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Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns

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  • Randolph Carter
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    Vendetta dal futuro
    (Paco - Kampfmaschine des Todes / Hands of Steel / Fists of Steel / Hands of Stone / Arms of Steel / Atomic Cyborg / Return of the Terminator)

    Italien 1986 - Directed by Sergio Martino



    Paco Queruak (Daniel Greene) ist ein Cyborg. Ein Mensch, dessen perfekt trainierter Körper nur noch zum Teil aus Fleisch und Blut, aus Knochen und Sehnen, aus Muskeln und Gehirn besteht. Nach einer schweren Verletzung, die ihm beinahe das Leben gekostet hätte, flickten ihn Ärzte und Wissenschaftler wieder zusammen und ersetzen dabei das beschädigte Gewebe (immerhin rund siebzig Prozent) durch bionische Technologie. Und bei der Gelegenheit hat man dem Mann auch gleich eine Gehirnwäsche verpaßt. Hinter dem dubiosen Projekt steckt Francis Turner (John Saxon), ein skrupelloser Industrie-Magnat, der einen lästigen Prediger (Franco Fantasia), der gegen ihn Stimmung macht, aus dem Weg räumen will. Und so steht Paco plötzlich vor dem blinden Mann, darauf programmiert, ihn mit seinen bloßen Händen - deshalb heißt der Film alternativ auch Hands of Steel, Fists of Steel, Hands of Stone und Arms of Steel - zu töten. Paco schlägt zu, und wo Paco hinschlägt, wächst kein Gras mehr. Dennoch überlebt der Prediger schwerverletzt, und Turner ist verständlicherweise not amused. Seine geniale Waffe hatte offensichtlich eine Fehlfunktion, die eigentlich nicht sein kann. Aus diesem Grund schickt er einige Männer los, um Paco zu finden und auszuschalten. Der hat sich inzwischen in Lindas (Janet Agren) billiger Absteige neben einer Wüstenstraße einquartiert, wo sich die Trucker (unter anderem Raul Morales, gespielt von George Eastman) gerne im Armdrücken messen. Bald ist die Kacke am Dampfen.

    Ein italienischer Terminator-Verschnitt mit Daniel Greene (Kingpin), Janet Agren (Paura nella città dei morti viventi), George Eastman (Antropophagus), John Saxon (Enter the Dragon) und Donald O'Brien (Zombi Holocaust), inszeniert von Sergio Martino (I corpi presentano tracce di violenza carnale aka Torso) unter seinem Pseudonym Martin Dolman und mit einem so coolen wie eingängigen Synthesizer-Score von Claudio Simonetti (Tenebre)? Immer her damit! Vendetta dal futuro ist ein kleiner Kracher, vorausgesetzt natürlich, man hat ein Faible für grobe, trashige Italo-Action der Güteklasse B mit der Duftnote "Cheese". Martino und seine sechs Co-Drehbuchautoren beschränkten sich nicht nur darauf, das große Vorbild zu kopieren, sie griffen bloß die Grundidee auf und zimmerten daraus mit dem Holzhammer ihr eigenes Ding. Und so ist die Hauptfigur, Paco Queruak, auch keine tumbe Killermaschine, die alle, ohne dabei eine Miene zu verziehen, auslöscht, sondern so etwas wie eine Kreuzung aus zerstörerischem Terminator und beschützendem Kyle Reese, der von Michael Biehn gespielten Figur aus James Camerons Kultklassiker. In Paco stecken immer noch Gefühle, welche sein Handeln beeinflussen. Er kann noch wählen, und er wählt richtig. Als Linda, gespielt von der am 6. April 1949 im schwedischen Landskrona geborenen Janet Agren, in sein Leben tritt und durch ihn in Gefahr gerät, entwickelt er Beschützerinstinkte, vielleicht sogar so etwas wie Liebe für die bildhübsche Damsel in Distress.

    Daniel Greene mag nicht der größte Schauspieler auf diesem Planeten sein, aber der Paco ist ihm auf den Leib geschneidert, für diese Rolle wurde er geboren. Auf der einen Seite agiert er hammerhart und kompromißlos (er kann richtig toll böse gucken), auf der anderen zeigt er aber auch Schwäche und man merkt ihm an, daß er leidet, was besonders gut gegen Ende des Streifens umgesetzt wurde. Da kommen doch weit mehr Emotionen beim Zuschauer an, als man es bei Filmen wie diesem erwarten durfte. Die Handvoll, vor Testosteron fast überquellenden Armdrück-Matches fügen sich gut ins Geschehen ein, wohingegen die dystopischen Hintergrund-Elemente, wie z. B. der saure Regen, dem Film ein leicht apokalyptisches Flair verleihen. Grinsen muß man allerdings bei den primitiven Computersimulationen, die beim etwas unnötigen Subplot mit dem Polizisten und einer Ärztin zur Anwendung kommen; die sind mittlerweile hoffnungslos veraltet. Die vor atemberaubender Kulisse (bizarre Felsformationen in staubiger Wüstenlandschaft) in Arizona gedrehten Actionsequenzen sind kompetent in Szene gesetzt, hinterlassen jedoch einen bitteren Beigeschmack, da bei den Dreharbeiten Co-Star Claudio Cassinelli (Murderock - uccide a passo di danza) ums Leben kam, als der waghalsige (und ebenfalls verstorbene) Pilot mit dem Hubschrauber eine Brücke streifte und in den Canyon darunter abstürzte. Abgesehen davon ist Vendetta dal futuro der Glücksfall eines Italo-Rip-Offs, das prächtig unterhält und prima rockt.



    Liebe Leser!
    Aufgrund der Corona-Krise lege ich bis auf weiteres eine Pause ein.
    Nicht, weil ich keine Lust mehr hätte, Filme zu gucken. Nein.
    Sondern, weil ich im Moment keine Lust habe, auch darüber zu schreiben.
    Wir lesen uns wieder, hoffentlich bald.
    Bis dahin, seid vorsichtig und bleibt gesund!

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  • Randolph Carter
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    El Mascarado Massacre
    (Wrestlemaniac - El Mascarado Massacre / Wrestlemaniac / Death Mask)

    USA 2006 - Written, Directed & Edited by Jesse Baget



    Alfonse: "What the fuck happened to his fucking face? Oh shit!"
    Steve: "His face is gone, dude."
    Alfonse: "Where is his fucking face?"
    Steve: "It's El Mascarado, dude. He took his face off."
    Alfonse: "What?"
    Steve: "That's what Mexican Wrestlers do when they win a fight. They rip their opponent's mask off. It's the ultimate humiliation."


    Um bei den Olympischen Spielen 1984 gegen die übermächtige Konkurrenz eine Chance zu haben, griffen die Mexikaner einst tief in die Kiste mit den schmutzigen Tricks. Ganz unten, am schleimigen Boden, wühlten sie herum, jede Spur von Fairness, Würde, Ehre und Menschlichkeit bei der blindwütigen Gier nach Gold mit Verachtung strafend. Und so erschien aus dem Nichts El Mascarado (Rey Misterio Sr.) auf der Bildfläche, ein Ungetüm von Wrestler, scheinbar unbesiegbar. Es entstand das Gerücht, daß er von genialen Wissenschaftlern im Labor geschaffen wurde, zusammengesetzt aus Teilen der drei besten Ringer des Landes, die spurlos verschwunden waren. Doch dann geschah das Unvermeidliche. El Mascarados Gehirn hielt dem Ganzen nicht stand und verfiel dem Wahnsinn. Die maskierte Kreatur rastete im Ring völlig aus, tötete all ihre Gegner und ließ sich nicht mehr bändigen. Um die Schmach möglichst effizient unter den Teppich zu kehren, zog man El Mascarado aus dem Verkehr und verfrachtete ihn in ein Wüstenkaff "in the middle of no-fucking-where", das alsbald entvölkert war und sich in die Geisterstadt La Sangre de Dios verwandelte. So geht die Legende.

    Wie es der Zufall so will, macht der Van einer Gruppe junger Leute just einen Steinwurf von La Sangre de Dios entfernt schlapp. Die sechs Männer und Frauen - Alfonse (Adam Huss), Steve (Jeremy Radin), Jimbo (Zack Bennett), Dallas (Leyla Milani), Debbie (Margaret Scarborough) und Daisy (Catherine Wreford) - waren auf dem Weg nach Mexiko und haben sich natürlich verfahren. Also machen sie das Beste aus der Situation und entscheiden sich dafür, ihren geplanten Amateurporno gleich hier in der Geisterstadt zu drehen. Das freut den dort immer noch hausenden El Mascarado natürlich sehr. Endlich gibt es wieder Frischfleisch, das er auseinandernehmen kann. Die Idee ist simpel und gut, die Ausführung im Rahmen der Möglichkeiten durchaus achtbar. Anstelle eines tumben Schlächters (Jason Voorhees), des personifizierten Bösen (Michael Myers) oder eines sprücheklopfenden Sadisten (Freddy Krueger) haben wir es hier mit einem durchgeknallten Super-Wrestler zu tun, der sich durch die Cast metzelt und die Masken seiner Opfer wie Trophäen sammelt. Und wenn keine Maske vorhanden ist, schält er dem Besiegten eben das Gesicht vom Schädel.

    Jesse Bagets großes Vorbild für sein in Kalifornien gedrehtes B-Movie war allerdings weder Friday the 13th (1980) noch Halloween (1978) und schon gar nicht A Nightmare on Elm Street (1984), sondern ganz offensichtlich Tobe Hoopers Kultklassiker The Texas Chain Saw Massacre (Blutgericht in Texas, 1974). Die Parallelen beginnen schon beim Arbeitstitel (The Mexican Porn Massacre), reichen über die Figuren (insbesondere dem nervigen Nerd und dem kreischenden Final Girl) und dem creepy Tankstellenbesitzer (gespielt von Irwin Keyes, bekannt aus Filmen wie The Warriors, The Exterminator, Oblivion und House of 1000 Corpses), und enden ganz bestimmt nicht beim stummen, bulligen und bedrohlichen Killer, der es wie Leatherface auf die Gesichter seiner Opfer abgesehen hat, wenngleich aus anderweitigen Gründen. Ist die erste Hälfte des niedrig budgetierten Indie-Streifens noch recht locker, in einigen Momenten sogar beinahe parodistisch angelegt, so ist ab etwa der Mitte Schluß mit lustig, wenn El Mascarado der Gruppe demonstriert, was er so alles draufhat. Da werden Körper mit Händen und Füßen bearbeitet, Rücken gebrochen und Gesichter radikal entfernt.

    Die Handvoll Gore-Effekte sind billig, handgemacht und nicht gänzlich überzeugend, aber sie hinterlassen ob ihrer rohen Brutalität durchaus Eindruck, insbesondere in Kombination mit der unerbittlichen Stimmung und dem unguten Gefühl der Abgeschiedenheit bzw. Ausweglosigkeit. Der Schauplatz des Filmes, das verlassene Wüstennest, ist natürlich Gold wert und wird auch gut genutzt. Die alten, halb verfallenen Gemäuer mit ihren verbarrikadierten Fenstern, die dunklen, engen Gassen, durch die der Wind das Lied des Wrestlemaniacs pfeift, das hat schon was Unheimliches an sich, unterstützt natürlich von der kargen Umgebung... außer Sand, Steinen und Kakteen gibt es da nicht viel. Sehr nett ist außerdem, daß sich der irre Killer an die Regeln des Lucha Libre hält, und der Vorspann im stimmigen Vintage-Look nebst coolem Mariachi-Song gefällt ebenfalls (der Soundtrack ist generell gut). El Mascarado Massacre ist eine kleine, dreckige, rotzige, dümmliche und trashig angehauchte Texas Chain Saw Massacre-Variante, welche nur eines im Sinn hat, nämlich den Schundfilmfans launige Kurzweil zu bescheren. Und in meinem Fall hat dies der Streifen auch problemlos geschafft.

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  • Randolph Carter
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    Crowhaven Farm
    USA 1970 - Directed by Walter Grauman



    Unverhofft erben Ben (Paul Burke, Valley of the Dolls) und Maggie Porter (Hope Lange, Death Wish) eine alte Farm in Brampton, Massachusetts, nachdem der ursprünglich Begünstigte auf dem Weg dorthin tödlich verunglückt ist. Die Freude ist da natürlich groß, vor allem bei Ben, der sich gleich mit Eifer an die Arbeit macht. Bei Maggie hingegen schleichen sich rasch Zweifel ein, ob die Erbschaft wirklich der Glücksfall ist, der er zu sein scheint. Sie weiß Dinge über das Farmhaus, die sie eigentlich nicht wissen kann und hat verstörende Visionen und Träume, in denen eine Meute altmodisch gekleideter Dörfler eine hilflose Frau quälen, indem sie eine auf ihr liegende Holztüre mit vielen großen Steinen beschweren. Als sie erfährt, daß es hier vor etwa dreihundert Jahren einen praktizierenden Hexenkult gegeben haben soll und auch einige Satansanbeter hingerichtet wurden, trägt das nicht gerade zu ihrer Beruhigung bei. Dann nehmen sie ein zehnjähriges Mädchen namens Jennifer (Cindy Eilbacher) bei sich auf, da deren schwerkranke Tante zur Untersuchung nach Boston muß. Die Frau kehrt jedoch nicht mehr zurück - sie hat nach der Diagnose offensichtlich Selbstmord verübt -, und so kümmern sie sich weiter um das arme Kind, das sich hier sofort wie zu Hause fühlt. Maggie hat in Bezug auf die Kleine ein immer unguteres Gefühl, und wie sich bald herausstellen soll, trügt sie dieses nicht.

    Walter Graumans Crowhaven Farm ist ein für das amerikanische Fernsehen produzierter Film (Aaron Spelling hatte als ausführender Produzent seine Finger im Spiel), der ein immer wieder gern genommenes Gruselmotiv aufgreift und nicht ungeschickt variiert: Die üble Vergangenheit, die ihre Finger nach der Gegenwart ausstreckt und zur Bedrohung für die Protagonisten wird. Eine alte Schuld soll beglichen werden, oder, mit den Worten einer Figur: "What is unfinished, must be finished." John McGreeveys stark von Roman Polanskis Rosemary's Baby (1968) beeinflußtes Drehbuch nimmt sich Zeit, die Figuren zu charakterisieren und die Geschichte langsam aufzubauen. In der Ehe der Porters kriselt es, nicht zuletzt, weil es mit dem Kinderwunsch einfach nicht klappen will. Maggie ist mit Kevin Pierce (Lloyd Bochner, Mr. No Legs), befreundet, einem notorischen Casanova, was dem eifersüchtigen Ben überhaupt nicht gefällt. Der wiederum hofft auf seinen Durchbruch als Maler, was ihm manchmal wichtiger zu sein scheint als seine Frau. All diese Dinge spielen im weiteren Verlauf der Handlung eine Rolle. Die Schauspieler agieren passabel (in einer Nebenrolle ist der finster guckende John Carradine (Shock Waves) zu sehen), ohne groß zu glänzen. Leider schafft es Hope Lange nicht, beim Zuseher Gefühle für ihre Figur zu wecken, weshalb einem ihr Schicksal nicht wirklich berührt.

    Eine besondere Erwähnung verdient Cindy Eilbacher (Slumber Party Massacre II) als Jennifer, die ihre Figur so subtil spielt, daß man bei ihrem Anblick tatsächlich Unbehagen empfindet. Sie sieht aus, als könne sie kein Wässerchen trüben, aber hinter ihrer engelhaften, unschuldigen Fassade lauert ein Biest, das spürt man sofort. Eigentlich weiß man es sogar, da zu Beginn zu sehen ist, daß sie am "Unfall" des ursprünglichen Erben nicht unbeteiligt war. Crowhaven Farm punktet mit einer hübsch düsteren Stimmung, die sich durch den gesamten Film zieht und die sich bis zum Ende hin noch verdichtet. Die Auflösung ist zufriedenstellend, aber der große Aha-Effekt bleibt aus; eher runzelt man die Stirn, da dem Ganzen doch eine etwas konfuse Note anhaftet. Einige Momente stechen aus dem insgesamt eher durchschnittlichen TV-Film hervor. Die Visionen haben eine unheimliche Qualität, das Benehmen der Dorfbewohner beunruhigt, und die Sequenz, in der Maggie des Nachts einem traurigen Kinderweinen nachspürt, welches plötzlich in dämonisches Gelächter umschlägt, ist richtig gut gelungen. Dem gegenüber stehen allerdings das dünne Handlungsgerüst, die an Seifenopern gemahnende Figurenkonstellation und ein paar irritierende Zeitsprünge, die für Verwirrung sorgen. Für Freunde von stimmigen, wenngleich milden Grusel-Mystery-Dramen ist Crowhaven Farm dennoch einen Besuch wert.

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  • Randolph Carter
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    La nuit des traquées
    (Nacht der Gejagten / The Night of the Hunted / Night of the Hunted)

    Frankreich 1980 - Written & Directed by Jean Rollin



    Durch Zufall begegnet Robert (Alain Duclos) eines Nachts, Nahe eines Waldstückes, der ziellos herumirrenden Elisabeth (Brigitte Lahaie). Die nur mit einem Nachthemd bekleidete Frau scheint verwirrt und verstört, und als sie ihn bittet, er solle sie doch mitnehmen, setzt er sie in sein Auto und bringt sie in seine Wohnung. Beide wissen nicht, daß ihnen aus dem Dunkel des Waldes eine nackte Frau, Véronique (Dominique Journet), nachsieht und verzweifelt fleht, sie bitte nicht allein zu lassen. Robert bemerkt rasch, daß Elisabeth große Probleme mit ihrem Gedächtnis hat und sich an fast gar nichts mehr erinnern kann, was ihn aber nicht davon abhält, mit der attraktiven Frau zu schlafen. Am nächsten Tag, als Robert bei der Arbeit ist, bekommt Elisabeth Besuch von Dr. Francis (Bernard Papineau) und seiner Assistentin Solange (Rachel Mhas), welche sie überzeugen, mit ihnen nach Hause zurückzukehren. Elisabeths Zuhause entpuppt sich als modernes Hochhaus, in dem sie und ihre zahlreichen Schicksalsgenossen, darunter auch ihre Freundin Véronique, in kargen Appartements untergebracht sind. Niemand scheint sich zu bemühen, den verlorenen Menschen, die hier quasi gefangen gehalten werden, zu helfen. Und so fassen Elisabeth und Véronique den Entschluß, erneut einen Fluchtversucht zu wagen.

    La nuit des traquées ist eine etwas zwiespältige Angelegenheit. Einerseits mag der billigst produzierte Streifen - auf den ersten Blick zumindest - nicht so recht in Rollins Oeuvre passen, andererseits ist die Handschrift des Franzosen stark genug, sodaß man gar nicht erst auf den Gedanken kommt, jemand anderes könnte diesen Film gedreht haben. Auf alle Fälle ist es eines von Rollins ungewöhnlichsten Werken, in erster Linie natürlich aufgrund des Schauplatzes. Der überwiegende Teil von La nuit des traquées spielt in einem unansehnlichen Betonklotz in Paris, einem Hochhaus, das aufgrund seiner dunklen Farbe alles andere als einladend ist. So düster es von außen wirkt, so unangenehm kalt wirkt es von innen. Es fühlt sich an wie ein stillgelegtes Krankenhaus, in dem die Patienten mehr oder weniger sich selbst überlassen wurden. Es gibt bewaffnete Wächter, die verhindern sollen, daß die hier einquartierten Menschen in die Außenwelt gelangen, und es gibt mit Dr. Francis auch so etwas wie einen Arzt, doch eine Hilfe ist dieser Mann nicht. Tatsächlich erinnert dieser Doktor aufgrund seiner kaltschnäuzigen, emotionslosen und undurchschaubaren Art stark an den von William B. Davis gespielten "Krebskandidaten" aus der TV-Serie The X-Files (Akte X - Die unheimlichen Fälle des FBI).

    Nach eigenen Angaben schrieb Jean Rollin das Drehbuch an einem Tag, und für die Umsetzung stand ihm lediglich das Mini-Budget zur Verfügung, das üblicherweise für einen Pornofilm reserviert ist. Auch einige der Darstellerinnen wurden aus Sexfilmkreisen rekrutiert, allen voran natürlich die am 12. Oktober 1955 geborene Brigitte Lahaie, ihres Zeichens eine der populärsten Erotikstars Frankreichs, mit der Rollin bereits bei Les Raisins de la mort (Foltermühle der gefangenen Frauen, 1978) und Fascination (1979) zusammenarbeitete. Hier vertraute er ihr die Hauptrolle an, und sie dankte es ihm mit einer ihrer besten und einfühlsamsten Darbietungen. Ihre subtile, zurückhaltende und doch zu Herzen gehende Performance ist mitverantwortlich dafür, daß La nuit des traquées diese starke Wirkung erzielt und als Ganzes so gut funktioniert. Lahaie macht das Dilemma, in dem sich ihre Figur Elisabeth befindet, für das Publikum nicht nur nachvollziehbar, sondern sogar spürbar. Der ständige Verlust des Gedächtnisses, das wie Sand durch ihre Finger rieselt, der damit einhergehende Identitätsverlust, die daraus resultierende Verlorenheit und Einsamkeit, all das bringt Lahaie mit viel Gefühl und glaubhaft zum Ausdruck. Sie trägt den Film auf ihren Schultern, und sie schwankt keine Sekunde unter der Last.

    Ihre Kolleginnen agieren hingegen durchwachsen. Während Dominique Journet als Véronique vor allem mit ihrer herzzerreißend traurigen Ausstrahlung punktet, kann Cathy Stewart (aka Catherine Greiner) nicht gänzlich überzeugen. Und das ist umso bedauerlicher, da ihre Catherine eine Art Schlüsselfigur ist, nicht nur aufgrund ihres gräßlichen Endes (die paar Gore-Effekte sind gut umgesetzt), sondern auch, weil es sie am härtesten getroffen hat. Neben den üblichen Symptomen der mysteriösen Krankheit hat sie auch Probleme mit der Motorik. So kann sie zum Beispiel nicht essen, weil sie den Löffel mit ihrer Hand nicht adäquat zum Mund führen kann, woraufhin Elisabeth einspringt und sie füttert. Diese Sequenz ist eine ziemlich heikle und problematische Gratwanderung, die Gefahr läuft, beim Publikum falsch anzukommen. Einerseits geht die ganze Szene sehr zu Herzen, andererseits ist Stewarts Spiel so unbeholfen, daß die berührende Stimmung ins Komische abzudriften droht. Wesentlich besser schlägt sich da schon Natalie Perrey, die davon überzeugt ist, eine Tochter zu haben, diese jedoch vergessen hat. Und so helfen ihr Elisabeth und Véronique, indem sie sich spontan einige Dinge über die Tochter ausdenken, denn zumindest das können sie in ihrer mißlichen Lage tun: Erinnerungen füreinander erfinden.

    Wie bei Rollin nicht anders zu erwarten, entfaltet sich die Geschichte, die aufgrund des Settings und der ausweglosen Stimmung einige Parallelen zu David Cronenbergs Shivers (Parasiten-Mörder, 1975) aufweist, sehr langsam und bedächtig. Erst im letzten Viertel des Filmes wird offenbart, was genau es mit dieser schrecklichen Erkrankung auf sich hat und wodurch sie verursacht wurde. Die Stimmung ist zappenduster und deprimierend, trotz des leicht surrealen Flairs und der irgendwie traumhaften Aura, welche die von Jean-Claude Couty präzise eingefangenen Bilder oft umweht. Gegen Ende verlagert sich das Geschehen in ein heruntergekommenes Eisenbahnabstellgelände, wo Rollin auf die eh schon niederschmetternde und bedrückende Atmosphäre noch einen draufsetzt. Da kommt es dann zu solch grausamen Aktivitäten, daß man unweigerlich an die Vernichtungslager der Nazis denken muß, was für einen dicken, fetten Kloß im Hals sorgt. Das bewegende Ende hat trotz der tristen Hoffnungslosigkeit etwas zutiefst Poetisches und etwas quälend Eindringliches an sich, was durch das traurige Gitarrengezupfe noch verstärkt wird. La nuit des traquées ist Jean Rollins düsterstes und deprimierendstes Werk, dessen unendlich traurige, von Verlust und Leid geschwängerte Stimmung den Zuschauer auch nach Filmende noch einige Zeit begleitet.

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  • Randolph Carter
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    Revenge Is Her Middle Name
    USA 2011 - Written & Directed by Anthony Matthews



    Falls es das Ziel von Drehbuchautor und Regisseur Anthony Matthews gewesen ist, einen widerlichen Film zu drehen, dann ist ihm das mit Bravour gelungen. Alles an Revenge Is Her Middle Name ist abstoßend. Die Stadt, in welcher der Film spielt (gedreht wurde in Pittsburgh, Pennsylvania). Die Wohnungen, in denen die Figuren hausen. Die Figuren selbst, der Bodensatz des White Trashs. Die Sprache, mit der sie kommunizieren. Der Umgang miteinander, ihr generelles Verhalten. Der Look des Filmes. Einfach alles. Hier gibt es keine Sympathieträger, bloß Figuren, denen man im realen Leben niemals begegnen möchte. Abgefuckte Drogensüchtige, häßliche Prostituierte, schmierige Gangster. Selbst die Polizisten haben was so Unappetitliches an sich, daß man ihnen lieber aus dem Weg geht. Hier regiert der Abschaum. So sehr, daß man sich selbst bald schmutzig fühlt und sich nach einer heißen Dusche sehnt. Wäre Matthews talentiert, hätte er aus diesem nihilistischen, sich in menschlichem Elend suhlenden Konzept vielleicht sogar etwas machen können. So wirkt das unsägliche Ergebnis auf mich wie eine lustlos hingerotzte, saft- und kraftlose Provokation, welche statt zu schockieren einfach nur furchtbar langweilt.

    Im Mittelpunkt der Geschichte steht Kat (Lissa Brennan), eine solch ungustiöse Person, daß ich sie nicht mal mit einer Kneifzange anfassen würde. Kat geht auf den Strich, ist ein Junkie und lebt zusammen mit dem ebenfalls drogensüchtigen Dolph (Michael Todd Schneider) in einer abgeranzten Bude. Trotz der nicht gerade vielversprechenden Zukunftsaussichten will Kat unbedingt ein Kind haben und wird auch schwanger, was selbst ihrer Freundin Marilynn (Paula Bellin) schwer fällt zu verstehen. Um zu etwas Geld zu kommen bringt sie Dolph dazu, den Dealer und Zuhälter Mutton Chop (Douglass Bell) auszurauben. Nach gelungenem Überfall läßt Kat ihren Freund fallen und setzt sich ab. Doch einige Monate später spüren Mutton Chop und seine Leute die mittlerweile hochschwangere Frau auf und geben ihr Saures. Kat wird verprügelt, von allen der Reihe nach vergewaltigt, und zum Drüberstreuen verpaßt man ihr noch eine Ladung Heroin tief in den Babybauch. Kat überlebt das Martyrium und lechzt nach Rache. In einem gelungenen Film würde man mit der Frau mitleiden und sie anfeuern, aber nicht bei Revenge Is Her Middle Name. Hier wünscht man der Protagonistin die Krätze an den Hals, so sehr verabscheut man diese fürchterliche Unperson.

    Ich habe selten einen Film gesehen, der auf mich häßlicher und abstoßender gewirkt hätte. Dieses Machwerk ist so zutiefst unsympathisch, daß es fast schon körperliche Schmerzen verursacht. Diese gewaltige Antipathie in Bezug auf den Film und auf die Figuren ist allerdings auch das einzige, was man hier spürt, denn ansonsten scheitert Anthony Matthews auf sämtlichen Ebenen kläglich. Selbst die diversen Brutalitäten - und davon gibt es einige - sind so schlapp und lahm in Szene gesetzt, daß ihre mögliche Wirkung völlig verpufft. Sogar üble Gewaltspitzen wie eine On-Screen-Kastration (der Unglückliche steckt sein bestes Stück durch ein Glory Hole) und die Vergewaltigung einer Hochschwangeren lösen keinerlei Gefühle aus, so erbärmlich kraftlos und träge sind sie inszeniert. Muß man noch erwähnen, daß auch die schauspielerischen Darbietungen (mit Ausnahme der Hauptdarstellerin) grottig sind, daß eine Dramaturgie überhaupt nicht vorhanden ist und daß die Kameraführung auf unterstem Niveau angesiedelt ist? Ich denke nicht. Das Beste am Film sind noch die Softcore-Schnipsel von einigen unbekannten 70er-Jahre-Pornos, die - warum auch immer - an einigen bestimmten Stellen eingefügt wurden. Wer nach dem Bodensatz des Genres sucht, wird hier fündig.

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  • Randolph Carter
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    Corpse Eaters
    Kanada 1974 - Directed by Donald R. Passmore & Klaus Vetter



    Als im Jahre 1968 ein kleiner, unabhängig produzierter Schwarzweiß-Film namens Night of the Living Dead (Die Nacht der lebenden Toten), für wenig Geld von einem gewissen George A. Romero in Pennsylvania gedreht, die Lichtspielhäuser und die Drive-In-Kinos unsicher zu machen begann, konnte noch niemand ahnen, daß sich dieses Werk als eines der Einflußreichsten der Horrorfilmgeschichte herausstellen sollte. Der Streifen prägte nicht nur das (grausige) Bild des modernen Zombiefilmes, er pushte ihn auch in eine Richtung, der er heute, mehr als fünfzig Jahre später, noch immer folgt, mal schlurfend, mal torkelnd, mal stolpernd, mal laufend, aber immer zielstrebig. Der Erfolg von Night of the Living Dead rief natürlich Nachahmer auf den Plan, die das so einfache wie geniale Konzept kopierten und variierten oder die Thematik in einen gänzlich anders gelagerten Plot integrierten. Children Shouldn't Play with Dead Things (1972), behauptete etwa Bob Clark, während Amando de Ossorio in Spanien im selben Jahr La Noche del terror ciego (Die Nacht der reitenden Leichen) anbrechen ließ, welche ein paar Sequels und Rip-Offs nach sich zog. Seinen ungezogenen Kindern ließ Bob Clark 1974 Dead of Night (Dead of Night - Nacht des Terrors) folgen, und Jorge Grau entführte uns mit Non si deve profanare il sonno dei morti (1974) in Das Leichenhaus der lebenden Toten, das später gar zur Invasion der Zombies führte. Nicht unerwähnt bleiben sollten auch Carlos Aureds El Espanto surge de la tumba (Blutmesse für den Teufel, 1973) und León Klimovskys La Rebelión de las muertas (Die Rebellion der lebenden Leichen bzw. Blutrausch der Zombies, 1973), obwohl sich hier die Zombieaktivitäten eher in Grenzen halten.

    Und dann war da noch eine kanadische Produktion namens Corpse Eaters (1974), die nach ihrem Autokinoeinsatz völlig in der Versenkung verschwand (*) und die heute kaum mehr jemand kennt. Schlappe sechsunddreißigtausend kanadische Dollar soll der in Sudbury, Ontario, gedrehte Film gekostet haben, geschrieben und produziert vom blutjungen Drive-In-Besitzer Lawrence Zazelenchuk, der für die Regie Donald R. Passmore anheuerte, diesen nach vier Tagen feuerte und durch Klaus Vetter ersetzte. Die Fassung, die mir vorliegt (anscheinend die längste, die "überlebt" hat), läuft eine knappe Stunde und ist wohl nicht komplett. Ähnlich wie Ivan Reitmans Cannibal Girls (Cannibal Girls - Der Film mit der Warnglocke, 1973) bedient sich auch Corpse Eaters eines Gimmicks, um zartbesaitete Zuschauer vor allzu blutrünstigen Szenen zu warnen. Auf der Tonspur erklingt ein sogenannter "Warning Buzzer", während man auf dem Bildschirm einen älteren Kinobesucher sieht, der mit Brechreiz kämpft und angewidert in sein Taschentuch würgt. Tatsächlich möchte ich gar nicht ausschließen, daß dem einen oder anderen, der die gut gemeinte Warnung ignorierte, übel wurde, schließlich tun die Zombies in Corpse Eaters das, was man von ihnen trotz des irreführenden Titels erwartet: Sie fressen Menschen. Die Splatter-Szenen sind recht happig ausgefallen (offenbar arbeitete man mit echten Innereien aus der Fleischerei), hinterlassen allerdings nicht sonderlich viel Eindruck, da die dilettantische Szenenausleuchtung ebenso sehr zu wünschen übrig läßt wie die schlampige Kameraarbeit. Der Look und das Make-Up der lebenden Toten ist hingegen gut gelungen; ein echter Jammer, daß man von ihren vermoderten Gesichtern so wenig zu sehen bekommt.

    Auch mit seinem dämlichen Plot macht Corpse Eaters keinen Stich. Der Film beginnt im Happy Hallo Funeral Home, biegt dann völlig unerwartet zu zwei jungen Pärchen ab, die erst ein bißchen herummachen (eine der Frauen macht sich sogar nackig und läßt ihre Brüste mit Bier begießen), die dann aber, gepeinigt von Langeweile, einen Friedhof aufsuchen und in einer Gruft eine Séance abhalten (wer vertreibt sich auf diese Weise nicht hin und wieder die Zeit?), woraufhin die Toten aus ihren Gräbern steigen und über sie herfallen. Schließlich verlagert sich das Geschehen in ein Krankenhaus, wo der große Showdown stattfindet, da auch dieses Gebäude bereits zombieverseucht ist. Autor Zazelenchuk hantiert ungeschickt mit den Zeitebenen und schreckt auch nicht davor zurück, die wenig aufregende Handlung mit einer sehr langen Alptraumszene aufzulockern. Am Ende gibt es dann einen heftigen Twist, der die eh schon konfuse Story noch ein gutes Stück wirrer macht. Über die technische Seite gibt es nicht viel zu sagen; in dieser Hinsicht bewegt sich der Streifen in etwa auf dem Niveau von Herschell Gordon Lewis zu Blood Feast-Zeiten. Die schauspielerischen Darbietungen sind leider auch keinen Deut besser. Der implizierte Inzest sorgt zumindest für große Augen, während die Ohren entweder durch nettes Klaviergedudel verwöhnt oder von mißtönenden Geräusch-Kakophonien malträtiert werden. Abgesehen von ein paar gelungenen Szenen, stimmungsvollen Kameraeinstellungen und dem mitunter saftigen Gekröse ist der düstere und völlig ernst angelegte Corpse Eaters kaum der Rede wert, zumal sich auch der Unterhaltungswert stark in Grenzen hält. Somit ist diese kanadische Kuriosität nur aus historischer Sicht interessant.

    (*) Mit Corpse Eaters hat sich Lawrence Zazelenchuk gewissermaßen einen Traum erfüllt. Der Besitzer des 69 Drive-In an der Route 69 in Sudbury wollte seinen eigenen Horrorfilm erschaffen, den er in seinem Autokino zeigen konnte und der seiner jungen Kundschaft hoffentlich gefiel. Quasi ein Horrorfilm von einem Horrorfilmfan für Horrorfilmfans. Ob der Streifen damals bei den Zuschauern gut angekommen ist, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls lief das Werk einige Zeit im 69 Drive-In, bis Zazelenchuk die Filmrechte an einen Amerikaner verkaufte, in der Hoffnung, daß Corpse Eaters auch außerhalb seines Heimatlandes gesehen werden konnte, nicht ahnend, daß er damit das Grab für sein Herzensprojekt schaufelte. Denn der Amerikaner hatte kein Interesse daran, den Streifen zu veröffentlichen, da er ihn nur als Steuerabschreibung erwarb. Damit verschwand Corpse Eaters für lange Zeit von der Bildfläche. Nach dieser Enttäuschung sattelte Zazelenchuk um und versuchte sich als Hotelier in Florida, wo sein Alkoholproblem prächtig gedieh. Er starb im Alter von nur sechsunddreißig Jahren.

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  • Randolph Carter
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    Dawn of the Mummy
    (Die Mumie des Pharao / Die Rache der Mumie)

    USA 1981 - Directed by Frank Agrama



    Mumien haben es nicht leicht. Eine vertrocknete, hirnamputierte, in Bandagen gehüllte Kreatur, die auf der Suche nach Opfern elendig langsam durch die Gegend schlurft, das ist nicht unbedingt der Stoff, aus dem Alpträume gemacht sind. Würde die Mumie noch zur Schule gehen, ich bin mir sicher, sie würde von ihren Mitschülern, die den Gattungen Vampiren, Werwölfen, Geistern und Zombies angehören, brutal gemobbt werden. Selbst Frankensteins Monster würde beim Anblick der Mumie vermutlich Tränen lachen. So ähnlich dachten wohl auch Frank Agrama und seine Co-Drehbuchautoren Daria Price und Ronald Dobrin, als sie im Jahre 1980 ihr eigenes Mumien-Projekt anpackten. Und deshalb stellten sie ihrer Mumie eine Horde Zombies unterstützend zur Seite, die sich blutig durch die Cast fressen konnte. Ein Schelm, wer da denkt, sie würden fröhlich auf den von George A. Romero mit Dawn of the Dead (Zombie, 1978) ins Rollen gebrachten Zombie-Zug aufspringen. Ihren dreisterweise Dawn of the Mummy betitelten Film rettete diese Idee jedoch nicht, hat der qualitativ doch weit mehr gemein mit Andrea Bianchis Über-Baddie Le Notti del terrore (Die Rückkehr der Zombies, 1981) als mit Romeros Genre-prägenden Zombie-Epos.

    Im Mittelpunkt des Filmes steht eine kleine Gruppe amerikanischer Dumpfbacken, die zwecks Foto-Shooting für ein renommiertes Modemagazin nach Ägypten reisen. Dort stolpern sie zufällig über die Grabstätte des bösen Pharaos Safiraman, der vor etwa fünftausend Jahren das Zeitliche segnete und samt seinen Anhängern in einer geheimen Zeremonie bestattet wurde, auf daß er eines Tages triumphal zurückkehren möge. Daß unweit seiner Ruhestätte Leichenteile im Wüstensand liegen, ein nervöser Wächter das Feuer auf sie eröffnet und ein blonder "Archäologe" namens Rick (George Peck) gerade dabei ist, mit seinen Kumpanen die Gruft zu plündern, hält unsere "Helden" nicht davon ab, wie ein geisteskranker Hornissenschwarm in die Grabkammer einzufallen, um dort ihre Fotos zu schießen. Dies nimmt der Pharao prompt zum Anlaß, seine Totenruhe zu beenden, und zusammen mit seiner treuen Gefolgschaft macht er Jagd auf alles, was seinen Weg kreuzt. Die Grabräuber, die Models oder die Bewohner der nahegelegenen Stadt, nichts und niemand ist vor seiner Rache sicher. Und so werden bald Hälse zerbissen, Kehlen zugedrückt, Gedärme aus Leibern gerupft, und ein Fleischer bekommt gar sein eigenes Hackebeil zu schmecken.

    Obwohl Dawn of the Mummy eine amerikanische Produktion ist, die überwiegend in Ägypten gedreht wurde, fühlt sich der Film sehr europäisch, um nicht zu sagen italienisch an. Es sind nicht nur die talentlosen Knallchargen, die sich als Schauspieler versuchen und kläglich scheitern, nicht nur der akzeptable Synthesizer-Score von Shuki Levy, der die Vorgänge akustisch versüßt, und nicht nur die paar stimmungsvollen Zombie-Sequenzen, die auch in einem Fulci-Klassiker nicht völlig out-of-place gewirkt hätten, sondern es sind vor allem die trashig-billigen Masken, die recht saftigen Gore-Effekte und natürlich die Art und Weise, wie diese in Szene gesetzt wurden, welche für dieses angenehm käsige Spaghetti-Horror-Flair sorgen. Wenn man berücksichtigt, daß das Makeup-Design von Maurizio Trani (Zombi Holocaust, Quella villa accanto al cimitero, Wild beasts - Belve feroci) stammt, dann ist das auch gar nicht so verwunderlich. Tranis Arbeit ist zwar nicht gerade spektakulär (Pharao Safiraman hätte sich z. B. schon etwas mehr verdient als eine Ekelfresse der Marke "vergammelte Pizza"), kann sich aber durchaus sehen lassen. Und der Gore-Anteil ist hoch genug, um auch Fans der härteren Gangart zufrieden zu stellen.

    Leider dauert es lange, bis das große Gemetzel endlich beginnt, und so richtig rund geht es erst in den letzten zwanzig Minuten. Bis dahin geschieht nicht viel Erwähnenswertes. Man kann sich natürlich an George Pecks unfaßbarem Over-Acting ergötzen (der Typ dreht auf, als gelte es, die Weltmeisterschaft im Grimassieren zu gewinnen), die hirnrissig belanglosen Dialoge respektive die zum Himmel schreiende Dummheit der Figuren abfeiern (da ist echt einer blöder als der andere), sich an den exotischen Landschaften und Schauplätzen erfreuen, die vermoderten Zombies bestaunen (so man sie im Dunkeln denn erkennen kann), welche sich in Zeitlupe aus ihren sandigen Flachgräbern schälen (die mit Abstand beste und stimmungsvollste Sequenz des Filmes) oder auch einfach nur die Mumie anfeuern, auf daß sie doch endlich erwachen und all die Idioten von ihrem Elend erlösen möge. Wie man es auch dreht und wendet, Dawn of the Mummy ist kein guter Film und darüber hinaus ist er - über weite Strecken - eine sehr langatmige und wenig aufregende Angelegenheit. Das gorige Finale rettet, was zu retten ist, was aber nichts daran ändert, daß bei diesem leidlich unterhaltsamen Mumien-/Zombie-Quatsch wohl nur Bad-Movie-Fans auf ihre Kosten kommen.

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  • Randolph Carter
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    Night of the Demons
    USA 2009 - Directed by Adam Gierasch



    Im Jahre 1925 trugen sich im Broussard Family Mansion in New Orleans schreckliche Dinge zu, die mehreren Menschen das Leben kosteten. Unter den Opfern befand sich auch die Hausherrin Evangeline Broussard (Tatyana Kanavka), die auf spektakuläre Weise Selbstmord verübte. 85 Jahre später. Die extravagante Angela (Shannon Elizabeth, American Pie) schmeißt im leerstehenden Broussard-Anwesen eine große Halloween-Party, welche die Massen zu einer wilden Nacht voller Alkohol, Drogen, Tanz, Flirts und Sex anlockt wie die Motten das Licht. Das ausgelassene Feiern findet allerdings ein jähes Ende, als die Polizei die Party crasht und die Leute aus dem Haus scheucht. Eine Handvoll Partygäste kehrt jedoch wenig später zurück, um in kleinerem und intimerem Rahmen weiter zu feiern. Neben Angela sind da die heißen "Kätzchen" Suzanne (Bobbi Sue Luther, Laid to Rest) und Lily (Diora Baird, The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning), die scharfen Jungs Jason (John F. Beach) und Dex (Michael Copon), die süße und nette Maddie (Monica Keena, Freddy vs. Jason) sowie ihr Ex-Freund, der Drogendealer Colin (Edward Furlong, Terminator 2: Judgment Day). Nachdem sie im Keller des Hauses einige mumifizierte Leichen entdecken und sich Angela in einem Anflug von Übermut an den Zähnen einer davon verletzt, gewinnt die Party rasant an Schwung, aber auf eine Weise, die sich die Jungs und Mädels in ihren gräßlichsten Alpträumen nicht schlimmer hätten ausmalen können.

    Adam Gieraschs (Fertile Ground) gelungenes Remake von Kevin Tenneys Night of the Demons (1988) kostete mehr als achtmal so viel wie das Original (Inflation nicht berücksichtigt), sieht aber paradoxerweise wesentlich billiger aus. Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen... Ich erachte die Neuverfilmung als gelungen, weil sie den Geist des Originals weitgehend einfängt und nicht, weil sie so gut (im Sinne von qualitativ hochwertig) geworden wäre. Denn das ist der Streifen gewiß nicht! Insofern ist das nur konsequent, schließlich ist auch das populäre Original nicht wirklich gut. Beide sind anspruchslose, dämonenverseuchte Partyhorrorfilme, die den Fans einen netten, spaßigen Abend bescheren wollen. Und bei mir wurde exakt das auch erreicht, in beiden Fällen. Das Remake greift einige Motive von Tenneys Vorlage auf, spielt mit ihnen und variiert sie, wobei manche Erwartungen bedient, andere wiederum unterlaufen werden. Dennoch ist der Streifen kein plumper Abklatsch, und dank der eigenen Ideen, welche die Drehbuchautoren Jace Anderson und Adam Gierasch ins Skript eingearbeitet haben, fühlt er sich sogar recht eigenständig an. Zum Beispiel wurde der dünne, altbekannte Plot in eine Hintergrundstory eingebettet, die Figuren unterscheiden sich von jenen des Originals, der Schauplatz ist ein anderer, es gibt ein sicheres Zimmer im Haus, das für die Dämonen, die gewissen Regeln unterliegen, tabu ist, und darüber hinaus verabscheuen die Höllenwesen Rost.

    Das berühmteste Set-Piece des Originals - die berüchtigte Lippenstift-Szene - bekommt hier nicht nur ein nettes Update verpaßt, es wurde auch um ein entscheidendes Quäntchen erweitert. Linnea Quigley, die Scream Queen, die damals so unkonventionell mit dem Schmink-Utensil hantierte, hat übrigens einen amüsanten Cameo-Auftritt, wo sie einer prägnanten Sequenz des Originals stilecht im Ballerina-Outfit die Ehre erweist. Anstelle von Amelia Kinkade darf nun Shannon Elizabeth als Angela einen sexy Tanz aufs Parkett legen, ansonsten gibt es viele Brüste (meist hübsch verpackt) zu bestaunen, es wird schamlos rumgemacht, und ein wenig Sex darf natürlich auch nicht fehlen, wobei sich ein Pärchen während des Ficks in Dämonen verwandelt. Eine nette Idee, welche in abgewandelter Form bereits in Joe Dantes The Howling (Das Tier, 1981) vorkam. Und wo wir schon beim "Szenenklau" sind: Der Einfluß von Sam Raimis Kultklassiker The Evil Dead (Tanz der Teufel, 1981) ist hier noch offensichtlicher als bei der ersten Dämonennacht von 1988. Man denke etwa an die ein Eigenleben führenden Wurzeln oder die Falltür in den Keller. Unterlegt ist das kurzweilige Direct-to-DVD-Gemetzel mit jeder Menge Indie-Rockmusik (u. a. von (unbekannten) Bands wie Haunted Garage, The Barbarellatones, Goatwhore, Swingin' Neckbreakers, The Ghastly Ones, The Death Riders, deadbyday, Psycho Charger, Concrete Blonde und Creature Feature), was der Partystimmung durchaus zuträglich ist.

    Von der Cast stechen Shannon Elizabeth mit ihrer sehr launigen Performance und Monica Keena mit ihrer sexy aber toughen Ausstrahlung hervor, wobei von Anfang an klar ist, daß letztere es als Final Girl in den großen Showdown schaffen wird. Horror-Babe Tiffany Shepis (The Hazing) ist auch mit dabei; leider ist ihre Rolle kaum der Rede wert. Da eine Figurencharakterisierung nicht vorhanden ist und darüber hinaus schauspielerische Magerkost geboten wird, fällt es naturgemäß schwer, für die Twenty-Somethings so etwas wie Sympathie aufzubringen. Immerhin sind die Darbietungen für diese Art Film ausreichend, und die Mädels sind allesamt easy on the eye, was man(n) gerne auf der Habenseite verbucht. Gewöhnungsbedürftig ist der Look des Streifens. Einerseits sieht das alles recht schick, flashy und hip aus (ein krasser Kontrast zum sepia-farbenen Prolog im Stummfilmstil), andererseits wirkt es jedoch auch sehr billig, platt und seelenlos. Das trifft leider Gottes auch auf die Spezialeffekte zu. Der CGI-Anteil ist sehr hoch, was dazu führt, daß die an und für sich recht phantasievoll konzipierten Make-Up-FX steril und kraftlos erscheinen. Es mangelt ihnen nicht nur an Impact, sondern auch an Charme. So nett das alles gemacht ist, es hinterläßt wenig Eindruck und ist bald wieder vergessen. Doch selbst wenn hinterher kaum etwas hängen bleibt, Night of the Demons hat mich gut unterhalten. Und für die augenzwinkernd servierte Schlußszene vergebe ich sogar einen extra Sympathiepunkt.

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  • Randolph Carter
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    The Devil Bat
    (Killer Bats)

    USA 1940 - Directed by Jean Yarbrough



    Tommy Heath: "That feels great... very soothing."
    Dr. Paul Carruthers: "I don't think you'll ever use anything else."


    Konnte sich der unvergessene Bela Lugosi in seiner Paraderolle als blutsaugender Graf in Tod Brownings Vampirklassiker Dracula (1931) noch selbst in eine Fledermaus verwandeln, so züchtet er als finsterer Wissenschaftler im neun Jahre später entstandenen The Devil Bat diese süßen Tierchen, um mit ihrer Hilfe eine perfide Rache zu vollziehen. Dr. Paul Carruthers (Lugosi) fühlt sich nämlich hintergangen. Vor Jahren hat er einige geniale Formeln für Parfüme und Rasierwasser entwickelt, doch anstatt sich am aufstrebenden Unternehmen zu beteiligen, ließ er sich mit schlappen zehntausend Dollar abspeisen, während seine Kumpane Martin Heath (Edmund Mortimer) und Henry Morton (Guy Usher) ein Vermögen scheffelten. Daß er sich damals selbst für das schnelle Geld entschieden hatte, ist nun natürlich sekundär. Schuld sind halt immer die anderen. Und deshalb will der von Rachegelüsten überwältigte Mann alle tot sehen, Heath, Morton, deren Söhne (Gene O'Donnell, Alan Baldwin, John Ellis) bzw. Töchter (Suzanne Kaaren). Der Plan ist so genial wie einfach: Er bringt seine potentiellen Opfer dazu, sein ganz spezielles, eigens zu diesem Zwecke entwickelte Rasierwasser aufzutragen, nur um wenig später seine scharfzahnige Riesenfledermaus ("Tonight you have work to do!") loszulassen. Die fliegt nämlich auf den Geruch, stürzt sich auf die ahnungslosen Menschen und zerbeißt ihnen die Halsschlagader. Ein wunderbar ausgeklügelter Plan, so realitätsnah, daß er nur in billigen Filmen wie diesem hier funktioniert.

    Jean Yarbroughs The Devil Bat ist einer dieser drolligen Mad-Scientist-Heuler, wie es sie in den 1940er- und 1950er-Jahren zuhauf gab. Die gefällige Mischung aus Krimiplot, Rachethematik, Science-Fiction-Mumpitz und (Tier-)Horror erinnert so stark an die kultigen Silber Grusel-Krimi-Heftromane, daß es mich nicht überrascht hätte, wenn sich der Held der Geschichte, der lässige Zeitungsreporter Johnny Layton (Dave O'Brien), am Ende als Larry Brent herausgestellt hätte. Lustigerweise bekam es der von Jürgen Grasmück - unter seinem Pseudonym Dan Shocker - erfundene PSA-Agent in seinem legendären ersten Fall Das Grauen schleicht durch Bonnards Haus (erschienen im August 1968, als Nr. 747 der Reihe Silber-Krimi) ebenfalls mit einer großgezüchteten Riesenfledermaus zu tun. Allerdings waren die Hintergründe für das blutige Wirken des Tieres andere. Hier geht es einzig und allein um Vergeltung. Die Attacken des Viehs sind wenig spektakulär. Man sieht, wie die Fledermauspuppe in einer schönen Kurve durch die Luft pflügt, es erfolgt ein Gegenschnitt auf das ahnungslose Opfer, dann saust das Biest auch schon in die Arme des Schauspielers, der es geschickt fängt und es so aussehen läßt, als würde ihm das Tier an die Gurgel gehen und er sich verzweifelt dagegen wehren, bevor er schließlich leblos zu Boden sinkt und die teuflische Fledermaus zum Onkel Doktor zurückkehrt. Die Angriffe sind kein bißchen realistisch, aber sie sind zumindest nett anzuschauen und sie haben Charme.

    Außerdem hat die Devil Bat zwei Gesichter. In den Totalen ist die Kreatur eine wenig bewegliche, aber herzallerliebste Attrappe, bei den Nahaufnahmen verwandelt sie sich dann plötzlich in ein niedliches, quicklebendiges Tierchen. Die Attraktion des angestaubten Filmes ist jedoch nicht das titelgebende Monster, sondern der irre Wissenschaftler, der es für seine üblen Zwecke mißbraucht, genial verkörpert von Bela Lugosi. Der war einmal mehr enthusiastisch bei der Sache und verleiht seiner Figur einen diabolischen Charme, ohne allzu dick aufzutragen. Sein Dr. Carruthers ist ein charismatischer Schurke, hinter dessen sanfter und freundlicher Fassade sich wahnhafte und mörderische Abgründe auftun. Seine verschlagenen Blicke, sein hinterlistiges Grinsen und seine süffisanten Wortspenden ("Your brain is too feeble to conceive what I have accomplished in the realm of science!") sind Gold wert. Eine sehr launige Performance des Kultschauspielers. Der Rest der Cast kommt gegen seine gewaltige Präsenz nicht an. Donald Kerr, Laytons Photograph, ist die undankbare (und nervende) Aufgabe zugefallen, für etwas Comic Relief zu sorgen, und die hübschen Frauen sind kaum mehr als schmückendes Beiwerk. Der formelhafte, arg vorhersehbare Film plätschert spannungslos dahin, bis es dann kommt, wie es einfach kommen muß: Die ausgenutzte Kreatur wendet sich gegen ihren Schöpfer. Könnte man sich ein passenderes Ende für diesen herrlich abstrusen, comichaft-schundigen Schlocker vorstellen?

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  • Randolph Carter
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    Ice Cream Man
    USA 1995 - Directed by Norman Apstein (= Paul Norman)



    Im schwarzweiß gehaltenen Prolog wird der kleine Gregory (Matthew McCurley) Zeuge, wie sein geliebter "Ice Cream King" (Cole S. McKay) vor seinen Augen hingerichtet wird. Während er geschockt vor der Leiche steht, eilt seine besorgte Mutter herbei, um ihn zu trösten. Vergebens. "Who's gonna bring me ice cream, mommy?", meint der traumatisierte Junge. Viele Jahre später. Gregory Tudor (Clint Howard) ist nun selbst Eisverkäufer und gondelt mit seinem Wagen die Straßen einer idyllischen Vorstadt rauf und runter, um die Kinder mit der kalten Köstlichkeit zu versorgen. Nach langem Aufenthalt in der Wishing Well Nervenheilanstalt wurde er als geheilt entlassen und lebt nun im heruntergekommenen Gebäude des Eiskönigs, wo er die verschiedenen Eissorten selbst herstellt. Gleich nebenan wohnt die mittlerweile pensionierte Nurse Wharton (Olivia Hussey), die ein Auge auf ihren Lieblingspatienten hat. Was der schrulligen alten Dame jedoch entgeht... Gregory ist völlig irre! In seinem Eiswagen haben es sich Mäuse und Kakerlaken gemütlich gemacht, Leichenteile liegen herum, er haßt ungezogene Kinder, und weder seine krächzende Stimme noch sein verkniffener Gesichtsausdruck verheißen Gutes. Als ihm die Rocketeers, eine kleine Gruppe Kinder, auf die Schliche kommen und hinter ihm her spionieren, dreht der Verrückte komplett durch. "You little turds are gonna have to learn, you can't run from the ice cream man!"

    Obwohl nicht wirklich gelungen und etwas unbeholfen zwischen zwei Stühlen sitzend, ist Ice Cream Man dennoch aus mehreren Gründen beachtenswert. So ist der Streifen der einzige Nicht-Porno des versierten Hardcore-Regisseurs Paul Norman (Edward Penishands), der ihn nach einem Skript von David Dobkin (Shanghai Knights) und Sven Davison für geschätzte zwei Millionen Dollar in Kalifornien herunterkurbelte. Während im Zentrum des Geschehens die durchgeknallte Titelfigur und die mutigen Kids, die es mit ihm aufnehmen, stehen, tummeln sich an Nebenschauplätzen einige bekannte Gesichter bzw. Namen. Als gestrenger Mann Gottes ist David Warner (The Omen) zu sehen, die ermittelnden Cops werden von Jan-Michael Vincent (Airwolf) und Lee Majors II (der Sohn von Lee Majors, wer hätte das gedacht?) gespielt, Olivia Hussey (Black Christmas) gibt, wie bereits erwähnt, eine Krankenschwester im Ruhestand, und als Eltern eines der Helden sind David Naughton (An American Werewolf in London) und Sandahl Bergman (Conan the Barbarian) mit von der Partie. Der Star der Show ist jedoch zweifellos Clint Howard (Evilspeak), dem endlich mal wieder eine Hauptrolle anvertraut wurde. Und diese Gelegenheit ließ sich der 1959 geborene Mime mit den ungewöhnlichen Gesichtszügen nicht entgehen. Howard drehte mächtig auf. So mächtig, daß man keine einzige Sekunde seines mit Gusto zelebrierten (Over-)Actings missen möchte.

    Der Film selbst ist ein halbgarer Mix aus Jugendabenteuer, Komödie, Psychohorror und Slasher, der ganz passabel unterhält, wenn man seine Ansprüche nicht sonderlich hochschraubt. Spannung kommt selten auf, die Morde sind von der eher harmloseren Sorte, Klischees gibt es en masse, und da die meisten der Protagonisten nicht wirklich sympathisch sind, reißt einen das Geschehen auch kaum mit. Allerdings versüßen die Macher ihren Film mit so mancher schräger bzw. makabrer Idee, was für ein paar denkwürdige Momente sorgt. So läßt Gregory zwei abgetrennte Köpfe miteinander reden, indem er sie wie Bauchrednerpuppen bedient. Einem Polizisten klatscht er ein zermantschtes Auge als Leckerli auf sein Eis, was dieser dann so nichtsahnend wie genüßlich verspeist. Der Besuch des Wishing Well Sanatoriums zwecks Recherche ist ein echtes Highlight und verdammt creepy, wird aber noch von einer bizarren Sequenz übertrumpft, die sich förmlich ins Gedächtnis brennt, nämlich Gregorys Hausbesuch bei einer Dame, mit einem irren Grinsen im Gesicht und einer riesigen Waffel in der Hand, in der sich anstelle einer Eiskugel der abgetrennte Kopf ihres Liebhabers befindet. Es sind abgefahrene Ideen wie diese, die Ice Cream Man trotz seiner vielen Schwächen sehenswert machen. Und über allem thront Clint Howards Tour-de-Force-Performance mit so schönen Wortspenden wie "But I'm the Ice Cream Man. I make children happy!" und "You're ice cream!"

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  • Randolph Carter
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    The Black Panther
    Großbritannien 1977 - Directed by Ian Merrick



    Eine Geschichte, die das Leben schrieb. Und es ist leider keine schöne Geschichte, im Gegenteil. Sie ist schrecklich, grausam, und erschütternd. Da der Film auf wahren Begebenheiten beruht und ich diese in den Text einfließen lasse, sind im Folgenden einige Spoiler leider unvermeidlich.

    The Black Panther beginnt im Februar 1972, als Donald Neilson (großartig: Donald Sumpter) - ein wortkarger, psychopathischer Ex-Soldat, der seiner Militärzeit hinterhertrauert und dem ein Menschenleben nichts (mehr) bedeutet - von seinen kleinkriminellen Aktivitäten auf bewaffneten Postraub im Norden Englands umzusatteln gedenkt. Vorerst bleibt es beim Versuch, denn sein erster nächtlicher Überfall auf ein kleines Postamt schlägt fehl und er muß ohne Beute flüchten. Ans Aufgeben denkt die mit seiner Frau (Marjorie Yates) und seiner Teenager-Tochter (Sylvia O'Donnell) in kargen Verhältnissen lebende tickende Zeitbombe trotz des Fehlschlages nicht. Aber er wartet lange ab und investiert mehr Zeit in die Vorbereitung, bis er sich zwei Jahre später wieder bereit fühlt. Doch auch sein zweiter Überfall verläuft nicht wie geplant. Statt den Schlüssel für den Safe herauszurücken, spielt der Vorsteher den Helden und attackiert ihn. Neilson sucht mit geringer Beute das Weite, einen Toten und dessen verzweifelte Angehörige zurücklassend. Der nächste Versuch, ans große Geld zu kommen, mißglückt ebenfalls und endet in einem weiteren Blutbad. Spielt für ihn aber keine Rolle, weil er den letzten Coup, der ihn aller Geldsorgen entledigen soll, bereits ausgeheckt hat. Die Entführung der siebzehnjährigen Erbin Lesley Whittle (Debbie Farrington), um von ihren Verwandten Lösegeld zu erpressen.

    Regisseur Ian Merrick (The Sculptress) und sein Drehbuchautor Michael Armstrong (Hexen bis aufs Blut gequält) haben in Bezug auf ihren True-Crime-Schocker The Black Panther alles richtig gemacht, von einer kleinen, jedoch dramatischen Fehleinschätzung abgesehen, wodurch das kontrovers aufgenommene Projekt zum finanziellen Debakel geriet. Merrick wollte in seinem Regiedebut eigentlich eine fiktionale Geschichte erzählen, doch aufgrund des Drucks vom Vertriebspartner, der einem landesweiten Kinoeinsatz nur zustimmte, wenn er sich des berüchtigten "Black Panther"-Falles annahm, mußte er seine Pläne ändern. Als die Finanzierung dann stand, lief alles recht glatt. Das sehr preisgünstig budgetierte Movie war rasch im Kasten und bald darauf auch fertiggestellt. Dann begannen die Probleme, die einen Kinostart verhinderten, zurückzuführen auf die oben erwähnte Fehleinschätzung. Der Film kam schlicht und einfach zu früh. Die aufgerissenen Wunden waren noch nicht ansatzweise verheilt, weder auf Seiten der Opfer (die Postgewerkschaft etwa setzte alles daran, den Streifen verbieten zu lassen), noch auf Seiten der Polizei und der Presse (es hagelte Vorwürfe, die Filmemacher würden Neilson Untaten sowie die darin involvierten Personen ausbeuten), die sich beide, vorsichtig ausgedrückt, im Verlauf des Falles nicht wirklich mit Ruhm bekleckert hatten.

    In der ersten Hälfte des Filmes liegt das Augenmerk komplett auf Donald Neilson. Wir sehen ihn in seiner Wohnung, wie er sich als herrischer, bösartiger Tyrann aufspielt und sowohl seine Tochter als auch seine Frau anschnauzt ("stupid bloody cow"), wie er vor dem Spiegel in Soldatenkleidung stolz exerziert, wie er hart trainiert, wie er beim Betrachten von alten Kriegsfotos in Erinnerungen schwelgt und wie er beim Unhappy End eines Filmes Tränen vergießt. Wir sehen ihn bei den Vorbereitungen seiner Überfälle, wie er die Gegend auskundschaftet, wie er die Tat und die folgende Flucht akribisch plant und wie er sich im Wald ein Lager einrichtet und sich Nahrung beschafft. In einem ähnlich nüchternen Ton werden seine Verbrechen geschildert. Er verschafft sich Zugang ins Gebäude, holt sich das Geld aus der Kassa, schleicht sich ins Obergeschoß, wo die Familie lebt, die das Postamt betreibt, hält ihnen eine Schrotflinte unter die Nase, um sie zu zwingen, den Safe zu öffnen. Seine in knappem Befehlston gebellten Anweisungen machen klar, daß er keinen Widerspruch duldet, die schwarze, über den Kopf gezogene Kapuzenmaske, aus der nur die kalten Augen herausstechen, verleiht ihm eine unheimliche, monströse Aura. Er mag ein Mensch sein, aber er wirkt wie ein Monster. Und er handelt auch wie ein Monster. Brutal, gefühllos, und kaltblütig. Er kennt weder Erbarmen noch Reue.

    Der Fokus verlagert sich etwas in der zweiten Hälfte, mit der Entführung von Lesley Whittle. Ab diesem Zeitpunkt herrscht ein gewisses Gleichgewicht zwischen Neilson, der sich mit seinem Opfer in einem unterirdischen Versteck verschanzt, und den Personen, die aufgrund der Entführung ins Geschehen hineingezogen werden, wie Lesleys Bruder (Andrew Burt) und dessen Frau (Alison Key), oder dem zuständigen Polizeibeamten (David Swift). Am generellen Ton und an der bedrückenden Stimmung ändert sich indes nichts. Tatsächlich wird der Film immer unangenehmer, obwohl (oder weil) er auf Exploitation-Elemente (fast) gänzlich verzichtet. Allein die Situation, in welche Lesley manövriert wurde, sorgt für immenses Unbehagen. Zurückgelassen in einem stillgelegten Wasserschacht, an Händen und Füßen gefesselt, mit einer Drahtschlinge um den Hals, halbnackt in einem Schlafsack liegend; und abgesehen von ihrem Kidnapper weiß niemand, wo sie sich befindet. Falls etwas schieflaufen sollte, ist die Aussicht auf rechtzeitige Rettung gleich null. Wenn man nun noch die schwindelerregende Diskrepanz zwischen Neilsons akribischen Vorbereitungsarbeiten und seinen minutiösen Planungen und der ein ums andere Mal mißlungenen Ausführung in Betracht zieht, dann sollte selbst dem größten Optimisten klar sein, daß Lesleys Leben nur noch an einem seidenen Faden hängt.

    Daß Neilson so lange auf freiem Fuß blieb und mit seinen Verbrechen davonkam, ist also nicht auf seine kriminelle Genialität zurückzuführen, sondern auf (aus seiner Sicht) Glück, gepaart mit Bauernschläue und einer gewissen Cleverness. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, daß bei seiner Verhaftung im Dezember 1975 der immer sehr geschätzte "Kommissar Zufall" in Aktion trat. Neilson verlor bei einer Routinekontrolle die Nerven, woraufhin er von Polizisten und Zivilisten überwältigt werden konnte. Er wurde im Folgenden zu fünf Mal lebenslanger plus einundsechzig Jahren Haft verurteilt. Er starb am 18. Dezember 2011. Merrick und Armstrong hielten sich in ihrer filmischen Aufarbeitung des schockierenden Falles fast schon penibel an die verifizierbaren Fakten, wodurch ihr Werk einen dokumentarischen Anstrich erhält. Weder dramatisieren sie den Ablauf, noch manipulieren sie das Publikum. Sie schildern die Ereignisse möglichst neutral und nüchtern im Format eines extrem fesselnden Spielfilmes, wobei sie gewisse Passagen, über die keinerlei Informationen bzw. nur die Aussagen des Täters vorlagen und die infolgedessen Anlaß zu wilden Spekulationen hätten geben können, behutsam und zurückhaltend, jedoch auch plausibel und authentisch scheinend überbrückten. Konsequenterweise haben sie auch die wohl niederschmetterndste Szene ins Off verlagert, ohne daß die aufwühlende Wirkung darunter leidet.

    Der hierzulande nie erschienene The Black Panther ist die herausragende Umsetzung eines wahren Kriminalfalles, ein kleines Meisterwerk, das den Zuschauer fest bei der Hand packt und ihn gnadenlos aus seiner Komfortzone herauszerrt. Wahrlich ein Film, der an die Nieren geht.

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  • Randolph Carter
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    Night of the Demons III
    (Demon Night / Demon Night - One Night in Hell / Night of the Demons 3 / Demon House)

    Kanada/USA 1997 - Directed by Jim Kaufman



    Drei Jahre nach Brian Trenchard-Smiths Night of the Demons 2 (1994) kehrte Goth-Demoness Angela (Amelia Kinkade) noch einmal zurück, um die Mordstatistik zu Halloween mal wieder etwas anzuheben, und wenn man sich das Ergebnis zu Gemüte führt, wünscht man sich glatt, sie hätte es lieber bleiben lassen. Night of the Demons III (hierzulande Demon Night) ist ein Paradebeispiel für ein einfallslos aufgewärmtes Erfolgsrezept, welches so lange gemolken wird, bis außer heißer und übelriechender Luft nicht mehr viel rauskommt. Der Streifen beginnt mit einem lahmen Prolog, in dem ein Polizist (Larry Day) versucht, Angela aus Hull House zu vertreiben, woraufhin er mit seiner eigenen Dienstmarke getötet wird. Anschließend folgt ein analog zum Original (Night of the Demons, 1988) animierter Vorspann, doch damit enden die Parallelen auch schon. Denn während dieses Opening bei Kevin Tenneys flottem Party-Kracher noch stimmig, witzig und charmant ist, so ist es hier bloß eine lieblos gestaltete Kopie, welche die Alarmglocken beim Zuschauer gleich mal zum Schrillen bringt.

    Daß dieses Schrillen berechtigt ist, belegen die nächsten Minuten mehr als eindrucksvoll, wenn Drehbuchautor Kevin Tenney und Regisseur Jim Kaufman die Figuren einführen, mit denen wir die nächste Zeit verbringen dürfen bzw. verbringen müssen. Das sind alles Stereotypen der übelsten Sorte, was jedoch gar nicht das große Problem ist. Das große Problem ist nicht nur, daß diese eindimensionalen Abziehbilder von miesen Knallchargen gespielt werden, sondern auch, daß sie alle entweder total uninteressant oder fürchterlich unsympathisch gezeichnet sind. Und so muß der Zuschauer mit dem Dilemma klarkommen, daß die einen schrecklich nerven, während ihm die anderen gänzlich am Allerwertesten vorbeigehen. Der Plot dreht sich um eine kleine Bande halbstarker Unruhestifter, die nach einem Zwischenfall in einem Tankstellen-Shop im Hull House Zuflucht suchen und von Angela nach und nach getötet und in Dämonen verwandelt werden. Mittendrin befinden sich die Cheerleader Abbie (Patricia Rodriguez) und Holly (Stephanie Bauder), die unschuldig zum Handkuß kommen.

    Das Beste, was man über Night of the Demons III sagen kann, ist, daß er mit seinen knapp über achtzig Minuten dankenswerterweise recht kurz geraten ist und somit nicht allzu viel Lebenszeit vergeudet. Kaufman setzte die formelhafte Geschichte einfallslos und langweilig um, ohne Witz, ohne Charme, ohne Spannung, ohne Esprit. Unspektakulär dümpelt der Streifen stupide vor sich hin, bis man irgendwann vom einsetzenden Abspann erlöst wird. Der ganze Film macht einen dermaßen lustlosen Eindruck, daß zu keiner Zeit Laune aufkommen mag. Da können selbst die paar netten Gore-Effekte, wie ein Schuß durchs Auge oder ein herausgerissenes Herz, kaum etwas retten. Leider konnte auch die tolle Location der beiden Vorgänger nicht mehr verwendet werden, da der Streifen zur Gänze in Kanada gedreht wurde, und so mußte ein anderes (austauschbares) Gebäude als Hull House herhalten. Man muß dem Film zugutehalten, daß manche Szenen hübsch ausgeleuchtet sind, doch durch den billigen und sterilen Look ist Teil drei zu keiner Zeit so stimmungsvoll wie die beiden Vorgänger.

    Ich möchte nicht verschweigen, daß es inmitten all der Ärgernisse auch zwei, drei kleine Lichtblicke gibt. Die Idee, daß die Verkleidung der Figuren Einfluß auf ihr Dämonendasein hat, ist recht nett, wird allerdings nur inkonsequent umgesetzt. Einige Masken sind ganz ansprechend gelungen, wie z. B. Angela oder die Katzendämonin; andere hingegen (das Teufelchen, die Schlange) sind kaum der Rede wert. Wenn vom Film etwas hängenbleibt, dann ist das vermutlich die Fellatio-Sequenz! Da nuckelt Angela so gekonnt an einem Pistolenlauf, daß sie die Patronen aus der Kammer saugt und ausspuckt. Für Lacher wiederum sollte der verunglückte Spezialeffekt sorgen, wo sich eine Hand in eine Schlange verwandelt und die "Besitzerin" attackiert. Und so stolpert der nach Schema F gestrickte Night of the Demons III öde dahin, verzettelt sich in seinem unnötigen Nebenplot um einen kurz vor der Pension stehenden Polizisten, stapft ungeschickt durch diverse Klischee-Fettnäpfchen und taumelt von einem lahmen Set-Piece zum nächsten. Schade. Eine solch unwürdige Abschiedsvorstellung hat sich Angela nicht verdient.

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  • Randolph Carter
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    Murder Party
    USA 2007 - Written & Directed by Jeremy Saulnier



    Im Prinzip macht Christopher Hawley (Chris Sharp) nur zwei Fehler. Einen kleinen und einen großen. Doch die reichen aus, um sein langweiliges, eintöniges, festgefahrenes Leben für immer zu verändern. Der kleine Fehler ist, daß er zu Halloween eine Einladung, die ihm der Wind vor die Füße weht, aufhebt und liest. Der große Fehler ist dann, daß er sich entscheidet, zur angekündigten "Murder Party" auch hinzugehen. Aus Pappkartons und mit Klebeband bastelt er sich auf die Schnelle ein Ritterkostüm... selten hat man einen Ritter von traurigerer Gestalt gesehen. Bald betritt er die Lagerhalle, wo die Party steigen soll, und seine Gastgeber starren ihn verdutzt an. Sie hatten nicht wirklich damit gerechnet, daß tatsächlich jemand so blöd sein könnte und erscheint. Jetzt, da das Opfer hier ist, völlig freiwillig, machen sich "Wolfsmensch" Macon (Macon Blair), "Vampirgraf" Paul (Paul Goldblatt), "Warrior" Bill (William Lacey), "Cheerleader" Sky (Skei Saulnier) und sexy Lexi (Stacy Rock), verkleidet als "Pris" aus Blade Runner, ans Werk, schließlich verspricht die Einladung eine "Murder Party", und dieses Versprechen gedenken sie auch zu halten. Im Nu ist Christopher überwältigt und an einen Stuhl gefesselt, seinen Peinigern hilflos ausgeliefert. Als dann der Förderer bzw. Initiator des Abends, Alexander (Sandy Barnett) mit seinem drogendealenden Assistenten Zycho (Bill Tangradi), auftaucht, dämmert es dem Tölpel endlich, daß er in die Fänge einer durchgeknallten Künstlergruppe geraten ist und daß sein spektakuläres Ableben ihr Halloween-Kunstprojekt ist.

    Bevor der US-Indie-Filmemacher Jeremy Saulnier, Jahrgang 1976, mit Blue Ruin (2013) und Green Room (2015) - letzterer mit Anton Yelchin, Imogen Poots und Patrick Stewart erstklassig besetzt - Erfolge feierte, drehte er die aberwitzige No-Budget-Perle Murder Party, gemeinsam mit Freunden und Kollegen, die sich zum Kollektiv "The Lab of Madness" zusammengeschlossen hatten. Murder Party ist eine kleine, jedoch ungemein erfrischende Horrorkomödie, so bissig, bitterböse und subversiv, daß man sich glatt wundert, wieso es dieses funkelnde, mit viel Herzblut angereicherte Kleinod nicht zum anerkannten Kultklassiker geschafft hat. Es ist schon erstaunlich, was Saulnier und seine Mitstreiter aus dieser ausgelutschten Grundidee herausholen, wie es ihnen gelingt, dem altbekannten Szenario neue Seiten abzugewinnen und das Publikum einige Male zu überraschen. Daß der famose Billigstreifen so gut funktioniert, ist sowohl auf den gut durchdachten Handlungsverlauf als auch auf die interessante Figurenkonstellation zurückzuführen, wobei die Antagonisten ganz köstlich zum schillernden Leinwandleben erweckt werden. Diese blasiert-prätentiöse Psychopathen-Truppe ist so schmerzhaft nah an der Realität, daß so mancher hippe Künstler-Snob bestimmt denkt, er würde gerade in einen Spiegel schauen. Die Schnösel feiern sich selbst, ziehen hinter dem Rücken über Kollegen her und sind sich auch nicht zu schade, situationselastisch zu agieren, wenn plötzlich die große Kohle winkt. Das ist verdammt gut beobachtet und messerscharf umgesetzt.

    Daß sich der wochenlang vorbereitete Abend bei so vielen unterschiedlichen Egos dann nicht wie geplant entwickelt und alles gehörig aus dem Ruder läuft, bis einer der irren Kunstschaffenden mit seiner Axt den Bodycount in die Höhe treibt, "Every... body... dies...!" murmelnd, ist dann nur folgerichtig. Weit verwunderlicher sind da schon die originellen und galligen Details, mit denen der Amoklauf gespickt ist, sowie die grotesken Geschehnisse unmittelbar vor der Eskalation. Murder Party ist gewiß kein Gorefest, dennoch ist der Streifen an einigen Stellen sehr blutig. Und in Anbetracht des kaum existenten Budgets muß man dem für die Spezialeffekte zuständigen Paul Goldblatt attestieren, daß er richtig gute Arbeit geleistet hat. Ist das verbrannte, mit einer Maske verschmolzene Gesicht schon ein echter Hingucker, so hat er sich - unterstützt von Chris Connollys visuellen Effekten - mit der Sequenz, in der sich eine laufende Motorsäge blutig in ein Gesicht fräst, selbst übertroffen. Das ist schlicht und ergreifend einer der besten Splatter-Effekte, die ich je in einem solch minibudgetierten B-Movie gesehen habe. Saulniers Spielfilmdebut ist rauh an den Seiten, ungeschliffen an den Ecken, und generell alles andere als perfekt, was trotz eines recht langen Hängers im Mittelteil (der Extreme-Truth-or-Dare-Part) kaum ins Gewicht fällt. Tatsächlich ist dieser krude, schrullig-herbe Stil eine der großen Stärken des in Brooklyn gedrehten Indie-Streifens, der dann auch noch in ein perfektes Ende mündet, so auf den Punkt, man möchte aufstehen und applaudieren.

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  • Randolph Carter
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    The Occultist
    (Waldo Warren: Private Dick Without a Brain)

    USA 1988 - Written & Directed by Tim Kincaid



    Die sieben Filme, die der am 2. Juli 1944 geborene Tim Kincaid von Mitte bis Ende der 1980er-Jahre gedreht hat, sind ein wahres Fest für hartgesottene Liebhaber des irrlichternden Baddie-Patschenkinos. Über Breeders (Killer-Alien, 1986), Bad Girls Dormitory (Bad Girls, 1986), Mutant Hunt (1987), Robot Holocaust (1987), Riot on 42nd St. (New York 42nd Street, 1987) und She's Back (Zurück aus dem Jenseits, 1989) habe ich bereits anderswo geschrieben, und mit The Occultist (1988) konnte ich nun auch das letzte dieser (Mach-)Werke sehen und diese offene Lücke endlich schließen. Somit gibt es mit seinem Debut The Female Response (1973) nur noch einen Film von ihm, der mich interessiert; mit seinen zahlreichen, unter Pseudonymen wie Joe Gage, Mac Larson oder Ray Dragon gedrehten Schwulenpornos kann ich nichts anfangen, einfach, weil ich nicht in die anvisierte Zielgruppe falle. Wenn ich die oben genannten Arbeiten Revue passieren lassen, dann fällt zweierlei auf. Erstens sind seine reinen Exploitationfilme Bad Girls Dormitory und Riot on 42nd St. wesentlich besser als seine immens trashigen Fantasy-Horror-Streifen, und zweitens scheint es, als ob ihm gegen Ende dieser Phase die Luft ausgegangen wäre. Sowohl The Occultist als auch She's Back mangelt es an diesem ungeheuer drolligen Flair, das seine früheren Filme so ergötzend machte.

    The Occultist beginnt mit einer minutenlangen Voodoo-Zeremonie in einer alten Lagerhalle. Männer und Frauen tanzen sich in Trance, Getränke werden gereicht, ein Typ gerät in Ekstase und windet sich am Boden, mit Schaum vor dem Mund, eine Frau packt ihre Brüste aus und zieht sich mit ihrem Lover in ein stilles Eckchen zurück, und alles endet in einem blutigen Ritual, in welchem das männliche Opfer mit Messern malträtiert und bei lebendigem Leib gehäutet wird, was er mit einem panischen Schmerzensschrei in die Kamera quittiert. Währenddessen beobachten vier Männer die Zeremonie von ihrem Versteck aus und töten ihre weibliche Begleitung mit einer Drahtschlinge, die ihren zarten Hals durchtrennt. Mit dem Schrei des Gehäuteten setzt auch der Vorspann ein, und damit könnte man den Film auch gleich wieder beenden, denn besser wird es - ehrlich gesagt - nicht mehr. Der Rest ist ein reichlich verworrener und ziemlich lahmer Cocktail aus verschiedenen Ideen, die auf dem Papier vermutlich gut geklungen haben, auf dem Bildschirm jedoch kaum Sinn ergeben, geschweige denn harmonieren. Der Plot dreht sich um den Despoten einer kleinen Karibikinsel, dessen Familie, eine Sicherheitsfirma (die solche Produkte wie die "bellende Türklingel" im Angebot hat), deren unerfahrenen Inhaber, einen Bodyguard, die vier mysteriösen Männer sowie einen geheimnisvollen Schurken samt Handlanger.

    Die Figuren sind allesamt uninteressant bis zum Abwinken, gespielt von lustlos agierenden Schauspiel-Wannabes mit der Mimik eines Felsbrockens bzw. von peinlichen Knallchargen mit Hang zum Overacting. Die Ausnahme bildet der Bodyguard, der auf den schönen Namen Waldo Warren hört. Er wird gespielt von Rick Gianasi, Troma-Fans besser bekannt als Harry Griswold aka Sgt. Kabukiman N.Y.P.D. (1990). Waldo Warren ist eine dieser Figuren, die es einfach draufhat. Terroristen veranstalten ein Massaker bei einer Party, Waldo bekommt keinen Kratzer ab. Eine Frau wird im Park von zwei Banditen attackiert, Waldo rettet sie. Vor einer Bar explodiert eine Informantin, Waldo schaut zu und ist geknickt. Auf der Toilette verstecken sich heimtückische Attentäter, Waldo dreht sich um und ballert sie weg, mit seiner Peniskanone. Jawohl, seiner Peniskanone! Überhaupt ist Waldo ein einziges Waffenarsenal, und man weiß nicht, warum. Kincaid bleibt uns die Erklärung schuldig, wieso sein Schwanz, sein Fuß und sein Zeigefinger auch als Bleispritzen verwendet werden können. Was bestimmt von Vorteil ist, sonst hätte er unter Umständen auch erklären müssen, wie Waldo die Dinger nachlädt, wenn er sie leergeschossen hat. Vermutlich war Waldo im ersten Drehbuchentwurf bloß ein einfacher Detektiv, der dann bis zum unkaputtbaren Super-Cyborg hochgepimpt wurde.

    Das klingt jetzt alles bestimmt nicht so verkehrt, doch leider gibt es einige Faktoren, die den Spaß erheblich schmälern. Eines davon ist das Erzähltempo. The Occultist dümpelt spannungslos dahin, so rasant wie eine sedierte Schnecke mit Gegenwind. Als ob das noch nicht reichen würde, wird die Action auch noch ständig vom gefürchteten G-Wort ausgebremst: Gelaber. Es wird gelabert und gelabert und gelabert. Es gibt fast nichts Schlimmeres im B-Movie-Bereich als statisch abgefilmte Dialogszenen, wo hartnäckig zwischen zwei schauspielerischen Untalenten hin und her geschnitten wird, welche auswendig gelernte Sätze mit der Verve eines deprimierten Phlegmatikers herunterleiern, die niemanden auch nur die Bohne interessieren. Diese vorsätzliche Mißachtung der alten aber immer noch gültigen B-Movie-Faustregel "Du sollst Dein Publikum nicht langweilen!" ist wahrlich schwer zu entschuldigen. Und das ist sehr schade, da der Streifen für Fans doch einiges zu bieten hat. Wer also durchhält, wird neben ein paar echten WTF-Momenten noch mit ansprechenden, von Ed French (Blood Rage) kredenzten Gore-Szenen, lustigem Voodoo-Mumbo-Jumbo, erbärmlich schlecht "choreographierten" Kampfsequenzen, einer skurrilen Waffe (ein mit Dornen gespickter Teufelsschädel an einer Kette) und einem netten Twist belohnt. Das macht diese wirre Schote zwar nicht sehenswert, aber zumindest erträglich.

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  • Randolph Carter
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    O Estripador da Rua Augusta
    (The Augusta Street Ripper)

    Brasilien 2014 - Written & Directed by Geisla Fernandes & Felipe M. Guerra



    Ein blutrünstiger Ripper (Henrique Zanoni) geht um in São Paulo. Sein bevorzugtes Jagdgebiet ist die Augusta Street, seine Beute sind Prostituierte, die er langsam zu Tode quält. Aber er ist nicht das einzige Scheusal, das nachts durch die Straßen und Bars zieht, auf der Suche nach neuen Opfern. Auch eine Vampirin (Monica Mattos) ist unterwegs, welche sich ahnungslose Männer krallt, um sich von ihrem Blut zu ernähren. Nach dem Biß wartet sie geduldig, bis die gefesselten Blutspender ihrerseits als Vampire erwachen, nur um ihnen einen Pfahl durchs Herz zu rammen, sodaß ihre Körper zu Staub zerfallen. In einer Kneipe treffen Vampirin und Ripper aufeinander, unwissend, mit wem sie es zu tun haben. Der Ripper behält schließlich die Oberhand, hat er doch den Drink der Vampirin mit starkem Narkotikum versetzt. Als die Frau aus der Bewußtlosigkeit erwacht, liegt sie auf einem Bett, nackt und gefesselt. Und neben ihr sortiert der Ripper bereits seine zahlreichen Folterinstrumente.

    Geschätzte dreitausend US-Dollar hat dieser brasilianische, on location in São Paulo gedrehte Kurzfilm gekostet. Die mir vorliegende (offizielle) Fassung läuft zwanzig Minuten. Es gibt noch einen alternativen Cut, da sich Co-Regisseurin Geisla Fernandes und Co-Regisseur Felipe M. Guerra über die finale Schnittfassung nicht einigen konnten. O Estripador da Rua Augusta ist ein kurzes, knackiges Splatter-Movie im Kammerspielformat, Torture Porn par excellence. Denn der Ripper kann sein Glück kaum fassen, eine Vampirin in seiner Gewalt zu haben, an der er seinen abartigen Gelüsten freien Lauf lassen kann. Denn egal, wie sehr er ihren Körper malträtiert, einige Stunden später ist er wieder heil und das grausame Spiel kann von Neuem beginnen. Für die hilflose Vampirin ist das die Hölle auf Erden, für den Ripper sein feuchtester aller Träume. Da kann er sich so richtig austoben, wochenlang, monatelang, so lange, bis er der Frau respektive des sadistischen Spiels überdrüssig wird.

    Machen wir uns nichts vor. Diese explizit zur Schau gestellten Gewaltphantasien, diese genüßlich zelebrierten Folterorgien, sind des Films Raison d'Être, sein alleiniger Existenzzweck. Dabei beweist der Ripper durchaus Kreativität. Mal rückt er der Vampirin mit Hammer und Nägel zu Leibe, mal penetriert er das zarte Fleisch mit Bohrer oder Haken. Auch Schußwaffen, Messer und Stacheldraht kommen in dieser Fleisch-und-Blut-Show zur Anwendung, was für üppiges Blutvergießen sorgt. Hauptdarstellerin Monica Mattos war zuvor eher andere Körperflüssigkeiten gewohnt, die sich über sie ergossen haben, schließlich ist die 1983 geborene Brasilianerin eine der bekanntesten Pornostars des Landes. Im Jahre 2008 wurde sie sogar mit einem AVN Award geadelt, in der Kategorie "Female Foreign Performer of the Year". Den Wechsel ins Horrorfach meisterte sie jedenfalls mit Bravour, obwohl sie ehrlich gesagt nicht sonderlich viel zu tun hat. Eine gute Figur gibt sie allemal ab, nackt liegend und sich windend.

    Bei einem Film dieser Art ist es natürlich wichtig, daß die Spezialeffekte überzeugen können. Und in dieser Hinsicht enttäuscht O Estripador da Rua Augusta keineswegs. Was Kapel Furman (Encarnação do Demônio aka Embodiment of Evil) und Rubens Mello da auf die Beine gestellt haben, kann sich in Anbetracht des Mini-Budgets absolut sehen lassen. Die Blut-und-Beuschel-FX sind, soweit ich das beurteilen kann, handgemacht und phasenweise sehr saftig und derbe, sodaß Gorehounds hier definitiv auf ihre Kosten kommen. Der von einer Story der Comic-Reihe Preacher inspirierte Streifen ist kompetent gemacht und optisch ansprechend inszeniert, wobei durch die Sterilität des Gezeigten allerdings keine rechte Horrorstimmung aufkommen mag. Die Struktur des Filmes mitsamt der coolen Songauswahl erinnert bestimmt nicht zufällig an From Dusk Till Dawn (1996). Unterm Strich bleibt eine nette Grundidee, die nach dem Motto "Minimale Story, exzessives Blutgemansche" knüppelhart und sehr zeigefreudig umgesetzt wurde.

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