenmeister, der bei einem bizarren Ritual umgekommen ist. Seitdem hält es in der 1861 erbauten Villa, die nun renoviert und in ein profitables Bed & Breakfast umgewandelt werden soll, niemand länger als drei Tage aus.

      Witchtrap beginnt ähnlich, wie ein anderer schöner Geisterhausklassiker endet. Der berühmte Magier "The Amazing Azimov" (Richard Fraga) crasht bei seiner panischen Flucht vor Onkel Avery durch ein Dachfenster und stürzt schreiend in die Tiefe, wo er am Betonboden zerschellt. Dieser unschöne Vorfall führt dazu, daß man das Lauter-Haus hinter vorgehaltener Hand nun Slaughter-Haus nennt. Ein paar Experten sollen es also richten, angeführt von der energischen Agnes Goldberg (Judy Tatum), die ein Gerät entwickelt hat, welches den Geist bannen soll. Ihr zur Seite stehen Ehemann und psychisches Medium Felix (Rob Zapple), das physische Medium Whitney O'Shay (Kathleen Bailey) sowie Videotechnikerin Ginger Kowowski (Linnea Quigley). Und für die Sicherheit des Teams soll Murphys (Jack W. Thompson) private Security-Firma sorgen, deren Mitarbeiter Tony Vincente (James W. Quinn) und Levi Jackson (Clyde Talley II) das Ganze für einen schlechten Scherz halten.

      Unglücklicherweise ist Avery Lauter - der eine Möglichkeit wittert, wieder ins Leben zurückzukehren - so gar nicht zum Scherzen zumute, und die erste, die das hautnah zu spüren bekommt, ist die süße blonde Ginger. Hier sitzt Drehbuchautor und Regisseur Tenney ein wenig der Schalk im Nacken, wird der von Linnea Quigley (The Return of the Living Dead) gespielten Ginger doch ausgerechnet das zum Verhängnis, womit sie schon in zahlreichen Horrorstreifen ohne irgendwelche Probleme hantiert hatte: Ein Duschkopf! Die Scream-Queen ist natürlich auch dafür bekannt, daß sie in ihren Filmen gerne mal duscht. Daß sie hier quasi von der (besessenen) Dusche gemeuchelt wird, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Aber auch sonst beweist Tenney Sinn für Humor. Die unaufhörlichen Streitgespräche zwischen Murphy und Vincente lockern das an und für sich ernste Geschehen ebenso auf wie die neckischen Flirts zwischen Ginger und Levi oder die zwei eingestreuten, an Selbstzweckhaftigkeit kaum zu überbietenden Nuditäten.

      Ich muß gestehen, daß ich Witchtrap heutzutage wesentlich mehr zu schätzen weiß als damals, wo er mir doch reichlich unspektakulär - um nicht zu sagen langweilig - vorgekommen ist. Tenney und seine Mitstreiter haben gute Arbeit geleistet, und in Anbetracht des überschaubaren Budgets von etwa vierhunderttausend Dollar kann sich das Ergebnis durchaus sehen lassen, nicht zuletzt dank DoP Tom Jewett, dessen versierte Kameraarbeit und Szenenausleuchtung das B-Movie gehörig aufwerten. Die flotte Okkulthorror-Sause sieht einfach gut aus, auf eine ungekünstelte Art und Weise. Und daß der Mann sein Fach versteht, merkt man bereits in der Eröffnungsszene, wo er die Kamera langsam durch das Haus gleiten läßt, bis sie vor Avery Lauters Portrait zum Stillstand kommt. Dennis Michael Tenneys musikalische Untermalung paßt sich den Gegebenheiten perfekt an, ist an manchen Stellen leise und zurückhaltend, dann wieder - wenn der mörderische Geist in Aktion tritt - laut, hektisch und enervierend.

      Für nostalgische Gefühle sorgt natürlich das angenehm käsige 80er-Jahre-Retro-Flair, nach dem so viele der damals entstandenen Genrefilme müffeln. Hinzu kommt eine sehr eigentümliche Stimmung, die in dieser Form nicht geplant war, sondern passiert ist. Wie sich nach Ende der im Oktober 1988 durchgeführten Dreharbeiten herausstellte, war die komplette Tonspur aufgrund eines stetigen Hintergrundrauschens unbrauchbar. Es mußte somit alles im Zuge der Postproduktion nachsynchronisiert werden, von den kleinsten, noch so unbedeutenden Geräuschen bis hin zu den zahlreichen Dialogen und Schreien. Eine kleine Herkules-Aufgabe, die allerdings mit Bravour gestemmt wurde, obwohl sich dadurch die Atmosphäre ein wenig "anders" anfühlt. Die Schauspieler sind allesamt keine Koryphäen auf ihrem Gebiet, knien sich aber ordentlich rein und geben alles. Selbst Kevin Tenney übernahm kurzfristig eine Nebenrolle, nachdem der dafür vorgesehene Darsteller ausgefallen war.

      Die gelungenen Spezialeffekte von Judy Yonemoto und Tassilo Baur werden sparsam und recht kurz, dafür jedoch höchst effektiv eingesetzt, was die wenigen Set-Pieces umso memorabler macht. Neben der berühmtesten Sequenz des Streifens - Gingers blutige Begegnung mit dem Duschkopf - fetzen unter anderem Pistolenkugeln durch Körper und platzt in bester Scanners-Tradition ein Schädel. (*) Sehr schön sind auch die liebevoll gestaltete Schmelzszene, die aus der Wand greifenden Hände sowie der transparente, grimmig durch das Haus wandelnde Warlock. Die Figurenzeichnung ist anfangs eher dürftig (Stereotypen, wohin man blickt), aber diejenigen, die lange genug leben, gewinnen im Verlauf des Filmes an Konturen, und man beginnt glatt, Sympathien für sie zu entwickeln. Und sympathisch, launig und durchzogen von diesem unnachahmlich lässig-coolen 80er-Jahre-Charme sind sämtliche von Tenneys frühen Filmen, wie Witchboard (1986), Night of the Demons (1988) und eben auch Witchtrap.


      (*) Der ursprünglich für ein R-Rating zensierte Film liegt dank des US-Releases von Vinegar Syndrome im März 2017 erstmals in der vom Regisseur gewünschten, ungekürzten Fassung vor. Bei sämtlichen Veröffentlichungen zuvor handelt es sich um die um einige Gewaltspitzen entschärfte R-Rated-Version.
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        The Flesh Eaters
        USA 1961/62 - Directed by Jack Curtis



        "Do you understand what this means? These things want flesh. Any kind of flesh. And once they sense it, they'll eat their way through anything that comes between them and their meat."

        Die Stimmung an Bord der Jacht ist entspannt und unbeschwert. Die junge Frau, Ann (Barbara Wilson), sonnt sich im Bikini an Deck, was ihrem Freund Freddy (Ira Lewis) prompt Flausen in den Kopf setzt. Grinsend benetzt er ihre Haut mit kühlem Wasser, bevor er ihr so keck wie gekonnt das Oberteil entfernt. Das "empörte" Mädel springt daraufhin ins Wasser, gefolgt von ihrem Liebhaber, der unter ihr durchtaucht. Und nicht mehr nach oben kommt. Verwirrt guckt sie sich um, während sich das Wasser rund um sie herum dunkel färbt. Ihr Blick fällt auf ihre blutigen Hände, ihr Schrei hallt kurz über das Meer, bevor er abrupt endet, als sie in die Tiefe gezogen wird. Von diesem Drama ahnen weder Pilot Grant Murdoch (Byron Sanders), noch Schauspielerin Laura Winters (Rita Morley) sowie deren Sekretärin Jan Letterman (Barbara Wilkin) etwas. Die drei sind unterwegs nach Provincetown, als der Motor plötzlich Probleme macht und Murdoch eine Notwasserung nahe einer kleinen Insel einleiten muß. Der Mann und die zwei Damen schleppen sich ans Ufer und kommen schließlich beim Biologen Peter Bartell (Martin Kosleck) unter, der sich auf die Insel zurückgezogen hat, um in aller Abgeschiedenheit und Ruhe seinen geheimen Forschungen nachgehen zu können. Dann wird ein menschliches Skelett angeschwemmt, gefolgt von unzähligen Fischskeletten. Etwas Silbrig-schimmerndes, Mörderisches befindet sich im Wasser, das sämtlichen Lebewesen das Fleisch von den Knochen frißt.

        Bereits 1961/62, also deutlich vor Herschell Gordon Lewis' Sensationserfolg Blood Feast (1963), kredenzte uns Jack Curtis diesen leidlich unterhaltsamen Pulp-Heuler, der einige überraschend graphische Gore-Szenen beinhaltet. Unglücklicherweise unterlief Curtis dabei ein gravierender Fauxpas: Er drehte The Flesh Eaters in Schwarzweiß! Dieser Umstand dämpft den durchaus vorhandenen Shock-Value empfindlich. Aufgeschnittene Schenkel, zerfressene Gesichter und aus einem Bauch suppendes Blut kommen in Schwarzweiß bei weitem nicht so gut wie in Farbe. Die Story ist nicht wirklich geschmackssicherer Schund, der glatt aus der Feder des legendären Groschenheft-Autoren Jürgen Grasmück (aka Dan Shocker) stammen könnte. Die abstruse Geschichte um von den Nazis gezüchtete, fleischfressende Mikroorganismen, die sich gegen Ende mit Hilfe von Elektrizität gar zu einer Riesen-Monster-Krabbe zusammenbauen, wäre auf alle Fälle ein cooler Fall für die PSA-Agenten Larry Brent und Morna Ulbrandson gewesen. So muß man auf der Heldenseite mit Byron Sanders als Grant Murdoch und Barbara Wilkin als Jan Letterman vorliebnehmen, die tapfer gegen den Quatsch anspielen, letztlich jedoch auf verlorenem Posten stehen. Wesentlich besser hat es da schon Martin Kosleck (The Mummy's Curse) als Professor Bartell, der den gerissenen Schurken mit Gusto gibt. Seine fiesen Handlungen sind eines Mad Scientists durchaus würdig.

        The Flesh Eaters, Jack Curtis' einzige Regiearbeit, ist weitgehend ernst und düster angelegt, was das Ergebnis umso drolliger macht. Immer wieder gleitet das Geschehen in unfreiwillig komische Gefilde ab, was durch die melodramatischen Elemente im Plot noch verstärkt wird. Bei Hippie-Beatnik Omar (Ray Tudor) ist man sich indes nicht sicher, ob der aufgekratzte Bursche ernst gemeint ist oder nicht. Aber anscheinend merkten auch Regisseur Curtis und Drehbuchautor Arnold Drake, daß er fürchterlich nervt, weshalb sie die grausigste Szene des Filmes für ihn reserviert haben. Roy Bensons FX sind durchwachsen, vorsichtig formuliert. Das Gekröse überzeugt, die titelgebenden Kreaturen eher nicht. Die hat man direkt ins Negativ hineingeritzt oder -gestanzt, bzw., als sie sich formieren, aus Pappmaché oder ähnlichem gebastelt. Fans von Old-School-Effekten geht hier bestimmt das Herz auf. Der große Showdown ist okay und liefert im Grunde exakt das, was man sich erwartet. Sehr interessant - und hanebüchen absurd - ist allerdings die Achillesferse der fleischfressenden Biester; die vertragen nämlich kein Blut! Seltsam, aber so wird es erklärt. Aber geschwafelt wird sowieso viel, wenn der Tag lang ist, und die paar klischeehaft gezeichneten Figuren in The Flesh Eaters bilden da keine Ausnahme und sorgen für so manch amüsanten Dialog. Als kleine Fußnote im Nazi-Horror-Genre (*) macht der auf Long Island gedrehte krude Schlocker somit durchaus Laune.

        (*) Im Film selbst wird die Verbindung zu den Nazis durch Professor Bartell hergestellt, der die Hintergründe in einem Monolog schildert. Eine mehrminütige Flashback-Sequenz wurde zwar gedreht, jedoch nicht in den Film integriert. Darin ist zu sehen, wie deutsche Wissenschaftler nackte Frauen in einen Pool mit den gezüchteten Kreaturen tunken und kurz darauf deren blanke Skelette wieder herausziehen. Als sie dann eine Leiche ins Wasser werfen, wird diese nicht angerührt, da die "Flesh Eaters" nur lebende Wesen attackieren.
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          The Hexecutioners
          Kanada 2015 - Directed by Jesse Thomas Cook



          "This is a goddamn suicide mission, so take no prisoners!" (Mr. Winston)

          Seit nunmehr drei Jahren ist der aktiv unterstützte Selbstmord legal. Eines der ersten Unternehmen, das sich auf diese Form der Euthanasie spezialisiert hat, ist die von Mr. Winston (Barry Flatman) geführte Firma Life Source Closures. Die Mittzwanzigerin Malison McCourt (Liv Collins) hat eben bei Life Source Closures angefangen und ist mit ihren Nerven bereits am Ende, hat sie doch einen ersten Auftrag erlebt, auf den sie all die Schulungen nicht vorbereiten konnten. Deshalb bekommt sie für ihren nächsten Job mit Olivia Bletcher (Sarah Power) einen erfahrenen Profi zur Seite gestellt, die bereits von Anfang an im Geschäft ist. Und so fahren die beiden unterschiedlichen Frauen raus aufs Land zu ihrem Klienten Milos Somborac (Tony Burgess), einem fürchterlich entstellten alten Mann, der nur noch im Bett liegend dahinvegetiert. Das Anwesen entpuppt sich als wuchtige alte Villa, umgeben von einer riesigen Gartenanlage samt Irrgarten und Steinfiguren. Als sie von Somboracs Pfleger und Hausverwalter Edgar (Timothy Burd) mit den Details des Vertrages konfrontiert werden, sitzt der Schock tief, haben es die Sonderwünsche des Kunden (ein rituelles "Sky Burial") doch wahrlich in sich. So sehr, daß sie sogar an eine vorzeitige Abreise denken. Doch dafür ist es möglicherweise schon zu spät.

          In Jesse Thomas Cooks The Hexecutioners können schwerkranke, dahinsiechende Menschen eine Firma beauftragen, um sie professionell von ihrem Leid zu erlösen. Es steht ihnen frei, die Art, den Zeitpunkt und den Ort des Todes zu wählen. Ein Kopfschuß bei Sonnenuntergang am Strand? Kein Problem. Die Einführung in diese (schöne?) neue Welt ist sehr gelungen. Ohne Zeit zu vergeuden wird man an der Seite der schwermütigen Protagonistin Malison mit den notwendigen Dingen vertraut gemacht, um den Ablauf zu verstehen. Malison ist aufgrund von Geldproblemen auf den Job angewiesen. Und trotz des traumatischen Erlebnisses bei ihrem ersten Auftrag macht sie weiter, sie sieht einfach keine Alternative. Schweren Herzens setzt die sensible, introvertierte Frau sogar ihre Katze aus, als sie von ihrem religiösen Vermieter Mr. Poole (Walter Borden) auf die Straße gesetzt wird. Der stößt sich vor allem an ihrem Beruf und meint zum Abschied: "In my dream, God told me to tell you something. The people you kill don't go to him. They go to you!" Mit diesen schwer auf ihrem Gemüt lastenden Worten macht sie sich also auf zu ihrem neuen Auftrag. Daß dieser nicht einfach sein wird, spürt sie bereits, als sie sich dem gewaltigen Gebäude nähert. Ohnmächtig sackt sie vor den Eingangsstufen zusammen.

          Das Haus scheint ein Eigenleben zu besitzen. Es ist, neben Malison, Olivia, Edgar und Somborac, quasi die fünfte Hauptfigur. Es strahlt eine Bedrohung aus, die beinahe körperlich zu spüren ist. Außerdem birgt es - wie könnte es anders sein? - ein schauriges Geheimnis. Einen Stromanschluß gibt es auf diesem düsteren Anwesen weit abseits der Zivilisation nicht. Als Lichtspender dienen Kerzen. Brennende Kerzen an allen Ecken und Enden. The Hexecutioners ist ein derart altbacken konzipiertes Stimmungsstück, daß es wie aus der Zeit gefallen wirkt und fast schon antiquarisch anmutet. Nicht nur in Bezug auf das schauderhaft-bedrückende Grusel-Flair, sondern auch und ganz besonders wegen des unglaublich langsamen Erzähltempos. Der Handlungsaufbau erfolgt mit Bedacht, so schleichend, als hätten die Macher - Regisseur Jesse Thomas Cook (Monster Brawl) sowie Drehbuchautor Tony Burgess (Pontypool) - alle Zeit der Welt, um ihre beklemmende Geschichte zu erzählen. Wer es nicht schafft, sich auf den Film einzulassen und dabei die nötige Geduld für dieses Unterfangen mitzubringen, der wird den Streifen vermutlich vorzeitig beenden; es wäre auch schade um die verschwendete Zeit. Wer jedoch Slow-Burnern wie z. B. Ti Wests The House of the Devil (2009) etwas abgewinnen kann, der sollte hier goldrichtig sein.

          In vielen Belangen ist der in Ontario, Kanada, gedrehte The Hexecutioners einfach top. Der Film sieht phantastisch aus, die Atmosphäre ist zum Schneiden dicht, die wenigen Schocks sind gut platziert und sitzen. Karl Janisses überwiegend ruhige Bildgestaltung ist ganz famos, während Steph Copelands eindringlicher Score das Geschehen zärtlich und subtil untermalt, ohne sich je in den Vordergrund zu drängen oder von den Ereignissen abzulenken. Liv Collins und Sarah Power spielen phänomenal gut und agieren zu einhundert Prozent glaubwürdig, und auch an den Darstellern der Nebenrollen gibt es nichts auszusetzen. Die Geschichte ist interessant und originell, die Location fabelhaft, das (wenige) Gore effektiv. Vom reinen Look her ist The Hexecutioners einer der schönsten Horrorfilme der letzten fünfzehn Jahre. Der einzige Aspekt, in dem der stimmungsvolle Streifen nicht gänzlich zu überzeugen vermag, ist die emotionale Ebene. Das Geschehen läuft etwas distanziert ab, man fühlt mit den Protagonistinnen zwar ein wenig mit, aber leider nicht genug, als daß einen ihr Schicksal sonderlich berührt. Das über sie hereinbrechende Grauen entfacht zwar einen kräftigen Sog, der alle mitzureißen droht, aber es mangelt ihm etwas an Wucht, an Intensität. Aber das ist Jammern auf allerhöchstem B-Movie-Niveau.
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            Unearthed
            (Unearthed Monster / Alien Rising / Deep Fear)

            USA 2007 - Written & Directed by Matthew Leutwyler



            Eigentlich kann man über Unearthed nicht viel Negatives schreiben. Regisseur Matthew Leutwyler (Dead & Breakfast) hat sein formelhaftes, nach Schema F gestricktes Skript fest im Griff und zieht es straight und ohne große Schnörkel durch. Der in Utah gedrehte Streifen ist ordentlich produziert und punktet zudem mit ein paar schönen Schauplätzen. Der Grundton ist - verstärkt durch die zahlreichen Nacht- bzw. Höhlenszenen - angenehm düster, und Cinematographer Ross Richardson sorgt dafür, daß das alles recht gut aussieht, ohne daß es zu durchgestylt wirkt. Am Set-Design gibt es nichts auszusetzen, die Szenenausleuchtung ist am Limit aber gerade noch akzeptabel, und auch der Schnitt ist ganz okay, wenn auch in einigen Sequenzen etwas zu hektisch. Joseph Bisharas Score begleitet das Geschehen angemessen, ist jedoch wenig bemerkenswert und schafft es nicht, sich in den Gehörgängen festzusetzen. Die Darsteller erwecken die ansprechend charakterisierten wenn auch etwas stereotypen Figuren gut zum Leben, sodaß man als Zuschauer sogar ein ganz klein wenig mit ihnen mitfiebert. Die Creature-FX (ein recht gelungener Mix aus Animatronics, Mann im Kostüm und Computer Generated Imagery) sind schwer in Ordnung, und auch die paar eingestreuten Gore-Szenen, darunter ein saftiger Schädelspalter, überzeugen vollauf. Beim Einsatz von Jump-Scares hätte man sich gerne etwas zurückhalten können, aber ansonsten fällt mir nichts wirklich Negatives ins Auge, sieht man mal von dieser einen, leider gravierenden Sache ab.

            Denn eines muß man Unearthed zum Vorwurf machen: Er ist himmelschreiend unoriginell. Das hier Gebotene hat man auf die eine oder andere Weise schon oft gesehen, einige Male besser, viele Male auch schlechter. Schauplatz des Geschehens ist ein kleines Wüstenkaff in New Mexico, das aufgrund eines Unfalls von der Außenwelt abgeschnitten ist. Ebendort kreuzen sich die Wege verschiedener Menschen, die es mit einem schier übermächtigen Gegner zu tun bekommen, der nicht von dieser Welt ist. Das Wesen ist außerirdischen Ursprungs, war lange Zeit tief in der Erde begraben und wurde vor vielen hundert Jahren geschickt, um die DNS aller möglichen Spezies zu sammeln. Jetzt ist es wieder wach und auf der Jagd. Ums nackte Überleben kämpfen unter anderem Sheriff Annie Flynn (Emmanuelle Vaugier, Saw II), Botanikerin Nodin (Tonantzin Carmelo), Rancher Rob Horn (M.C. Gainey), der mysteriöse Kale (Ex-Bros-Hälfte Luke Goss, Death Race 2) sowie die gestrandeten Touristen Caya (Beau Garrett), Ally (Whitney Able), Charlie (Tommy Dewey) und Hank (Eddie Murphys Bruder Charlie). Letzterer sorgt für ein klein wenig Humor im ansonsten zappendusteren, todernsten Geschehen. Natürlich schleppen die meisten der Figuren diverse "Lasten" mit sich herum, sonst wäre es ja langweilig. Annie ist aufgrund eines mitverschuldeten Unglücksfalls eine Schnapsdrossel, der reiche Rancher wäre sie lieber heute als morgen los, Caya und Ally sind unterwegs nach Hollywood, um Karriere zu machen, und so weiter, und so fort.

            Leutwyler hat sein Monster-Movie auf klassische Art strukturiert und schreckt nicht davor zurück, beim ganz großen Vorbild in dieser Hinsicht, Ridley Scotts Alien (Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt, 1979), zu klauen. So erinnert nicht nur die Kreatur stark an das weltberühmte, von H.R. Giger designte Alien, auch bei diversen Kameraeinstellungen und Set-Pieces ließ er sich augenscheinlich von diesem Kultklassiker inspirieren. Lange Zeit hält er den geheimen Star des Filmes zurück (ein Creature Feature steht und fällt nun mal mit seiner Kreatur), zeigt uns lediglich mal eine scharfe Kralle hier oder ein Close-Up der fiesen Zähne dort. Manchmal erhascht man auch einen kurzen Blick auf das vorbeilaufende Ungeheuer. Das Vieh ist anfangs jedenfalls mehr zu erahnen als zu sehen, bis es knapp gegen Mitte des Streifens endlich in seiner ganzen Pracht eingefangen wird. Hübsch (wenn leider auch nur sehr kurz) eingefangen werden auch die unglücklichen Opfer des Monsters, und auch die verschiedenen Attacken sind recht passabel, zum Teil sogar etwas actionreich umgesetzt. Woran es Unearthed mangelt, sind eigene Ideen sowie eine bedrohliche, unheimliche Stimmung, wobei auch das Erzähltempo durchaus etwas höher hätte sein können. Unterm Strich bleibt somit ein solides, jedoch arg konventionelles und überraschungsarmes Alien-on-the-Rampage-Flick, das den geneigten Fan für anderthalb Stunden bei Laune hält, ein paar Tage später allerdings auch schon wieder komplett aus dem Gedächtnis entschwunden ist.
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              Witchboard
              (Witchboard - Die Hexenfalle / Ouija)

              USA/Großbritannien 1986 - Written & Directed by Kevin S. Tenney



              Die kleine, aufgrund gewisser Spannungen nicht sonderlich gemütliche Party ist in vollem Gange, als die Sprache auf das Ouija Board, das Hexenbrett, kommt, welches Brandon (Stephen Nichols), ein arroganter, selbstgefälliger Schnösel aus reichem Hause, mitgebracht hat. Während Gastgeberin Linda (Tawny Kitaen) sofort Feuer und Flamme für den ungewöhnlichen Nervenkitzel ist, hält deren Freund Jim (Todd Allen) das Ganze für ausgemachten Humbug und tut seine Verachtung darüber auch lautstark kund. Davon unbeeindruckt versuchen Brandon und Linda den kleinen David zu kontaktieren, der vor drei Jahrzehnten im Alter von acht Jahren gestorben ist. Tatsächlich kommt ein Kontakt zustande, doch offensichtlich verärgert durch Jims ständige Sticheleien bricht das Geistwesen die Sitzung ab und zieht sich mit einem Knall zurück, womit gleichzeitig auch die Party beendet ist. Da Brandon das Hexenbrett liegen hat lassen, kann Linda der Versuchung nicht widerstehen, allein damit herumzuspielen. David meldet sich sofort und ist ihr gleich mal behilflich, einen vor langer Zeit verlorenen Ring aufzuspüren, was sie prompt motiviert weiterzumachen. Bald schon wendet sich jedoch das Blatt, und der angeblich harmlose Geist fängt an, Linda zu terrorisieren, während es in ihrem Umfeld zu mysteriösen Todesfällen kommt.

              Mit Witchboard ist Kevin S. Tenney (Night of the Demons, Witchtrap, Pinocchio's Revenge) ein beachtliches Spielfilmdebut gelungen, das den Zahn der Zeit nahezu unbeschadet überdauert hat und auch heute noch smarte und fesselnde Horrorunterhaltung bietet. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Neben Tenneys offensichtlichem Talent als Drehbuchautor und Regisseur ist es vor allem seine genreuntypische Herangehensweise, die Witchboard aus dem Gros ähnlich gearteter Produktionen herausragen läßt. Er legt verstärkt Wert auf die sorgfältig aufgebaute und lebhaft erzählte Geschichte, die er wie seine Figuren sehr ernst nimmt. Und er legt sein Hauptaugenmerk auf die drei Protagonisten, die für ein B-Movie dieser Art erstaunlich gut und glaubwürdig charakterisiert sind. Diese machen im Verlauf der Handlung sogar eine Entwicklung durch, springen zum Teil über ihre Schatten und betten alte Querelen zur Ruhe, um gemeinsam der Bedrohung auf den Grund zu gehen. Gleichzeitig schafft es Tenney allerdings auch, weder die einzelnen Horrorelemente noch die leicht bedrohliche Grundstimmung des Streifens zu vernachlässigen. Fans der flotten und härteren Gangart werden vermutlich dennoch enttäuscht sein, da Tenney sich für den Handlungsaufbau viel Zeit nimmt und sich in Bezug auf blutige Schauwerte vornehm zurückhält.

              Die Funktionsweise des Hexenbretts wird dem Publikum ebenso geschickt nahegebracht wie die nicht zu unterschätzenden Gefahren, die damit verbunden sind. Denn Geistern kann man nicht trauen, oder wie Brandon meint: "Spirits like to lie." Außerdem sollte man den "Spaß" immer zumindest zu zweit ausüben, niemals allein. Eine Warnung, die Linda natürlich in den Wind schlägt. Auf den ersten Blick mag ihr Verhalten dumm und schwer nachvollziehbar erscheinen, aber bei genauerer Betrachtung ist es durchaus schlüssig. Die Arme wird recht listig geködert, und sobald sie einmal am Haken hängt, kann sie sich nicht mehr davon lösen. Tenney schildert ihre Obsession mit dem Ouija Board, als wäre sie drogenabhängig. Wider besseres Wissen legt sie ihre Hände immer wieder auf das Brett; selbst als sich der Geist gegen sie wendet, kommt sie von ihrer "Sucht" nicht los. Tawny Kitaen (Star diverser Musikvideos der britischen Rockband Whitesnake) verleiht dieser Zerrissenheit glaubhaft Ausdruck, und wie ihren Kollegen Todd Allen (Django Unchained) und TV-Serien-Star Stephen Nichols (Days of Our Lives, The Young and the Restless, General Hospital) gelingt es auch ihr, bei den Zuschauern Sympathien für ihre Figur zu erwecken. Denn das ist eine der Stärken von Witchboard: Die Hauptfiguren wachsen einem etwas ans Herz.

              Auf der technischen Seite gibt es an dem geschätzte zwei Millionen Dollar teuren, in Kalifornien gedrehten Film - die wuchtige Villa ist übrigens dieselbe wie in Willard und Waxwork - kaum etwas auszusetzen. Roy H. Wagners Kameraarbeit ist tadellos, Tassilo Baurs wenige Spezialeffekte sind ansprechend, und Dennis Michael Tenneys ominöser Synthesizer-Score untermalt das Geschehen angenehm, ohne groß aufzufallen. Weiters besticht der Film durch seinen langsamen, überwiegend unspektakulären Erzählfluß, was schließlich in ein gelungenes Finale mündet, welches die Handlung zu einem befriedigenden Ende bringt, ohne die Tür zu einer möglichen Fortsetzung zuzuschlagen. In Nebenrollen sind James W. Quinn (Witchtrap) als Jims Freund und Arbeitskollege Lloyd, Burke Byrnes (Child's Play 3) als herumschnüffelnder und von Zauberei faszinierter Polizist sowie Kathleen Wilhoite (Murphy's Law) als punkig-schrille Zarabeth - quasi die Cyndi Lauper der Medium-Szene - zu sehen. Und Tawny Kitaens "heiße" Dusch-Szene soll ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Selbst die Abwesenheit einer dichten Gruselstimmung, ein paar unnötige Jump-Scares zu viel und die Inkludierung einer etwas irritierenden Nebenfigur ("Just a little psychic humor") können nicht darüber hinwegtäuschen, daß Witchboard eine kleine, originelle Perle des 80er-Jahre-B-Geisterhorrorfilms ist.

              Mit Witchboard 2: The Devil's Doorway (Witchboard 2 - Das Tor zur Hölle, 1993), erneut geschrieben und inszeniert von Kevin Tenney, sowie Witchboard III: The Possession (Witchboard 3 - Gate to Hell, 1995) unter der Regie von Peter Svatek zog der finanziell sehr erfolgreiche Streifen zwei qualitativ höchst unterschiedliche Sequels nach sich.
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                Witchboard 2: The Devil's Doorway
                (Witchboard 2 - Das Tor zur Hölle / Witchboard 2 - Die Tür zur Hölle / Witchboard 2 / Witchboard: The Return / Satan's Dreams)

                USA 1993 - Written & Directed by Kevin S. Tenney



                Aufgrund des beachtlichen finanziellen Erfolges von Witchboard (Witchboard - Die Hexenfalle, 1986) ist es keine Überraschung, daß in weiterer Folge zwei Sequels produziert wurden. Weit verwunderlicher ist es da schon, daß es ganze sieben Jahre dauerte, bis das erste davon auf den Markt gebracht wurde. Witchboard 2: The Devil's Doorway ist keine Fortsetzung des populären Originals, sondern ein völlig eigenständiger Film, der eine ähnliche Geschichte in neuem Rahmen erzählt. Keine einzige der Figuren des Vorgängers kehrt zurück, als verbindendes Element fungiert lediglich das Ouija Board. Und ebenjenes fällt nun in die Hände der jungen, unsicheren Angestellten Paige (Ami Dolenz), die eben erst in das nette, von Elaine (Laraine Newman) und deren Mann Jonas (Christopher Michael Moore) vermietete Loft gezogen ist, um etwas Abstand von ihrem Ex-Freund Mitch (Timothy Gibbs) zu gewinnen und um ihre künstlerische Ader - die Malerei - auszuleben. Als sich das Hexenbrett auf ihre unbekümmert in den Raum geworfene Frage "Hello? Anybody home?" plötzlich bewegt, ist ihre Neugierde geweckt, und sie beginnt es zu benutzen. Und erfährt so von Susan Sydney (Julie Michaels), die vor zwei Jahren hier wohnte und behauptet, ermordet worden zu sein. Russel (John Gatins), der jüngere Bruder von Elaine, ist jedoch überzeugt, daß sie noch lebt und daß sich jemand anderes als Susan ausgibt. Bald ereignet sich ein gräßlicher Unfall.

                Nach seinen Filmen Night of the Demons, Witchtrap, The Cellar und Peacemaker kehrte Kevin S. Tenney mit Witchboard 2 zur Thematik seines Spielfilmdebuts zurück. Wie beim Original schrieb er auch hier wieder das Drehbuch und führte erneut Regie, und tatsächlich ist es ihm gelungen, nahezu alle Qualitäten, die Witchboard auszeichnen, ins Sequel herüberzuretten. Das bedeutet, daß er abermals die ansprechend charakterisierten Figuren in den Mittelpunkt des Geschehens rückt, daß er die verschiedenen Horrorelemente geschickt in die sich langsam aber stetig entwickelnde Geschichte integriert, und daß er seine Cast und Crew trotz des nicht allzu hohen Budgets zu Höchstleistungen anspornt. Tenney legte ja schon immer Wert auf eine hochklassige Kameraarbeit, das zieht sich durch das Gros seines Oeuvres (man denke etwa an den von der Kamera verfolgten Absturz in Witchboard, oder an die Bullet-Cam in Witchtrap). So enthusiastisch wie hier hat er sein Steckenpferd allerdings noch nie durch einen Film getrieben. Neben einigen hübschen, originellen Einstellungen sowie der oft sehr angenehm dahingleitenden bzw. -schwebenden Kamera beeindrucken uns Tenney und sein DoP David Lewis mit ein paar sensationell ausgeklügelten Kamerafahrten, wie man sie in B-Movies selten findet. So bewegt sich die Kamera unter anderem durch ein Schlüsselloch und durch ein fahrendes Auto und "flüchtet" aus einem Fenster im zweiten Stock hinaus in die Nacht.

                Aber auch die Darsteller tragen das ihre zum Gelingen des Filmes bei. Christopher Michael Moore gibt den Schmierlappen mit Gusto, Laraine Newman (Invaders from Mars) ist herrlich exzentrisch, Julie Michaels (Road House) punktet mit Charisma und Sex-Appeal, und Timothy Gibbs (The Kindred) verleiht der Wandlung seiner Figur recht überzeugend Ausdruck. Star der Show ist allerdings zweifellos Ami Dolenz (Ticks aka C2 - Killerinsect), nicht aufgrund ihrer schauspielerischen Fähigkeiten, sondern wegen ihres natürlichen, liebenswerten Charmes. Die Dame ist einfach super-sympathisch, und easy-on-the-eye noch dazu. Bei den Set-Pieces legte Tenney eine ordentliche Schippe drauf; die sind diesmal wesentlich spektakulärer. Mein Favorit ist die Sequenz mit der Abrißbirne; die hätte sich auch in der The Omen-Reihe gut gemacht. Optisch ist Witchboard 2 sehr ansprechend gestaltet, unterscheidet sich aber in Look und Stimmung stark vom Original. Der Streifen kann zu keiner Zeit verhehlen, daß er ein Kind der Neunziger ist. Die zwei, drei Traumszenen sind schick in Szene gesetzt, und die wohldosierten Schockmomente sind ebenfalls ganz nett, obwohl sie bestimmt niemanden vom Hocker reißen. Witchboard 2 ist somit ein gut gemachter, unterhaltsamer und sympathischer Horrorfilm, der sich nur einen Vorwurf gefallen lassen muß: Daß er sich trotz des frischen Whodunit-Elements mehr wie ein Remake als wie ein Sequel anfühlt.
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                  Witchboard III: The Possession
                  (Witchboard 3 - Gate to Hell / Witchboard - Gate to Hell / Das satanische Dreieck / Witchboard: The Possession)

                  Kanada/USA 1995 - Directed by Peter Svatek



                  Es ist natürlich müßig darüber zu spekulieren, ob Witchboard III: The Possession ein besserer Film geworden wäre, wenn Kevin S. Tenney nach Witchboard (Witchboard - Die Hexenfalle, 1986) und Witchboard 2: The Devil's Doorway (Witchboard 2 - Das Tor zur Hölle, 1993) auch beim zweiten Sequel das Regiezepter schwingen hätte dürfen. Der Grund, daß er hier nicht mehr ran durfte und man stattdessen Peter Svatek engagierte, ist - angeblich - folgender. Die Produzenten wollten in Witchboard 2 unbedingt eine Nacktszene von Ami Dolenz, aber da diese eine No-Nudity-Klausel im Vertrag hatte, konnte man sie nicht dazu zwingen. Also drängten sie Tenney, er solle so lange Druck auf die Aktrice ausüben, bis sie nachgibt, was er jedoch, netter Kerl der er anscheinend ist, verweigerte. Und deshalb durfte Svatek (Sci-fighters, Bleeders) das Skript von Tenney und Jon Ezrine mit einem Budget von geschätzten zwei Millionen Dollar in den kanadischen Sand setzen und die Witchboard-Reihe damit zu Grabe tragen. Witchboard III ist, mit Respektabstand, der schlechteste Teil der Reihe. Nahezu alles an diesem Film ist drei bis vier Klassen schwächer als bei den Vorgängern, seien es die schauspielerischen Darbietungen, die flache Figurencharakterisierung, die Kameraarbeit und Szenenausleuchtung, die Dramaturgie, die uninspiriert vor sich hin dudelnde Musik, die mäßigen Spezialeffekte und nicht zuletzt auch die schlappe Regie.

                  Fairerweise muß man allerdings sagen, daß auch das Drehbuch nicht das Gelbe vom Ei ist. Es geht um den glücklosen Börsenmakler Brian (David Nerman), der erst die Arbeit und dann das Haus und das Auto verliert. Also muß er zusammen mit seiner Frau Julie (Elizabeth Lambert) in eine Wohnung ziehen, wo er sich mit dem Vermieter Francis (Cedric Smith) anfreundet. Der exzentrische Sammler von sonderbaren Artefakten zeigt ihm sogleich, wie man mit einem Ouija Board Kohle macht, verrät einem der freundliche Geist doch glatt, worauf es sich an der Börse zu spekulieren lohnt. Wenig später schenkt der krebskranke und kinderlose Mann Brian erst einen alten Ring und setzt anschließend seinem Leben spektakulär ein Ende. Brian macht dann zwei Sachen auf einmal, die man unter keinen Umständen tun sollte. Er benutzt - allein! - das Ouija Board, und er nimmt bei einem windigen Finanzhai (Addison Bell) einen Tageskredit von fünfzigtausend Dollar auf, um alles auf Kaffee-Futures zu setzen. Als der Gewinn auf sich warten läßt und er den Kredit nicht rechtzeitig zurückzahlen kann, zeigt der Geist seine unfreundliche Seite und massakriert den erbosten Geldgeber. Darob schwer geschockt will Brian das Ouija Board vernichten, erleidet jedoch einen Stromschlag und sinkt leblos zu Boden, woraufhin seine Seele den Körper verläßt und sich jemand anderes dort breit macht. Und dieser Jemand will ein Kind zeugen, bevorzugterweise mit der ahnungslosen Julie.

                  Das mag sich jetzt ja nicht so schlecht anhören, nur leider ist die von vielen uninteressanten respektive dummen Figuren bevölkerte Handlung überaus zäh, spannungslos und undynamisch in Szene gesetzt. Hinzu kommt eine bis auf einige coole Steadicam-Shots eher statische Kamera, und der biedere TV-Look lädt ebenso wenig zu Freudensprüngen ein wie der leidenschaftslos absolvierte Hochglanz-Soft-Sex. Was dem völlig ernst angelegten Streifen aber endgültig das Genick bricht, ist, daß er bisweilen in unfreiwillig komische Trash-Gefilde abdriftet. Wir werden wohl nie erfahren, ob die drollige Sequenz, in der Brians Seele als Geistwesen seinen Körper verläßt, durch ein Loch in der Planchette des Ouija Boards durchschlüpft und in einen Spiegel eintaucht, dramatisch oder gruselig wirken sollte; ganz bestimmt aber sollte die Szene nicht für lautstarke Heiterkeitsausbrüche beim Publikum sorgen (die geht ja fast schon als Parodie durch!). Und auch die Momente, in denen der hinter dem Spiegel gefangene Brian verzweifelt versucht, auf seine prekäre Lage hinzuweisen, kitzeln unbeabsichtigt die Lachmuskeln. Daß Witchboard III: The Possession kein komplettes Ärgernis darstellt ist darauf zurückzuführen, daß er aufgrund einiger netter Ideen, des höheren Body-Counts und des amüsanten Showdowns leidlich gut unterhält. Aber das sind nur Tropfen auf den heißen Stein. Sehr schade, daß die Witchboard-Reihe mit diesem mißlungenen Film ihren unwürdigen Abschluß fand.
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                    Deadly Dreams
                    (Träume des Wahnsinns)

                    USA 1988 - Directed by Kristine Peterson



                    Es wurde viel geträumt in den 1980er-Jahren, und nicht alle Träume waren so angenehm wie die in Wet Dream on Elm Street (1988). Als Meister der fiesen, lebensbedrohenden Alpträume erwies sich ein gewisser Fred Krueger, welcher in Wes Cravens Kultklassiker A Nightmare on Elm Street (Nightmare - Mörderische Träume, 1984) und dessen Fortsetzungen sein garstiges Unwesen trieb. Doch es wurde nicht nur in der Elm Street geträumt. In Filmen wie Dreamscape (1984), Dreamaniac (1986), Bad Dreams (Vision der Dunkelheit, 1988), Dream Demon (Traumdämon - Dream Demon, 1988) und Paperhouse (Paperhouse - Alpträume werden wahr, 1988) entpuppten sich die Nachtmahre ebenfalls als ungesund, furchterregend und/oder sogar tödlich. Und auch die Träume, von denen Alex Torme (Mitchell Anderson) in Deadly Dreams (Träume des Wahnsinns) geplagt wird, sind nicht ohne. Im Schlaf erlebt der nunmehr einundzwanzigjährige Mann regelmäßig die Ermordung seiner Eltern mit, die vor etwa zehn Jahren zu Weihnachten von einem Mann in Jägerkluft (Duane Whitaker, Pulp Fiction) eiskalt erschossen wurden. Ein traumatisches Ereignis, das ihn immer noch verfolgt. Und es kommt noch schlimmer, denn der mörderische Jäger scheint nicht nur in den Träumen hinter ihm her zu sein, sondern auch in der Realität. Immer wieder begegnet Alex der maskierten Horrorgestalt, die offensichtlich die Absicht hat, ihn zu töten...

                    Deadly Dreams ist ein kleines aber nicht gänzlich unfeines B-Movie (man munkelt von einem Budget von ca. vierhunderttausend Dollar), das sich nicht so recht in eine bestimmte Genreschublade stecken lassen will. Für einen Horrorfilm beinhaltet der von Thom Babbes geschriebene und von Kristine Peterson (Critters 3) inszenierte Streifen zu wenige Horrorelemente, für ein Psychodrama herrscht viel zu wenig Tiefgang, und für einen Thriller ist der Film weder spannend noch mitreißend genug in Szene gesetzt. Es ist eine etwas eigenwillige Mischung, die eigentlich gar nicht funktionieren sollte, es aber dennoch irgendwie tut. Das ist auch den Darstellern zu verdanken, die in ihren jeweiligen Rollen zwar nicht wirklich brillieren, die aber immerhin durchwegs glaubwürdig agieren. Neben Mitchell Anderson (Jaws: The Revenge) in der Hauptrolle, dem man seine Verwirrung, Angst und Verzweiflung weitgehend abkauft, ist es vor allem Juliette Cummins (Psycho III) als seine Freundin Maggie, welche zumindest ein klein wenig sympathisch rüberkommt. Xander Berkeley (Candyman) als Alex' Bruder Jack hinterläßt einen arrogant-kühlen Eindruck, während Alex' bester Freund Danny (Thom Babbes) den Bogen Richtung Wenn-du-solche-Freunde-hast-dann-brauchst-du-keine-Feinde-mehr kräftig überspannt. Dieses Trio bleibt bis zur großen Auflösung undurchsichtig, sodaß man nicht genau weiß, woran man bei ihnen ist.

                    Und es ist diese Auflösung, die dem Zuschauer ein Grinsen aufs Gesicht zaubert. Nicht, weil sie so originell oder so überraschend wäre (denn das ist sie gewiß nicht), sondern weil sie sehr konsequent und trocken serviert wird. Damit nicht genug wird sogar noch ein zweiter Twist hinterhergeschoben, der dem ersten um nicht viel nachsteht. Trotzdem zählt Deadly Dreams eher zu den schwächeren "Traumfilmen", da er es aufgrund des recht zähen Tempos, der zahlreichen Klischees, der nicht gerade interessanten Figuren und der fehlenden Intensität nicht schafft, beim Publikum große Begeisterung zu entfachen. Das Spiel mit den Alpträumen (wo endet die Realität, wo beginnt der Traum?) hat man anderweitig schon viel besser gesehen, und auch der eine oder andere Lapsus in Bezug auf die Plausibilität des Geschehens mindert den durchaus vorhandenen Unterhaltungswert. Gut gelungen ist hingegen das bedrohliche Erscheinungsbild des Jägers, und einige seiner Auftritte können sich ebenso sehen lassen wie die wenigen aber immerhin recht gelungenen Gore-Effekte. Interessant ist noch der homoerotische Subtext zwischen Alex und seinem Kumpel Danny, der dem in A Nightmare on Elm Street Part 2: Freddy's Revenge (1985) fast das Wasser reichen kann. Musik, Kamera und Schnitt bewegen sich auf durchschnittlichem Niveau; der Film selbst schafft es aufgrund seiner Kniffe mit Ach und Krach über die Durchschnittsmarke.
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                      Outpost Earth
                      USA 2016/19 - Written & Directed by Brett Piper



                      Wenn man mit dem Oeuvre des aus New Hampshire stammenden Independent-Filmers Brett Piper halbwegs vertraut ist, dann weiß man im Grunde, was einem bei dessen Filmen erwartet. Nämlich liebevoll gestaltete (Stop-Motion-)Effekte mit einer Story drum herum. Diese Story ist manchmal recht ambitioniert und gut gelungen (Drainiac!, Shock-O-Rama, The Dark Sleep), oft aber auch nur notwendiges Mittel zum Zweck (Arachnia, Bacterium, Triclops). Sein aktuelles Werk Outpost Earth, gedreht bereits 2016 und veröffentlicht 2019, fällt in letztere Kategorie. Aliens aus einer anderen Dimension greifen die Erde an. Die Menschheit wird von der aus heiterem Himmel kommenden Attacke völlig überrumpelt und ist chancenlos gegen die erbarmungslosen Invasoren, die mit ihren mit Strahlenkanonen bestückten Raumschiffen alles in Schutt und Asche legen. In dieser zerstörten Welt leben eine Handvoll Überlebende versteckt in einem abseits gelegenen Landhaus, darunter Professor Zayden Eisenberg (Mason Carver), der nach Schwachstellen im Gefüge der Außerirdischen forscht, sowie die Schwestern Kay (Erin Waterhouse, Triclops) und Penny (Kristen Gylling), welche für die Nahrung und die Sicherheit zuständig sind.

                      Bei einem Streifzug rettet Kay den Einzelgänger Blake (Titus Himmelberger, Sharkenstein) vor dem sicheren Tod und nimmt ihn mit in ihre Unterkunft, wo sich das Zusammenleben mit ihm aufgrund seiner frechen und lakonischen Art als schwierig erweist. Doch wie es das Drehbuch so will besitzt Blake ein Talent, das im Kampf gegen die Aliens eine entscheidende Rolle spielen könnte. Die nicht gerade originelle Geschichte wird von Autor und Regisseur Piper in kleinem Rahmen und mit einem lockeren Camp-Vibe erzählt und beschränkt sich auf ein paar Schauplätze, die vermutlich kostenlos benutzt werden durften. Piper hat ja im Laufe seiner sich über mehrere Dekaden spannenden Karriere (sein kauziger Amateurschinken Mysterious Planet erschien 1982) nie mit großen Budgets gearbeitet, und Outpost Earth bildet da keine Ausnahme, im Gegenteil. Der sieht stellenweise aus, als hätte er nur ein paar tausend Dollar gekostet, und vermutlich ist das auch der Fall gewesen. Über diesen spottbilligen Look muß man ebenso hinwegsehen können wie über die teils steife, ungelenke Inszenierung der Dialogszenen und die bemühten wenngleich wenig überzeugenden Leistungen der Schauspieler.

                      Aber all das nimmt man gerne in Kauf für die Art und Weise, wie Brett Piper seine Tricks in Szene setzt. Piper zählt zu den wenigen, die auch nach all den Jahren und nach all der Entwicklung in Hinblick auf die Technologie die traditionelle FX-Fahne stolz hochhält und sie so unermüdlich wie enthusiastisch schwenkt. Ergo erfreuen seine knuffigen Effekte die Fans mit ihrem unwiderstehlichen Retro-Charme und ihrer herzerwärmenden Greifbarkeit. Während anderswo die verschiedenen Kreaturen und Raumschiffe im Computer programmiert werden, setzt sich Piper an den Tisch, wo er seine in mühevoller Kleinarbeit gebastelten Miniaturen Millimeter für Millimeter bewegt und sie dabei sorgfältig und konzentriert abfilmt. Er wandelt damit auf den Spuren der unvergessenen Stop-Motion-Pioniere Willis H. O'Brien (1886 – 1962) und Ray Harryhausen (1920 – 2013), die mit ihren herausragenden Arbeiten in Filmen wie The Lost World (Die verlorene Welt, 1925), King Kong (King Kong und die weiße Frau, 1933), The 7th Voyage of Sinbad (Sindbads 7. Reise, 1958) und Mysterious Island (Die geheimnisvolle Insel, 1961) die Augen von Millionen Menschen zum Leuchten brachten.

                      Ich kann natürlich nur für mich sprechen, und für mich haben diese sich leicht ruckelnd fortbewegenden Tier-Kreaturen, Kampf-Roboter und grobschlächtigen Golem-Wesen so etwas wie ein Herz und eine Seele. Ein Herz und eine Seele, wie man sie bei Computer Generated Imagery im B-Movie-Bereich nie und selbst bei großbudgetierten Werken eher selten findet. Mir wärmen solche Sequenzen einfach das Herz, vielleicht auch, weil ich mit Stop-Motion-Filmen aufgewachsen bin und meine Liebe zu diesen nie erkaltet ist. Und in einigen Momenten gelingt Piper das schier Unmögliche. Er läßt den "Sense of Wonder" wiederaufleben, das ehrfürchtige Staunen angesichts der monströsen Kreaturen auf dem Bildschirm, und er schafft es, den Zuschauer mit dem Schicksal bzw. den Handlungen eines dieser Wesen sogar zu berühren. Man denke etwa an die schöne Schlußszene, welche die Tür für ein Sequel offen läßt, das wahrscheinlich nie kommen wird. Mit Outpost Earth hat Brett Piper einmal mehr ein unerhört sympathisches Old-School-Pulp-Abenteuer geschaffen, das bei älteren Semestern für ein prickelndes Nostalgie-Flair sorgen sollte. Niemand bedient diese Nische so charmant wie er.
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                        Deadly Prey
                        (Tödliche Beute)

                        USA 1987 - Written & Directed by David A. Prior



                        Colonel Hogan (David Campbell, Scarecrows) glaubt nicht an Kriegsspiele. Aus diesem Grund wird im Söldnercamp, das er in einem ländlichen Teil Kaliforniens leitet, auch nicht mit Platzpatronen aufeinander geschossen. Nein, hier trainieren die Söldner-Azubis mit scharfer Munition, und sie töten Menschen, unfreiwillig rekrutierte Teilnehmer, die von den Straßen von Los Angeles geholt und im Wald halbnackt ausgesetzt werden, wo sie im Anschluß von der Meute gejagt und erlegt werden. So weit, so schlecht. Dann unterläuft ihnen jedoch ein gravierender Fauxpas, denn Hogans Leute krallen sich ausgerechnet Morgenmuffel Mike beim Müllraustragen, und dieser Mann heißt mit vollem Namen Michael Danton, ist ein von Hogan ausgebildeter Kriegsveteran und wird gespielt von niemand Geringerem als Ted Prior, dem Bruder des Regisseurs. Mike ist mit der ihm zugedachten Opferrolle nicht wirklich einverstanden. Er schlägt zurück, mit den härtesten Bandagen. Da bleibt selbst Sybil (Dawn Abraham), der einzigen Frau im Camp, die Spucke weg: "He went through our men like they just were toy soldiers."

                        Tja, dumm gelaufen. Bei jedem anderen hätte es am Ende des Tages vermutlich bloß einen Toten gegeben, maximal vielleicht zwei Tote (für Versager gibt es hier kein Pardon; die werden auf der Stelle erschossen). Aber dank Michael Danton ist die Bilanz dieses Mal eine andere, und wenn der Drops endlich gelutscht ist, liegen so um die fünfundsechzig Leichen im Wald verstreut herum, und das stolze Söldnercamp ist Geschichte. Da würde selbst die Legende John Rambo anerkennend nicken. Mit Deadly Prey schuf B-Filmemacher David A. Prior (1955 – 2015) einen der ganz großen Kultklassiker des alternativen Actionfilms. Alternativ insofern, weil der Streifen, nüchtern betrachtet, ein lachhafter Haufen Grütze ist, und deshalb langt es auch nur zum großen Kultklassiker im alternativen Kosmos, dem bunt-schillernden Bad-Movie-Universum. Aber so schlecht der Film auch ist, auf seine eigene, verquere Weise funktioniert er ganz prächtig. Als Zuschauer fiebert man mit Mike nicht nur voll mit, man feiert auch jedes einzelne Mal ab, wenn er wieder einen der so dummen wie brutalen Schurken zur Strecke bringt.

                        Und wie oben schon angedeutet, gibt es in dieser Hinsicht viel zu feiern. Einen nach dem anderen schickt unser Antiheld unsanft über den Jordan, mit Unterstützung von Pistolen, Gewehren, Granaten, Bazookas und fiesen Booby-Traps, aber auch mit seinen bloßen, kräftigen Händen. Leider hat das Budget für ausgefeilte Spezial- und Make-Up-Effekte nicht gereicht, aber das tut dem Spaß kaum Abbruch, was nicht zuletzt auf Ted Prior (Killer Workout) in der Hauptrolle zurückzuführen ist. Seine darstellerischen Defizite - der Mann ist vieles, aber ein begnadeter Schauspieler ist er nicht - macht er anderweitig wieder wett. Zum Beispiel punktet er mit seiner durchaus eindrucksvollen Physis. Und mit seinem lustigen Laufstil, seinen irren Grimassen, seiner geilen Haarmähne. Und, last but not least, mit seinem Einsatz. Ted legt sich ordentlich ins Zeug, gibt alles, was er zu geben hat. In einer Szene verputzt er gar einen stattlichen, frisch aus dem Boden gepuhlten Wurm, nicht jedoch, ohne ihn zuvor mit seiner Spucke zu reinigen. Ob er die Ratte, die er über dem Lagerfeuer grillt, ebenfalls verspeist hat, ist hingegen nicht überliefert.

                        Hauptschauplatz des unerhört launigen Machwerks ist ein im San Fernando Valley gelegenes Waldstück, und folgerichtig gibt es jede Menge Wald-Action zu sehen. Da wird munter durch den Wald gelaufen, geschlichen, getrampelt, gepirscht und gestolpert, und wenn ein Lebenslicht ausgeblasen wird, dann wird natürlich auch gefallen bzw. - im Anlaßfall - gehechtet (Stichwort: Granatenexplosion). So kostengünstig der temporeiche Streifen auch produziert wurde, ein paar Schauwerte gibt es dennoch zu bestaunen. Die platzenden Blutbeutel bei Kugeleinschlägen sind nett, der Pflock-durch-den-Hals-Gag ist toll, das Skalp sieht hübsch eklig aus, und bei der Sequenz, in der Michael einem Typen mit seiner Machete den Arm amputiert und diesem danach mit dem abgetrennten Teil die Fresse poliert, möchte man am liebsten aufspringen und applaudieren. Neben dem kleinen Waffenarsenal hat Prior auch einen Panzer und einen Hubschrauber organisiert. Letzterer wird sogar vom Himmel geschossen. Nun ja, man sieht den Helikopter, man sieht den Schützen, etwas explodiert. Was genau, das läßt sich nicht mal erahnen.

                        Wohl mit dem Hintergedanken, seinen potentiellen Direct-to-Video-Kracher damit besser vermarkten zu können, hat Prior zwei (ehemalige) Stars mit an Bord geholt. Als Vater von Jaimy (Suzanne Tara), Mikes Frau, ist Cameron Mitchell (The Toolbox Murders) zu sehen, und den reichen Geschäftsmann, der die fertigen Söldner irgendwo einzusetzen gedenkt, gibt Troy Donahue (Monster on the Campus). An der Qualität ändert das nichts; das ist kein Film, den man ernst nehmen kann, trotz des einen oder anderen garstigen Einfalls. Am besten funktioniert Deadly Prey als realgewordener Cartoon, nicht zuletzt, weil Prior auf eine Charakterisierung der Figuren völlig verzichtet. Die sind entweder gut oder böse. Außerdem ist das Dargebotene über weite Strecken derart dilettantisch, unbeholfen und schlichtweg lächerlich in Szene gesetzt, daß sich der Glaubwürdigkeitsfaktor im niederen einstelligen Prozentbereich einpendelt. Da man aber die Leidenschaft und die Begeisterung, welche die Macher in ihren Graf-Zaroff-trifft-Rambo-Verschnitt investierten, jederzeit spürt, spielt das alles keine Rolle. Es sei denn, man ist eine notorische Spaßbremse.

                        PS: Mike Danton gibt es auch als Actionfigur! Yeah, baby, yeah!

                        Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
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                          Deadliest Prey
                          (The Deadliest Prey)

                          USA 2013 - Written, Directed & Edited by David A. Prior



                          Gegen jede Wahrscheinlichkeit ist Colonel Hogan (David Campbell, Scarecrows) noch am Leben (siehe Deadly Prey (Tödliche Beute, 1987), insbesondere dessen Ende) und erfreut sich bester Gesundheit. Anstatt die Radieschen von unten zu begutachten hat er die Zeit im Gefängnis verbracht und perfide Rachepläne geschmiedet. Nun, da er endlich freigelassen wurde, zaudert er keine Sekunde und beginnt sogleich damit, diese in die Tat umzusetzen. Das neue Camp inklusive vieler mordlustiger Söldner-Azubis steht bereits, da hat seine Vertretung und rechte Hand Sophia (Tara Kleinpeter) gute Vorarbeit geleistet. Und auch Thornton (Fritz Matthews), der Zwillingsbruder des in Deadly Prey gefallenen Killers, steht parat und wetzt die Klingen respektive ölt die Schußwaffen. Die Bäume des Waldes, in dem Hogan seine Rache zu vollziehen gedenkt - gedreht wurde diesmal in Mobile, Alabama -, sind mit unzähligen Kameras ausgestattet, plant er doch, seinen Triumph live ins Internet zu übertragen. Es fehlt eigentlich nur noch der Hauptdarsteller, dann kann der große Spaß beginnen. Dieser weiß noch nichts von seinem Glück und lebt mit Frau Allison (Cat Tomeny) und Sohn Michael (Michael Charles Prior) zufrieden in seinem kleinen Häuschen.

                          "He went to take the trash out and he never came back", meint Allison wenig später besorgt. Und tatsächlich, Vietnamkriegsveteran Mike Danton (Ted Prior, Killer Workout), der vor mehr als fünfundzwanzig Jahren durch Colonel Hogans Männer geprescht ist, als wären sie Spielzeugsoldaten (siehe Deadly Prey), wurde abermals beim Müllraustragen überwältigt und in einen Wald verfrachtet, wo ihm Hogan ins Gesicht grinst und ihm ein hämisches "run" entgegenraunt. Die Menschenjagd ist somit eröffnet. Wird es dem in die Jahre gekommenen Mike erneut gelingen, den Spieß umzudrehen und seine Häscher einen nach dem anderen in die ewigen Jagdgründe zu befördern? Nicht nur für Mike "I will kill you all" Danton und Colonel "I've killed more people than cancer" Hogan ist Deadliest Prey ein einzig großes Déjà-vu, sondern auch für den verblüfften Zuschauer, hat Drehbuchautor und Regisseur David A. Prior (Sledgehammer) doch die außerordentliche Chuzpe, sein Sequel als Remake anzulegen. Es ist beinahe nicht zu glauben, aber die beiden Filme laufen nahezu identisch ab! Es hat den Anschein, als hätte Prior Deadly Prey einfach als grobe Blaupause hergenommen; ganze Szenen wurden fast eins zu eins nachgestellt.

                          Daß seit Deadly Prey allerdings viele Sommer gekommen und wieder gegangen sind, ist nicht zu übersehen. Und obwohl uns Prior im Prinzip noch einmal dasselbe in grün vor den Latz knallt, ist Deadliest Prey ein völlig anderer Film geworden. Das liegt nicht am Inhalt; der ist wie gesagt fast derselbe. Aber die Gangart ist eine andere, die ist dieses Mal weit gemütlicher. Sind die Männer, allen voran Ted Prior, im Original noch voller Energie durch den Wald gelaufen, so ist nun meist schlurfen, schlendern und spazieren angesagt. Mit Mitte Fünfzig geht die Action halt nicht mehr so leicht von der Hand. Damit zusammenhängend wurde auch die generelle Plausibilität für null und nichtig erklärt. Da geht ein Söldner einen Pfad entlang, auf der Suche nach Mike Danton, welcher unvermittelt neben ihm steht und ihn sofort abmurkst. Die Wahrscheinlichkeit, daß der Mann Mike weder gesehen noch gehört hat, geht stramm gegen null. Und Szenen dieser Art gibt es viele. Kommt man bei Deadly Prey noch ins Grübeln, ob die ganze Chose ernst gemeint ist oder nicht, so läßt Prior bei Deadliest Prey keinen Zweifel darüber aufkommen. Sein Film ist ein augenzwinkernder Camp-Spaß, wo das Zwinkern sehr sympathisch daherkommt, auch dank Dialogen wie:

                          Colonel Hogan: "You ready?"
                          Thornton: "I was born ready!"


                          Leider ist Deadliest Prey weder so gelungen noch so unterhaltsam wie der kultige Vorgänger. Das liegt vor allem an dem billigen Look, der den zweifellos extrem kostengünstig produzierten Streifen bisweilen wie einen Amateurfilm wirken läßt. Und da sich der überwiegende Teil der Handlung im Wald abspielt, verleitet einen diese unschöne Ästhetik dazu zu glauben, man befinde sich mitten in einem dieser lustlos hingerotzten Wald-und-Wiesen-Amateur-Epen. Dies ist gottlob nicht der Fall, denn erstens war David Prior kein Amateur, und zweitens kann man weder ihm noch seinen Leuten Lustlosigkeit vorwerfen. Die sind mit Spaß und Engagement bei der Sache und genießen es sichtlich, noch einmal auf den Putz zu hauen. Ted Prior gibt einen coolen Helden ab, Fritz Matthews überzeugt als Killermaschine mit der Mimik eines Felsens, und David Campbell glänzt als psychopathischer, von Haß zerfressener Rächer, der nun endgültig übergeschnappt ist. Alle zelebrieren ihre Rollen mit heiligem Ernst. Es gibt wieder einige nette Squibs, fiese Booby-Traps, etwas hüftsteif choreographierte Kämpfe, viel Geballer sowie ein paar Explosionen zu bestaunen, und der eine oder andere splattrige Abgang inmitten des lächerlich hohen Bodycounts darf natürlich ebenfalls nicht fehlen.

                          Wenn man also imstande ist, über die billige Optik hinweg zu sehen, dann bekommt man mit Deadliest Prey genau das, was man erwarten durfte. Nämlich eine sympathisch-unterhaltsame Hommage an den tumben Actionfilm der 1980er-Jahre, wo sich eine unaufhaltsame Ein-Mann-Armee durch Horden von Gegnern pflügt, unterstützt von wummerndem Synthesizer-Geklimper und so manch lässigem Spruch auf den Lippen, und umweht von einem Hauch Nostalgie. Nur daß dieses Mal halt alles, dem Alter geschuldet, etwas langsamer und gemächlicher vonstattengeht. Und daß man schon weiß, wie der Hase bzw. der Mike laufen. Nur hin und wieder gibt es Ergänzungen (etwa der Subplot mit drei nerdigen Hackern, die unserem Helden helfen wollen) bzw. Abweichungen im launigen Geschehen, meist leichte, gegen Ende auch ein paar größere. Im Interview meint David A. Prior, der im Film übrigens ein Cameo hat, daß er sich vorstellen könne, in fünfundzwanzig Jahren einen dritten Teil zu drehen, dann mit seinem Neffen Michael Charles Prior in der Hauptrolle. Dazu wird es leider nicht kommen, hat ihm der Krebs doch einen Strich durch sein Leben gemacht. Er starb am 16. August 2015 in Mobile, Alabama. Sein filmisches Vermächtnis lebt weiter und bereitet viel Freude.
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                            Angels from Hell
                            (Rächer auf Rädern / Engel der Hölle)

                            USA 1968 - Directed by Bruce Kessler



                            Nachdem er seinen Dienst in Vietnam absolviert hat, kehrt Mike Connery (Tom Stern) als Held in seine Heimatstadt Riverside in Kalifornien zurück. Aber ein Gang-Leader bleibt ein Gang-Leader, selbst wenn ihm ein lästiger Krieg dazwischengekommen ist. Also schart er erneut Männer und Frauen um sich, und wer sich ihm in den Weg stellt, wie z. B. George (Jay S. York), darf sich die nächsten Wochen mit einem gebrochenen Bein eine Auszeit gönnen. Captain Bingham (Jack Starrett) ist Mikes Rückkehr indessen gar nicht recht, fürchtet er doch, daß seine Vereinbarung mit George - wenn die sich Madcaps nennende Gang den Ball flach hält, hat die Polizei auch keinen Anlaß reinzugrätschen - nunmehr null und nichtig ist. Und tatsächlich kommt es nach einer gleichermaßen harmlosen wie übermütigen Aktion zu einem unschönen Zwischenfall, der Mike prompt Vergeltungspläne schmieden läßt.

                            Rocker bedeuten Ärger, da führt kein Weg dran vorbei. Einen echten Rocker aufzufordern, er solle sich ruhig und unauffällig verhalten, ist in etwa so, als würde man einer schlecht gelaunten Klapperschlange zuflüstern, sie solle bitte nicht beißen. Es liegt in ihren Genen, sie können nicht anders. Dabei wäre das Rockerleben so schön. Den ganzen Tag lang mit Gleichgesinnten abhängen, Gras rauchen, Alkohol schlürfen, durch die Gegend biken, mit Weibern pennen (der Sex wird nur angedeutet, auf die Zurschaustellung blanker Brüste wird gänzlich verzichtet), Schnauzen polieren (das wenige Blut ist knallig rot), die Freiheit genießen. Einer geregelten Arbeit nachgehen? No way, José. Und auf die Körperpflege kann man ebenfalls verzichten, die ist sowieso überbewertet. Ja, das Rockerleben ist schon sehr geil, das schildert Bruce Kessler (Simon, King of the Witches) in seinem Streifen Angels from Hell nicht anders. Wenn da nur nicht die verdammte Sache mit dem Ärger wäre, der den Rockern wie Hundescheiße am Hacken klebt. Da ist dann ganz schnell Schluß mit lustig.

                            Der Plot ist sehr simpel gehalten, im Grunde nicht viel mehr als ein roter Faden, der sich bis zum bitteren Ende scheinbar beliebig durch die Gegend mäandert. Zwischendurch treffen die Rocker sogar einen Filmproduzenten, der mit dem Gedanken spielt, einen Rockerfilm zu drehen. Leider dümpelt Angels from Hell knappe neunzig Minuten lang müde dahin, weshalb wohl nur eingefleischte Rockerfilmfans bei diesem eher langweiligen Genrevertreter auf ihre Kosten kommen. Dem Streifen mangelt es einfach an Drive; der ist keine flotte Harley, sondern ein lahmes Moped. Problematisch ist außerdem, daß der Protagonist Mike trotz gelungener Einführung ein ziemlich unsympathischer Zeitgenosse ist, der sich schließlich mit seiner Rachevision sogar zum gemeingefährlichen Irren entwickelt. Bingham hingegen agiert für einen Gesetzeshüter überraschend fair. Arlene Martel sorgt als Ginger für Eye Candy, die Musik ist recht groovy, die Stimmung rauh aber lässig. Das Ende ist immerhin konsequent: schal und unbefriedigend wie der ganze Film.




                            Chatterbox!
                            (Chatterbox / Virginia the Talking Vagina)

                            USA 1977 - Directed by Tom DeSimone



                            Zufrieden liegen Penelope (Candice Rialson) und Ted (Perry Bullington) nebeneinander im Bett. Doch die gute Laune und die angenehme Stimmung nach dem Sex werden urplötzlich zerstört, als Pennys Vagina aus heiterem Himmel zu sprechen beginnt und über die wenig berauschende Performance des Lovers ablästert, woraufhin dieser die beleidigte Leberwurst gibt und verbittert von dannen zieht. Und nachdem die Muschi - sie heißt übrigens Virginia - erst einmal damit angefangen hat, hört sie nicht mehr auf zu quasseln. Immer wieder gibt die Schnatterliese ihren Senf dazu, was mitunter zu Problemen und Mißverständnissen führt. Außerdem singt Virginia, gerne und oft. Schließlich vertraut sich Penny ihrem Psychiater, Dr. Pearl (Larry Gelman), an, der das Potential der ungewöhnlichen Labertasche sofort erkennt und sich ihrer als Manager annimmt. Bald schon sind Penelope und Virginia gefeierte Stars, doch glücklich ist Penelope damit nicht.

                            Eine sprechende Vagina, die ihre Besitzerin zur Verzweiflung treibt, gab es bereits in Claude Mulots Erotikklassiker Le sexe qui parle (Pussy Talk, 1975), welcher sich einer frivolen Idee des Franzosen Denis Diderot aus dem achtzehnten Jahrhundert annahm. Darauf findet man in Tom DeSimones Chatterbox! jedoch keinen Hinweis, da der unfeine Exploitation-Filmemacher (Hell Night) die originelle Idee frech klaute und als seine eigene ausgab. Pfui! Er hatte sogar den Nerv zu behaupten, es handle sich hierbei um eine "wahre Geschichte"! Egal, im Vergleich zur französischen Quasselstrippe zieht das amerikanische Plappermäulchen sowieso den Kürzeren, in allen Belangen. Was aber nicht heißen soll, daß das Rip-Off nicht ansprechend unterhält, denn das tut es durchaus. Das liegt nicht zuletzt an der 2006 verstorbenen Hauptdarstellerin Candice Rialson (Candy Stripe Nurses), die mit ihrem entwaffnenden Charme, ihrem hübschen Gesicht und ihren wohlgeformten Brüsten die Blicke spielerisch auf sich zieht und den Film problemlos auf ihren zierlichen Schultern trägt. Sie ist in beinahe jeder Szene zu sehen, im Gegensatz zu Pennys plappernder Muschi, die stets verdeckt bleibt.

                            Wer jetzt denkt, daß DeSimone die vulgäre Thematik bis zur letzten schmierigen Schlüpfrigkeit melkt, der denkt falsch. Chatterbox! ist im Herzen eine bittersüße (mehr süß als bitter) Komödie, locker, leichtgewichtig, gutmütig und grundsympathisch. DeSimone hält die Exploitation-Elemente an der kurzen Leine, der Anteil von unanständigen Ausdrücken wie "fuck" oder "cunt" ist verschwindend gering, und wären nicht immer wieder Rialsons Brüste zu sehen, dann könnte dieser grobe Unfug fast als Film für die ganze Familie durchgehen. Ob bzw. wie viel Spaß man an Chatterbox! hat, hängt davon ab, ob man mit dem Humor etwas anfangen kann. Der punktet weder mit Anspruch noch mit Originalität, ist gleichermaßen albern wie dämlich, und selbst Virginias eher lahme Sprüche können meist nur ein müdes Grinsen hervorlocken. Aber dann sind da wieder Candice Rialsons gewinnende Performance und ihre prachtvollen Titten, und es fällt schwer, dem Film böse zu sein. Erwähnenswert ist noch, daß die Bildgestaltung von Tak Fujimoto stammt, daß man beim aufgesetzt wirkenden Ende die Augen verdreht und daß der amüsante Quatsch in Norwegen Snakkeboksen heißt. Klingt irgendwie niedlich, oder?




                            The Naked Cage
                            (Im Keller des Grauens / The Cage / Wild Cage)

                            USA 1986 - Written & Directed by Paul Nicholas (= Lutz Schaarwächter)



                            Das Schicksal meint es nicht gerade gut mit der hübschen blonden Pferdeflüsterin Michelle (Shari Shattuck, Death Spa). Deren Ex-Freund Willy (John Terlesky, Deathstalker II), selbst kein Kind von Traurigkeit, läßt sich nämlich von der so heißen wie gefährlichen Psychopathin Rita (Christina Whitaker, Assault of the Killer Bimbos) nach einer Nacht voller Drogen und Sex zu einem Banküberfall überreden, der prompt schiefgeht und einem Sicherheitsbeamten das Leben kostet. Da die am Bankschalter arbeitende Michelle, naiv und nett wie sie nun mal ist, ihrem verletzten Ex (vergeblich) helfen wollte und Rita, gemein und verlogen wie sie nun mal ist, sie der Mittäterschaft bezichtigte, wandert das unschuldige Country Girl in den Hochsicherheitsknast. Dort sind die Sitten so rauh wie Schleifpapier, was Michelle bald am eigenen Leib zu spüren bekommt. Daß sie es sich mit der korrupten Gefängnisdirektorin Diane (Angel Tompkins, The Bees) verscherzt, die sie daraufhin zum Freiwild erklärt, macht die Lage nicht wirklich besser. Als dann auch noch Rita ins Gefängnis transferiert wird und der sadistische Cop Smiley (Nick Benedict) nachts mit Vergewaltigungsabsichten durch die Gänge schleicht, ist die Kacke nicht nur am Dampfen, sondern am Überlaufen.

                            Wer hätte das gedacht? Der vielleicht beste Women-in-Prison-Kracher der 1980er-Jahre stammt aus der Schmiede der Cannon Group! Geschrieben und inszeniert von Lutz Schaarwächter (unter seinem Pseudonym Paul Nicholas), der drei Jahre zuvor mit Chained Heat bereits bewiesen hatte, daß er es draufhat, hatte The Naked Cage das Pech, auf den Markt geworfen zu werden, als das zwiespältige Subgenre bereits in den letzten Zügen lag. Ein klarer Fall von richtiger Film zur falschen Zeit, weil überraschend gut gemacht, mit starker Kameraarbeit und passablem Score (der Titelsong heißt Tuff Enuf, stammt von The Fabulous Thunderbirds, und paßt wie die Faust aufs Auge). The Naked Cage mag keine Preise für Originalität, Subtilität, Plausibilität und dergleichen gewinnen, doch darauf sind Werke, welche sich an dieser Spielart des Exploitationfilms versuchen, auch nicht ausgerichtet. Aber all das, worauf es ankommt, zelebriert Schaarwächter mit Gusto und Schmackes. Eine unschuldig eingelochte junge Frau, die über sich hinauswächst? Check. Eine korrupte Leiterin, die allen, die nicht spuren, das Leben zur Hölle macht? Check. Gewissenlose Weiber, die ihre Mithäftlinge über die Klinge springen lassen, wenn sie Lust dazu haben? Check. Schmierige Wärter, die sich an den Gefangenen vergehen? Check. Angedeutete lesbische Sexspiele? Check. Catfights? Check. Duschszenen? Check. Ein grausiger Alptraum? Check. Titten? Check. Ein wilder Knastaufstand? Check. Heftige Gewaltausbrüche? Check. Gnadenlose Abrechnungen? Check. Irgendwas vergessen? Wenn ja, dann stehen die Chancen gut, daß es ein Check ist.

                            The Naked Cage beginnt toll, als eine Art Bonnie-and-Clyde-Gangster-Flick, bis der Coup in die Hose geht und der Streifen zum WIP-Movie mutiert. Mit Michelle wird auch der Zuschauer ins kalte Wasser geworfen, und daß ein Frauengefängnis kein Planschbecken ist, ist sofort offensichtlich. Schaarwächter macht das sehr geschickt, schaltet einige Gänge zurück, um zu zeigen, wie der Hase hinter Gittern so läuft. Und gerade als sich beim Publikum Enttäuschung breitzumachen beginnt, da der Knasttrott wenig aufregend und recht zahm geschildert wird, schaltet er langsam und genüßlich wieder höher. Und höher. Und noch höher. Und gibt Vollgas. Je länger The Naked Cage dauert, desto besser, brutaler, intensiver, effektiver und packender wird er. Daß der Streifen so prächtig funktioniert, liegt nicht zuletzt an den Mimen, die ihre bloß dürftig charakterisierten Figuren zu plastischem Leben erwecken. Shari Shattuck überzeugt als Heldin wider Willen, die zwar nicht die hellste Kerze auf der Torte ist, der aber so übel mitgespielt wird, daß man gar nicht anders kann, als mit ihr mitzufiebern. Dieses Mitfiebern steigert sich noch dramatisch, da ihre Gegenspieler - Bad-Ass-Bitch Rita und Serienvergewaltiger Smiley - richtig widerwärtige, hassenswerte Mistmaden sind. Phasenweise ist das Dargebotene dermaßen grausam, sadistisch und niederträchtig, daß man die Emotionen heiß in sich hochkochen spürt. Diesbezüglich macht Lutz Schaarwächter hier alles richtig. Und wenn die garstigen Fieslinge am Ende die gesalzenen Rechnungen präsentiert bekommen, dann ist das gleichermaßen befreiend wie befriedigend.




                            Savage Island
                            (Banished Women)

                            USA/Italien 1985 - Directed by Nicholas Beardsley (= Ted Nicolaou)



                            Entschlossen betritt Daly (Linda Blair) das Bürogebäude und begibt sich geradewegs zu den Aufzügen, den Rezeptionisten geflissentlich ignorierend. Als dieser darauf besteht, sie müsse sich im Empfangsbuch registrieren, löst sie das Problem auf ihre Weise: Mit einem Kopfschuß! Oben angekommen begibt sie sich zum Büro von Luker (Leon Askin, Kottan ermittelt), und als sie dessen Bodyguard abgewimmelt hat, hält sie dem fetten Typen ihre Waffe vor die Nase und präsentiert ihm das Menü des Tages: Rache. Dann beginnt Daly ausführlich zu erzählen, was sie zu ihm geführt hat und wofür sie sich überhaupt rächen will. Diese tragische Geschichte wird dem Zuschauer mittels einer mehr als einstündigen Rückblende (aber ohne Frau Blair) serviert. Irgendwo im südamerikanischen Dschungel werden weibliche Gefangene von sadistischen Wächtern und ihren locker sitzenden Peitschen dazu motiviert, in einem Fluß nach Smaragden zu suchen. Doch Rettung naht in Form von Laredo (Anthony Steffen, Sartana) und Maria (Cristina Lay), welche die Frauen (u. a. Ajita Wilson (Sadomania - Hölle der Lust), Cintia Lodetti und Maite Nicote) aus dem brutalen Gefangenenlager befreien sollen. Die riskante Aktion gelingt zwar, doch das Entkommen aus der grünen Hölle gestaltet sich als schwierig.

                            Mitte der 1980er-Jahre bekam Ted Nicolaou (Subspecies) vom Chef der Empire Pictures, dem nunmehrigen Full Moon-Zampano Charles Band, den Auftrag, zwei eingekaufte europäische Filme zusammenzuschneiden und mit einer Rahmenhandlung zu versehen, damit man diesen "neuen" Streifen erst ins Kino und anschließend auf den lukrativen Videomarkt werfen konnte. Das Ergebnis ist Savage Island, ein zusammengeschustertes Flickwerk, das wohl nur beinharte Fans des Exploitationkinos im Allgemeinen und des WIP-Films im Speziellen zufrieden stellen dürfte. Der Hauptteil besteht aus wiederverwerteten Szenen von zwei Machwerken Edoardo Mulargias, nämlich Orinoco - Prigioniere del sesso (Das Foltercamp der Liebeshexen) und Femmine infernali (Liebeshexen vom Rio Cannibale), beide aus dem Jahre 1980. Das neu hinzugefügte Material beläuft sich auf wenige Minuten und wurde an einem Tag abgedreht. Da man mit Linda Blair einen zugkräftigen Namen an Bord hatte sollte es nicht verwundern, daß man diesen zu Werbezwecken auch ungeniert ausschlachtete. Wer aufgrund des irreführenden Poster-Artworks und der "zufälligen" Ähnlichkeit des Titels einen weiteren Linda Blair-Kracher à la Savage Streets erwartet hatte, dürfte am Ende so dumm wie verärgert aus der Wäsche geguckt haben, schließlich schaut besagte Dame nur am Anfang und am Ende kurz vorbei.

                            Über weite Strecken ist Savage Island ein wenig berauschendes, aufgrund des schlampigen Cut-and-Paste-Jobs ziemlich verwirrendes und zudem recht zurückhaltendes Exploitationdrama, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, daß man die expliziteren Spitzen in Bezug auf Sex und Gewalt zugunsten des angestrebten R-Ratings wegließ. Zu sehen gibt es dennoch einiges, wenn auch in sehr bescheidener Bildqualität und grausig schlecht synchronisiert. Da wird eine Frau in einem Tümpel ersäuft, eine andere versackt im Treibsand. Es gibt einen deftigen Catfight zu begaffen, und die obligatorische Duschszene darf natürlich ebenfalls nicht fehlen (der T & A-Faktor ist erfreulich hoch). Eine mit Blutegel bedeckte Frau wird von ihrer Kameradin "erlöst", die sie - ohne eine Sekunde zu zögern - eiskalt wegballert. Eine bis zum Kopf vergrabene Gefangene wird von einem Python gemeuchelt, und in einem waschechten WTF-Moment beißt Ajita Wilson einer ihr vor das Gesicht gehaltenen Schlange den Kopf ab und spuckt ihn aus (die Szene ist vermutlich gefaked, aber nichtsdestotrotz ein Jawdropper). Und beim wilden, bleihaltigen Finale platzen zu guter Letzt effektvoll einige gut gefüllte Blutbeutel. Das alles macht diese schludrige Bastelarbeit, die sich in Hinblick auf den Plot völlig verzettelt und die Kontinuität mit Verachtung straft, zumindest ansehbar. Ob man das Gebotene nun zum Fremdschämen, zum Lachen, zum Ärgern oder zum Haareraufen findet, soll jeder für sich selbst entscheiden.
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                              The Demon's Baby
                              (Meng gui shi ren tai / Mang gwai jeung yan toi)

                              Hongkong 1998 - Written & Directed by Kant Leung Wang-Fat



                              In ancient China, there were many mysterious religions.
                              Especially in late Ching, because of many natural disasters and wars.
                              Many hopeless people became superstitious.
                              There was a branch named "Five Ghosts Tao" in the White Lotus Sect.
                              The believers worshipped five never dying evil spirits.
                              They adhered to pregnant women, they could make the pregnant woman & her baby become demons.
                              They fed on blood and brains.
                              It's told that, if the five evil babies were born, they would be invincible and would bring disasters to the world.
                              Luckily, the sect was raid by the court, Monk Lone-chi kept these five spirits into five antique vases.
                              And a gold buddha was put on top of it.
                              The officers buried all the believers and pillages.
                              But there was a myth that if these five evil spirits have a chance, they will come again...
                              This time, they won't fail...


                              Nun, ob die fünf bösen Geister, von denen der Erzähler aus dem Off zur Einleitung so anschaulich berichtet, neuerlich versagen oder doch das Ende der Welt heraufbeschwören, sei an dieser Stelle nicht verraten. Auf alle Fälle gelingt es ihnen, aus ihren Gefängnissen zu entkommen, und es dauert nicht allzu lange, bis die Saat des Bösen erneut gesät ist. Das Ungemach nimmt seinen Anfang, als die zugemauerte Gruft, in welcher die fünf antiken Vasen samt dem goldenen Wache-Buddha versteckt sind, aufgebrochen und geplündert wird. Sämtliche Schätze landen am Hof von General Hsu (Elvis Tsui Kam-Kong, A Chinese Torture Chamber Story), der gerade dabei ist, seine blutjunge Konkubine als seine vierte Frau zu ehelichen, was bei den drei anderen auf wenig Gegenliebe stößt. Auch in seinem Gefolge bahnt sich eine zarte Liebe an. Gefunkt hat es zwischen dem Koch Day-Six (Emotion Cheung Kam-Ching, Bio Zombie) und der Dienerin Little-Fish (Annie Wu Chen-Chun, First Strike), die sich langsam näherkommen. Eines Abends wird General Hsu von vieren der Geister besessen, woraufhin er alle seine Frauen beglückt und schwängert. Der fünfte Geist fährt in Day-Six und macht sich mit diesem anschließend über Little-Fish her. Bald schon fressen sich die Mütter und ihre Babys durch die Dienerschaft, und nichts und niemand scheint ihrem gewaltigen Appetit gewachsen.

                              Man muß sie einfach lieben, diese wilden Fantasy-Horror-Hybriden aus Hongkong. Keine Idee ist zu blöd, als daß man sie nicht auf Zelluloid bannen würde. Kein Einfall ist zu abgefahren, als daß man nicht einen Weg finden würde, ihn in die Geschichte zu integrieren. Kein Gedanke ist zu absurd, als daß man nicht eine Story drumherum basteln könnte. Der Schuldige im Falle von The Demon's Baby ist Kant Leung Wang-Fat (Sexy and Dangerous II), der unter der Obhut von Wong Jing (The Last Blood) den von ihm selbst verzapften Mumpitz auch verfilmen durfte. Im Vergleich zu anderen irrwitzigen Krachern wie zum Beispiel The Oily Maniac (1976), The Seventh Curse (1986) oder Last Ghost Standing (1999) mag The Demon's Baby recht zahm und zurückhaltend erscheinen, was allerdings nichts daran ändert, daß der überwiegende Teil des westlichen Publikums auch hier ziemlich verdattert aus der Wäsche gucken dürfte. Hungrige, ungeborene Babys, die in ihren Müttern hausen, deren Bauchdecken sich aufklappen lassen, um die scharfzahnige Brut mit Frischfleisch zu versorgen, sind nun mal kein alltäglicher Anblick. Wobei die unglücklichen Opfer Kopf voraus verfüttert werden, festgehalten von Tentakeln, die aus den Bäuchen der Schwangeren schießen. Die Old-School-Spezialeffekte sind ansprechend umgesetzt, ohne in allzu blutige und schleimige Untiefen abzutauchen.

                              Die erste Hälfte beschränkt sich der eher schlampig inszenierte Low-Budget-Streifen auf den Aufbau der Handlung, schildert die rauhen Sitten am Hofe und das harte Los der Bediensteten, die bei all den Intrigen auch mal unverschuldet unter die Räder kommen. Aufgelockert wird das Geschehen durch ein paar alberne Blödeleien, die jedoch gottlob nicht überhandnehmen, sowie durch zwei hüpfende Zombies bzw. Vampire, die aber vom Taoist-Priester Ching Hoi (ziemlich verschenkt: Anthony Wong Chau-Sang, The Untold Story) rasch in ihre Schranken gewiesen werden. Erst als die Samen gepflanzt sind und die daraus im Rekordtempo entstandenen Föten gefüttert werden wollen, nimmt The Demon's Baby Schwung auf und liefert das, was man im Grunde erwarten durfte. Besonders packend wird das krude Spektakel allerdings nie, weil es Niemanden gibt, mit dem es sich mitzufiebern lohnt. Nicht mal Day-Six und Little-Fish wachsen einem ans Herz, obwohl ihre Romanze zumindest halbwegs funktioniert. Auf sadistische Exploitation-Elemente muß man ebenso verzichten wie auf spekulative Sexszenen; der Film hat "nur" ein CAT IIB Rating. Aber keine Sorge, er ist weder harmlos noch geschmackssicher. Wer also darüber lachen kann, daß die Helden versuchen, einen entkommenen Fötus in den Mutterleib zurück zu kicken, der wird mit diesem sinnfreien Hongkong-Schlocker bestimmt viel Freude haben.
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                                The Ecstasy of Isabel Mann
                                Irland 2015 – Written, Produced, Edited & Directed by Jason Figgis



                                What does it feel like on the other side?

                                Hinter dem sibyllinischen Titel The Ecstasy of Isabel Mann verbirgt sich eine kleine Genreperle. Allerdings ist zu befürchten, daß sie nur von einigen wenigen entdeckt werden wird. Die meisten werden wohl bereits von der wenig einladenden Oberfläche dermaßen abgeschreckt, daß sie sich gar nicht erst die Mühe machen, tiefer zu graben und danach zu suchen. Denn die Oberfläche vermittelt (nicht zu Unrecht) den Eindruck einer sehr, sehr billigen Produktion, und wenn man sich in den sozialen Medien und den größeren Filmforen so umsieht, dann scheint das Wörtchen "billig" mittlerweile zu einem Synonym für "Scheiße" verkommen zu sein. Und wer wühlt schon gerne in Scheiße?

                                In einer irischen Kleinstadt verschwinden Teenager. Die Polizei verzeichnet fast zehn Fälle in knapp zwei Wochen, und die Ermittler, Inspektor John Witham (Neill Fleming) und Sergeant Paul Barrett (Matthew Toman), stehen vor einem Rätsel. Bei den Opfern handelt es sich zum Großteil um Schüler und Schülerinnen der nahegelegenen High School. Die Tatorte sind mit Blut getränkt, die Körper sind und bleiben unauffindbar. Bei einem Verhör erwähnt Aaron (Adam Tyrrell) seine Freundin Isabel Mann (Ellen Mullen), die seit kurzer Zeit verändert ist, die Schule schwänzt und den Kontakt zu ihren Freunden abgebrochen hat. Weiß sie etwas über die Verbrechen? Oder ist sie gar daran beteiligt?

                                Jason Figgis' The Ecstasy of Isabel Mann ist der beste Vampirfilm, den ich seit langer Zeit gesehen habe. Wobei es unter Umständen falsch ist, den in Dublin, Wicklow und Galway (Irland) gedrehten Streifen in dieses Subgenre zu stecken. Figgis, der über das Projekt als Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Cutter die komplette Kontrolle hatte, bietet nämlich einen weiteren Interpretationsansatz an, der ohne Vampire - übrigens ein Wort, das im Film kein einziges Mal fällt - auskommt. Aber egal, ob man diesen ambitionierten Streifen so oder so deutet, die Wirkung ist dieselbe. Denn im Grunde geht es um das Schicksal der jungen, ambivalent gezeichneten Protagonistin Isabel Mann, deren "normales" Leben zerfällt.

                                In dieser Hinsicht erinnert der gefühlvolle Film stark an Julia Ducournaus großartigen Grave (Raw, 2016), der eine ähnlich fatale Entwicklung in einem anderen Umfeld erzählt. Wie Justine in Grave macht auch Isabel eine gravierende Veränderung durch, gegen die sie machtlos ist. Sie kann sich noch so sehr dagegen wehren, es nützt einfach nichts. Sie ist gleichzeitig Opfer und Täter, und am meisten scheint ihr zu schaffen zu machen, daß sie Gefallen daran findet. Ellen Mullens glänzende Darbietung macht Isabels Verwirrung und Zerrissenheit spürbar, ihr ruhiges, subtiles und doch intensives Spiel verleiht der quälenden Tragik Ausdruck, mit der sie bis ans Ende ihres Daseins leben wird müssen.

                                Diese tragische Note wird verstärkt durch die dichte, abgründige, melancholische Stimmung, die tristen Bildkompositionen von Alan Rogers, aus denen manchmal alle Farbe gewichen ist, sowie durch Michael Richard Plowmans hypnotischen Score, der wesentlich zur Eindringlichkeit des sich langsam aber konsequent entwickelnden Geschehens beiträgt. Und auch an der Songauswahl gibt es nichts auszusetzen; besonders gelungen ist etwa der Kontrast zwischen den grausigen Bildern und dem fast schon heiteren Popsong in der Montagesequenz, was die schiere Wucht dieser blutigen Szene enorm erhöht. Überhaupt geizt The Ecstasy of Isabel Mann nicht mit Momenten, die unter die Haut gehen.

                                Natürlich gibt es diverse negative Aspekte zu vermelden, die dem sehr niedrigen Budget geschuldet sind. Der phasenweise billige Look kann auch von Rogers' toller Kameraarbeit nicht ganz übertüncht werden, die Dramaturgie bzw. der Fluß des Streifens ist manchmal etwas holprig, der eine oder andere Logikpatzer sägt leider an der generellen Glaubwürdigkeit des Geschehens, und nicht alle Darsteller können so famos überzeugen wie Ellen Mullen in der Titelrolle. Manche Zuschauer werden bestimmt auch ein Problem damit haben, daß Figgis keine Antworten auf die bisweilen rätselhaften Ereignisse liefert. Er läßt vieles offen und beläßt es bei Puzzlestücken, die man selbst zusammensetzen muß.

                                Ja, hinter dem sibyllinischen Titel The Ecstasy of Isabel Mann verbirgt sich eine kleine Genreperle. Ich habe sie gefunden.
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