Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

    Punk Vacation
    (Deadly Vacation)

    USA 1990 - Directed by Stanley Lewis



    "Wir sind hier, um unseren Freunden die letzte Ehre zu erweisen. Sie haben mutig gegen die Parasiten der militaristisch-industriellen Welt gekämpft. Wir alle schulden diesen mutigen Kriegern eine Gegenleistung. Wir werden Billy befreien und diese elende Stadt vernichten."

    Als Ramrod (Roxanne Rogers), die Anführerin der Punks, obige Ansprache hält, ist bereits viel Wasser den Bach runtergelaufen. Die Fronten sind längst verhärtet, eine friedliche Lösung ist außer Sicht. Und die Hauptschuld am ganzen Schlamassel trägt ein heimtückischer Dr. Pepper-Automat. Der verweigert Billy (Rob Garrison), einem der Punks, nämlich nicht nur das gewählte Erfrischungsgetränk, er besitzt auch noch die Frechheit, die eingeworfenen Münzen nicht zu retournieren. Kein Wunder, daß Billy da komplett ausrastet und sich erst beruhigt, als er in den Lauf einer Schrotflinte starrt, welche ihm der Besitzer der Tankstelle (Raymond Fusci) vor die Fresse hält. Billy zieht den Schwanz ein und haut ab, aber er ist nachtragend. Zusammen mit seinen Gefährten (ein knappes Dutzend Männer bzw. Frauen stark) kehrt er zurück und mischt den Laden auf. Die Bilanz: Ein Toter (der Tankstellenbesitzer), ein traumatisierter Teenager (seine Tochter (Karen Renee)), sowie ein Verletzter (Billy, der bei seiner überstürzten Flucht mit dem Wagen von Deputy Steve Reed (Stephen Fiachi) kollidiert ist). Den Rest kann man sich in etwa denken. Ramrod und ihre Gang wollen Billy befreien, Lisa (Sandra Bogan), die ältere Tochter des Ermordeten, will Rache, und als nichts davon gelingt, stürzen sich auch noch die Vertreter von Recht und Ordnung des kalifornischen Kaffs, in dem sich das Drama abspielt, mit blindem Eifer ins Gefecht.

    Was in geschriebener Form recht launig klingen mag, entpuppt sich in der Realität leider als lahmes Ärgernis. Regisseur Stanley Lewis schien keinen blassen Schimmer zu haben, was sein Film eigentlich sein sollte. Thriller? Drama? Exploitation? Komödie? In Punk Vacation finden sich Elemente all dieser Genrerichtungen, und sie stoßen einander ab wie gleichpolige Magnete. Man stelle sich eine vierköpfige Boygroup vor, in der jeder sein eigenes Ding durchzieht, ohne Rücksicht auf die anderen. Das Ergebnis mag im besten Falle unterhaltsam sein, aber gut ist es ganz bestimmt nicht. Hinzu kommt, daß das von Lance Smith und Harvey Richelson verfaßte Skript völlig wirr ist. Der Plot mäandert unfokussiert durch die Botanik und steuert einem antiklimaktischen Ende entgegen, das wirkt, als hätten alle Beteiligte bereits lange vorher die Lust am Projekt verloren. Es hat schon seinen Grund, weshalb Punk Vacation Stanley Lewis' einzige Regiearbeit geblieben ist. Lewis hat nicht nur kein Gespür für Atmosphäre, für Spannung, für Action und für Dramaturgie; er scheint mit diesen Begriffen regelrecht auf Kriegsfuß zu stehen. Punk Vacation fühlt sich an, als hätte jemand unbedingt einen Film machen wollen, dem jegliches Talent dafür fehlt. Und als er diesen Umstand endlich bemerkt hat (oder es ihm von anderer Seite zugeflüstert wurde), hat er das Interesse verloren und den Film lustlos und mehr schlecht als recht beendet.

    Einen gewissen Unterhaltungswert will ich diesem zurecht kaum bekannten Streifen nicht absprechen, obwohl er überwiegend eine äußerst zähe und langweilige Angelegenheit ist. Für ein paar Lacher ist der 1987 entstandene aber erst 1990 veröffentlichte Punk Vacation allerdings zweifellos gut, auch wenn diese mitunter von der schadenfrohen Sorte sind. Man nehme nur mal die Antagonisten. Rein äußerlich kann man die bunte Meute mit ihren schrillen Frisuren, ihrer extravaganten Schminke und ihren schicken Klamotten noch als Punks durchgehen lassen, aber innen drin sind sie ganz gewöhnliche, spießbürgerliche Normalos, die jede Menge alberne Dinge tun (Blumen pflücken, Mundharmonika spielen, mit Holzstäben fechten, um eine Gefangene herumtanzen, etc.), um die Zeit totzuschlagen. Die "Helden" stehen dem in Nichts nach, wobei Lisa ein Fall für sich ist. Die hat bestimmt einen unsichtbaren Zwilling neben sich stehen, weil eine alleine kann unmöglich so blöd sein. Ganz graziös ist übrigens ihre Schußtechnik. Wenn sie abdrückt, ruckt sie mit ihrer Hand nach vorne, wahrscheinlich, um die den Pistolenlauf verlassende Kugel noch weiter zu beschleunigen. Das ganze Dilemma des Streifens offenbart sich dann in einer Sequenz, in der drei Männer mit Gewehren einen kleinen Graben auf einem Rohr zu überqueren versuchen. Ein ebenfalls bewaffneter Punk sieht ihnen eine Weile geduldig von der anderen Seite aus zu und stellt sich ihnen dann schließlich in den Weg.

    Anstatt jedoch zu schießen, stupst der Punk den ersten der Männer mit dem Gewehrlauf so lange an, bis er das Gleichgewicht verliert. Seine Kumpel machen es ihm nach, rudern wild mit den Armen und stürzen in den Graben. Was für ein Spaß! Aber es wird noch "besser". Die Beine des Anführers gleiten rechts und links vom Rohr, woraufhin seine für die Fortpflanzung relevanten Teile schmerzhafte Bekanntschaft mit dem harten Rohr schließen. Danach kippt er zur Seite und fällt zu Boden. Diese Szene zählt zum "Lustigsten", was der Film zu bieten hat. Tragisch ist nur, daß dieser spontane Humoreinschub überhaupt nicht ins Gesamtbild dieser Sequenz paßt und daß er beide Parteien einmal mehr zu geistig minderbemittelten Witzfiguren degradiert. Diese schizophrene Tonart durchzieht einen großen Teil des Filmes. Immer wenn man denkt, jetzt könnte es spannend werden oder jetzt kommt der Flick endlich in die Gänge, wird man im Nu auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Daß die Schauspieler allesamt nicht die hellsten Sterne am Firmament sind, daß es den wenigen Actionmomenten komplett an Druck und Dynamik fehlt, und daß es auch im technischen Bereich einiges zu bemängeln gibt (der unmotivierte Schnitt wurde offenbar von einem Amateur oder einem Betrunkenen gesetzt), spielt da schon kaum eine Rolle mehr. Nein, Punk Vacation ist leider Murks. Langweiliger, uninteressanter Murks.

    Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
    Komplettübersicht mit Direktzugriff

    Kommentar


      Sorority Babes in the Slimeball Bowl-O-Rama
      (Beast You! / The Imp)

      USA 1988 - Directed by David DeCoteau



      Und wieder mal geht eine dieser mir überaus suspekten Initiationsriten, welche bei allen Studentenverbindungen an den amerikanischen Universitäten Usus zu sein scheinen, mit Karacho in die Hose. Diesmal müssen Taffy (Brinke Stevens) und Lisa (Michelle Bauer) nachts in eine Bowlingarena einbrechen und zum Beweis eine Trophäe daraus entwenden, aber erst, nachdem ihnen von der gestrengen Leiterin Babs (Robin Stille, The Slumber Party Massacre) gehörig der Arsch versohlt wurde. Ihnen zur Seite stehen mit Calvin (Andras Jones, A Nightmare on Elm Street 4: The Dream Master), Keith (John Stuart Wildman, Terror Night) und Jimmie (Hal Havins, Night of the Demons) drei dusselige Nerds, die eben beim flotten Spannen erwischt wurden. In der Bowlinghalle stolpert das fidele Quintett als erstes über Punk-Chick Spider (Linnea Quigley), die gerade dabei ist, den Laden auszuräumen und bei ihren kriminellen Tätigkeiten gefälligst in Ruhe gelassen werden will. Und dann kommt es auch schon zum fatalen Mißgeschick. Der eingesackte Pokal fällt unglücklich zu Boden, bricht auf... und heraus schlüpft ein potthäßlicher Imp (Stimme: Michael Sonye)! Erst ist die verunglückte Mischung aus Kobold und Dschinn noch nett und erfüllt fröhlich Wünsche, doch dann zeigt das Biest sein wahres Gesicht, riegelt das Gebäude ab und verwandelt Babs' Freundinnen Rhonda (Kathi O'Brecht) und Frankie (Carla Baron) - die sich mit ihrer Chefin ebenfalls in die Arena geschlichen haben - in Dämonen. Der Kampf ums Überleben beginnt.

      Wie die Titel Sorority Babes in the Slimeball Bowl-O-Rama bzw. Beast You! schon andeuten, sollte man diesen von David DeCoteau inszenierten Streifen auf keinen Fall ernst nehmen. Sorority Babes ist ein preisgünstig produziertes Fun-Horror-Flick, mit klarer Betonung auf Fun. Der Horroranteil ist ausgesprochen harmlos, Brutalitäten werden bestenfalls dezent angedeutet, und blutiges Gekröse wird sowieso zur Gänze ausgeblendet und findet verstohlen im Off bzw. im Dunkeln statt. Dafür hagelt es launige Dialoge, dumme Aktionen und lausige Spezialeffekte am laufenden Band. In der populären Kategorie "selbstzweckhafte Nuditäten" punkten einmal mehr Brinke Stevens (The Slumber Party Massacre) und Michelle Bauer (The Tomb); lediglich die ansonsten verläßliche Linnea Quigley (The Return of the Living Dead) enttäuscht in dieser Hinsicht und bleibt bis zum Ende zugeknöpft (was nichts daran ändert, daß sie auch hier wieder mal eine coole Socke ist). Durch die teils verspielte, teils alberne Lockerheit, mit welcher der bescheuerte Plot (der natürlich hanebüchener Quatsch zum Quadrat ist) umgesetzt wurde, entsteht ein gewisser unbekümmerter Camp-Charme, der dem Film gut zu Gesicht steht. Es gibt unzählige B-Movies, die nach diesem anspruchslosen Muster heruntergekurbelt wurden, aber so richtig funktionierte das Ganze nur in den 1980er-Jahren. Selbst Regisseuren wie David DeCoteau (Creepozoids, Nightmare Sisters, Dr. Alien) und Jim Wynorski (The Lost Empire, Deathstalker II, Not of This Earth), die diese Technik perfekt beherrschten, kam bereits im Folgejahrzehnt der spitzbübische Charme und die sympathische Unbefangenheit nach und nach abhanden, sodaß ihren späteren Werken einfach das gewisse Etwas fehlt.

      Dieses gewisse Etwas ist in Sorority Babes jedenfalls in Hülle und Fülle vorhanden. Kein Zweifel, der etwa neunzigtausend Dollar billige Streifen ist grober Unfug von der ersten bis zur letzten Minute, allerdings ist er flott und abwechslungsreich genug inszeniert, um Fans von trashigen Schlockern auf angenehme und kurzweilige Art und Weise die (überflüssige) Zeit zu vertreiben. Dazu tragen auch die schrägen Einfälle bei, mit denen Sergei Hasenecz' Skript gespickt ist. Mit dem schwerhörigen Hausmeister (George 'Buck' Flower, They Live) gibt es witzige Verständigungsprobleme, der Imp läßt dermaßen lahme Sprüche vom Stapel, daß die Augen reflexartig nach oben rollen, ein abgetrennter Kopf wird als Bowlingkugel zweckentfremdet, eine aufdringliche Domina wird mal eben abgefackelt, und eine der Dämoninnen sieht aus wie eine Teilnehmerin am Bride-of-Frankenstein-Amateur-Lookalike-Contest. Sehr schön ist auch die "tragische" Hintergrundgeschichte des armen Tropfs, der doch nur seine Bowlingkünste mit Hilfe schwarzer Magie verbessern wollte, welche der Hausmeister zum Besten gibt, ohne die Miene zu verziehen. Die wenigen Spezialeffekte gehen auf das Konto von Craig Caton (The Return of the Living Dead), der in weiterer Folge u. a. im Team um Stan Winston bei Jurassic Park mitarbeiten durfte. Seine ziemlich unbeweglich geratene Imp-Puppe kann zwar zu keiner Zeit überzeugen, fügt sich somit jedoch auch nahtlos in die amüsant-trashige Grundstimmung ein. Und mal ehrlich: Wer bei einem Filmtitel wie Sorority Babes in the Slimeball Bowl-O-Rama mehr erwartet als amüsanten Trash, dem ist eh nicht mehr zu helfen.

      Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
      Komplettübersicht mit Direktzugriff

      Kommentar


        The Death Train
        (Der Geisterzug von Clematis / Death Train)

        Australien 1978 - Directed by Igor Auzins



        Clematis. Was ist das bloß für ein seltsames Städtchen? Bereits weit vor der Ortsgrenze macht der Linienbus halt, setzt der Chauffeur seinen Fahrgast Ted Morrow (Hugh Keays-Byrne) quasi mitten im Nirgendwo auf die staubige Straße. Die fünf Meilen bis zu seinem Ziel muß der Versicherungsdetektiv wohl oder übel zu Fuß zurücklegen. Da hält plötzlich eine große Kombi-Limousine (mit der Aufschrift "Sandman") neben ihm, und Vera (Ingrid Mason), die junge, hübsche, quirlige, hippieske Frau am Steuer, bietet ihm an, ihn mitzunehmen. Ted steigt ein, muß sich im folgenden jedoch Veras recht aufdringlichen Avancen erwehren, die einfach nicht verstehen kann, wieso er nicht mir ihr rummachen will. In Clematis wendet sich Ted an einen alten, bärtigen, auf einer Bank sitzenden Mann, um ihn nach dem Weg zu fragen, der dann - als er einen Moment lang abgelenkt ist - ohne eine Spur zu hinterlassen verschwunden ist. Auch die Kinder, die eben noch heftig gelärmt haben, sind weg, wie vom Erdboden verschluckt. Teds nächster Versuch, an die gewünschte Auskunft zu kommen, scheitert an einer Kellnerin, die sich strikt weigert, ihn zu bedienen, weil er an der geschlossenen Seite der Theke steht. Selbst der Polizist (Ken Goodlet), der im Schneckentempo mit dem altbewährten Zwei-Finger-Such-System auf einer Schreibmaschine herumtippt, ist ihm nicht gerade freundlich gesonnen. Nein, diese Kleinstadt ist äußerst ungewöhnlich. Insofern ist es nur zu verständlich, wenn Ted im Gespräch mit Vera seiner Verwunderung wie folgt Luft macht.

        Ted: "I've been here five and a half hours and I can't believe I'm here. I can't believe there's a town called Clematis."
        Vera: "Is that good or bad?"
        Ted: "I think it's bad. I think it's terrible. I think it's depressing. I think it's a horror show."


        Ted ist nicht ohne Grund in diesem merkwürdigen, hinterwäldlerischen Nest. Er soll Licht ins Dunkel eines mysteriösen Todesfalls bringen, damit die Auszahlung der Versicherungssumme angewiesen bzw. abgelehnt werden kann. Dr. Rogers (Ron Haddrick), der hiesige Arzt, schildert die zahlreichen Verletzungen der Leiche mit sichtlicher Begeisterung, so detailliert wie anschaulich, anhand eines Plastikskeletts: "The skull was bashed in here. One half of the face... gone. Just a hole from here... to here. Brains, mess, soft stuff... exposed! [...] Such clean amputation, just beautiful." Ja, Herbert Cook (Colin Taylor), der Verblichene, sieht aus, als wäre er von einem dahinbrausenden Zug erfaßt und überrollt worden. Nur daß in dieser Gegend schon seit vielen Jahrzehnten kein Zug mehr fährt, sieht man mal vom ominösen Geisterzug ab, der hier herumspuken soll. Igor Auzins' The Death Train lebt sowohl von seiner befremdlich-drolligen Stimmung, als auch von seinen liebenswert-schrulligen Figuren, allen voran dem Hauptprotagonisten Ted Morrow, kongenial zum Leben erweckt vom großartigen Hugh Keays-Byrne. Nicht nur äußerlich fällt der schnauzbärtige Detektiv mit seinen vornehmen Klamotten (Anzug, Krawatte, Hut) in dieser Stadt völlig aus dem Rahmen, auch sein Benehmen ist verblüffend unorthodox und wunderbar kauzig. Und dennoch ist der Mann sehr sympathisch, er ist gewitzt und charmant... eine richtig coole Type halt.

        Irgendwie erinnert mich Ted an den von Peter Falk verkörperten Lieutenant Columbo, nur daß er keine entwaffnende Schusseligkeit vorschiebt, um den oder die potentiellen Täter aufs Glatteis zu führen, sondern sich voll und ganz auf seinen Einfallsreichtum, seine Wortgewandtheit, sein Gespür und seinen Charme verläßt. Hat er erstmal eine Ungereimtheit gefunden, dann verbeißt er sich regelrecht darin und läßt nicht mehr locker, selbst auf die Gefahr hin, sich völlig zum Affen zu machen. Wobei hier natürlich auch noch die übernatürliche Möglichkeit ins Spiel kommt, daß wirklich ein Geisterzug sein Unwesen treibt. Schließlich nehmen nahezu alle Bewohner von Clematis das mysteriöse Gefährt als gegeben hin, und außerdem sind manchmal diese charakteristischen Geräusche zu hören, die eine schnaubende, ratternde Dampflok nun mal verursacht, inklusive der schrillen Pfeifsignale des Lokführers. Und wurde der arme Herbert in der famosen Eröffnungsszene nach einer Autopanne nicht tatsächlich von einem Zug erwischt? The Death Train ist ein ungemein kurzweiliger und angenehm versponnener Mystery-Krimi, der dermaßen blendend unterhält, daß man es äußerst schade findet, daß es nicht weitere Filme mit dem so cleveren wie hartnäckigen Versicherungsdetektiv gibt. Hugh Keays-Byrne geht in der exzentrischen Hauptfigur völlig auf und ist in jeder Sekunde so hinreißend, daß man gerne mehr von ihm sehen würde.

        Da es sich bei The Death Train um einen schmalbudgetierten australischen Fernsehfilm handelt, muß man in gewissen Bereichen natürlich Abstriche in Kauf nehmen. Wer sich zum Beispiel den einen oder anderen Spezialeffekt erhofft, wird am Ende wohl bitter enttäuscht auf der Couch hocken. Auf spektakuläre Schauwerte muß man ebenso verzichten wie auf aufwändige Actionszenen. Das ist, wie ich meine, jedoch kein Defizit, da der Streifen anderweitig genug zu bieten hat. Das Drehbuch von José Luis Bayonas ist trotz seiner etwas episodenhaften Struktur interessant und originell, Richard Wallace' recht dynamische Kamera ist weit über durchschnittlichem 70s-TV-Movie-Niveau, die musikalische Untermalung (mal jazzig angehauchter Groove, mal unheimliche Theremin-Klänge) ist klasse, und sämtliche Figuren haben zumindest einen schrägen Tick, was immer wieder für humorige Momente, manchmal sogar mit leicht surrealem Einschlag, sorgt. Das Zusammenspiel zwischen Keays-Byrne (falls es bei dem Namen nicht klingeln will: im darauffolgenden Jahr machte er als Toecutter einem gewissen Mad Max das Leben zur Hölle) und Ingrid Mason (Picnic at Hanging Rock), welches fast schon Running Gag-Charakter hat, ist toll, die fiese Alptraum-Sequenz ist nicht von schlechten Eltern und eine willkommene Abwechslung zum übrigen Geschehen, und auch über Igor Auzins' (The Night Nurse) Regie gibt es nichts wirklich Negatives zu berichten. Das doppelbödige Ende rundet diese sehenswerte Obskurität schließlich auch noch perfekt ab.

        In Clematis mag The Death Train für Angst und Schrecken sorgen. Beim Zuschauer sorgt er vor allem für eines: Für viel Vergnügen.

        Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
        Komplettübersicht mit Direktzugriff

        Kommentar


          Homicycle
          Kanada 2014 - Directed by Brett Kelly



          Den Trailer zu Brett Kellys My Fair Zombie (2013) habe ich bestimmt schon zehn Mal gesehen (der ist bei jeder zweiten Trailershow von Camp Motion Pictures mit dabei), und mit jedem Mal Ansehen gefällt er mir besser, sodaß es mich in den Fingern juckt, dieses skurrile Zombie-Musical endlich mal in den Warenkorb zu klicken, obwohl ich den wandelnden Toten längst überdrüssig geworden bin und sich meine Begeisterung für Musicals in Grenzen hält. Gekauft habe ich mir stattdessen spontan Homicycle, einen anderen Film von Mr. Kelly, einfach aufgrund des coolen Titels und des geilen Covers. Homicycle rattert auf dem Retro-Train dahin, welchen Quentin Tarantino und Robert Rodriguez mit ihrem Grindhouse-Projekt 2007 ins Rollen gebracht haben. Der billig produzierte Film, dessen Look künstlich auf alt getrimmt wurde (inkl. Kratzern, Schmutz und Laufstreifen; an einer Stelle brennt das Zelluloid sogar durch), ist eine Hommage an die Direct-to-Video-Rache-Action-Streifen der 1980er-Jahre. Erzählt wird die Geschichte der Polizistin Julia (Candice Lidstone), deren Ehemann Eddie (Mac Dale), ebenfalls ein fähiger Polizist, vom lokalen Gangsterboß Brock (Peter Whittaker) ermordet wurde. Julia sinnt auf Rache und will Brock auf eigene Faust zur Strecke bringen, da ihre Vorgesetzten den Fall mangels Beweisen ("He's greasier than an eel!") erstmal ad acta gelegt haben. Da taucht plötzlich ein mysteriöser, schwarzgewandeter Motorradfahrer auf, der Jagd auf Brocks Leute macht und sie einen nach dem anderen auf einfallsreiche Weise ins Jenseits befördert.

          Der am 29. Oktober 1972 geborene Kanadier Brett Kelly scheint ein glühender Genrefan zu sein, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat und seit 2002 unermüdlich einen Film nach dem anderen herunterkurbelt (einige davon, wie Iron Soldier, Avenging Force: The Scarab, Thunderstorm: The Return of Thor, Jurassic Shark oder Agent Beetle haben es sogar nach Deutschland geschafft). Aktuell spuckt die Internet Movie Database (inklusive seiner Kurzfilme) einunddreißig Regiearbeiten aus. Damit nicht genug, mischt er (manchmal) auch in anderen Bereichen des Filmemachens fröhlich mit. Er ist Schauspieler, Drehbuchautor, Produzent, Sound Mixer, Sänger, Kampfchoreograph, Cutter und Kameramann, macht Spezial- und Make-Up-Effekte sowie Animationen und führt sogar Castings durch. Ein echter Hansdampf-in-allen-Gassen also. Das, was dann am Ende dabei herauskommt, trifft jedoch eher selten auf Gegenliebe. Das Gros seiner Filme dümpelt bei den Publikumsbewertungen zwischen äußerst mageren zwei und nicht sonderlich berauschenden vier Punkten dahin, wobei es sein Jurassic Shark sogar in die "Bottom 100" der IMDb geschafft hat (er belegt derzeit den eindrucksvollen Platz # 22). Sind Kellys Filme also alle für die Tonne, sind sie sämtlich für die Katz'? Da ich von ihm bis dato nur Homicycle kenne, kann ich diese Frage natürlich nicht beantworten. Gehe ich aber von dem eben Gesehenen aus, dann fällt das Resümee in der Tat leider ziemlich zwiespältig aus.

          Daß Homicycle kein guter Film ist, sollte nicht überraschen. Das war von den Machern ja auch so beabsichtigt, als Verbeugung vor den billigen Videotheken-Flicks der Achtziger mit Rachethematik, wobei besonders die Parallelen zu The Nail Gun Massacre (1985) ins Auge fallen. Und das kriegt Kelly auch erstaunlich gut hin. In seinen besten Momenten wirkt Homicycle glatt, als wäre er Mitte der 1980er-Jahre entstanden. Die Kamera, die Ausleuchtung, der Szenenaufbau, der schrille Schurke, die Dialoge, das alles in Kombination mit der herrlichen Synthesizer-Musik, da kommt bisweilen ein sehr stimmiges 80er-Flair auf. Leider wird diese nette Stimmung durch die ironische Herangehensweise von Kelly & Co getrübt. Im Gegensatz zu den (meisten) Vorbildern nimmt sich Homicycle nämlich nicht ernst, das Augenzwinkern ist stets präsent. Dazu kommen die vielen Schwächen (sowohl technischer und schauspielerischer als auch inhaltlicher Natur), die so eine niedrig budgetierte Produktion mit sich bringt. Immerhin begeht Kelly nicht den Fehler, die Geduld der Zuschauerschaft überzustrapazieren. Homicycle schafft es mit Ach und Krach auf siebzig Minuten Laufzeit; zieht man den Vorspann, den Abspann sowie die Intermission (*) ab, kommt man nur auf achtundfünfzig Minuten Film. Aber selbst über diese kurze Strecke entwickelt der Streifen keinen richtigen Fluß, da die Geschichte nicht viel hergibt und weil zwei, drei Szenen (wie der Auftritt einer Rockgruppe oder ein Bikini-Contest) bloßes Füllmaterial sind, um das Movie annähernd auf Spielfilmlänge zu strecken.

          So sind es die einzelnen Set-Pieces, die weit mehr zu überzeugen wissen als der Film als gesamtes. Wie der coole erste Auftritt des Bikers bei Nacht, Nebel und Gegenlicht, oder der bleihaltige Shootout im Gangsterhauptquartier. Ebenfalls erwähnenswert sind die kreativen Methoden, mit welchen der Rächer sein blutiges Handwerk erledigt. Einen von Brocks Handlangern schlägt er die Faust durch den Leib, einem anderen schnetzelt er die Pfote am rotierenden Vorderrad seines Bikes ab, einem dritten reißt er das Bein aus und prügelt damit eine weitere Schurkin zu Tode. Ein Gangster wird mit Nägeln aus einer Nagelpistole perforiert, und ein Übeltäter schließt unangenehme Bekanntschaft mit einem Klopömpel, den unser Antiheld mal eben zweckentfremdet. Die überwiegend praktischen Spezialeffekte sind überaus cheesy und überzeugen kein bißchen, wobei CGI-Blut nur bei einigen Schußwunden zum Einsatz kommt. Ein paar Worte möchte ich noch über die dürftig bis gar nicht charakterisierten Hauptfiguren verlieren. Brock ist ein völlig lächerlicher Bösewicht und wirkt in seinem Piraten-Outfit wie eine häßliche Hafentranse, Julia ist dumm wie Brot, beeindruckt aber mit ihrem dick aufgetragenen blauen Lidschatten, und der mordende Biker spricht kein Wort und scheint unverwundbar zu sein. Wenn man keine Berührungsängste mit spottbilligen B-Movies hat und einem die sogenannten Grindhouse-Filme noch nicht zum Halse raushängen, dann kann man Homicycle also trotz aller Schwächen gut goutieren, sofern man die Ansprüche ein Stück weit nach unten schraubt.

          (*) Nach dem hübsch gestalteten "Filmriß" laufen plötzlich einige Werbespots (für Popcorn, Würstel, Kaffee, Eiscreme) und Benimmregeln (Herummachen in der Öffentlichkeit verboten) ab, wie sie üblicherweise in Drive-Ins zu sehen waren. Diese Idee mag zwar nett sein, ist aber hier ausgesprochen fehl am Platze. Die Werbefilmchen (geil: das animierte Hot Dog-Würstchen) machen auf mich einen sehr authentischen Eindruck, weshalb ich denke, daß es sich dabei um echte, zeitgenössische Spots handelt und nicht um neu gedrehte Fakes.

          Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
          Komplettübersicht mit Direktzugriff

          Kommentar


            Gut-Pile
            (Gut Pile)

            USA 1997 - Written & Directed by Jerry O'Sullivan




            Wenn ein Film auf den deliziösen Titel Gut-Pile hört, stehen die Chancen nicht schlecht, daß es sich hierbei weder um einen verschollenen Thriller von Alfred Hitchcock, noch um ein vor kurzem wiederentdecktes skandinavisches Drama von Ingmar Bergman handelt. Eine beschwingte romantische Komödie mit Jennifer Aniston kann man wohl ebenso ausschließen wie ein neues Superheldenspektakel der Marvel Studios oder den aktuellen Weihnachtsfilm aus dem Hause Walt Disney Pictures. Nein, Gut-Pile ist, wie ihr bestimmt erraten habt, ein Horror-Movie weit abseits von Hollywood, in welchem es nicht gerade zimperlich zugeht. Gut-Pile ist das Baby von Jerry O'Sullivan (seine einzige Regiearbeit), der das Ding nicht nur inszenierte, sondern auch das Drehbuch schrieb, am Schnitt mitwirkte und sogar einen stimmlichen Cameo-Auftritt (als Sheriff) absolvierte. Unterstützt wurde O'Sullivan von Ron Bonk (das "Mastermind" hinter Filmen wie City of the Vampires, Strawberry Estates und Ms. Cannibal Holocaust), der den Streifen produzierte, beim Schnitt mithalf und auch eine der Hauptrollen übernahm.

            Der (hauchdünne) Plot dreht sich um Dan (Jeffrey Forsyth), einen Jäger, der im Wald geduldig auf seine Beute lauert. Als es in der Nähe vielversprechend raschelt, visiert er mit seinem Gewehr kurz an und schickt die Kugel sogleich auf die Reise. Wenig später staunt er nicht schlecht. Er hat mit dem bleiernen Geschoß keinen stattlichen Hirschen, sondern einen anderen Jäger (Bob Licata) erlegt, der gerade durchs Dickicht geschlichen ist. Was tun? Da niemand, abgesehen von einer einsam und verlassen mitten auf einem angrenzenden Feld stehenden Vogelscheuche, den dummen Unfall beobachtet hat, entschließt sich Dan kurzerhand, die Leiche im Wald zu verbuddeln. Ein Jahr später. Mit seinen beiden Freunden Mike (Ron Bonk) und Bob (Edward Mastin) kehrt Dan an den Ort des Unglücks zurück. In einer nahegelegenen Holzhütte quartiert sich das Trio für ein entspanntes, feuchtfröhliches Wochenende ein, nicht ahnend, daß eine unheimliche Macht nach Rache dürstet und es mit der Schuldfrage nicht sonderlich genau nimmt.

            Gut-Pile ist ein amerikanischer Wald-und-Wiesen-Splatterfilm, mit viel Wald und Wiesen, aber eher wenig Splatter. Das Besondere dabei ist, daß Jerry O'Sullivan und sein Director of Photography Whit Blanc versuchten, den Stil von Sam Raimis Kultklassiker The Evil Dead (Tanz der Teufel, 1981) zu imitieren. Und, Ehre wem Ehre gebührt, das ist ihnen durchaus beachtlich gelungen! Da wirbelt die Kamera schwindelerregend durch den Wald, saust rasant zwischen den Bäumen auf die Holzhütte zu, oder schwebt, ausgehend von der Vogelperspektive, vor Dan sanft zu Boden. Ein gekonnter 360-Grad-Kameraschwenk darf ebenso wenig fehlen wie zahlreiche extreme Close-Ups sowie ein paar ungewöhnliche Kamerapositionen (z. B. aus einem Plumpsklo heraus). Keine Frage, Blanc versteht sein Handwerk. Leider nimmt dieses penetrante Nachahmen von Raimis dynamischen Regiestil dermaßen überhand, daß es nicht mehr als bloße Hommage durchgeht, sondern wie die dreiste Kopie eines Fanboys erscheint, der seinem großen Vorbild nacheifert.

            Und das ist eines der vielen Probleme von Gut-Pile. Eine gewisse Eigenständigkeit wird schmerzlich vermißt, es mangelt dem Film an eigenen Ideen, was bleibt ist ein billiges, unoriginelles, mitunter immerhin recht launiges Rip-Off. Abgesehen von der Kameraarbeit bewegt sich der SOV-Streifen überwiegend auf gehobenem Amateur-Movie-Niveau. Die schauspielerischen Darbietungen, der Schnitt, die Dramaturgie, die Musik, die Continuity, die Spezialeffekte... das alles ist für eine Zero-Budget-Amateur-Produktion mehr als akzeptabel, für einen "richtigen" Film ist es dennoch nicht genügend. Ein wenig verwunderlich ist es außerdem, daß man in Punkto Gore nicht mehr auf den Putz gehauen hat, zumal die paar Effekte recht ansehnlich geraten sind und man gerne mehr davon gesehen hätte. Gut-Pile läuft nur gute fünfzig Minuten, fühlt sich jedoch deutlich länger an. Das liegt daran, daß sich der Kamera-Gimmick rasch abnutzt und daß die Story mit einigen unnötigen Füllszenen gestreckt wurde. Schade, daß O'Sullivan um all die Kameraspielereien herum keinen vernünftigen Plot gebastelt hat. Dann wäre aus Gut-Pile womöglich ein kleiner geiler Kracher geworden.
            Zuletzt geändert von Randolph Carter; 05.03.2019, 08:22.
            Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
            Komplettübersicht mit Direktzugriff

            Kommentar


              Swarm of the Snakehead
              USA 2006 - Directed by Frank Lama & Joel Denning




              William Emerson (Joel Denning) kehrt nach seiner Scheidung - seine nunmehrige Ex war wohl nicht sehr erfreut, daß er den Nebenbuhler mit einer lebenden Katze verprügelt hat! - mit seinen drei Töchtern in sein idyllisches Heimatstädtchen Barrow Springs im Osten Marylands zurück. Dort sind in letzter Zeit fast sämtliche Haustiere spurlos verschwunden, was jedoch die Bürgermeisterin Janice Appleyard (Lisa Burdette) nicht sonderlich zu beunruhigen scheint. Sogar als Menschen verschwinden und sie selbst während einer Autofahrt von einem ungewöhnlichen Fisch attackiert wird, schweigt sie und kehrt die ungute Angelegenheit lieber unter den Teppich, schließlich dürfen die bevorstehenden Festivitäten wie das große, jährliche Anglerfest nicht gefährdet werden. Währenddessen freundet sich der süße Backfisch Ashley ("Miss Maryland Teen USA 2006" Jamie Linck O'Brien), Williams älteste Tochter, mit dem coolen Teenager Jake (Timothy Stultz) an, und das nächtliche Rendezvous findet prompt am menschenleeren Strand statt. Aber nicht nur dort blasen die fiesen Fische - übrigens das Ergebnis eines lange zurückliegenden militärischen Experiments - zum Halali auf die ahnungslosen Stadtbewohner.

              Man nehme ein paar sympathische Normalos, die in tödliche Gefahr geraten, ein paar schrille Figuren, die dämliche Dinge tun, sowie zahlreiche ulkige Monster, die sich in der Nahrungskette am Menschen vorbei nach oben fressen, und fertig ist die fischige Sause, welche die Herren Frank Lama und Joel Denning in Maryland von 2002 bis 2005 auf 16mm-Film gebannt haben. Swarm of the Snakehead ist eine herrlich bescheuerte Horrorkomödie, die mich anderthalb Stunden köstlich unterhalten hat. Zwar sitzt nicht jeder der phasenweise haarsträubend blöden Gags, aber da die Macher das Herz am rechten Fleck haben, Seth Hurwitz' Drehbuch kein Klischee ausläßt und die Schauspieler ausgesprochen gut drauf sind, sieht man über etwaige Blindgänger großzügig hinweg. Lisa Burdette sorgt zum Beispiel als korrupte Bürgermeisterin ebenso für Lacher wie der von Frank Lama gespielte "manly fisherman" Darrel Delhey, eine Art Ash (The Evil Dead), nur wesentlich schräger, debiler und feiger. "Leatherface" Gunnar Hansen (1947 – 2015) hat ein tolles, an Quints legendären Auftritt in Jaws erinnerndes Cameo, und der kultige George Stover (Nightbeast) schaut auch kurz vorbei. Die Dialoge sind oft von der hirnerweichenden Sorte (Er: "Would you like to come in for a cup of coffee?" - Sie: "I don't drink coffee!" - Er: "Good. Because I don't have any!"), machen aber ziemlich Laune. Realistisch ist die trashige Chose in etwa so sehr wie sie gruselig ist, nämlich gar nicht. Dafür ist der mit zahlreichen (Rock-)Songs von lokalen Künstlern (u. a. Glen Nevous, Kip Winger, Ravyns, Dagmar and the Seductones und Bootcamp) unterlegte Film witzig, sympathisch und angenehm schräg.

              So richtig irre wird der billige, zu Beginn noch etwas unfokussiert durch die Gegend taumelnde Streifen aber erst durch die Schlangenkopffische. Diese eigentlich in Afrika und Asien beheimatete Spezies benimmt sich nämlich gar nicht so, wie man es von Fischen gewohnt ist. Zwar können die Tiere tatsächlich unter gewissen Umständen mehrere Tage an Land leben, aber in Swarm of the Snakehead agieren sie eher wasserscheu und scheinen sich bevorzugt an Land zu tummeln. Wie sich die Viecher langsam und behäbig über einen Steg schlängeln, ist ein Bild für Götter. Darüber hinaus benehmen sich die Fische, als ob sie in der Witzkiste geschlafen und einen Clown gefrühstückt hätten. Die sind total überdreht, geben komische Laute von sich, krächzen, kreischen und fauchen gerne, und hin und wieder kichern sie sogar boshaft. Falls jetzt jemand an die populären Gremlins denken sollte, dann wäre das ein Bingo. Verstärkt wird der Spaß noch dadurch, daß man die Kreaturen überwiegend auf praktische Weise zum Leben erweckt hat. Es handelt sich also um drollige Puppen, die nach ihren Opfern schnappen, sich in Kehlen verbeißen oder Säure in Gesichter spucken und so für ein kleines Massaker sorgen. Das große Finale verläuft etwas enttäuschend, da der grobe Unfug, mit dem man zuvor laufend konfrontiert wurde, leider nicht mehr getoppt wird. Die Szene kurz vor Schluß (ein geiler Gag, der auch Wednesday Addams gut zu Gesicht stehen würde) entschädigt jedoch gleich wieder für den nicht wirklich aufregenden Showdown. Am Ende bleibt die Tür für ein Sequel offen, welches nie entstanden ist. Das ist vielleicht auch gut so, bleibt Swarm of the Snakehead damit doch ein liebenswert-schräges Unikat des Flossenhorror-Subgenres.
              Zuletzt geändert von Randolph Carter; 05.03.2019, 08:23.
              Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
              Komplettübersicht mit Direktzugriff

              Kommentar


                Beyond the Door III
                (Amok Train - Fahrt ins Nichts / Amok Train / Death Train / Evil Train)

                Italien/Jugoslawien/Niederlande/USA 1989 - Directed by Jeff Kwitny




                In den 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahren hatte der am 18. Januar 1943 in Alexandria, Ägypten, geborene Ovidio G. Assonitis bei so manchem Genrefilm seine geschäftstüchtigen Finger mit im Spiel. Er war an der Produktion von Filmen wie Chi l'ha vista morire? (The Child - Die Stadt wird zum Alptraum, 1972), Il paese del sesso selvaggio (Mondo Cannibale, 1972), Superuomini, superdonne, superbotte (Sie hauen alle in die Pfanne, 1974), Tentacoli (Der Polyp - Die Bestie mit den Todesarmen, 1977), Stridulum (Die Außerirdischen, 1979), There Was a Little Girl (Party des Schreckens, 1981), Piranha Part Two: The Spawning (Fliegende Killer - Piranha II, 1981), The Curse (1987), Curse II: The Bite (The Bite, 1989), American Ninja 4: The Annihilation (American Fighter 4 - Die Vernichtung, 1990) und American Ninja 5 (American Fighter 5, 1993) beteiligt, und er schrieb an den Drehbüchern von Chi sei? (Wer bist Du?, 1974), Laure (Laura, 1976) und Choke Canyon (Der einsame Kämpfer, 1986) mit. Außerdem nahm er bei Chi sei?, Tentacoli, Desperate Moves (Rollerboy, 1981), There Was a Little Girl, Piranha Part Two: The Spawning und Out of Control (Durchgebrannt, 1992) höchstselbst das Regiezepter in die Hand (manchmal erst, nachdem er es den ursprünglichen Regisseuren unsanft entwunden hatte). Seine wohl extravaganteste Duftmarke setzt er jedoch mit dem 1989 entstandenen Beyond the Door III (Amok Train - Fahrt ins Nichts), welchen er als ausführender Produzent betreute.

                Müßte man dieses herrlich abstruse Werk mit einem Wort beschreiben, meine Wahl fiele ohne langes Zaudern auf "Okkultkatastrophenslasher". Es geht um eine kleine Gruppe amerikanischer Studenten, welche zu Studienzwecken nach Jugoslawien reist, um einer geheimnisvollen, etwa zweitausend Jahre alten Zeremonie beizuwohnen. Eine der Studentinnen ist Beverly Putnic (Mary Kohnert), eine junge, blonde, introvertierte Frau serbischer Abstammung mit einem großen Muttermal in Form eines Zeichens auf dem Bauch. Die Begrüßung in Belgrad durch den Anthropologieprofessor Andromolek (Bo Svenson, Walking Tall Part II und Final Chapter: Walking Tall) ist freundlich, obwohl den älteren Herren eine mysteriöse und ziemlich sinistere Aura umgibt. Die weitere Reise in den ländlichen Teil des Landes ähnelt einer Reise zurück in der Zeit. Das primitive Dorf, in dem sie die Nacht verbringen, hat ein seltsames, mittelalterliches Flair, als ob sich das Rad der Zeit dort schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr weitergedreht hätte. Und auch die Bewohner, allen voran die Dorfälteste Vesna, benehmen sich äußerst merkwürdig, unnahbar und feindselig. Welch grausige Absichten sie hegen bekommen die jungen, nicht sonderlich sympathischen Leute in der Nacht zu spüren, als ihre Betten plötzlich in Flammen aufgehen und die Türen verbarrikadiert sind. Die panische Flucht führt sie zu einem Bahngleis, worauf gerade ein alter, dampfbetriebener Zug dahintuckert. Die Studenten klettern an Bord, doch damit beginnt der Horror erst so richtig.

                Da der Lokführer und der Heizer gleich mal ohne viel Federlesens entsorgt werden, rattert der Zug mehr oder weniger führerlos dahin. Mehr, weil er von keinem Menschen gesteuert wird, weniger, weil nun eine übernatürliche Macht das Kommando über die Lokomotive übernommen hat. Und da im Grunde nur eine einzige Person wichtig ist, kommt es von nun an zu zahlreichen bizarren "Unfällen", von denen einige frappant an die Todesfälle der The Omen-Filmreihe erinnern. Da wird ein Unglücklicher beim Hantieren zwischen den Waggons entzweigerissen, eine Frau wird vom Zug erfaßt und enthauptet, und einer der Studenten wird glatt von einem Schranken durchbohrt. Aber das Böse beweist auch Kreativität und beschränkt sich nicht nur auf "Unfälle", wie die coole Haut-vom-Gesicht-reiß-Szene beweist. Diese spektakulären Set-Pieces sind recht ansprechend und bisweilen sehr gorig umgesetzt, wobei die Spezialeffekte von Angelo Mattei, Mario Ciccarella, Srba Kabadajic und ihren Assistenten nicht wirklich überzeugen können. Diesen Umstand teilen sie mit den Actionszenen, denn wenn der Amok Train dahindonnert, kann ihn nichts und niemand mehr stoppen. Kein entgegenkommender Personenzug, und schon gar keine auf den Gleisen geparkte Trucks. Diese Crashs wurden, wie einige andere Sequenzen auch, mit Miniaturmodellen umgesetzt, was schon einigermaßen stark ins Auge fällt. Nichtsdestotrotz sorgt gerade dieses Unperfekte für eine Extraportion Charme.

                Wenn man sich die Zeit nimmt, um über das Gesehene zu sinnieren, wird man nicht umhinkommen festzustellen, daß die Handlung im Grunde völlig sinnlos ist. Die Dorfbewohner hätten sich Beverly (ja, bei ihr handelt es sich - man erinnere sich an ihr Geburtsmal - um die Auserwählte, die bei der Zeremonie nicht nur zusehen, sondern aktiv mitmischen soll) in der Nacht im Dorf mühelos krallen und anschließend zum Ort des Rituals schleppen können, anstatt sie erst zu verschrecken und sie dann per Zug zum Bestimmungsort kutschieren zu lassen. Mit Logik kann Beyond the Door III (*) also wirklich nicht punkten, und auch der Realismus wird konsequent ausgehebelt, was aber kein Problem darstellt, da der Streifen einfach jenseits aller Naturgesetze prächtig funktioniert. Man nehme nur mal die zischende, fauchende, qualmende Lok, die auch schon mal spontan die Gleise verläßt und quer durch die Botanik pflügt, um sich ein abtrünniges Pärchen zu schnappen. Fast erscheint die von dämonischen Mächten besessene Lokomotive als ein lebendiges, kaum zu bändigendes Monstrum, das seine Opfer am liebsten mit Haut und Haaren verschlingen möchte. Diese Szenen - oft vom Boden aus gefilmt, was die Lok noch mächtiger wirken läßt - sind wirklich toll umgesetzt. Darüber hinaus arbeitet die Nebelmaschine auf Hochtouren (Adolfo Bartoli gelingen da einige schöne Gegenlicht-Aufnahmen), was der sehr eigenwilligen, alptraumhaften, fast schon märchenhaften Atmosphäre mehr als nur zuträglich ist.

                Hauptinspiration für dieses bewundernswert absurde Werk war mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Andrey Konchalovskiys herausragender Actionthriller Runaway Train (1985), in welchem Jon Voight, Eric Roberts und Rebecca De Mornay an Bord eines führerlosen Zuges um ihr Leben kämpfen. Aber auch anderweitige Einflüsse sind spürbar; so mußten als weitere Ideenlieferanten so unterschiedlichen Filme wie The Wicker Man (1973), The Evil Dead (1981) und - wie bereits erwähnt - The Omen (1976) herhalten. Vesna, die Dorfälteste, zum Beispiel, benimmt sich in einigen Momenten genauso wie die Besessenen in Sam Raimis Teufelstanzklassiker. Aber gut geklaut ist nun mal besser als schlecht neu ausgedacht, wie eines der Mottos von italienischen Horror- und Exploitationfilmproduzenten lautet. Und wenn altbekannte und erfolgserprobte Ideen so enthusiastisch in einen solch hirnrissigen Plot wie bei Beyond the Door III integriert werden, kann man als Genrefan den Verantwortlichen sowieso nicht wirklich böse sein. Geschrieben wurde dieser grobe Unfug von einer gewissen Sheila Goldberg, und die recht gelungene, Keyboard-lastige Musikuntermalung steuerte Carlo Maria Cordio bei. In einer Nebenrolle als Beverlys Mutter ist Victoria Zinny (Keoma) zu sehen. Über Regisseur Jeff Kwitny gibt es nicht viel zu berichten; er hat nur eine Handvoll Filme gedreht, darunter den "coolen" Slasher Iced (Iced - Der Tod auf Skiern, 1988).


                (*) Eine Beyond the Door-Filmreihe existiert de facto nicht. Das italienische The Exorcist-Rip-Off Chi sei? lief in Amerika unter dem Titel Beyond the Door. Aus Mario Bavas Shock (1977) machte man dann, weil Chi sei? die Kassen ordentlich klingeln ließ, in Großbritannien und in den Staaten Beyond the Door II. Und irgendjemand, vermutlich die amerikanischen Geldgeber, hielt es deshalb für eine gute Idee, Jeff Kwitnys "Okkultkatastrophenslasher" unter dem Titel Beyond the Door III zu veröffentlichen.
                Zuletzt geändert von Randolph Carter; 05.03.2019, 08:24.
                Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
                Komplettübersicht mit Direktzugriff

                Kommentar


                  The Eternal Evil of Asia
                  (Nan yang shi da xie shu / Lam yeung sap dai che sui / Erotic Black Magic)

                  Hongkong 1995 - Written & Directed by Cash Chin Man-Kei




                  Gegen AIDS sind die vergnügungssüchtigen Thailand-Urlauber Kong (Elvis Tsui Kam-Kong), Nam (Bobby Au-Yeung Tsan-Wah), Kent (Ng Shui-Ting) und Bon (Chan Kwok-Bong) gewappnet, wie ihre gewaltigen Kondomvorräte beweisen. Den schwarzmagischen Aktivitäten, die alsbald auf sie einprasseln, sind die vier Männer jedoch hilflos ausgeliefert. Dabei sind sie mehr oder weniger unschuldig in die garstige Suppe geschlittert, die sie jetzt auslöffeln müssen. Während des feuchtfröhlichen Urlaubs haben sie nach einem mißglückten Bordellbesuch nämlich die Bekanntschaft des mächtigen Magiers Laimi (Ben Ng Ngai-Cheung) gemacht, dessen einsame Schwester Shui Mei (Chin Gwan) sich in den feschen Bon verliebt, der allerdings kurz vor der Hochzeit mit der attraktiven, zu Hause auf ihn wartenden Friseurin May (Ellen Chan Nga-Lun) steht.

                  Um Bon rumzukriegen bittet Shui Mei ihren Bruder, mit einem Liebeszauber etwas nachzuhelfen, was leider gründlich danebengeht, da anstelle von Bon seine drei Freunde unter den Einfluß des Zaubers geraten und mit der ebenfalls verhexten Shui Mei eine heiße Nacht verbringen. Am folgenden Morgen gibt es erst ein böses Erwachen, dann ein kleines Handgemenge, und danach schließlich eine Tote (= Shui Mei). Die überstürzte Flucht zurück nach Hongkong gelingt zwar, doch einige Wochen später beginnt Laimi damit, erbarmungslos Rache zu üben. Und gegen seine schwarzmagischen Zauber scheint kein Kraut gewachsen. Einer nach dem anderen segnet auf gräßliche Weise das Zeitliche. Wer soll den sadistischen Hexer stoppen, der selbst vor der armen May nicht haltmacht, mit der Absicht, sie für den Rest ihres Lebens als Sexsklavin zu halten?

                  Im Hongkong-Horrorkino der 1970er- und 1980er-Jahre waren Filme, in denen es um schwarze Magie, Flüche, Hexerei und dergleichen ging, recht beliebt. Man denke nur an berüchtigte Streifen wie Jiang tou (Black Magic aka Das Omen des Bösen, 1975), Gou hun jiang tou (Black Magic, Part II, 1976), Xie (Hex, 1980), Mo (The Boxer's Omen, 1983) oder Zhong gui (Seeding of a Ghost, 1983). Was lag also näher, als während des lukrativen Category III-Booms in den Neunzigern diese populäre Thematik aufzuwärmen und mit den typischen CAT III-Zutaten wie Sex, Gewalt, Blutrunst und Niedertracht zu vermengen? Das dachte sich wohl auch Cash Chin Man-Kei (Sex & Zen II, Naked Poison), als er Mitte der 1990er The Eternal Evil of Asia schrieb und inszenierte. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und ist ein kleiner Leckerbissen für Freunde des etwas andersgearteten Films.

                  The Eternal Evil of Asia ist eine wüste, nicht immer geschmackssichere Melange aus allerlei erfolgsversprechenden Ingredienzien, die Cash Chin Man-Kei gut gelaunt zu einem schmackhaft-würzigen Cocktail mit exotisch-säuerlichem Abgang mixte, welcher unbedarften Gemütern mit ziemlicher Sicherheit schwer im Magen liegen dürfte. Es ist vor allem der sich immer mal wieder in den Vordergrund drängende Humor Hongkong'scher Prägung, der für so manchen absurden, verständnislosen WTF-Moment sorgt. In einer total beknackten Sequenz wird etwa der vorlaute Kong von Laimi bestraft, indem er ihn in einen "Dickhead" verwandelt. Sein Kopf ähnelt nun einer prallen Eichel, was Anlaß für weiteres, albernes Herumgehampel ist. Später wird die Schwester eines Mannes vor dessen Augen vergewaltigt, und was sagt er zum Rapist? "Why don't you wear condom?"

                  Dem gegenüber stehen dann heftige Todesszenen, in denen es g'schmackig zur Sache geht. Einer der Männer halluziniert, daß ihn seine verstorbenen Eltern heimsuchen. Mit einem Hackebeil drischt er wie irre auf die vermeintlichen Zombies ein, nicht ahnend, daß er in Wahrheit die Menschen um sich herum attackiert. Ein anderen wird mit Heißhunger behext, sodaß er alles verschlingt, was ihm zwischen die Zähne kommt. Selbst vor seiner eigenen Hand macht er nicht Halt. Und auch in Sachen Sex wird einiges geboten, was man so noch nicht gesehen hat. So wird eine Frau ausgiebig vergewaltigt... von einem Unsichtbaren! Die Einstellungen, in denen er ihre Brüste begrapscht, wurden gar nicht mal so schlecht getrickst. Den Vogel schießt aber die (lange) Szene ab, in der sie zu einem Blowjob genötigt wird. Die Schauspielerin zieht da alle Register, um den unsichtbaren Schwengel zu verwöhnen!

                  Man kann The Eternal Evil of Asia vieles vorwerfen, aber bestimmt nicht, daß er langweilig wäre. Das Tempo ist sehr hoch, es ist immer was los, und der Regisseur weiß den groben Unfug sehr kurzweilig und unterhaltsam aufzubereiten, auch wenn das phasenweise hektische Geschehen (irre Kamerafahrten, schneller Schnitt, chaotische Set-Pieces) mitunter ziemlich anstrengend ist. Dank des Fantasy-Elements, des comichaften Untertons und der ausgelassenen Humoreinschübe ist der krude Streifen niemals so unangenehm zynisch wie andere, bekanntere CAT III-Movies (wie z. B. The Untold Story, Daughter of Darkness oder Red to Kill), vermutlich auch deshalb, weil man ihn nicht wirklich ernst nehmen kann. Das stellt schon die augenzwinkernde Eröffnungsszene klar, welche den richtigen Umgang mit Geistern thematisiert. Und daran ändern auch das furiose Finale ("I want to screw you to death!") sowie die fiese Schlußpointe nichts.
                  Zuletzt geändert von Randolph Carter; 05.03.2019, 08:25.
                  Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
                  Komplettübersicht mit Direktzugriff

                  Kommentar






                    Children Shouldn't Play with Dead Things
                    (Cemetery of the Dead / Cemetery of the Living Dead / Der Friedhof der lebenden Toten / Revenge of the Living Dead / Things from the Dead / Things from the Grave / Zombie Graveyard)

                    USA 1972 - Directed by Bob Clark




                    Mit toten Dingen spielt man nicht, das wird einem von den fürsorglichen Eltern schon von frühester Kindheit an eingebläut. Außer natürlich, man wächst im Hause der Addams auf, wo Gomez und Morticia nichts dagegen haben, wenn Pugsley und Wednesday wieder einmal voller Begeisterung "Weckt die Toten" spielen. An "Weckt die Toten" versuchen sich auch Jeff (Jeff Gillen), Paul (Paul Cronin), Val (Valerie Mamches), Terry (Jane Daly) und Anya (Anya Ormsby), die Mitglieder einer Hippie-Theatergruppe in Florida, die vom so exzentrischen wie manipulativen Anführer Alan (Alan Ormsby) nachts via Boot auf eine kleine Insel mit einem alten, ungepflegten, nebelverhangenen Friedhof gelotst werden. Erst treibt man fröhlich Schabernack, unter anderem mit einer ausgebuddelten Leiche, die zu Lebzeiten Orville (Seth Sklarey) hieß. Die geschmacklosen Aktivitäten nehmen jedoch immer blasphemischere und respektlosere Ausmaße an, und um Mitternacht ruft man sogar Satan an und rezitiert aus einem alten Grimoire eine finstere Beschwörungsformel. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf, denn die Toten erwachen tatsächlich zu unseligem Leben, und wie man spätestens seit Night of the Living Dead weiß, stehen lebende Menschen auf ihrer Speisekarte ganz oben.

                    Children Shouldn't Play with Dead Things, geschrieben von Bob Clark (Black Christmas) und Alan Ormsby (Deranged) und inszeniert von Bob Clark, ist ein Film, der wächst. Als ich den Streifen vor vielen Jahren das erste Mal sah, war ich ob des Dargebotenen ziemlich irritiert und befremdet. Das theatralische (und zum Teil überaus unsympathische) Spiel der Darsteller, die mitunter gestelzt vorgetragenen Mono- und Dialoge, die extrem lange Anlaufphase, der makabre, sich in allerlei derben Geschmacklosigkeiten suhlende Humor, das seltsame, nicht immer nachvollziehbare Verhalten der Charaktere, ja, mit alldem muß man erst mal warmwerden bzw. klarkommen. Bei der Erstsichtung, wo man keinen blassen Schimmer hat, was da genau auf einen zukommt, macht es einem dieser Streifen also wirklich nicht leicht. Aber mit jedem neuen Ansehen wächst der Film, und er wächst rasch. Ist man bei der ersten Begegnung eventuell noch wie vor den Kopf gestoßen, so lernt man schon beim ersten Wiedersehen viele der Dinge zu schätzen, die einem zuvor noch befremdlich erschienen. Nicht nur, weil einem der unerhört eigenwillige Ton, der pechschwarze, bitterböse Humor und die ausgesprochen merkwürdige Stimmung des Filmes ans Herz wachsen, sondern auch, weil man den (intendierten?) Subtext des Streifens mit etwas Abstand besser versteht. Children Shouldn't Play with Dead Things ist ein schmerzhaft-nihilistischer Abgesang auf die Hippiebewegung, die hier mitsamt ihren ach-so-schönen Credos mit Tamtam und Bohei zu Grabe getragen wird. Die stellvertretend für die Hippiekultur stehende Theatergruppe lebt in einer eigenen, verzerrten Welt, die mit der Realität nicht (mehr) kompatibel ist. Darüber hinaus benehmen sie sich derart daneben, daß man sich nicht wundern darf, wenn sich die Erde auftut und ihre Sendboten ausspuckt, um dem perversen Treiben ein Ende zu setzen.

                    Die Hippies in dieser ganz und gar nicht liebreizenden Geschichte stören nicht nur die Totenruhe, sie lassen auch jeden Respekt vor den Verblichenen vermissen (manche machen freilich nur aus Angst vor dem selbstherrlichen Theaterleiter gute Miene zum bösen Spiel). Sie graben eine Leiche aus, schleppen sie ins Haus, spielen mit ihr, verhöhnen sie. Sie gehen über Leichen, wenn man so will, und das nicht nur sprichwörtlich. In einer ganz famosen Szene - vielleicht die beste ihrer Art - schubst eine Figur eine andere mitten in die herannahende Zombiemeute, um sich Zeit für die Flucht zu verschaffen. Ob dieser perfiden Ungeheuerlichkeit hält sogar der Film für fünf, sechs Sekunden inne, um die Reaktionen einzufangen. Während das hilflose Opfer seinen Mörder voll blankem Entsetzen anstarrt und dieser blöd zurückglotzt, drehen die Untoten ungläubig ihre vermoderten Köpfe in seine Richtung, sichtlich verwirrt, überrascht und angewidert von dieser heimtückischen Schandtat. Die Zombies folgen ihren grausigen Instinkten, stillen ihre widerwärtigen Bedürfnisse; eine solche niederträchtige Teufelei käme ihnen jedoch niemals in den Sinn. Die über die Gruppe hereinbrechende Zombieapokalypse im letzten Viertel des Filmes ist eine Wucht. Zu einer kakophonischen Geräuschkulisse schälen sich die lebenden Toten aus ihren Gräbern, torkeln durch Nacht und Nebel, gierig nach Menschenfleisch. Die Attacke der (billig aber effektiv geschminkten) Zombies gipfelt schließlich in eine klassische Belagerungssituation, in der sich die "Kinder" der Geister, die sie aus Jux und Tollerei gerufen haben, erwehren müssen. Dieses furiose Finale ist nicht nur ungemein stimmungsvoll und immens befriedigend, es begeistert auch mit seiner rohen Kraft und seinen veritablen Alptraumqualitäten. Und gegen Ende gelingt Children Shouldn't Play with Dead Things sogar noch das Kunststück einer bravurösen Punktlandung, wenn exakt das eintritt, was man so lange herbeigesehnt hat.



                    Forever Evil
                    USA 1987 - Directed by Roger Evans




                    Ist es nicht voll ätzend, wenn so etwas passiert? Da erfährt Marc (Red Mitchell) vor kurzem, daß im Bauch seiner Freundin Holly (Diane Johnson) die Frucht seiner Lenden heranwächst, und bevor er sich überhaupt entschieden hat, ob er Vater sein will oder nicht, liegt Holly hingemeuchelt und geöffnet in der Dusche, sans bébé. Da kann einem schon mal ein fassungsloses "Where is the goddamned baby?" rausrutschen. Wenig später hat die in dieser Gegend ihr Unwesen treibende böse Macht auch seine vier Freunde in den Zustand des Nicht-Lebens befördert, und Marc landet verletzt im Krankenhaus, nachdem er bei seiner überstürzten Flucht von einem Auto angefahren worden ist. Dort trifft er die Photographin Reggie (Tracey Huffman), die einzige Überlebende eines ähnlichen Massakers, und zusammen mit dem hartgesottenen Cop Leo (Charles L. Trotter) versuchen sie, dem unheimlichen Mörder auf die Spur zu kommen.

                    Hut ab vor der Chuzpe von Drehbuchautor Freeman Williams und Regisseur Roger Evans. Die machten sich nämlich in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre auf, ohne allzu große Filmerfahrung, ohne professionelle Schauspieler und ohne ein brauchbares Budget in Texas ein ambitioniertes, visionäres, fast zweistündiges Horrorepos auf Zelluloid zu bannen. Herausgekommen ist dabei Forever Evil, ein Film für Genrefans, welche mit Gold nicht aufzuwiegende Tugenden wie Leidenschaft, Kreativität oder Herzblut den Vorzug gegenüber State-of-the-Art-Tricks, spektakulären Schauwerten oder überbezahlten Stars geben. So richtig originell ist Forever Evil zwar nicht, aber die Art und Weise, wie altbekannte Versatzstücke in den nahezu epischen Plot eingewoben wurden, macht schon Staunen. Zu Beginn (junge Leute in einem abgelegenen Häuschen vs. finstere unsichtbare Mächte) wähnt man sich noch in einem mäßigen The Evil Dead-Rip-Off, doch nach und nach verdichtet sich das durchaus komplexe Handlungsgerüst zu einem klassischen Gut-gegen-Böse-Gefecht mit Anleihen bei niemand Geringerem als Howard Phillips Lovecraft. Eine boshafte Gottheit namens Yog Kothag (wahrscheinlich ein Cousin zweiten Grades des furchtbaren Yog-Sothoth) lauert wartend im Dunkeln, und die nach einem bizarren Schema verübten Morde sollen dem uralten Wesen den Weg zurück auf die Erde ebnen, wo es seine kosmische Schreckensherrschaft zu errichten gedenkt. Ob unsere Helden wider Willen das wohl verhindern können?

                    Das große Problem des Filmes ist die gemächliche, langatmige Erzählweise. Forever Evil beginnt mit einem recht stimmungsvollen Prolog, der als Appetizer für das folgende Geschehen gut funktioniert, aber anstatt irgendwann mal einen Gang höher zu schalten, dümpelt die Handlung die ganzen einhundertzehn Minuten mit dem anfangs eingeschlagenen Tempo dahin. Und doch, oh Wunder, wird das Ganze so sympathisch präsentiert, daß man gerne dranbleibt. Daß man nicht einmal daran denkt abzuschalten. Man spürt, daß den Machern Großes vorschwebte, daß es mit den vorhandenen Mitteln aber nicht gelungen ist, dieses Große auch entsprechend zu realisieren. Forever Evil ist weder groß noch ist er gut, aber er berührt auf eine sehr eigentümliche Weise. Man freundet sich mit dem gemächlichen Erzähltempo an, beginnt die Protagonisten zu mögen, wird langsam in die Geschichte hineingesogen und folgt mehr oder weniger gebannt den mysteriösen Geschehnissen. Und das, obwohl der Plot Löcher hat, viele Fragen offenbleiben und nette Ideen ins Leere laufen. Die sich unbeholfen entwickelnde Love-Story ist irgendwie rührend, ein gelungener Spannungsaufbau ist ebenso wenig existent wie ein dramaturgischer Fluß, die technische Seite des Filmes (Kamera, Schnitt, Musik) ist bestenfalls zufriedenstellend, und die spärlich gesäten Spezialeffekte (darunter eine krasse Alptraumszene mit Fötusbeteiligung) sind drollig und charmant. Nein, Forever Evil ist gewiß keine Perle. Er ist eher eine Glasmurmel, die davon träumt, eine Perle zu sein. Und genau dafür mag und bewundere ich ihn.
                    Zuletzt geändert von Randolph Carter; 05.03.2019, 08:30.
                    Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
                    Komplettübersicht mit Direktzugriff

                    Kommentar


                      Manhattan Baby
                      (Amulett des Bösen / L'occhio del male / Il malocchio / Possessed / Eye of the Evil Dead / Evil Eye)

                      Italien 1982 - Directed by Lucio Fulci




                      Bei Ausgrabungsarbeiten in Ägypten wird der Archäologe George Hacker (Christopher Connelly) in einer eben entdeckten Grabkammer von zwei grellen blauen Lichtstrahlen, die aus der Wand direkt in seine Augen schießen, geblendet. Fast zur selben Zeit bekommt seine kleine Tochter Susie (Brigitta Boccoli), welche den beruflichen Ägypten-Aufenthalt des Archäologen ebenso wie dessen Frau Emily (Laura Lenzi) als Urlaub genießt, von einer mysteriösen blinden Frau ein geheimnisvolles Amulett in die Hand gedrückt, mit den kryptischen Worten "tombs are for the dead". Zurück in New York teilt ein Arzt dem Professor mit, daß die Erblindung glücklicherweise nur temporärer Natur ist; Georges Sehkraft sollte also bald wieder zurückkehren. Doch noch bevor es soweit ist, ereignen sich in der Wohnung der Familie seltsame Dinge. Susie und ihr Bruder Tommy (Giovanni Frezza) verschwinden oftmals spurlos, tauchen aber wenig später ebenso plötzlich wieder auf. Der Boden eines Zimmers ist unerklärlicherweise mit Wüstensand bedeckt, und gefährliche Tiere wie Schlangen und Skorpione bedrohen die verdutzten Bewohner, darunter auch das Kindermädchen Jamie Lee (Cinzia de Ponti). Während sich die Ereignisse langsam aber dramatisch zuspitzen und schließlich sogar Menschenleben fordern, verschlechtert sich der Gesundheitszustand der kleinen Susie rapide.

                      Nachdem Lucio Fulci (17.06.1927 – 13.03.1996) mit Zombi 2 (Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies, 1979) in mehrfacher Hinsicht einen Volltreffer gelandet hatte, konnte er sich in den folgenden Jahren über mangelnde Arbeit wahrlich nicht beklagen. Und nicht nur das! Fulci lief, unterstützt von einer talentierten Crew, mit der er trotz persönlicher Differenzen perfekt harmonierte, zu absoluter Höchstform auf und haute - beinahe - einen Kracher nach dem anderen heraus. Kaum dachte man, seine Karten lägen alle auf dem Tisch, zog er grinsend ein neues As aus dem Ärmel. Luca il contrabbandiere (Das Syndikat des Grauens, 1980). Paura nella città dei morti viventi (Ein Zombie hing am Glockenseil, 1980). Black Cat (The Black Cat, 1981). ...E tu vivrai nel terrore! L'aldilà (Über dem Jenseits aka Die Geisterstadt der Zombies, 1981). Quella villa accanto al cimitero (Das Haus an der Friedhofmauer, 1981). Lo squartatore di New York (Der New York Ripper, 1982). Alles Werke, die zahllosen Genrefans viel Freude bereiteten und - mehr als fünfunddreißig Jahre später - immer noch bereiten. Manhattan Baby (Amulett des Bösen, 1982) läutete, wenn man so will, die Wende ein; der richtige Sinkflug begann dann mit Conquest (1983). Manhattan Baby hat im Prinzip alles, was auch die Vorgänger haben, mit einer kleinen aber entscheidenden Ausnahme. Fulci verzichtet hier auf exzessiv ausgewalzte Splatter-Set-Pieces.

                      Sieht man von einer recht heftigen Szene gegen Ende des Filmes ab, ist Manhattan Baby in Punkto Gewaltdarstellungen erstaunlich - um nicht zu sagen: erschreckend - zurückhaltend. Während in den kurz zuvor entstandenen Fulci-Klassikern Augen perforiert, Gedärme hochgewürgt und Leiber aufgeschlitzt wurden, muß man sich hier mit blutenden Wänden, schmerzhaften Schlangenbissen und blutigen Händen begnügen. Ansonsten gibt es jedoch keine sonderlich großen Unterschiede zu den populären Vorgängern, den ungewöhnlichen Plot natürlich außer Acht gelassen. Guglielmo Mancoris Cinemascope-Bildgestaltung ist exzellent (besonders hervorzuheben sind die Eröffnungsszene, die fabelhafte Sequenz mit Susie in der Gewitternacht, sowie die "Snakecam"), Vincenzo Tomassis Schnitt sitzt, Massimo Lentinis Produktionsdesign ist stimmig, Fabio Frizzis (zum Teil recycelter) Score rockt wie gewohnt, und auch an Maurizio Tranis (Zombi Holocaust) Spezialeffekten gibt es wenig auszusetzen. Die Produktion übernahm einmal mehr Fabrizio De Angelis (es sollte seine letzte Zusammenarbeit mit Fulci sein), und das Drehbuch stammte von Elisa Briganti und Dardano Sacchetti. Ihr Skript ist ziemlich wirr, ergibt wenig Sinn und scheint recht plump aus allerlei vielversprechenden Versatzstücken zusammengebastelt worden zu sein, welche sie bekannten Klassikern wie The Exorcist, The Awakening oder Poltergeist entlehnt haben.

                      Aber das sollte an und für sich kein Problem darstellen, zeichnete sich doch bereits Fulcis "Zombie-Trilogie" mit einer ähnlich episodenhaften, der gemeinen Logik immer mal wieder ein Schnippchen schlagenden Struktur aus, und dort funktionierte es doch prächtig. Der Unterschied ist vielleicht, daß dieses Driften zwischen real und surreal anmutenden Momenten bei Manhattan Baby auf die Spitze getrieben wurde, ohne dafür auch nur irgendeine Erklärung anzubieten. Ja, ein uralter ägyptischer Dämon scheint hinter den Geschehnissen zu stecken. Aber wieso er so ziel- bzw. planlos vorgeht, steht in den Sternen. Die Stimmung ist bei weitem nicht so dicht, unheimlich und bedrohlich wie bei den Vorgängern, aber sie ist immer noch angenehm diffus und ominös. Leider fällt es etwas schwer, sich mit der Familie Hacker anzufreunden. Ihr seltsam distanziertes Verhalten untereinander - daß ihre Kinder hin und wieder verschwinden, scheint die Eltern z. B. überhaupt nicht zu beunruhigen - überträgt sich auf das Publikum, obwohl die Schauspieler ihre Sachen nicht schlecht erledigen. Giovanni Frezza überzeugt einmal mehr als nervtötende Plage, eine Rolle, die er bereits in Quella villa accanto al cimitero und in I Nuovi barbari perfekt zum Besten gab. Und "Miss Italien 1979" Cinzia de Ponti (Shark: Rosso nell'oceano) sorgt für ein klein wenig zusätzliches Eye Candy.

                      Und doch kann Manhattan Baby als Gesamtkunstwerk nicht so überzeugen wie artverwandte Alptraumphantasmagorien à la ...E tu vivrai nel terrore! L'aldilà (von Dario Argentos Suspiria und Inferno ganz zu schweigen). Wie bereits erwähnt unterscheidet sich Manhattan Baby gegenüber seinen unmittelbaren Vorgängern nicht nur durch den fast völligen Verzicht auf graphische Gewaltdarstellungen, sondern auch durch die etwas anders geartete Grundstimmung. Die Atmosphäre verlagert sich weg von Horror in Richtung Fantasy, ist somit weniger düster und beängstigend. Die Bedrohung hat diesmal auch kein grauenerregendes "Gesicht"; kein Dr. Freudstein, keine verfaulenden Zombies weit und breit. Davon abgesehen variieren Fulci, Briganti und Sacchetti einige Ideen, die schon in Fulcis "Zombie-Trilogie" eingeflossen sind. Wie Kinder, die durch übernatürliche Ereignisse in Gefahr geraten (bzw. von denen selbst eine Gefahr ausgehen könnte), oder die Einflechtung von Tierhorror ins Szenario, hier in Form von Schlangen, Skorpionen und Vögeln. An den charakteristischen Zooms ins Gesicht der Protagonisten, mit zahlreichen extremen Close-Ups der Augenpartien, herrscht ebenfalls kein Mangel. Aber leider wirkt die Regie ein wenig lustlos, als wäre Fulci nicht ganz bei der Sache gewesen. Vielleicht war er in Gedanken schon bei seinem nächsten Projekt Conquest, von dem sich nicht nur Fulci viel erhoffte.

                      Der langen Schreibe kurzer Sinn: Bei Manhattan Baby fehlt das mysteriöse, außerweltliche Flair, das einen so geschickt einlullt, es fehlt der suggestive Sog, der einen mit Haut und Haaren in den Film reinzieht. Und ja, es mangelt auch an der alptraumhaft-morbiden Stimmung sowie an den spektakulär-eindringlichen Schockmomenten, mit denen Lucio Fulci die Fans in seinen Spät-Siebziger- und Früh-Achtziger-Jahre-Werken so reichlich verwöhnt hatte. Das mag im ersten Moment für eine große Enttäuschung sorgen, vorwerfen sollte man das dem Film jedoch nicht, das wäre einfach nicht fair. Denn abgesehen davon liefert Manhattan Baby wie gewohnt ab und ist wohl der letzte Film des italienischen Horrormaestros auf qualitativem Top-Level.
                      Zuletzt geändert von Randolph Carter; 05.03.2019, 08:33.
                      Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
                      Komplettübersicht mit Direktzugriff

                      Kommentar


                        Killer Rack
                        USA 2015 - Directed by Greg Lamberson



                        Betty (Jessica Zwolak, Dry Bones) ist unzufrieden. Die Natur hat es nicht gut mit ihr gemeint in Bezug auf die weiblichen Rundungen im oberen Bereich des Körpers, und das bekommt die arme Frau tagtäglich zu spüren. Im Büro wird "Flatty" von ihren üppiger ausgestatteten Arbeitskolleginnen gehänselt - lediglich ihr heimlich in sie verliebter Kollege Tim (Paul McGinnis, Snow Shark: Ancient Snow Beast) steht zu ihr -, ihr Chef (Michael Thurber, Murder University) ignoriert sie fast völlig, auf der Straße erntet sie von herumlungernden Tunichtguts ständig spöttische Bemerkungen, und selbst ihr Freund Dutch (Sam Qualiana, Zombie Babies) läßt sie spüren, daß sie ihn eher ab- denn antörnt. Auf ihren Vorschlag hin, mal wieder eine flotte Nummer zu schieben, antwortet er nur trocken: "Sure, why the hell not? I'm drunk."

                        Sogar ihr Psychiater Dr. Foin (Troma-Zampano Lloyd Kaufman in einer größeren Nebenrolle) ekelt sich (in einem Traum) vor ihrer flachbrüstigen Erscheinung und läßt seinem Abscheu schon mal freien Lauf: "Get out of here, you breastless freak of nature!" Insofern ist es nur allzu verständlich, daß Betty nach allen Strohhalmen greift, die sich ihr bieten. Ihre letzte Hoffnung ist die dubiose Schönheitschirurgin Dr. Cate Thulu (Debbie Rochon, Terror Firmer), und nach einem besonders fiesen Alptraum (in Form einer geilen Musicalnummer zum genialen Song Funbags!) wagt sie tatsächlich den großen Schritt. Die delikate Brustverpflanzung scheint gelungen, und alles wendet sich zum Guten. Zumindest vorerst. Denn bald schon merkt Betty, daß ihre neuen Brüste ein unheimliches Eigenleben besitzen und noch dazu ausgesprochen hungrig sind.

                        Wenn Männer, die lüstern und glasigen Blickes potentiellen Paarungspartnern hinterherhecheln, schwanzgesteuert sind, dann ist die Heldin in dieser Geschichte zweifellos tittengesteuert. Mit dem kleinen Unterschied, daß Bettys Boobs keinen heißen Sex im Sinn haben, sondern daß die brandneuen Hupen nach saftigem Fleisch gieren. Wenn die Möpse übernehmen, hat Betty rein gar nichts mehr zu melden. Sie ist dann bloß noch ein (notwendiges?) Anhängsel, dem Willen ihrer aufmüpfigen Funbags mehr oder weniger hilflos ausgeliefert. Zwar sind die meisten Filme des New Yorker Filmemachers Greg Lamberson (Slime City, Slime City Massacre, Dry Bones) mit schrägem und/oder groteskem Humor durchzogen, bei Killer Rack warf er nun aber alle Zurückhaltung über Bord und ging diesbezüglich aufs Ganze.

                        Und herausgekommen ist kein Zonk, sondern ein Volltreffer! Lamberson ist mit Killer Rack ein spritzig-derber Horrorspaß gelungen, der mit zum Besten zählt, was ich auf diesem Sektor seit langer Zeit gesehen habe. Am Ende fühlte ich mich glatt, als hätte ich soeben einen Clown verschlungen, mit Kichererbsen als Beilage, und einem Crazy Devil zum Runterspülen. Die Gründe, warum diese pfiffige Mischung aus Screwball Comedy und splattrig-trashigem Körperhorror so famos funktioniert, sind vielfältig. Zum Beispiel suhlen sich Drehbuchautor Paul McGinnis und Regisseur Greg Lamberson trotz der schlüpfrigen Thematik niemals in Geschmacklosigkeiten. Zwar fühlt man sich hin und wieder an kultige Troma-Streifen à la Tromeo and Juliet erinnert, die mit dieser Produktionsfirma verbundenen Untiefen werden jedoch konsequent vermieden.

                        Erste Sahne ist auch das gelungene Casting. Ein mikrobudgetierter Film dieser Art (wir reden von etwa US$ 45.000) steht und fällt auch mit seiner Besetzung, und zum Glück haben die Verantwortlichen in dieser Hinsicht ein feines Händchen bewiesen. Sämtliche Akteure und Aktricen hängen sich nicht nur mit viel Enthusiasmus rein, sie gehen in ihren Rollen regelrecht auf und erwecken sie so zum plastischen Leben. Gar nicht hoch genug einschätzen kann man die Leistung von Jessica Zwolak in der Hauptrolle, die nahezu omnipräsent ist und den Streifen quasi tragen muß. Und das tut sie mit Bravour. Zwolak ist keine strahlende Schönheit; sie ist eher der Nette-Kumpel-Typ von nebenan mit leichtem Mauerblümchenflair. Doch sie hat eine sehr angenehme, hinreißende Ausstrahlung, einen wunderbar trockenen Humor und darüber hinaus ein sehr gewinnendes, liebenswertes Wesen.

                        Zwolak kommt ungemein sympathisch rüber, und zwar sowohl bevor als auch nachdem sie ihre monströsen Mördertitten spazieren führt. Ergo ist dem Publikum ihr bizarres Schicksal nicht egal, und da auch die zart aufkeimende Liebesgeschichte recht gut funktioniert, drückt man Betty unwillkürlich beide Daumen und hofft, daß das absurde Szenario zum Schluß hin doch noch in ein Happy End mündet, obwohl die Chancen dafür nicht gerade die allerbesten sind (garstige Kreaturen aus dem Lovecraft-Universum sind halt keine süßen Kuscheldinger). Denn in den letzten zwanzig Minuten legen ihre gefräßigen, von Brooke Lewis (Slime City Massacre) gesprochenen Killer-Möpse erst so richtig los. Da mahlen die Kiefer, da spritzt das Blut, da peitschen die Tentakel, da sprudelt die Milch, da schreien die Opfer, da hopst der Jesus (ein köstlicher Gag!), da bleibt kein Auge trocken.

                        Falls jetzt jemand verständnislos mit den Augen rollt, verächtlich aufstöhnt und sich kopfschüttelnd fragt, wie man solch einen haarsträubenden Blödsinn nur so abfeiern kann, dann kann ich nur folgendes entgegnen. Killer Rack quillt über vor Leidenschaft und Kreativität und ist vollgestopft mit aberwitzigen Ideen, herrlich blöden Gags und launigen, zitierfähigen Dialogen, daß man aus dem Staunen kaum herauskommt. Der riesige Spaß, den offensichtlich alle am Projekt Beteiligte hatten, überträgt sich eins zu eins aufs Publikum, es hagelt jede Menge popkulturelle Anspielungen, und alles an dem Film, wirklich alles (Cast, Dialoge, Soundtrack, Songs, Regie, Spezialeffekte), verströmt einen dermaßen herzlichen, erfrischenden, unwiderstehlichen Charme, daß ich mich frage: Wenn man so etwas Tolles nicht abfeiern kann, was dann? Was, bei Cthulhu, denn bitteschön dann?

                        Ja, Killer Rack ist leidenschaftlich-ambitioniertes Low-Budget-Filmmaking at its very best. Die Originalität mag sich mitunter in Grenzen halten (Filme wie Le sexe qui parle (Pussy Talk), Teeth, One-Eyed Monster und Bad Biology beackern, zumindest teilweise, eine ähnliche Thematik), aber die gekonnte Art und Weise, wie das alles hier präsentiert und in den abgefahrenen Plot integriert wurde, fühlt sich einfach neu, frisch und wunderbar unverbraucht an. Hervorheben möchte ich noch Debbie Rochon als irre, die alten Lovecraft'schen Götter verehrende Wissenschaftlerin, die alle Register aus dem Handbuch für fortgeschrittene Mad Scientists zieht und eine zum Schreien komische Performance abliefert, sowie den großartigen Soundtrack von Armand Petri und Joe Rozler mit Songs wie Killer Rack, Dark Side of Love und natürlich dem Mega-Ohrwurm Funbags.

                        Daß Killer Rack einen nicht unbedeutenden (und leider nur allzu wahren) Subtext hat (Frauen werden auf ihr Äußeres reduziert, die Gesellschaft ist von oberflächlichen Schönheitsidealen geradezu besessen), der mit Genuß auf die (satirische) Spitze getrieben wird - ohne dabei die Zurschaustellung von Brüsten überzustrapazieren -, ist der Qualität des Streifens ebenso wenig abträglich wie die Entscheidung, auf seelenlose Computer Generated Images gänzlich zu verzichten. Arick Szymeckis Spezialeffekte, allen voran die prosthetischen Brüste, sind ausnahmslos praktischer Natur, und für die zwei Tentakelszenen zeichnet Stop-Motion-Maestro Brett Piper (Arachnia, Triclops) verantwortlich. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, daß Killer Rack in möglichst viele Länder verkauft wird, dann sollte einer Adelung mit Kultstatus nichts im Wege stehen. Es wäre jedenfalls so was von verdient.

                        Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
                        Komplettübersicht mit Direktzugriff

                        Kommentar


                          Beasts
                          Großbritannien 1976 - Written by Nigel Kneale - Directed by John Nelson-Burton, Don Taylor, Don Leaver, Richard Bramall & Donald McWhinnie



                          Schon mit seiner ersten Schöpfung für die BBC schrieb der am 18. April 1922 geborene und am 29. Oktober 2006 verstorbene Nigel Kneale britische Fernsehfilmgeschichte. Die Rede ist von Professor Bernard Quatermass, der in einer sechsteiligen Miniserie namens The Quatermass Experiment im Jahre 1953 über die Bildschirme flimmerte und die TV-Landschaft Großbritanniens nachhaltig prägte. In den Folgejahren entstanden mit Quatermass II (1955) und Quatermass and the Pit (1958/59) nicht nur weitere Miniserien mit dem umtriebigen Wissenschaftler fürs Fernsehen, sondern mit The Quatermass Xperiment (Schock, 1955), Quatermass 2 (Feinde aus dem Nichts, 1957) und Quatermass and the Pit (Das grüne Blut der Dämonen, 1967) auch erfolgreiche Neuverfilmungen fürs Kino, produziert von der mittlerweile zu Kultstatus avancierten Produktionsgesellschaft Hammer Films. Leider kam es im Zuge der Filmadaptionen zu einem Zerwürfnis zwischen Nigel Kneale und der BBC, sodaß die fruchtbare Zusammenarbeit ein (vorläufiges) Ende fand. Kneale wandte sich anderen Dingen zu, fungierte unter anderem als Ko-Drehbuchautor bei First Men in the Moon (Die erste Fahrt zum Mond, 1964) und schrieb das Skript zu The Witches (Der Teufel tanzt um Mitternacht, 1966). Mit The Stone Tape (1972) kehrte er einmal mehr zur BBC zurück, danach zog es ihn zur Konkurrenz. Das Ergebnis, die Miniserie Beasts (1976) für den TV-Sender Associated Television, kurz ATV, kann sich wahrlich sehen lassen.

                          Jo (Jane Wymark) und Peter Gilkes (Simon MacCorkindale) sind eben erst in ein altes Häuschen auf dem Lande gezogen, welches sie nun mit Hilfe zweier Handwerker renovieren. Beim Abriß einer Mauer stoßen sie auf einen Hohlraum, in dem sich ein großer, versiegelter Tonkrug befindet. Peter öffnet das Gefäß und befördert daraus eine groteske, mumifizierte Kreatur zutage, die selbst ein hinzugezogener Experte nicht iden­ti­fi­zie­ren kann. Gegen den Willen seiner Frau, die eine instinktive Abneigung gegen das haarige Ding hegt, weigert sich Peter, das Wesen zu entsorgen und behält es versteckt im Haus. Baby, so der Titel der Episode, ist ein Auftakt nach Maß. Regisseur John Nelson-Burton setzte Kneales Vorlage mit einem atemberaubenden Gespür für eine unheilschwangere, morbide, bedrohliche Atmosphäre um, die sich schließlich in einer haarsträubenden Auflösung entlädt, welche auch heute noch für Gänsehaut sorgen sollte. Ich wage mir gar nicht auszumalen, welche Wirkung die Schlußszene damals bei der jüngeren Zuschauerschaft gehabt haben muß. Ein echter Schocker! Dabei sind es nicht nur die Bilder, die diese eisigen Schauer verursachen, sondern auch - und vor allem - die kreuzunheimlichen Geräusche. Das gute und glaubwürdige Spiel der Darsteller trägt das Ihre zur enormen Effektivität dieses Filmes bei, wobei das exzentrische Verhalten einer Figur den rätselhaften Aspekt der Geschichte nur noch intensiviert.

                          Nach dem grandiosen Baby stellt sich mit Buddyboy, Episode Nummer Zwei, rasch Ernüchterung ein. In diesem unfaßbar geschwätzigen Werk geht es um den erfolgreichen Nachtclub- und Pornokinobesitzer Dave (Martin Shaw), der an einem heruntergekommenen, ehemaligen Delphinarium namens Finnyland interessiert ist, dessen großer Star, der Delphin Buddyboy, einst unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Nach langen, zähen Verhandlungen mit dem immer nervöser werdenden Besitzer (Peter Halliday) kauft er das Gebäude schließlich mit dem Ziel, es in einen Sexschuppen umzubauen. Obwohl Dave ein knallharter Geschäftsmann ist, ist er von Lucy (Pamela Moiseiwitsch) fasziniert, der ehemaligen Pflegerin von Buddyboy, die noch immer im Keller des Gebäudes haust. Die Idee eines Delphinariums, in dem ein ehemaliger Bewohner herumspukt, mag auf dem Papier ja noch recht nett geklungen haben. Die Filmadaption (Regie: Don Taylor) verbreitet jedoch überwiegend nur gähnende Langeweile. Hinzu kommt, daß mit Ausnahme von Lucy sämtliche Figuren uninteressant und/oder unsympathisch sind und phasenweise sogar furchtbar nerven. Eine überraschende (und völlig selbstzweckhafte) Nacktszene kann die Geschichte ebenso wenig retten wie das mysteriöse Ende, das für verständnisloses Kopfschütteln sorgen sollte. Immerhin beweist Buddyboy eindrucksvoll, daß Delphine als "Monster" kein bißchen taugen.

                          Weiter geht es mit The Dummy, inszeniert von Don Leaver. Wir befinden uns am Set einer Low-Budget-Horrorproduktion, wo der Regisseur (Glyn Houston) und sein Produzent (Clive Swift) alle Hände voll zu tun haben, um die Szenen des Tages in den Kasten zu bekommen. Es kriselt nämlich gewaltig, da sich der Mann im Monsterkostüm, Clyde Boyd (Bernard Horsfall), und Peter Wager (Simon Oates), der Hauptdarsteller des Filmes, überhaupt nicht riechen können. Was kein Wunder ist, schließlich hat letzterer ersterem die Frau ausgespannt. Der verzweifelte Clyde ist mit seinen Nerven völlig am Ende, scheint sich aber in einer Drehpause etwas zu erholen. Das entpuppt sich alsbald als Trugschluß, denn als die Kamera wieder läuft, dreht er endgültig durch. The Dummy ist die meiner Ansicht nach beste Folge der Serie. Die erfolgreiche Dummy-Filmreihe ist offensichtlich ein Seitenhieb auf die Hammer-Hits rund um Frankenstein und Dracula, und der satirische, mit schwarzem Humor gespickte Blick hinter die Kulissen ist gleichermaßen stimmig wie witzig. Es ist köstlich mitanzusehen, wie sich Clyde, der "Mann hinter der Maske", der weltberühmt ist, obwohl sein wahres Gesicht vor der Kamera nie zu sehen war, in seine Verzweiflung hineinsteigert, bis er quasi mit Dummy verschmilzt und - im Monsterkostüm - Amok läuft. Nigel Kneale und Don Leaver ist mit dieser Episode ein kleiner Geniestreich gelungen, bei dem sich bitterböse und tragikomische Elemente in etwa die Waage halten.

                          Schauplatz von Special Offer ist ein kleiner Supermarkt, in dem plötzlich seltsame Dinge vor sich gehen. Dosen fallen von den Regalen, Flaschen verspritzen ihren Inhalt, Verpackungen sind aufgerissen und die Lade der Kasse öffnet sich selbständig. Treibt hier irgendein seltsames Tier sein Unwesen, vielleicht sogar das niedliche Maskottchen Briteway Billy? Oder ist das Chaos auf die Spannungen zwischen dem Lehrling Noreen Beale (großartig: Pauline Quirke) und dem Geschäftsführer Grimley (Geoffrey Bateman) zurückzuführen, welcher keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen die junge Frau macht? Oder ist etwa gar ein Poltergeist die Ursache allen Übels? Im Zentrum dieser unterhaltsamen Episode steht ein unsicherer, nicht besonders hübscher und darüber hinaus noch ziemlich tollpatschiger Teenager, auf dem ständig herumgehackt wird. Egal, was passiert, der erste Gedanke des Leiters scheint zu sein, daß die graue Maus Schuld daran hat. Die Gefühle als unbeteiligter Zuschauer sind ambivalent. Natürlich findet man die Angelegenheit einerseits ungerecht und hat Mitleid mit dem (hilflosen?) Mädchen, andererseits stellt sich Noreen aber auch sehr ungeschickt an und macht es ihren Kollegen alles andere als einfach. Regie bei Special Offer führte Richard Bramall, der es gut versteht, die Drehbuchvorlage launig über die Runden zu bringen, ohne den nachdenklichen, traurigen Unterton zu vernachlässigen, der sich durchs Geschehen zieht.

                          Bob Curry (Michael Kitchen), ein junger, engagierter Beamter der Tierschutzbehörde RSPCA, stößt bei einer Routinekontrolle auf diverse Unstimmigkeiten. So ist im Buch eines Tierhändlers vermerkt, daß eine Kleintierhandlung, welche auf Hamster, Kaninchen, Kanarienvögel und dergleichen spezialisiert ist, auch ein paar Wölfe bezogen haben soll. Diese dubiose Sache läßt ihm keine Ruhe, weshalb er sich in den Fall reinkniet und schließlich dem exzentrischen Inhaber der Tierhandlung, Leo Raymount (Patrick Magee) sowie dessen Tochter Florence (Madge Ryan) auf die Pelle rückt. Leo ist ein besessener Wissenschaftler, und um seine Theorie zu beweisen, schreckt er auch vor Selbstversuchen nicht zurück. What Big Eyes heißt diese von Donald McWhinnie inszenierte Episode und spielt damit natürlich auf die Geschichte von Rotkäppchen an, genauer gesagt auf Rotkäppchens Begegnung mit ihrer (vermeintlichen) Großmutter. Hierbei handelt es sich um eine klassische Mad Scientist-Story, wobei über das Ende hinaus offenbleibt, wie "verrückt" der Wissenschaftler nun tatsächlich war. Patrick Magee spielt groß auf, doch unwillkürlich hat man Klaus Kinski vor Augen, für den diese Rolle maßgeschneidert gewesen wäre. What Big Eyes lebt vom Schlagabtausch zwischen den beiden Kontrahenten, der zwar toll geschrieben und gespielt ist, für meinen Geschmack aber zu lang und repetitiv geraten ist. Eine Straffung hätte dieser eher durchschnittlichen Folge vermutlich gutgetan.

                          Zum krönenden Abschluß servieren uns Autor Kneale und Regisseur Don Taylor noch einen kleinen, feinen, bösen Schocker. Im Prinzip ist During Barty's Party ein Zwei-Personen-Kammerspiel. Das Ehepaar Angie (Elizabeth Sellars) und Roger Truscott (Anthony Bate) lebt seit vielen Jahren in einem gemütlichen Häuschen auf dem Lande. Eines Nachmittags, während im Radio die Spaßsendung Barty's Party läuft, hört Angie komische Geräusche, die von unter den Dielenbrettern zu kommen scheinen. Keine Frage, eine Ratte muß der Übeltäter sein. Während Roger dem lästigen Nager zu zeigen gedenkt, wer der Herr im Hause ist, deutet bald alles darauf hin, daß hier nicht nur eine Ratte, sondern eine kleine Armee der Nager im Haus wütet. Und auch im Radio wird von merkwürdigen Rattenansammlungen gesprochen. During Barty's Party beginnt recht harmlos, sieht man mal von der surreal-schrägen aber immens beunruhigenden ersten Minute ab. Doch als der Rattenterror beginnt, ist es mit der trügerischen Ruhe vorbei. Das ständige Kratzen im Boden (tolle Soundeffekte!) sägt an den Nerven sowohl des Ehepaars als auch der Zuseher. Während Angies und Rogers anfängliche Verärgerung langsam in Angst umschlägt und sich schließlich zu einer ausgewachsenen Panik steigert, weiß man als (sich in Sicherheit befindender) Zuschauer nicht so recht, ob man lachen oder mitzittern soll. Als dann die Rattenplage immer apokalyptischere Ausmaße annimmt, ist an Lachen sowieso nicht mehr zu denken. During Barty's Party ist packender, spannender Tierhorror, mit hohem Gruselfaktor, bei dem sich das Grauen fast zur Gänze im Kopf abspielt.

                          Wie man sieht ist der Titel also Programm. In Beasts geht es, auf die eine oder andere Weise, um "Bestien", wobei der Begriff so breit gefächert ist wie nur irgend möglich. Die Bedrohung kann menschlicher Natur sein, es kann sich um Tiere handeln, der Schrecken kann aber auch übernatürliche bzw. geisterhafte Formen annehmen. Allen sechs Episoden, die übrigens jeweils um die fünfzig Minuten laufen, haben gemein, daß sie ungewöhnlich, originell, rätselhaft und recht clever strukturiert sind. Des Weiteren zieht sich ein kauziger britischer Charme durchs Geschehen, und in den besten Momenten besticht die Serie darüber hinaus mit pechschwarzem Humor und herrlich bösem, schrägem Witz, ohne die Geschichte aus den Augen zu verlieren. Der Fokus liegt ganz klar auf den jeweiligen Charakteren, die mit einer merkwürdigen, ungewöhnlichen, bizarren, gefährlichen und/oder furchteinflößenden Situation konfrontiert oder selbst zu einer Bedrohung für ihr Umfeld werden. Jede Episode ist eigenständig und erzählt eine abgeschlossene Geschichte, wobei Kneale dem Publikum Erklärungen für das oftmals bizarre Geschehen konsequent verweigert. Eine gute Idee, denn anstatt den Zuseher mit irgendwelchen hanebüchenen, unbefriedigenden Thesen abzuspeisen, sorgt das rätselhafte Szenario (auch heute noch) für so manch schaurigen Moment, welcher sich im Gehirn des Betrachters schmatzend festsaugt. Nicht jede Folge ist gelungen, und das starke, altbackene TV-Flair (wenige Schauplätze, behäbiges Tempo, viele Dialoge, kaum Spezialeffekte) wird bestimmt nicht jedermanns Geschmack treffen, aber das Trio Baby, The Dummy und During Barty's Party kann es locker mit dem besten aufnehmen, was das britische Genrekino der 1970er-Jahre zu bieten hat.

                          Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
                          Komplettübersicht mit Direktzugriff

                          Kommentar


                            Necropolis
                            (Necropolis - Die Blutsauger von Manhattan / Necropolis: City of the Dead)

                            USA 1986 - Written & Directed by Bruce Hickey



                            New Amsterdam, 1686. Eva (LeeAnne Baker), die heiße, schwarzgewandete Hexe mit den langen schneeweißen Haaren, den pechschwarzen Augen und den langen, blutroten Fingernägeln schreitet entschlossen Richtung Teufelsaltar, um eine Schwarze Messe zu zelebrieren. Erst legt sie ein flottes Tänzchen aufs Parkett, dann sabotiert sie mit Hilfe einer Voodoo-Puppe eine Hochzeit, bricht den Willen der Braut und zwingt sie, sich dem unheiligen Unsterblichkeitsritual als Blutopfer zur Verfügung zu stellen. Plötzlich erscheinen einige Männer unter Führung eines Schwarzen auf der Bildfläche und machen dem teuflischen Spuk ein Ende, indem sie der überraschten Hexe ein Messer in den Leib rammen. Diese ist verständlicherweise sauer, schwört Rache und verspricht, eines Tages wiederzukehren. Dreihundert Jahre später. Die heiße Motorradbraut schwingt sich auf ihre Maschine und braust, begleitet von einem dröhnenden Rocksong, durch die New Yorker Nacht ihrem Ziel entgegen. Eva trägt nun eine punkige Kurzhaarfrisur sowie coole Lederklamotten, ansonsten ist jedoch alles beim Alten. Ihr Ziel ist klar. Die damals unterbrochene Zeremonie muß beendet werden. Zu diesem Zwecke benötigt sie nicht nur den verloren gegangenen "Devil's Ring", sondern auch das passende, jungfräuliche Opfer. Ihre Wahl fällt auf die vor dreihundert Jahren geopferte Braut, welche nun als Dawn (Jacquie Fitz) reinkarniert ist und sich als Reporterin durchs Leben schlägt. Zusammen mit Polizist Billy (Michael Conte) und Reverend Henry (William K. Reed) nimmt sie den Kampf gegen die Hexe und deren Zombiebrut auf.

                            Schon beim Vorspann von Bruce Hickeys Necropolis werden, je nach persönlicher Sichtweise, entweder massig Glückshormone produziert und in den Blutkreislauf gepumpt, oder es beginnen sämtliche Alarmsirenen aufs Nervenaufreibendste zu schrillen. Ersteres natürlich, wenn man ein Fan von Tim Kincaids (Regie) und Cynthia De Paulas (Produktion) Genrefilmen ist (wie z. B. Bad Girls Dormitory, Robot Holocaust, Breeders, Riot on 42nd St. und Mutant Hunt), letzteres dann, wenn man mit diesen billigen und zugegeben etwas "speziellen" B-Movies überhaupt nichts anfangen kann. Kincaid und De Paula fungieren bei Necropolis als Produzenten, während mit LeeAnne Baker (die Kathleen in Breeders und der Pleasure Droid in Mutant Hunt) eine ihrer Stammaktricen die Hauptrolle innehat. Und über einen Mangel an diesem kauzigen, unerhört eigenwilligen Charme, der aus Kincaids Horror- und Exploitationfilmen in Übermaß trieft, kann sich auch Necropolis wahrlich nicht beklagen. Necropolis hat einfach ein derart angenehmes, wunderbar schräges Flair, daß es (mir zumindest) völlig egal ist, daß der Streifen auf qualitativer Ebene ein ziemliches Fiasko ist, daß die Geschichte eigentlich überhaupt keinen Sinn ergibt und daß man im Eifer des Gefechts auf die Charakterisierung der Figuren leider vergessen hat. Denn trotz all dieser Defizite (und noch so einigen mehr) übt dieses Flick einen so starken, verkorksten Reiz aus, daß man dem seltsamen Geschehen einfach fasziniert folgen muß. Den Blick abzuwenden oder gar den Film abzubrechen birgt das nicht unerhebliche Risiko, etwas Einmaliges zu verpassen.

                            Zum Beispiel würde einem dann vermutlich die aberwitzige und haarsträubend perverse Sequenz entgehen, in der Eva ihren Oberkörper freimacht und sich mit Hilfe ihrer Magie zwei weitere Brustpaare wachsen läßt, um damit ihre eklige Zombiebrut zu füttern. Man könnte jedoch auch versäumen, wie Eva einem Rocker zärtlich übers Gesicht streicht, woraufhin ihm Schleim oder Hirngelee oder was-auch-immer aus den Poren quillt, an welchem sie dann genüßlich nascht. Das sind echte Hingucker, bei denen man kopfschüttelnd und mit offenem Mund vor der Glotze sitzt und sich fragt, was sich Herr Hickey dabei bloß gedacht haben mag. Ein Hingucker ist - neben dem coolen Poster Artwork - auch LeeAnne Baker, die zwar weder übermäßig hübsch, noch mit einem Killerbody gesegnet ist, die aber genug Ausstrahlung und Sex-Appeal mitbringt, um die Blicke des sogenannten starken Geschlechts zu bannen. Die spärlich gesäten Spezialeffekte, wie zum Beispiel eine abgetrennte Hand (die danach ein bösartiges Eigenleben entwickelt) oder eine knuffige Enthauptung, stammen von Ed French (Blood Rage), während für die musikalische Untermalung überwiegend Musikstücke aus den Filmen Trancers, Eliminators und The Alchemist recycelt wurden, die allesamt, wie auch Necropolis, von Charles Bands Empire Pictures veröffentlicht wurden. LeeAnne Bakers Gegenspielerin, Jacquie Fitz (in ihrem ersten und gleichzeitig auch letzten Filmauftritt), mangelt es wie dem Rest der Cast an schauspielerischem Talent, aber sie schafft es immerhin, recht sympathisch rüberzukommen, weswegen das Finale auch nicht wirkungslos verpufft.

                            Für die einen ist Necropolis, der höchstwahrscheinlich niemals in irgendwelchen Bestenlisten auftauchen wird (*), somit vergeudete Lebenszeit, für die anderen hingegen - mich eingeschlossen - ist er ein drolliges, denkwürdiges Guilty Pleasure, welches man keinesfalls missen möchte.

                            (*) Lediglich in der Liste der besten Filme, in denen sich eine geile Hexe zusätzliche Titten wachsen läßt, um damit scheußliche, zombieähnliche Kreaturen zu füttern, darf er sich berechtigte Chancen auf eine Top-Platzierung machen.

                            Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
                            Komplettübersicht mit Direktzugriff

                            Kommentar


                              Kurîpî: Itsuwari no rinjin
                              (Creepy / Kurîpî)

                              Japan 2016 - Directed by Kiyoshi Kurosawa



                              Manche Dinge kann man sich leider nicht aussuchen. Wie das Land, in dem man geboren wird. Oder die Verwandtschaft, mit der man gesegnet ist. Oder die Nachbarn, mit denen man klarkommen muß. Mit den Nachbarn haben Koichi Takakura (Hidetoshi Nishijima) und seine Frau Yasuko (Yûko Takeuchi), die eben mit ihrem Hund Max von der hektischen Großstadt in ein nettes Häuschen im Vorstädtchen Inagi City gezogen sind, nicht wirklich das große Los gezogen. Die schroffen Tanakas wollen für sich sein und partout in Ruhe gelassen werden, während Nishino (Teruyuki Kagawa) und seine Tochter Mio (Ryôko Fujino) zwei seltsame aber wohl harmlose Käuze zu sein scheinen. Ex-Cop Koichi, der vor einem Jahr bei einer falsch eingeschätzten Geiselsituation schwer verletzt wurde, arbeitet nun als Kriminalpsychologe und hält Vorträge an den Universitäten. Als ihn sein ehemaliger Kollege Nogami (Masahiro Higashide) bei einem sechs Jahre alten, ungeklärten Fall um Hilfe bittet, sagt er widerwillig zu. Damals verschwand eine Familie von einem Tag auf den anderen spurlos; lediglich die sich gerade auf einem Schulausflug befindende Tochter Saki (Haruna Kawaguchi) blieb zurück. Tatsächlich schafft es Koichi, Licht ins Dunkel des mysteriösen Falles zu bringen. Gleichzeitig warnt ihn sein Bauchgefühl, daß der nie gefaßte Täter wahrscheinlich nach wie vor aktiv ist, möglicherweise sogar in seiner unmittelbaren Nachbarschaft.

                              Um die gewaltige Wirkung, die Kurîpî: Itsuwari no rinjin (im Folgenden der Einfachheit halber Creepy genannt) im Zuschauer entfacht, zu veranschaulichen, stelle man sich folgendes vor. Am Anfang steht man sicher und selbstbewußt auf einer glatten, waagerechten Fläche, die nach und nach sehr, sehr langsam nach hinten wegkippt. Gegen Mitte des Filmes beginnt man schließlich zu rutschen und sieht sich verzweifelt nach irgendeinem Halt um, den es jedoch nicht gibt. Man gleitet, von der unnachgiebigen Schwerkraft angesogen, nach unten, immer rascher, dem schwarzen, gähnenden Abgrund entgegen, ohne etwas dagegen tun zu können. Und zum Ende hin wird man dann vom Abgrund verschluckt, ist dem unaussprechlichen Grauen hilflos ausgeliefert, und die Chance auf Rettung in letzter Sekunde ist verschwindend gering. Auf diesen Abgrund steuern auch die Protagonisten dieses atemberaubenden Psychothrillers zu; Koichi, der nach dem traumatischen Erlebnis in der ruhigen Abgeschiedenheit wieder Fuß zu fassen versucht, und die gelangweilte Yasuko, die sich einsam, unverstanden und vernachlässigt fühlt. Letztere scheint ein gefundenes Fressen für den gerissenen Psychopathen zu sein, der sich einer ekligen Spinne gleich in der Gegend niedergelassen hat und geschickt seine klebrigen Netze auswirft, in dem sich seine unglücklichen Opfer, unter Zuhilfenahme einer abhängig machenden Substanz, verfangen.

                              Creepy, der auf dem 2014 veröffentlichten Roman Kurîpî des japanischen Schriftstellers Yutaka Maekawa basiert, verlangt seinem Publikum einiges ab. Aufgrund des sich langsam und bedächtig entfaltenden Plots ist Geduld gefragt, man sollte mit den sich kalt und unnahbar gebenden Protagonisten warm werden, und es schadet zweifellos auch nicht, dem recht komplexen Handlungsgerüst mit all seinen (nicht immer unwichtigen) Details viel Aufmerksamkeit zu schenken. Wem dies gelingt, wer es vermag, in den Streifen "einzutauchen", der wird reich belohnt, mit dem vielleicht besten, spannendsten, nervenaufreibendsten und intensivsten Thriller des Jahres 2016. Es ist beeindruckend, wie Kurosawa (Kairo aka Pulse) es ohne irgendwelche Mätzchen schafft, eine dermaßen gewaltige, verstörende, unter der Oberfläche brodelnde Spannung zu etablieren (und diese, im weiteren Verlauf, konsequent zu steigern), sodaß sie einem schlichtweg den Atem raubt. Als Zuschauer fühlt man sich wie hypnotisiert; gebannt folgt man den Geschehnissen wie das berühmte Kaninchen vor der Schlange, wagt es nicht, den Blick vom Bildschirm abzuwenden. Einige Zeit lang tappt man im Dunkeln, insbesondere in Bezug darauf, was genau da eigentlich abgeht. Von wem die Gefahr ausgeht, ist aufgrund geschickt platzierter Andeutungen relativ schnell offensichtlich, aber den exakten Modus Operandi durchschaut man erst gegen Ende des Filmes.

                              Daß Creepy so blendend funktioniert und eine derart intensive Sogwirkung entfacht, liegt nicht zuletzt am großartigen Ensemble vor der Kamera. Sämtliche Schauspieler liefern eine so glaubwürdige wie präzise Performance ab, verleihen ihren Figuren eine Tiefgründigkeit, wie man sie im Genre selten zu sehen bekommt. Die Entdeckung ist allerdings Teruyuki Kagawa, der dem Filmtitel alle Ehre macht. Aufgrund seiner sensationellen Leistung plädiere ich dafür, beim englischsprachigen Duden in Zukunft neben dem Wort "creepy" ein Portraitphoto der von ihm zum Leben erweckten Figur abzubilden. Selbst jetzt kriecht eine Gänsehaut über meinen Rücken und sträuben sich die Härchen in meinem Nacken, wenn ich bloß an ihn denke. Für mich ist der Typ eine der gruseligsten Gestalten der Filmgeschichte. Und es sind vor allem die kleinen Dinge, die ihn dazu machen. Seine nuancierte Mimik, seine präzise Gestik, seine eindringlichen Blicke, seine abrupten Stimmungswechsel, das, was er sagt bzw. wie er es sagt. Das ist schon ganz große und extrem feine Schauspielkunst. Das einzige Haar in der meisterlichen Suppe, das man finden könnte, ist die mitunter recht ungeschickte Vorgangsweise der Polizei, aber selbst das trübt meinen positiven Gesamteindruck von Creepy nicht, weil es bisweilen etwas unplausibel erscheinen mag, aber ganz bestimmt nicht unmöglich ist. Somit bleibt abschließend nur noch festzustellen, daß der Titel dieses meisterhaften Thrillers weder zu hoch gegriffen ist noch zu viel verspricht. Creepy ist tatsächlich creepy. So was von.

                              Zuletzt geändert von Randolph Carter; 01.07.2017, 11:42.
                              Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
                              Komplettübersicht mit Direktzugriff

                              Kommentar


                                GWAR: Phallus in Wonderland
                                (Phallus In Wonderland)

                                USA 1992 - Directed by Judas Bullhorn (= Blair Dobson) & Distortion Wells (= William Morrison)



                                America Must Be Destroyed ist der Titel des im Jahre 1992 veröffentlichten Albums der - ich bemühe an dieser Stelle mal Wikipedia - "satirischen Thrash-Metal-, Hardcore-Punk- und Shock-Rock-Band" Gwar. GWAR: Phallus in Wonderland ist quasi der "Film" zu diesem Album, ein fünfundfünfzig Minuten langer, Grammy-nominierter (!) Mix aus Horror, Trash, Science-Fiction, Komödie, Fantasy, Musical und Musikvideo. Rund um die sechs Songs Crack in the Egg, Have You Seen Me?, The Road Behind, The Morality Squad, Gor-Gor und Ham on the Bone hat man eine verrückt-wirre - ich nenne es mal - "Story" herumgebastelt, welche die diversen Musiknummern sowie jede Menge comichafte Over-the-Top-Set-Pieces bestenfalls lose miteinander verbindet. Eine lineare, nachvollziehbare Handlung existiert hier nicht; viel eher kann man das Dargebotene als aberwitzigen Blick in die Trash-Movie-Hölle bezeichnen, oder als alptraumhaften Trip eines kaputten Junkies, der zu den falschen Drogen gegriffen hat und sich nun, während aus dem Ghettoblaster neben ihm die Songs des Albums America Must Be Destroyed dröhnen, ein abartiges Tohuwabohu zusammenphantasiert, das seiner angeschlagenen Psyche den Rest gibt.

                                "Authorities Have In Custody The "CUTTLE FISH OF CTHULU", Alleged Penis Of GWAR Lead Singer ODERUS URUNGUS" tönt die Schlagzeile der Zeitung The Richmond News Leader, welche gleich mal von einem Penner g'schmackig bekotzt wird. Nein, wir sind hier nicht in Tromaville, also wird auch nicht gleich Toxie um die Ecke sprinten, um irgendwem irgendwelche Gliedmaßen auszureißen. Aber es gibt Superhelden in der Stadt, und es werden Gliedmaßen ausgerissen; darüber hinaus werden großzügig allerlei Körperflüssigkeiten verspritzt, wobei sich GWAR: Phallus in Wonderland auch noch dermaßen bewußt in einer billig-derben Trash-Ästhetik suhlt, daß man ohne weiteres meinen könnten, man hätte es hier mit einem Troma-Movie zu tun. Besagter Penis des Gwar-Sängers, der sich irgendwie verselbständigt hat, steht vor Gericht, und eine häßliche Schreckschraube führt einen Feldzug gegen Gwar, um die Band ein für alle Mal auszulöschen, woraufhin diese sich natürlich zur Wehr setzt. Das ist alles, was ich vom Plot mitbekommen habe. Um etwaige Feinheiten zu verstehen, müßte ich mir das ganze chaotische Spektakel noch einige weitere Male zu Gemüte führen, aber ganz ehrlich: Ich glaube nicht, daß ich das schaffe.

                                Nicht weil GWAR: Phallus in Wonderland so schlecht wäre (dieses wilde Machwerk bewegt sich weit jenseits von Kategorien wie "Gut" oder "Schlecht"), sondern weil das Dargebotene furchtbar anstrengend ist. Der Streifen geizt nicht mit irren Ideen, obszönen Perversitäten, grotesken Figuren, plumpen Gesplatter, schrillen Sets und geschmacklichen Entgleisungen, wobei einem das alles mit Irrsinnstempo und einer rücksichtslosen In-Your-Face-Attitüde vor den Latz geknallt wird, daß man schlicht und einfach schon nach kurzer Zeit überfordert ist. Eine wüste Sequenz jagt die nächste, es geht Schlag auf Schlag, ohne Möglichkeit, das eben Gesehene verdauen zu können. Ausgeteilt wird nach allen Seiten, sicher sind vor den Attacken der Macher nichts und niemand. Die Kirche bekommt zum Beispiel mit einem pädophilen Priester ihr Fett weg, bei den Arabern wird fröhlich Schwarz-Weiß-Malerei betrieben ("Now remember kids, if an Arab is not working for you, he is working against you!"), und die gutmenschliche Hüterin von Anstand und Moral wird als widerliche, fanatische Hexe portraitiert, der jedes Mittel recht ist, um das ach-so-gefährliche "Übel" (in diesem Falle eben Gwar) aus der Welt zu schaffen.

                                Die Grenzen des guten Geschmacks werden dabei geflissentlich ignoriert; der Spitzenreiter aus der Bad-Taste-Ecke ist wohl der Werbedreh für ein leckeres Cornflakes-Produkt, wo Regisseur Fritz Wang (Gibby Haynes) die Kinder wie folgt motiviert: "You know, children, this happens to be one of the best things we have ever put into our mouths, better than, perhaps, sucking off the family doggy." Pikanterweise sind die Frühstücksflocken auch noch mit Drogen versetzt, um die Kleinen süchtig zu machen. Was mir in all dem exzessiv-trashigen Overkill fehlt, ist sowas wie ein Herz oder eine Seele. Man sitzt staunend vor der Glotze, betäubt ob des überbordenden Bombardements der kruden, politisch unkorrekten Ideen, aber berühren tut das alles kein bißchen. Das unterscheidet ihn etwa von Peter Jacksons Meet the Feebles (1989), an den mich dieses energiegeladene (Underground-)Spektakel, vor allem in Bezug auf die groteske Gestaltung der Puppen respektive Masken, die kranken Einfälle sowie die geschmacklosen Gore-Eskapaden, streckenweise stark erinnert. Und das ist schade, weil bei diesem extra-derben Bad-Taste-Reigen somit kaum etwas hängen bleibt. Aus den Augen, aus dem Sinn. Aber geil war es irgendwie schon.

                                Zuletzt geändert von Randolph Carter; 01.07.2017, 11:43.
                                Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
                                Komplettübersicht mit Direktzugriff

                                Kommentar

                                Lädt...
                                X