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Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns

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    CarousHELL
    USA 2016 - Directed by Steve Rudzinski



    "I hate this place. I get it, people come here to be happy, and it's my job to help them be happy, but I'm never happy here. I have to have this fake expression on all the time here in this park, even if I don't wanna look happy. None of my co-workers talks to me. Sure, once in a while it's nice to see the kids smile, but usually they're just annoying little shits that don't give a damn how they treat me. Every single day, every single minute, I'm working so hard for them. Just once I'd like to make myself happy but no, I have to keep letting little brats climb on my back, and then go in a circle forever.
    I'm Duke, the prettiest goddamn unicorn in the world."


    Haben wir es nicht schon immer gewußt? Karusselltiere haben einen Scheißjob! Einhorn Duke, gesprochen von Steve Rimpici, bildet da keine Ausnahme. Tagein tagaus dreht er sich mit derselben Geschwindigkeit im Kreis (ein Job, der an Monotonie kaum zu überbieten ist), meist geritten von Kindern und Teenagern, die das Wort Rücksicht längst aus ihrem Vokabular gestrichen haben. Wild strampeln sie auf ihm herum, hämmern ihre kleinen Fäuste gegen seinen Kopf und entsorgen ihre Kaugummis (oder Schlimmeres) auf seinem abgenutzten Körper. Das ständig mampfende Balg Larry (Teague Shaw), von seiner Social-Media-süchtigen Schwester Laurie (Sé Marie) wenig liebevoll Lunchbox genannt, bringt das Faß letztendlich zum Überlaufen. Duke hat genug, endgültig. Er löst sich von seinem angestammten Platz am Karussell und startet einen Rachefeldzug gegen die abscheuliche Menschheit, der sich gewaschen hat. Bald schon landet er beim Haus von Sarah (Haley Jay Madison), wo gerade eine flotte Party steigt, bei der auch Laurie und Larry zugegen sind. Wie nicht anders zu erwarten packt Duke die Gelegenheit beim Schopf und crasht die Party.

    Die von Aleen Isley und Steve Rudzinski geschriebene und von letzterem auch inszenierte No-Budget-Produktion CarousHELL ist einer dieser Filme, die man gesehen haben muß, um zu glauben, was da abgeht. Stellt euch ein klassisches, handelsübliches, vom Horn bis zum Schweif völlig unbewegliches Karusselleinhorn vor, das Amok läuft und eine Gruppe Teenager in bester Slasherfilm-Manier dezimiert. Den ersten Mord kann man - mit viel gutem Willen - ja noch glauben, denn da rammt das angepißte Phantasietier einem traurigen Clown sein Horn in den Hals. Wenig später jedoch werden solche Dinge wie Realitätsanspruch oder Logik gänzlich ad acta gelegt, und das Motto lautet fortan anything goes. Alles ist möglich, so unglaublich es auch erscheinen mag. Da durchtrennt Duke einen Hals mit Klaviersaitendraht, er wirft Ninja-Sterne und verschießt Pfeile, er zermatscht einen Kopf mit seinen Hufen, er hantiert mit einer Machete, einer Axt und einem Pizzaschneider, und den tödlichen Laserblick, der Frauen buchstäblich zum Schmelzen bringt, hat er ebenfalls drauf. Ja, das alles ist exakt so absurd, blödsinnig, bescheuert und dämlich, wie es sich vermutlich anhört.

    Wie gesagt, alle diese Untaten werden von einem klassischen, handelsüblichen, vom Horn bis zum Schweif völlig unbeweglichen (!) Karusselleinhorn begangen. CarousHELL ist kein Film, den man ernst nehmen kann, und glücklicherweise ist dies den Machern auch vollauf bewußt, weshalb sie ihr Werk mit viel Camp, Ironie und (trockenem) Humor zukleistern. Wenn einem diese Herangehensweise zusagt und man darüber hinaus keine Aversion gegen amateurhafte B(illig)-Movies hat, dann sollte man mit Rudzinskis kurzweiliger Horrorkomödie viel Spaß haben, zumal die ironischen und parodistischen Aspekte sehr sympathisch rüberkommen. Aber auch Cody Ruchs handgemachte, manchmal recht saftige Gore- und Make-Up-Effekte sind phasenweise gut gelungen; zumindest sind sie weit besser, als man es in Anbetracht des geringen Budgets erhoffen durfte. Der mittig aufklappende Kopf etwa rockt derbe, und die Schmelzszene ist wunderbar drollig. Die schauspielerischen Darbietungen sind erwartungsgemäß durchwachsen und reichen von überaus launig (Sé Marie) über zurückgenommen (Sarah Brunner) bis hin zum totalen Overacting (Regisseur Steve Rudzinski himself als dämlicher Pizzajunge Joe).

    Allen die Show stiehlt jedoch Haley Jay Madison, die einzige Schauspielerin in diesem bunten Reigen, die mir bereits einige Male unterkommen ist (Kill That Bitch, Haunted House on Sorority Row, Scarewaves, Headless, Applecart). Sie sorgt nicht nur für etwas nackte Haut, indem sie ihre hübschen kleinen Brüste präsentiert, sie hat auch eine Sexszene, bei der sie sich voll ins Zeug legt und richtig durchorgeln läßt. Von Duke, dem Einhorn! Was insofern verständlich ist, da sie ein riesiger Einhorn-Fan ist, vor allem von der TV-Serie My Tiny Uni, der Einhorn-Variante von My Little Pony. Welcher Einhorn-Fetischist würde da die Gelegenheit nicht nutzen? Eben. Sehr schön sind auch die Spitzen gegen dusselige Teens und Twens, die nur für Likes ihrer Social-Media-Aktivitäten zu leben scheinen. Der sich um ihr Handy drehende Dialog zwischen Laurie und Joe ist da echt zum Schießen. Ich bin mir sicher, daß die beim Dreh alle einen Mordsspaß hatten, welcher sich auf das Publikum jedoch nur bedingt überträgt. Zu lahm sind viele von Dukes Sprüchen, zu bemüht grotesk manche der Ideen, zu unspektakulär einige der Situationen. Aber böse kann man dem mit viel Herzblut zelebrierten Kokolores auch wieder nicht sein.
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      V Madonna: daisenso
      (Go for Break - Die Hölle kommt zur Highschool / Go for Broke / V Madonna: Great War)

      Japan 1985 - Directed by Genji Nakamura



      Die Unruhe unter den Schülern und Schülerinnen der Hope Hill High School nimmt langsam aber stetig zu, steht doch die unvermeidliche Konfrontation mit den Rabauken der Yagyu High School unmittelbar bevor. Zweimal im Jahr fällt die Yagyu-Gang wie ein Hornissenschwarm über die friedliche Schule her, nach dem Motto: Her mit dem Schutzgeld, sonst gibt es Saures! Um sich eine gehörige Abreibung zu ersparen, wurde das Schutzgeld bislang brav bezahlt. Nun aber regt sich Widerstand. Einigen Schülern geht es gegen den Strich, ihr hart Erspartes so mir nichts dir nichts abzuliefern, und eine Schülerin hat sogar die - vielleicht - rettende Idee. Warum nicht jemanden anheuern, der an ihrer Stelle den Kampf gegen die Rowdys aufnimmt? Gesagt, getan. Bei den engagierten "Söldnern" handelt es sich allesamt um kampferprobte Mädchen, und tatsächlich führt deren Strategie zum Erfolg. Der überraschenden und gut geplanten Gegenwehr (Stichwort: Guerilla-Taktik) haben die Angreifer nichts entgegenzusetzen, woraufhin sie wie geprügelte Hunde das Weite suchen. Der ersten Euphorie über den leicht errungenen Sieg folgt jedoch bald Ernüchterung, denn die Yagyu-Gang denkt nicht ans Aufgeben und schlägt brutal zurück.

      Kriegsschauplatz Schule. V Madonna: daisenso ist eine Art Teenie-Action-Variante von Akira Kurosawas Shichinin no samurai (Die sieben Samurai, 1954), verlagert ins moderne High-School-Milieu. Besonders realistisch ist der Streifen allerdings nicht; fast könnte man denken, die Geschichte spielt sich in einer Parallelwelt ab. Einer Parallelwelt, in der es keine Erwachsenen gibt; weder die Eltern der Schüler noch Lehrer oder Polizisten kommen hier vor. (*) Dafür führt sich die Yagyu-Gang auf, als ob sie zu oft Mad Max (1979) gesehen hätte. Das sind Punks, denen man aus dem Weg gehen sollte. Sonst könnte es passieren, daß man hinten an ein Motorrad gebunden und über den Boden geschleift wird oder daß man an höchst empfindlichen Stellen mit Feuer "gekitzelt" wird. Ihr von Haus aus unheimliches Erscheinungsbild (Klamotten, Make-Up, Masken) wird dadurch verstärkt, indem sie einige Male des Nachts, von Nebel umwabert, vor Gegenlicht posieren. Das sieht nicht nur schick aus, sondern schindet auch ordentlich Eindruck. Lustigerweise stellt sich relativ rasch heraus, daß auch die Jungs der Yagyu-Bande von einer Frau, genannt Pantherauge, angeführt werden. In V Madonna: daisenso haben definitiv die Frauen das Sagen.

      Da der Film mit seinen einhundert Minuten spürbar zu lang geraten ist, hat er mit einigen Längen und einem sehr holprigen Rhythmus zu kämpfen. Immer wieder wird Tempo rausgenommen, um den Fokus auf die nicht sonderlich interessanten Figuren zu legen, aber wenn es mal kracht, dann kracht es auch richtig. Im ersten Drittel schlägt der Streifen noch einen harmlosen, beinahe spielerischen Ton an, wenn die Kids ihre Widersacher unter anderem mit Paintball-Gewehren attackieren. Doch bald ist Schluß mit lustig, es kommen wesentlich gefährlichere Waffen zum Einsatz, es wird gefoltert, und nicht alle werden die letzte Konfrontation überleben. Obwohl die paar Gewalteinschübe eher zurückhaltend umgesetzt wurden (und in der deutschen Fassung zum Teil durch Abwesenheit glänzen), haben sie doch eine dermaßen unangenehme Wirkung, daß sie den Ton des Filmes stark ins Schwanken bringen. Überhaupt wirkt der Film wie eine weirde Mixtur aus solidem Action-Trash und dem Pinky Violence-Genre der 1970er-Jahre, angereichert mit etwas Schulmädchen-Fetisch und abgeschmeckt mit einem Hauch apokalyptischem Flair, der dem ruppigen, mit Exploitation-Elementen versetzten Action-Quatsch gut zu Gesicht steht.

      (*) Dieser Punkt wird im mit Sicherheit polarisierenden Ende des Films thematisiert, was der ganzen Chose die Krone respektive die Narrenkappe aufsetzt.
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