Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

    The Ape Man
    (Lock Your Doors)

    USA 1943 - Directed by William Beaudine



    1931 erlangte er Weltruhm mit seiner Interpretation des charismatischen Vampirfürsten Graf Dracula, zwölf Jahre später ist der gebürtige Ungar Bela Lugosi (20.10.1882 – 16.08.1956) so richtig auf den Affen gekommen. Er spielt den genialen Wissenschaftler Dr. James Brewster, der sich bei seinen seltsamen Versuchen in eine Art Affenmensch verwandelt hat. Das heißt, er hat mit übermäßigem Haarwuchs zu kämpfen (auch im Gesicht), er kann nicht mehr so richtig aufrecht gehen, dafür ist es ihm möglich, mit Primaten zu kommunizieren. Allerdings ist er davon überzeugt, daß seine aktuelle Verfassung heilbar ist. Um das zu bewerkstelligen, braucht er nur ein wenig frisch gezapfte Rückenmarksflüssigkeit ("I must have human spinal fluids injected into me. It's my only chance."), aus der er ein Serum gewinnt, das ihm helfen sollte. Sein Kollege Dr. George Randall (Henry Hall) ist wenig begeistert von der Idee, bedeutet sie doch nichts anderes als kaltblütiger Mord, weshalb er ihm prompt seine Hilfe verweigert. Anders liegt der Fall bei Brewsters Schwester Agatha (Minerva Urecal, 7 Faces of Dr. Lao), schließlich ist Blut dicker als Wasser.

    Man muß sie einfach lieben, diese kostengünstig produzierten Horrorstreifen rund um verrückte Ärzte und Wissenschaftler, die auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn das Gleichgewicht verlieren und todesverachtend in den Abgrund torkeln, ohne Reue für ihr Handeln. Dr. Brewster ist kein netter Mensch, kein Sympathieträger. Erst reitet er sich mit seinen Experimenten im gestreckten Galopp selbst in die sprichwörtliche Scheiße, und dann müssen Unschuldige für seine Anmaßung büßen, was ihn nicht die Bohne zu kümmern scheint. "It's my life I have to think about" ist seine patzige Antwort, falls es jemand wagt, sein abscheuliches Tun in Frage zu stellen. Bela Lugosi ist eine Schau in der Hauptrolle. Ohne allzu dick aufzutragen verleiht er seiner Figur eine gewisse Tragik, macht die Qual, die er fühlen muß, spürbar. Brewster mag ein Scheusal sein, aber er ist ein faszinierendes Scheusal, dem man bei seinen grausigen Aktivitäten gerne zusieht. Und das ist zweifellos Lugosis Verdienst, der sich wieder einmal richtig reinkniet, auch wenn es nur eine weitere unwürdige Rolle in einem drittklassigen Mad Scientist-Heuler ist.

    Am Regiestuhl saß der legendäre William Beaudine (1892 – 1970), der bekannt und berüchtigt dafür war, schnell und kosteneffizient zu arbeiten (The Ape Man war binnen neunzehn Tagen im Kasten). Posthum verpaßte man ihm den Spitznamen "One-Shot", weil er angeblich den Ruf hatte, für sämtliche Szenen lediglich einen Take zu benötigen. Das ist natürlich Humbug, da er sehr wohl Retakes drehte, wenn es denn notwendig war. In gewissen Kreisen genießt Beaudine jedenfalls Kultstatus, auch dank abenteuerlich betitelten Filmen wie Bela Lugosi Meets a Brooklyn Gorilla (1952), Jesse James Meets Frankenstein's Daughter (1966) und Billy the Kid Versus Dracula (1966). Daß The Ape Man eine absolute Billigproduktion war, ist mehr als offensichtlich. Die Cast ist überschaubar, die Handlung spielt sich an einigen wenigen Schauplätzen ab, die Kamera fängt das Geschehen statisch und undynamisch ein, und die Spezialeffekte sind durchschaubar und unspektakulär. Lugosi bekam Haare auf die Hände und ins Gesicht geklebt, sodaß er eine Ähnlichkeit mit dem von Lon Chaney Jr. gespielten Werwolf aus The Wolf Man (1941) nicht verleugnen kann.

    An seiner Seite agiert ein komischer Affe, beziehungsweise - um genau zu sein - ein Mann im Gorillakostüm, und dieser Mann ist Emil Van Horn. Es ist nicht seine einzige Rolle dieser Art, machte er sich in den 1930er- und 1940er-Jahren doch einige Male zum Affen, wenn man so will. Und weil wir schon bei anderen Affen sind... The Ape Man weist einige Parallelen zu William Nighs The Ape (1940) auf, starring Boris Karloff, den anderen großen Horrorstar der Dreißiger. Während der Grundplot von The Ape Man ernst und (melo)dramatisch zelebriert wird, sorgt das Drumherum mit dem Journalisten (Wallace Ford) und seiner Photographin (Louise Currie, Voodoo Man) für humorvolle Auflockerung, ein typisches Comic Relief, wie es seinerzeit häufig vorkam. Den Vogel schießt dann ein schrulliger Typ namens Zippo (Ralph Littlefield) ab, der des Öfteren ins Geschehen eingreift und am Ende grinsend enthüllt, welche Rolle er eigentlich spielt. Keine Frage, The Ape Man ist lachhaft-schundiger, hanebüchener Science-Fiction-Nonsens, der aufgrund seiner knackigen Laufzeit von gerade einmal 64 Minuten zumindest für angenehm sympathische Kurzweil sorgt.
    Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
    Komplettübersicht mit Direktzugriff

    Kommentar


      The Kindred
      (Anthony / Anthony - Experiment des Todes)

      USA 1987 - Directed by Stephen Carpenter & Jeffrey Obrow



      Verzweifelt bittet die nach einem Herzinfarkt im Krankenhaus liegende Genetikerin Amanda Hollins (Kim Hunter, Planet of the Apes) ihren Sohn John (David Allen Brooks, Cast Away), das Experiment zu beenden und alle Aufzeichnungen zu vernichten. Es sei zu gefährlich, meint sie, die Sache mit seinem Bruder Anthony. Mit den vagen Andeutungen der geschwächten Frau kann John nichts anfangen, und von einem etwaigen Bruder hörte er eben zum ersten Mal. Auch Amandas ehemaliger Freund und Kollege Dr. Phillip Lloyd (Rod Steiger, Giù la testa aka Todesmelodie) gibt vor, keine Ahnung zu haben, was sie mit ihrem Gestammel gemeint haben könnte. Eine glatte Lüge, schließlich will der Wissenschaftler das mysteriöse Experiment selbst in seine Finger bekommen, möglichst lebendig. Nach Amandas Ableben trifft John beim Begräbnis auf die Britin Melissa Leftridge (Amanda Pays, Leviathan), die Amandas Arbeit bewundert und bedauert, sie nicht mehr persönlich getroffen zu haben. John bietet ihr an, beim Aufräumen des Hauses zu helfen, und sie sagt erfreut zu. Wenig später nisten sich John, seine Freundin Sharon (George Clooneys Ex-Frau Talia Balsam), einige hilfsbereite Freunde sowie Melissa im alten, heruntergekommenen Landhaus ein, um herauszufinden, was es mit Amandas Äußerungen auf sich hat. Bald bricht die Hölle über sie herein, denn der ominöse Anthony existiert tatsächlich, und er ist ganz in ihrer Nähe.

      Ah, die Achtziger. Da randalierten die Monster(puppen), da spritzte der Schleim, da peitschten die Tentakel, und das alles garantiert CGI-frei. Für The Kindred, hierzulande vom Video-Vertrieb VCL/Virgin in Anthony umbetitelt und mit zwei "Fortsetzungen" zwangsbeglückt, legten sich unter anderem Michael John McCracken (The Ice Pirates, Ticks) und Matthew W. Mungle (A Nightmare on Elm Street 3: Dream Warriors, Natural Born Killers, The X Files) ins Zeug, welche einige memorable Kreaturen schufen, die sie fröhlich durch den Film glitschen ließen. Eröffnet wird die schwer unterhaltsame Monster-Sause mit einer passabel in Szene gesetzten Actionszene, die für den weiteren Verlauf nicht wirklich relevant ist. Sie dient lediglich dazu, um über Umwegen den von Rod Steiger gespielten Mad Scientist einzuführen, der nicht nur sprichwörtlich über Leichen geht. Und in einigen Momenten läßt der 2002 verstorbene Oscar-Preisträger (In the Heat of the Night) seine Klasse aufblitzen, läßt erahnen, was für ein großartiger Schauspieler er doch war. Und da auch die restliche Cast recht überzeugend agiert, obwohl die Charakterisierung der Figuren sehr zu wünschen übrig läßt, entsteht ein zartes emotionales Bändchen zwischen Publikum und den Protagonisten. Das ist insofern wichtig, weil ansonsten der packende Überlebenskampf unserer Helden, der sich durch das letzte Drittel des Streifens zieht, wirkungslos verpufft wäre.

      Von den Darstellern hinterlassen - neben Rod Steiger, an dessen enorme Leinwandpräsenz niemand auch nur annähernd herankommt - Max Headroom-Beauty Amanda Pays, Peter Frechette (The Hills Have Eyes Part II) als erfinderischer Ladies Man ("There's something fishy about Melissa") sowie Julia Montgomery (Girls Nite Out) und Talia Balsam (Crawlspace) den meisten Eindruck, während David Allen Brooks in der Hauptrolle eher blaß bleibt. Das Regie-Duo Stephen Carpenter und Jeffrey Obrow (The Dorm That Dripped Blood, The Power) setzt das Skript flott, gefällig und ohne nennenswerte Längen um, wobei der Grundton ernst und - nicht zuletzt aufgrund des Hauptschauplatzes - recht düster und schmutzig ist. Vor allem der teilweise unter Wasser stehende Keller erweist sich als widerliches Drecksloch, das so manches schaurige Geheimnis birgt. Der Plot, den sich die insgesamt fünf Autoren (darunter auch Joseph Stefano, Drehbuchautor von Alfred Hitchcocks Psycho) ausgedacht haben, glänzt nicht gerade mit Originalität, und auch den Vorwurf, daß einige Ideen ins Leere laufen - wie etwa Dr. Lloyds weggesperrte Fehlschläge - und diverse Klischees bedient werden, müssen sich die Herren gefallen lassen. Da die bekannten Genreversatzstücke jedoch recht geschickt variiert werden und die Monster-Action dank Anthony, der in verschiedenen Entwicklungsstadien zu sehen ist, überaus abwechslungsreich gestaltet ist, fällt das kaum ins Gewicht.

      Wenn man The Kindred sacken und mit etwas Abstand Revue passieren läßt, dann kristallisieren sich die wahren Stars des Filmes noch stärker heraus. Und das sind weder Rod Steiger noch Amanda Pays, sondern die vielen Set-Pieces, in denen die Maskenbildner, SFX-Künstler und Puppeteers ihr Können unter Beweis stellen durften. Schon die Sequenz, in der Dr. Lloyd an einem schreienden, katzenartigen Tiermutanten herumoperiert, gibt einen Vorgeschmack auf das, was da noch kommen wird. Und es kommt so einiges. Ein erstes Ausrufezeichen setzt die wuchtige, wenn auch etwas dümmliche Monsterattacke im Auto (Stichwort: Kürbis!), und danach geht es recht rasant weiter (unter anderem mit einem Mini-Anthony in einem Glasbehälter sowie einer grausigen Transformation), bis auch schon der große, lange und dramatische Showdown beginnt, eine annähernd halbstündige Tour-de-Force, die keine Wünsche offen läßt. The Kindred ist einer der besseren Creature Features der 1980er-Jahre, obwohl er seinen augenscheinlichen Vorbildern wie John Carpenters The Thing (Das Ding aus einer anderen Welt, 1982), James Camerons Aliens (Aliens - Die Rückkehr, 1986) und Stuart Gordons From Beyond (From Beyond - Aliens des Grauens, 1986) in keiner Weise das Wasser reichen kann. Aber was Stephen Carpenter und Jeffrey Obrow mit tatkräftiger Unterstützung ihrer FX-Crew hier ablieferten, ist schon eine verdammt geile Monster-Show.
      Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
      Komplettübersicht mit Direktzugriff

      Kommentar


        The Cellar
        (Anthony II - Die Bestie kehrt zurück)

        USA 1989 - Directed by Kevin S. Tenney & John Woodward



        Früher hat das karge Wüstengebiet, auf dem nun das schwarze Gold gefördert wird, den Comanchen gehört. Sie haben es dem weißen Mann nicht freiwillig überlassen, mußten sich letztendlich jedoch dessen Übermacht beugen. Die Legende besagt, daß die Indianer, um die drohende Niederlage noch abzuwenden, sogar einen bösen Geist heraufbeschworen. Doch diese angeblich perfekte Killermaschine entpuppte sich als Bumerang, machte sie doch keinen Unterschied zwischen Freund und Feind und tötete alles, was ihren Weg kreuzte. Von diesen Dingen hat die Familie Cashen keinen blassen Schimmer. Mance Cashen (Patrick Kilpatrick) ist mit seiner Frau Emily (Suzanne Savoy) und Baby-Tochter April eben erst hierhergezogen, da er bei der hiesigen Ölbohrfirma einen Job angenommen hat. Sein Sohn aus erster Ehe, Willy (Chris Miller), stößt wenig später hinzu, darf er doch die Sommerferien bei seinem Vater verbringen. Und Willy ist es auch, der als erster bemerkt, daß sie in dem kleinen Häuschen nicht allein sind. Irgendetwas ist da im verbarrikadierten Keller, und es scheint alles andere als freundlich zu sein. Natürlich glaubt dem Jungen niemand, und so nimmt er notgedrungen im Alleingang den Kampf gegen den monströsen Untermieter auf.

        Das auf einer Kurzgeschichte von David Henry Keller basierende Monster-Movie The Cellar wurde von John Woodward, der auch das Drehbuch schrieb, begonnen. Dann jedoch stieg dieser aus dem Projekt aus, woraufhin man Kevin Tenney engagierte, um den Film fertigzustellen. Für Tenney war The Cellar somit eine reine Auftragsarbeit, und das sieht man dem Endprodukt auch an. Im Vergleich zu Witchboard, Night of the Demons, Witchtrap oder Witchboard 2: The Devil's Doorway fällt The Cellar deutlich ab. Dem Streifen fehlt es vor allem an der speziellen Würze, die Tenneys Arbeiten so schmackhaft machen. Und das ist beileibe nicht das einzige Handicap des ernst angelegten Filmes. So ist das Casting von Patrick Kilpatrick als Familienoberhaupt problematisch; seine Figur hat von Anfang an eine unangenehm psychopathische Schlagseite, die es (mir) unmöglich macht, in ihm einen heldenhaften Protagonisten zu sehen. Kilpatrick (Scanner Cop II) mag in Schurkenrollen überzeugen, als fürsorglicher, liebevoller Familienvater ist er eine glatte Fehlbesetzung. Dies wird vor allem gegen Ende deutlich, wenn er sich seinem Sohn gegenüber höchst widerlich benimmt und eine solch unerhörte Arschlochnummer abzieht, daß man den Mann weit mehr fürchtet als das Monster im Keller.

        Die anderen Schauspieler sind mehr oder weniger okay, wobei es Chris Miller als Willy immerhin schafft, den Zuschauern nicht allzu sehr auf die Nerven zu gehen. Recht passabel ist auch der böse Comanchen-Geist, der sich als mörderisches Monster manifestiert hat. Das schuppige Ding sieht aus wie eine verunglückte Kreuzung aus Alligator, Bär und Ratte, hat viele spitze Zähne und ist häßlich wie die Nacht. Es ist keine Kreatur, an die man sich lange erinnert, aber für die fünfundachtzig Minuten des Filmes genügt es vollauf. Einerseits ist das klobige Biest, das der Legende nach aus verschiedenen Teilen gefährlicher Tiere entstanden ist, ziemlich imposant, wenn es auf die potentiellen Opfer zu stapft, andererseits funktioniert das Zusammenspiel mit der Cast nur bedingt, da es sehr unbeweglich geraten ist. Deshalb wird es uns von Tenney meist auch nur allein - aber dafür bildschirmfüllend - gezeigt. Den unspektakulären Attacken mangelt es leider an Wucht, und daß sich der Blutfluß auf ein Minimum beschränkt, ist diesbezüglich ebenfalls nicht wirklich hilfreich. Positiv hervorzuheben sind hingegen die coolen Landschaften (gedreht wurde in Tucson, Arizona), und auch die beigemengte indianische Mystik ist eine nette Abwechslung zum üblichen Monster-Einerlei.

        Über soliden Durchschnitt kommt The Cellar dennoch nicht hinaus. Die Figuren sind einfach viel zu schwach charakterisiert, als daß man etwas für sie empfinden könnte. Hinzu kommt, daß die Struktur des Streifens arg konventionell ist und daß das Drehbuch die Figuren einige Male in die Klischeefalle tappen läßt. Das wäre ja noch zu verschmerzen gewesen, wenn es Tenney bzw. Woodward verstanden hätten, die Geschichte flott und packend umzusetzen. Leider ist das nicht der Fall. Der Film dümpelt mal mehr, mal weniger unterhaltsam dahin, und er hat einige Längen, wodurch er sich auch länger anfühlt als er eigentlich ist. Die Idee mit den Raben, die in Verbindung zum Monster stehen, ist ganz nett, läuft jedoch letztendlich ins Leere. Erst gegen Ende zeigt Tenney, was hätte sein können, denn der Showdown dieses mittelmäßigen Creature Features ist ihm richtig gut und mitreißend gelungen. Ein Fall von zu wenig zu spät. Wer sich jetzt fragt, wo denn der Anthony abgeblieben ist, die Bestie, die laut dem deutschen Titel zurückkehrt, dem muß ich leider mitteilen, daß dieser hier ebensowenig vorkommt wie in Anthony III (The Runestone, 1991). Die beiden Filme als "Fortsetzung" von The Kindred (Anthony, 1987) zu verkaufen, ist bloß das Ergebnis deutscher Titelschmiedekunst.
        Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
        Komplettübersicht mit Direktzugriff

        Kommentar


          The Runestone
          (Anthony III / Anthony 3)

          USA 1991 - Directed by Willard Carroll



          Ich könnte mir vorstellen, daß Fenrir, der Fenriswolf aus der nordischen Mythologie, ziemlich angepißt wäre und möglicherweise sogar "Ragnarök" knurren würde, wenn ihm das deutsche Videotape "seines" Filmes vor die Schnauze fällt, haben ihn die Marketingleute des hiesigen Vertriebes VCL/Virgin doch glatt und ohne ihn zu fragen in Anthony umgetauft. Ein Schicksal, das er mit dem Indianermonster aus The Cellar (Anthony II - Die Bestie kehrt zurück, 1989) teilen muß. Mit dem originalen Anthony, der Kreatur aus Stephen Carpenters und Jeffrey Obrows The Kindred (Anthony, 1987) haben beide nämlich nicht das Geringste zu tun, und wer sich die Filme nacheinander zu Gemüte führt wird unschwer erkennen können, daß sich die drei Monster auch kaum ähneln. Ausgangspunkt der Geschehnisse in The Runestone (Anthony III) ist der Fund eines riesigen Runensteines in Pennsylvania durch den Archäologen Martin Almquist (Mitchell Laurance, Syngenor), welcher ihn zu weiteren Untersuchungen nach New York schaffen läßt. Besagter Stein wurde dort vor langer Zeit von den Wikingern entsorgt, denen es gelungen ist, den schrecklichen Fenrir bzw. dessen Geist in den Stein zu bannen. Gegen das verlockende Gesäusel des Gefangenen ist Martin machtlos, und bald schon stapft eine blutrünstige Bestie durch den Big Apple, die alles massakriert, was ihr in die Quere kommt.

          Regisseur und Drehbuchautor Willard Carroll macht vieles richtig, vieles aber auch falsch, was rückblickend traurig stimmt, hätte The Runestone doch das Zeug zum kultigen Monsterkracher gehabt. In der ersten Hälfte ist der auf einer Novelle des Schriftstellers Mark E. Rogers basierende Streifen recht träge und nicht wirklich stimmig, da sehr uneinheitlich. Der Plot mäandert ziellos dahin, als wüßte man nicht, wohin die Reise geht. Da wird mit dem von Alexander Godunov (Die Hard) gespielten Uhrmacher eine mysteriöse Figur eingeführt, die den Großteil des Filmes im Arbeitszimmer herumsteht, die Stirn runzelt und ominös in die Gegend starrt. Captain Fanducci (Peter Riegert, Animal House) soll als fluchender, PEZ-futternder Polizist wohl so etwas wie ein Comic Relief darstellen, was nicht funktioniert, da seine Sprüche meist lahm sind. Lawrence Tierney (Reservoir Dogs) als sein Vorgesetzter weigert sich partout, die Fakten anzuerkennen ("I'll tell you what it is, Fanducci. It's a big guy in a bulletproof dog suit."), und Lars Hagstrom (William Hickey, Prizzi's Honor) ist der verrückte Alte, den alle ignorieren. Zumindest Tierney und Hickey bereichern allein mit ihrer Anwesenheit den Film. Eine Bereicherung stellt zweifelsohne auch Joan Severance (Black Scorpion) als Martins Ex Marla Stewart dar, da sie ordentlich spielt, hübsch anzuschauen ist und recht sympathisch rüberkommt.

          Ganz und gar nicht sympathisch erscheint hingegen Martin, womit man die Möglichkeit verpaßt hat, seinem Schicksal analog zum Werwolfmotiv eine tragische Note zu verleihen. Und Tim Ryan als Marlas Ehemann Sam bleibt so blaß, daß man ihn schon wieder vergessen hat, sobald der Abspann läuft. So zerfahren The Runestone in der ersten Hälfte wirkt, so geradlinig und zielgerichtet ist er dann in der zweiten. Denn ab etwa der Mitte gibt es Monster-Action satt. Der Streifen legt an Tempo zu, das Biest metzelt sich durch die Cast im Minutentakt (der Bodycount ist erstaunlich hoch), ein Set-Piece reiht sich an das nächste. Das Beste davon ist vermutlich das Massaker in einer Kunstgalerie, wo die Kreatur unter anderem ein lebendes Ausstellungsstück - eine Frau mit Lockenwickler und Godzilla-Slipper - attackiert, und die Besucher über den Realismus staunen, weil sie denken, das gehöre zum Tableau. Leider macht Carroll auch hier etwas ganz entscheidendes falsch. So nett die Monster-Randale auch anzuschauen ist, so sehr wünscht man sich, daß sie härter und wuchtiger umgesetzt worden wäre, zumal sie auch fast schon erschreckend blutleer ist. Mit dem roten Lebenssaft wird so gegeizt, daß man den Eindruck bekommt, die SFX-Crew rund um Lance Anderson (Pet Sematary) hätte nur eine Flasche Kunstblut zur Verfügung gestellt bekommen und hätte deshalb das Gros des "Blutbades" notgedrungen ins Off verlagern müssen.

          Fenrir selbst, gespielt von Dawan Scott im zotteligen Ganzkörperkostüm, ist eine zwiespältige Angelegenheit. Das etwa zwei Meter große Biest ist unbestritten eine durchaus eindrucksvolle Erscheinung, umso mehr, weil es DoP Misha Suslov gelingt, die Auftritte der Kreatur mit geschickter Szenenausleuchtung (viel blau, noch mehr rot) und massenhaft Nebel sehr stimmig und effektvoll in Szene zu setzen. Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß Fenrir bloß ein 80er/90er-Jahre-Standardmonster ist, das angesichts der starken Konkurrenz in die zweite Reihe verdrängt wird. Rawhead Rex, Pumpkinhead und auch der richtige Anthony etwa sind da sowohl furchteinflößendere als auch denkwürdigere Kreaturen. Im Einstecken ist das Biest jedoch ein ganz Großer. Es schluckt Kugeln wie Fanducci seine PEZ-Zuckerl, sehr zum Leidwesen des NYPD, das recht heftig dezimiert wird. Was gibt es sonst noch zu vermelden? Eine Monsterattacke als Schattenspiel an der Wand zu zeigen, ist eine coole Idee, die wenigen Schockmomente sind gut getimed und sehr effektiv (Respekt!), und das große Finale ist trotz Abwesenheit der emotionalen Ebene recht packend geraten. Unterm Strich ist The Runestone somit ein konventionelles Monster-Movie mit mystischem, altmodischem Flair, ein launiger, wenngleich etwas zu lang geratener Fantasy-Horror-Hybrid, der trotz schleppenden Beginns gut, aber überraschungsarm unterhält.
          Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
          Komplettübersicht mit Direktzugriff

          Kommentar


            Return of the Ape Man
            USA 1944 - Directed by Phil Rosen



            Obwohl der Titel suggeriert, daß es sich bei Return of the Ape Man um ein Sequel zu William Beaudines The Ape Man (1943) handelt, ist die Realität eine andere. Tatsächlich gibt es hier nicht einmal einen Affenmenschen, sondern bloß einen Neandertaler, den die beiden Wissenschaftler Professor Dexter (Bela Lugosi) und Professor Gilmore (John Carradine) im arktischen Eis finden und in ihr geheimes Labor verfrachten. Dexter und Gilmore forschen nämlich auf dem Gebiet der Kryokonservierung, und vor allem Dexter, die treibende Kraft, ist davon überzeugt, daß es möglich ist, Menschen einzufrieren und viele Jahre später wieder aufzutauen, auf daß sie weiterleben können, als wäre nichts geschehen. Ein erstes Experiment mit Willie the Weasel (Ernie Adams), einem Obdachlosen, verlief bereits vielversprechend; das unfreiwillige Versuchskaninchen ist wohlauf und kann sich an nichts erinnern. Insofern kommt ihnen der tiefgekühlte Neandertaler gerade recht. Leider erweist sich der unzivilisierte Bursche als höchst aggressiv, weshalb Dexter eine Gehirntransplantation plant. Seine erste Wahl für dieses Unterfangen ist Steve (Tod Andrews), der Verlobte von Gilmores Nichte Anne (Teala Loring). Gilmore kann diese Untat zwar gerade noch verhindern, doch damit bringt er Dexter nur auf eine andere Idee, und die Folgen sind fatal.

            Phil Rosens Return of the Ape Man ist mehr oder weniger gelungener Mad Scientist-Schund von der Art, auf die sich Bela Lugosi (Dracula) in den 1940er-Jahren gezwungenermaßen spezialisiert hatte. Mangels alternativer Angebote fristete er sein filmisches Dasein als Star zahlreicher Billigproduktionen, die von versierten Regisseuren auf die Schnelle heruntergekurbelt wurden. Über diese Werke kann man sagen was man will, aber zumindest Lugosi ist über jeden Zweifel erhaben, lieferte er doch ein ums andere Mal bravourös ab, egal wie bescheuert der Plot oder wie unwürdig seine Figur war. Und auch in Return of the Ape Man gibt Lugosi alles, zelebriert seine Verrückter-Wissenschaftler-Rolle mit boshaftem Charme und diabolischer Freude, daß es eine Wonne ist, ihm dabei zuzuschauen. Und er drischt Phrasen, als gäbe es kein Morgen. Beispiele gefällig? Sehr gerne. So meint er: "For a scientist, nothing is impossible!" Und weiter: "A true scientist is married to his profession!" Oder: "Murder is an ugly word. As a scientist I don't recognize it." Auch hübsch: "Some people's brains would never be missed." Ja, sein Dexter ist ein so entzückendes Kerlchen, man liebt es einfach, ihn zu hassen. Mit Lugosi kann niemand hier mithalten, nicht einmal John Carradine (Shock Waves), obwohl auch er eine durchaus akzeptable Leistung abliefert.

            Sowohl in den Credits als auch auf den Postern wird behauptet, daß der Neandertaler (= the Ape Man) von George Zucco (Voodoo Man) gespielt wird. Das war auch so geplant, doch leider - wie es von offizieller Seite heißt - erkrankte der Schauspieler vor Drehstart und wurde deshalb notgedrungen durch Frank Moran ersetzt. Aufgrund des Vertrages blieb es bei Nennung seines Namens, obwohl er nur wenige Sekunden im Film zu sehen ist. Moran macht einen passablen Job als Neandertaler, der am Ende sogar eine hübsche Frau entführen und sinnlos durch die Gegend tragen darf. Die Schöne und das Biest, Klischee komm raus, du bist umzingelt. Daß es sich bei Return of the Ape Man um eine absolute Billigproduktion handelt, sieht man schon zu Beginn am coolen Set, das dem Publikum - in Kombination mit Stock Footage - vorgaukeln soll, es sähe hier Ausgrabungsarbeiten in der Arktis. Sehr nett ist auch die Idee, die hanebüchene Handlung mittels Zeitungsartikel voranzutreiben, schließlich ist Zeit Geld, und beides ist knapp. Nach einer Stunde ist der haarige Spuk auch schon wieder vorbei, und ja, auch dieser Abstecher in eine andere Zeit war unterhaltsam, charmant und kurzweilig. Und wenn es auch nichts zum Fürchten gab, so gab es doch - man denke etwa an den klavierspielenden Neandertaler - einiges zum Lachen.
            Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
            Komplettübersicht mit Direktzugriff

            Kommentar


              The XXXorcist
              USA 2006 - Written, Directed, Edited & Produced by Doug Sakmann



              Oops, they did it again... Zwei Jahre nach der kolossal geschmacklosen Monstrosität namens Re-Penetrator (2004) taten sich Doug Sakmann, Joanna Angel und Tommy Pistol wieder zusammen, um aufs Neue ausgelassen herumzusauen und mit Schmackes auf den Putz zu hauen. Dieses Mal nahmen sie sich William Friedkins Horrorklassiker The Exorcist (Der Exorzist, 1973) zur Brust, um ihn nach ihren Vorstellungen umzugestalten und genußvoll zu versexen. Wie schon zuvor Re-Penetrator besteht auch The XXXorcist aus nur einer Szene. Auf Bitte von Mrs. MacFeel (Kylee Kross) nimmt sich Vater Merkin (Tommy Pistol) der besessenen Regan (Joanna Angel) an und versucht, den garstigen Dämon, der sich in ihr eingenistet hat, zu verscheuchen. Bald ist klar: Herkömmliche Mittel greifen nicht, der Dämon ist gekommen, um zu bleiben: "This time you're going to lose. This girl is mine!" Doch Vater Merkin ist hartnäckig und gibt alles, um die kleine Regan zu retten. Entschlossen macht er sich an die Arbeit: "You leave me no choice. I must perform a sexorcism!"

              Der erigierte Dödel als Waffe. Der aufopferungsbereite Priester gedenkt, den unseligen Dämon mit Hilfe von Sex auszutreiben ("Damn you, Satan! - I must do the Lord's work!"), er will ihn im wahrsten Sinne des Wortes aus dem unschuldigen Körper herausficken. Und so bleibt keine Öffnung unpenetriert, wobei die besessene Regan bei diesem eher unorthodoxen Exorzismus nur allzu gerne mitmacht ("Just fuck me already! - Eat that possessed pussy!"). War Re-Penetrator noch eine überaus "rote" Angelegenheit, da die Macher das Blut nur so spritzen ließen, so ist The XXXorcist sehr, sehr "grün". Denn anstelle von Kunstblut kommt hier Kunstkotze zum Einsatz. Gleich am Anfang, wenn der Kopf der Kleinen einige Male um die eigene (Hals-)Achse rotiert, kotzt die gar nicht mehr so süße Regan im Strahl. Bekleckert werden dabei nicht nur das Bett, der Boden und die Wände des Zimmers, sondern auch die ungläubig glotzenden Zuschauer, die vom ekligen grünen Zeug vom Scheitel bis zur Sohle bespritzt werden und dastehen wie die sprichwörtlichen begossenen Pudel.

              Der Sex ist wild, rasend und schnell, keine Spur von Zärtlichkeit oder Leidenschaft, bloß rein-raus auf eine zweckmäßige, fast schon maschinelle Art und Weise. Und wie schon bei Re-Penetrator inszeniert Sakmann den Sex nicht, um das Publikum anzutörnen. Die lange, recht abwechslungsreich gestaltete Vögelei erinnert vielmehr an eine sexuelle Freakshow, der man staunend beiwohnt, ohne daß man auch nur das kleinste Bißchen davon erregt wird. Eines ist klar: So etwas sieht man definitiv nicht alle Tage (und will das vermutlich auch gar nicht). Inwieweit man diesen groben Unfug goutieren kann, hängt von jedem selbst ab. Ich fand das Dargebotene durchaus amüsant, denn trotz all der geschmacklosen Ferkeleien hat The XXXorcist etwas Spielerisches und auch etwas Sympathisches an sich. Das beginnt beim einmeterfünfzig großen, damals sechsundzwanzig Jahre alten Wirbelwild namens Joanna Angel, die ihre Rolle ziemlich straight durchzieht, und endet bei Sakmanns kompetenter Regie und seiner gelungenen Bearbeitung der Vorlage, die dem Klassiker bei allem Schabernack auch Respekt erweist.

              Im Gegensatz zur Burning Angel-Lady agiert Tommy Pistol (The Gruesome Death of Tommy Pistol) sehr campy, was im Zusammenspiel erstaunlich gut und launig funktioniert. Auch Kylee Kross als Regans Mutter macht eine gute Figur und stürzt sich voller (inzestuösem) Elan ins Geschehen, nachdem sie durch einen Kuß vom Töchterchen ebenfalls besessen wird. Sakmann variiert einige prägnante Szenen des Originals, wie den drehenden Kopf (getrickst von Jeremy Selenfriend (Men in Black 3), der sein Handwerk bei Dick Smiths SFX-Schule lernte), das schwebende Bett, die berüchtigte Kruzifix-Sequenz oder den Treppensturz (gedreht übrigens am Originalschauplatz in Georgetown), mengt dem kruden Spaß aber auch ein paar eigene Ideen bei. So spritzt der grüne Schleim nicht nur aus dem Mund, sondern auch aus der Muschi, und Vater Merkins Geheimwaffen sind religiöse Artefakte wie der Jungfrau-Maria-Dildo oder der Jesus-Butt-Plug. Äh, ja, wem blasphemische Einschübe sauer aufstoßen, sollte The XXXorcist meiden wie der Teufel das Weihwasser.

              Abschließend sei gesagt, daß dieses bizarre Nischenprodukt so genüßlich abstoßend und so herrlich daneben ist, daß es schwerfällt, sich ein Grinsen zu verkneifen. Wo The Exorcist auf ein unterschwelliges Grauen und eine unbehagliche Atmosphäre setzt, suhlt sich The XXXorcist in schleimtriefenden Obszönitäten und macht immer mal wieder einen Schlenker in Richtung totalem Gross-Out. Das ist weder sexy noch erregend, aber das war auch gar nicht die Intention der Macher. Für einen AVN Award in der Kategorie "Most Outrageous Sex Scene" hat es diesmal dennoch nicht gereicht, den räumte eine Szene aus einem Film ab, welcher den, ähem, lieblichen Titel Ass Blasting Felching Anal Whores trägt. Technisch ist The XXXorcist ganz okay. Die Kameraarbeit ist gut, der generelle Look ist gefällig, und der disharmonische Soundtrack von Hick Nick and Jew of The Dead sorgt für eine verunsichernde Geräuschkulisse, die ziemlich irritiert. The XXXorcist ist ein recht ambitionierter, abartig-käsiger, siebenundvierzig Minuten kurzer Porn-Spoof für sehr spezielle Gelüste. Wohl bekomm's!
              Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
              Komplettübersicht mit Direktzugriff

              Kommentar


                Mutantes del año 2000
                (La rata maldita / The Demon Rat)

                Mexiko 1992 - Written & Directed by Rubén Galindo Jr.



                Es ist immer problematisch, wenn eine in der nahen Zukunft spielende Geschichte exakt datiert ist. Denn über kurz oder lang ist das betreffende Jahr erreicht, und aus der Zukunft wird plötzlich Gegenwart und anschließend Vergangenheit. Daß das prognostizierte Ereignis dann überhaupt nicht eingetreten ist, macht den Film zu einer Art Paradox. Nehmen wir mal das Jahr 2000. Damals gab es einige schreckliche Katastrophen, wie das Erdbeben auf Sumatra, das Hochwasser in Mosambik, der Absturz der Concorde oder der fatale Brand der Gletscherbahn Kaprun 2 in Österreich. Wozu es jedoch nicht kam, war eine dermaßen starke Luftverschmutzung, daß man in der freien Natur nur noch mit Atemschutzmasken überleben konnte. Und die Pinguine sind zum Glück auch nicht ausgestorben. In Mutantes del año 2000 ist das allerdings anders. Statt atembarer Luft gibt es dicken, giftigen Smog, und das Artensterben hat auch vor den niedlichen Frackträgern nicht haltgemacht.

                In dieser verpesteten Welt lebt die Lehrerin Irina (Rossana San Juan), die Probleme mit ihrem Mann Roberto (Gerardo Albarrán) hat. Der hat sie damals nur geheiratet, um sich das Firmenimperium von Irinas Vater unter den Nagel zu reißen. Nun, da er sein Ziel erreicht hat und Romo Industries leitet, drängt er auf die Scheidung, um das lästige Weib loszuwerden. Die jedoch sträubt sich, was Roberto gar nicht gefällt. Und die strengen Bestimmungen in Bezug auf Müllentsorgung gefallen ihm auch nicht. Das ist alles so aufwändig und teuer, und da Zeit nun mal Geld ist, entlädt er seinen radioaktiven Abfall lieber gratis und unkompliziert auf der städtischen Müllhalde. Natürlich kommen Irina und ihr Freund, der Biologe Axel (Miguel Ángel Rodríguez), hinter die Machenschaften des skrupellosen Firmenbosses und drohen ihm mit der Polizei. Das kann Roberto natürlich nicht zulassen. Etwa zur selben Zeit entdeckt Irina, daß sie in ihrem Häuschen ein gravierendes Rattenproblem hat.

                Der erste, der eine unheimliche Begegnung der rattigen Art hat, ist Arnold, Irinas süßer, kleiner Hund. Er ist danach nicht wiederzuerkennen. Axels Freund Andres (José Manuel Fernández) ist davon überzeugt, das Problem rasch aus der Welt schaffen zu können. Er nimmt es allein mit dem tückischen Nager auf. Genrekenner wissen sofort, daß Andres' Leben keinen Pfifferling mehr wert ist. Kurz darauf taucht Roberto mit einem Handlanger bei Irina und Axel auf, und der große Showdown kann beginnen. Rubén Galindo Jrs Mutantes del año 2000 ist ein äußerst obskurer, kaum bekannter Genrebastard aus Mexiko, und das hat durchaus seinen Grund. Während andere Arbeiten des Regisseurs, wie z. B. Cementerio del terror (Friedhof des Satans, 1985) oder Don't Panic (1987) aufgrund ihrer gefälligen Machart und ihres hohen Unterhaltungswertes schnell den Weg in die USA und nach Europa fanden, konnte Mutantes del año 2000 erst viele Jahre später die Grenzen seines Heimatlandes überwinden.

                Viel verpaßt hat man ja nicht. Was ein kleiner, trashiger Tierhorrorkracher mit apokalyptischem Flair hätte sein können, ist leider bloß ein recht langatmiger und unspektakulärer Öko-Thriller geworden, bei dem die Ratten nur die zweite Geige spielen. Es gibt ganze zwei Stück davon, und der erste Auftritt des Geziefers ist vielversprechend. Nachdem die Ratte den Hund zu Schaschlik verarbeitet hat, spielt sie mit Irina etwas verstecken, bevor sie ihre Deckung verläßt und durch die Tür entfleucht. Man sieht das Vieh zwar nur Sekunden, aber der "Spezialeffekt" - ein haariges Etwas wird an einer Schnur durch die Tür rausgezogen - ist so dermaßen knuffig, daß man ihn sofort in sein Herz schließt. Leider ist das der einzige Trick dieser Art; danach mutieren die Nager zu Rattenmenschen, welche von Victor V. Alamillo im Zottelkostüm gespielt werden. Viel kann man aufgrund der verwackelten Kamera nicht erkennen, aber die Biester haben mehr Ähnlichkeit mit Morlocks als mit Ratten-Mensch-Mutanten.

                Die triste, dystopische Welt von Mutantes del año 2000 bietet einen interessanten Hintergrund zur schundigen Groschenheft-Handlung, erfüllt jedoch kaum mehr als eine Alibi-Funktion, aus der viel zu wenig herausgeholt wurde. Die überwiegende Verlagerung der Geschehnisse in Häuser sorgt für einen netten klaustrophobischen Touch, der allerdings mehr oder weniger verpufft, da man für die holzschnittartig charakterisierten Figuren nichts empfindet, zumal die Schauspieler allesamt keine Koryphäen auf ihrem Gebiet sind. Egal ob Gerardo Albarrán als fieser (und haarsträubend unfähiger) Firmenchef, Miguel Ángel Rodríguez als besorgter Biologe oder Rossana San Juan als engagierte Lehrerin, glaubhaft ist davon niemand. Letztere erfreut zumindest das Auge, ist sie doch eine rassige Schönheit mit schwarzen Haaren fast bis zum Po. Mutantes del año 2000 ist ein leidlich unterhaltsamer Öko-Thriller, der erst im letzten Drittel halbwegs auf Touren kommt und so zumindest für Fans von mexikanischen Schlock-Erzeugnissen keine völlige Zeitverschwendung ist.
                Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
                Komplettübersicht mit Direktzugriff

                Kommentar


                  The Period
                  USA 2007 - Written, Directed, Shot, Edited & Produced by J. Douglas Smith



                  Na bumm! Immer wenn man denkt, man habe im Filmbereich bereits alles gesehen und nichts könne einen mehr überraschen, kommt lustig von der Seite ein Filmchen daher und beweist einem glatt das Gegenteil. Ein wildes, experimentelles In-Your-Face-Exploitation-Drama um die weibliche Monatsblutung, gedreht für etwa fünftausend US-Dollar in und um Kansas City, Missouri? Nein, tatsächlich, so etwas hatten wir noch nicht. Haben wir darauf gewartet? Vermutlich nicht, aber wenn es schon mal da ist, wird es auch geguckt. In J. Douglas Smiths The Period geht es um Sharrie Heiman (Angela Dix), die eines Tages beim entspannten Baden ihre Periode bekommt. Und die wird sie nicht mehr los. Sharrie blutet und blutet und blutet... So viel, wie die blutet, hat sie bestimmt fünfzig Mal mehr Blut in ihrem Körper als jeder andere Mensch. Mindestens. Mal tropft es, mal rinnt es, mal spritzt es aus ihr, was wohl unter anderem darauf zurückzuführen ist, daß das SFX-Team einen mit Kunstblut gefüllten Schlauch zwischen Sharries Beine hält, den Hahn aufdreht und laufen läßt.

                  Ja, die Spezialeffekte sind sehr durchschaubar, aber was will man für fünftausend Dollar auch schon Großes erwarten? Im weiteren Verlauf der Handlung bekommt Sharrie Probleme mit ihrer Mitbewohnerin Clitoria (Valerie Castro), die schließlich dermaßen eskalieren, daß Clitoria beinahe von Sharries Regel ersäuft wird, woraufhin die sich rächt und ihre Gegnerin mit ihren großen Brüsten abwatscht und zu ersticken versucht. Ähm, ja, genau. Zurückhaltung und Geschmackssicherheit sind nicht die Stärken des Streifens. Die Gynäkologen werden auch mit Blut vollgespritzt, aber die nehmen es eher gelassen. Berufsrisiko. Weniger erfreut sind die Kunststudenten, bei denen Sharrie nackt Modell steht. Auch die brauchen danach eine Dusche, und Sharries Karriere als Nacktmodel ist damit wohl beendet. Und so plätschert The Period dahin wie das Blut aus Sharries Vagina und man denkt bereits, der Streifen wäre ein bizarres One-Trick-Pony, eine einzige, zugegebenermaßen nicht unoriginelle Idee, aufgeblasen auf sage und schreibe einhundertfünf Minuten.

                  Dem ist nicht so. Denn in der letzten halben Stunde bricht der Film gänzlich mit dem bisherigen Handlungsverlauf, was das Geschehen auf eine neue und mysteriöse Ebene hebt. Das Finale konnte erst einige Monate nach dem Rest gedreht werden, da die Hauptdarstellerin nicht verfügbar war, und vielleicht ist das ja auch mit ein Grund, weshalb dieses so gänzlich anders ist als das zuvor gezeigte. The Period ist das (bislang einzige) Filmbaby von J. Douglas Smith, der hier nicht nur Regie geführt hat, sondern das Ding auch geschrieben, gefilmt, geschnitten und produziert hat. Viel mehr geht da wirklich nicht mehr. Lediglich die disharmonische und dadurch auch recht effektive Musikuntermalung hat er an Onemilliontinytinyjesuses ausgelagert. The Period ist einhundert Prozent Underground und null Prozent Mainstream. Der eckt an, wo er nur kann. Meine Hochachtung vor Smith, der die "Cojones" hatte, seine eigenwillige Vision ohne Rücksicht auf Verluste durchzuziehen, so anstrengend, exzessiv, geschmacklos und chaotisch das Ergebnis mitunter auch ist.

                  Einige der angerissenen Ideen sind ganz interessant. Wie die Reaktion der Menschen, die mit Sharries Menstruation konfrontiert werden; die reicht von Verachtung über Abscheu bis hin zu Vergötterung. Oder die eingestreute Symbolik, über die man grübeln kann. Was haben die blutgefüllten Eier zu bedeuten, die Sharrie einmal legt? Hübsch surreal ist die Sequenz, in welcher Sharrie anstelle der Vagina einen Mund hat, und der plappert und plappert und hört nicht mehr auf. Sogar die Kunst entdeckt die unaufhörlich menstruierende Frau; mit einem blutigen Abdruck des Geschlechtsteils gibt es schließlich gutes Geld zu verdienen. Was The Period sein will, bleibt indes ein Rätsel. Eine geschmacklose Komödie? Ein exzessives Drama? Eine bluttriefende Satire auf Troma-Art? Oder einfach nur schrille Underground-Exploitation der Exploitation willen? Ich weiß es nicht. Die Autorin Charlotte Roche fordert ja, daß die weibliche Periode endlich als das wahrgenommen wird, was sie ist. Als etwas ganz normal Menschliches. Ob The Period zur gewünschten Enttabuisierung beiträgt, darf bezweifelt werden.
                  Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
                  Komplettübersicht mit Direktzugriff

                  Kommentar


                    Sweet, Sweet Rachel
                    USA 1971 - Directed by Sutton Roley



                    Als Paul Stanton (Rod McCary) von seinem Kartenspiel aufsieht und einen Blick aus dem Fenster wirft, packt ihn das nackte Grauen. Er sieht seine Frau Rachel (Stefanie Powers), die verzweifelt durch die Grabsteine des Friedhofs Richtung Haus torkelt, offensichtlich am Ende ihrer Kräfte, vielleicht sogar verletzt. Ohne zu überlegen handelt Paul, springt auf und eilt ihr zu Hilfe. Die Fensterscheibe zerbirst beim Aufprall, und er stürzt schreiend zig Meter in die Tiefe, wo sein Körper auf den Felsen zerschellt. Nur Sekunden später öffnet Rachel die Tür zum Zimmer, tritt ein, realisiert was passiert ist und beginnt zu kreischen. Dann läutet das Telefon, und eine weibliche Stimme leiert emotionslos die Motive herunter, die auf den von Paul aufgedeckten Karten zu sehen sind. Nach dem Begräbnis zieht Rachel die ESP-Experten Dr. Lucas Darrow (Alex Dreier) und Carey Johnson (Chris Robinson) hinzu, die bald am eigenen Leib zu spüren bekommen, daß hier seltsame (Geistes-)Kräfte am Werk sind. Während die beiden Männer versuchen, der mysteriösen Sache auf den Grund zu gehen, wird Rachel plötzlich von ihren zwielichtigen Verwandten Arthur (Pat Hingle) und Lillian (Louise Latham) umsorgt, und selbst ihre Nichte Nora (Brenda Scott), die sie eben noch als Mörderin beschimpfte ("You killed him, because he loved me!"), steht auf einmal vor der Tür.

                    Sutton Roleys obskurer Fernsehfilm Sweet, Sweet Rachel ist schon aufgrund seiner Besetzung einen Blick wert. Stefanie Powers, berühmt geworden an der Seite von Robert Wagner mit der TV-Serie Hart to Hart (Hart aber herzlich), überzeugt hier als labile, verzweifelte Witwe, der so übel mitgespielt wird, daß sie in den Wahnsinn abzudriften droht. Ihr langsamer Verfall hin zum ins Leere starrenden, geistigen Wrack wird recht glaubhaft geschildert, sodaß man unweigerlich Mitleid mit der armen Frau empfindet. Die anderen Figuren, wie etwa Pat Hingle (The Gauntlet) bzw. Louise Latham (The Sugarland Express) als Onkel respektive Tante, agieren ebenfalls souverän; ihre Hauptaufgabe ist es, bis zum Ende undurchsichtig zu bleiben. Denn wer hinter den telepathischen Anschlägen steckt, was es damit auf sich hat und welches Motiv der oder die Schurken haben, wird erst beim großen Finale enthüllt. Und dann gelingt es Regisseur Roley und seinem Drehbuchautor Anthony Lawrence tatsächlich, die ausgeworfenen Fäden zusammenzuführen und zu einem schlüssigen Ganzen zu vereinen. Im Grunde ist die Auflösung keine große Überraschung, doch dank der verschiedenen Details, darunter auch die Art und Weise, wie der bzw. die Täter überführt werden, bleibt das unspektakuläre TV-Movie bis zum Ende interessant und recht unterhaltsam.

                    Und das ist durchaus beachtenswert, ist Sweet, Sweet Rachel doch weder besonders mitreißend noch sonderlich spannend in Szene gesetzt. Bis zur Hälfte plätschert das Geschehen recht gefällig dahin (die tolle Eröffnungsszene mal ausgenommen), ist zwar nicht wirklich langweilig, aber doch auch alles andere als aufregend. Erst dann kommt der Film in die Gänge. Hin und wieder blitzt etwas Suspense auf, und zwei, drei Szenen kann man sogar - mit etwas gutem Willen - einen gewissen Gruselfaktor attestieren. Die Erscheinungen der toten Frau sind zum Beispiel hübsch schaurig anzusehen und könnten bei dem einen oder anderen vielleicht Gänsehaut erzeugen. Auch die ominösen Telefonanrufe sind ein wenig creepy, während der "lebende" Gipskopf eher schräg als gruselig anzusehen ist. Die Grundstimmung ist sehr ernst, beinahe schon verbissen humorlos; glücklicherweise ist der Film zu gut gemacht, als daß er eine unfreiwillig komische Schlagseite bekommen könnte. Nein, Sweet, Sweet Rachel ist bestimmt kein vergessenes Kleinod, aber er ist ein netter Mystery-Streifen für zwischendurch, dem sein Whodunit-Element gut zu Gesicht steht. Anscheinend kam die interessante, nicht unoriginelle Thematik bei den Verantwortlichen gut an, zog der Film doch im darauffolgenden Jahr eine kurzlebige Serie namens The Sixth Sense nach sich.
                    Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns
                    Komplettübersicht mit Direktzugriff

                    Kommentar

                    Lädt...
                    X