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Das Schwarzbuch des Kommunismus

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    Das Schwarzbuch des Kommunismus

    Ok JASON2017, der Thread hier ist also (erst mal) speziell für dich.

    Wie das Buch heißt steht im Betreff, ausschauen tut es so:



    Zum Inhalt:

    "Das Schwarzbuch des Kommunismus" löste bei seinem Erscheinen in Frankreich heftige Diskussionen aus und stand wochenlang auf Platz 1 der Bestsellerlisten. Es zieht eine grausige Bilanz des Kommunismus, der prägenden Idee unserer Zeit. 80 Millionen Tote, so rechnen die Autoren vor, hat die Vision von der klassenlosen Gesellschaft gekostet, mehr als der Nationalsozialismus zu verantworten hat. Mit dieser These lösten die Autoren eine beispiellose Voraus-Debatte aus, die ihren Niederschlag in zahlreichen deutschen Zeitungen gefunden hat. "'Das Schwarzbuch des Kommunismus' ist nicht nur eine Chronik der Verbrechen, sondern auch eine Unglücksgeschichte jener 'willigen Helfer'im Westen, die sich 90 Jahre lang blind und taub machten", schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung. In einem speziellen Kapitel für die deutsche Ausgabe schreiben Joachim Gauck und Ehrhart Neubert über den Kommunismus in der DDR.

    Aus der Amazon.de-Redaktion:

    Manche guten Bücher hinterlassen Spuren, wenige außergewöhnliche Werke reißen tiefe Krater in die Gefühls- und Erkenntnislandschaft der Leser und Meinungsmacher. Das Schwarzbuch des Kommunismus der Autorengruppe um Stéphane Courtois provozierte binnen Jahresfrist Kontroversen, wie wir sie in Deutschland seit dem Ende des Historikerstreits der achtziger Jahre nicht mehr sahen.

    Dies Buch beschreibt anschaulich die Folgen des Kommunismus, mit all seinen Hungersnöten, Straf- und Umerziehungslagern und der Unterdrückung in dieser menschenverachtenden Utopie der klassenlosen Gesellschaft. Zuerst wird der Kommunismus allgemein beschrieben, dann folgen Beschreibungen der Zustände in der Sowjetunion, China, den europäischen, den asiatischen, den amerikanischen und den kommunistischen Staaten in der dritten Welt. In der deutschen Ausgabe sind auch Kapitel zu politischen Verbrechen in der DDR und zum schwierigen Umgang mit der Wahrnehmung enthalten. Die einzelnen Kapitel beschäftigen sich jeweils mit einem kurzen Zetraum der Herrschaft, geben Statistiken zu den Gefangenen und Ermordeten, berichten über die Art der Verbrechen und geben Augenzeugenberichte. Dies Buch sollte zur Pflichtlektüre an Deutschen Schulen werden, auch um das dritte Reich als Alleinschuldigen für alles Übel zu ergänzen.


    Die schockierenden Zahl nochmals vorweg: Der Hitler-Faschismus hat 25 Millionen Menschen ermordet, der Weltkommunismus jedoch an die 100 Millionen. Seit Stéphane Courtois, Historiker aus Paris, und seine Autorenkollegen diese Rechnung 1998 in den Raum gestellt haben, gibt es gegen ihr "Schwarzbuch des Kommunismus" eine Flut von Gegenveröffentlichungen. Der immer wieder erhobene Vorwurf: Väterchen Stalin und den Vorsitzenden Mao (auf das Konto dieses Idols unserer 68er kommen allein 65 Millionen, er ist damit der größte Mörder der Menschheitsgeschichte) könne man nicht mit Hitler vergleichen.

    Kann man doch, sagt Courtois, der "Rassenmord" und "Klassenmord" gleichsetzt. Nach den Kriterien des Nürnberger Tribunals sei der Kommunismus in allen Punkten schuldig zu sprechen. Bei der Einrichtung von Auschwitz habe sich Kommandant Höß sogar bis in alle Einzelheiten von russischen Konzentrationslagern inspirieren lassen. Deportationen und Hungersnöte seien von den Sowjets ganz bewußt als Mordinstrumente gegen ganze Völkerschaften eingesetzt worden. 1932/33 gab es allein in der Ukraine sechs Millionen Opfer innerhalb weniger Monate.

    Auf einen gravierenden Unterschied zwischen Hitler und Stalin hat jedoch der frühere polnische Premier Mieczyslaw Rakowski hingewiesen. "Der Hitlersche Rassismus richtete sich nach außen, gegen fremdstämmige Völker", schrieb er (Neues Deutschland, 17.10.98). "Die Deutschen, die Bürger des Dritten Reiches waren , bedrohte er nicht. - Der Stalinismus sah die größte Gefahr für den Kommunismus im inneren Feind, in der eigenen Gesellschaft. Niemand hatte auch nur die geringste Sicherheit, daß er sich außerhalb seiner Reichweite befinden könnte".

    Seit Chruschtschow, der Mittäter, 1956 mit Stalin abrechnete, ahnte man etwas vom Umfang des Grauens. Doch ein Mahnmal, das er dann 1961 vorschlug, wurde nie gebaut. Auch heute kann von Vergangenheitsbewältigung noch nicht die Rede sein. Daß mag in unserer mediengeilen Welt auch daran liegen, vermutet Courtois, daß es von den Untaten der Nazis ausreichend Bildmaterial gibt, von denen der Kommunisten jedoch nicht. Bleibt die Lektüre des "Schwarzbuchs", die man sich - vom Großen Terror bis zu Guevara und Pol Pot - häppchenweise zuführen sollte. Die fast tausend Seiten (Piper Verlag) sind billiger geworden und kosten statt 68 nur noch 39,80 DM. Das ist für jede Stadt- und jede Schulbibliothek erschwinglich.




    Die Autoren

    Stéphane Courtois, Forschungsleiter am CNRS (GÉODE-Paris X), Herausgeber der Zeitschrift Communisme, Experte für die Geschichte des Kommunismus. Seine wichtigsten Veröffentlichungen: Le PCF dans la guerre, Paris 1980, Qui savait quoi? L'extermination des Juifs, 1941-1945, Paris 1987 (zus. mit anderen Autoren), Le Communisme, Paris 1987 (zus. mit M. Lazar), Le Sang de l'étranger. Les immigrés de la MOT dans la Résistance, Paris 1989 (zus. mit anderen Autoren), Cinquante ans d'une passion francaise. De Gaulle et les communistes, Paris 1991 (zus. mit M. Lazar), Rigueur et passion. Hommage à Annie Kriegel, Paris 1994 (zus. mit anderen Autoren), L'État du monde en 1945, Paris 1994 (zus. mit A. Wieviorka), Histoire du Parti communiste francais, Paris 1995 (zus. mit M. Lazar), Eugen Fried. Le grand secret du PCF, Paris 1997 (zus. mit A. Kriegel).

    Nicolas Werth, Dozent für Geschichte, forscht am Institut für Zeitgeschichte mit dem Schwerpunkt Geschichte der UdSSR. Seine wichtigsten Veröffentlichungen: Étre communiste en URSS sous Staline, Paris 1981, La Vie quotidienne des paysans russes de la Révolution à la collectivisation, 1917-1939, Paris 1984, Histoire de l'Union soviétique, de l'Empire russe à la CEI, Paris 1992, Rapports secrets soviétiques. La société russe dans ses rapports confidentiels, 1921-1991, Paris 1995 (zus. mit Gaël Moullec).

    Jean-Louis Panné, Historiker. Mitarbeiter am Dictionnaire biographique du mouvement ouvrier français (1914-1939), Autor (in Zusammenarbeit mit Emmanuel Wallon) von L'Entreprise sociale, le pari autogestionnaire de Solidarnosc, Paris 1987, Boris Souvarine, le premier désenchanté du communisme, Paris 1993.

    Andrzej Paczkowski, stellvertretender Direktor am Institut für Politikwissenschaft der polnischen Akademie der Wissenschaften, Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Archivs des Ministeriums für innere Angelegenheiten und Verwaltung. Autor etlicher Veröffentlichungen in polnischer Sprache zu Fragen der polnischen Geschichte im 20. Jahrhundert.

    Karel Bartosek, Historiker tschechischer Abstammung, 1983-1996 Forscher am IHTP (CNRS), Herausgeber der Zeitschrift La Nouvelle Alternative, Spezialist für Mittel- und Osteuropa. Einige seiner Veröffentlichungen: The Prague Uprising 1945 (erschien zwischen 1960 und 1965 in Tschechisch, Slowakisch, Deutsch und Englisch), De l'exil à la Résistance, Réfugiés et immigrés d'Europe centrale en France 1933-1945, Paris 1989 (als Mitherausgeber), Confession, Toronto 1989 (Gespräche mit Bedrich Fucik), Le témoin du procés de Husak témoigne, Prag 1991 (Gespräche mit Ladislav Holdos), Les Aveux des archives. Prague-Paris-Prague, 1948-1968, Paris 1996.

    Jean-Louis Margolin, Dozent für Geschichte an der Université de Provence, forscht am dortigen Institut für Süd-Ost-Asien-Forschungen (CNRS). Autor von Singapour 1959-1987. Genése d'un nouveau pays industriel, Paris 1989.

    Weiterhin haben mitgearbeitet

    Rémi Kauffer, Spezialist für die Geschichte des Geheimdienstes, des Terrorismus und geheimer Organisationen. Wichtigste Veröffentlichungen, in Zusammenarbeit mit Roger Faligot: Service B, Paris 1985, KGB objectif Pretoria, Lausanne 1986, Kang Sheng et les services secrets chinois 1927-1987, Paris 1987 (deutsch: Der Meister der Schatten: Kang Sheng und der chinesische Geheimdienst 1927-1987, München 1988), As-tu vu Cremet, Paris 1991, Histoire mondiale du Renseignement, 2 Bände, Paris 1993-1994 (zus. mit anderen Autoren).

    Pierre Rigoulot, Forscher am Institut für Sozialgeschichte. Chefredakteur der Cahiers d'histoire sociale. Wichtigste Veröffentlichungen: Des Français au Goulag, Paris 1984, La Tragédie des Malgré-nous, Paris 1990, Les paupiéres lourdes. Les Français face au Goulag: aveuglement et indignation, Paris 1991.

    Pascal Fontaine, Journalist und Lateinamerika-Experte.

    Yves Santamaria, Dozent für Geschichte, Lehrbeauftragter am IUFM in Le Mans und am IEP in Paris. Autor von: Du Printemps des peuples à la Société des nations, Paris 1996 (zus. mit Brigitte Waché).

    Sylvain Boulouque, Student der Geschichte, Forschungsassistent am GÉODE (Universität Paris X).

    Autoren der deutschen Beiträge

    Joachim Gauck ist Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Als Pfarrer hauptsächlich im Neubaugebiet Rostock-Evershagen, auch in seinen Funktionen als Jugendpfarrer und Leiter der mecklenburgischen Kirchentagsarbeit, wurde Gauck durch seine offenen und kritischen Worte bekannt. 1989 gehörte Gauck zu den Mitbegründern des »Neuen Forum« in Rostock. Dort war er Mitinitiator des kirchlichen und öffentlichen Widerstandes gegen die SED-Diktatur. Im März 1990 zog er als Abgeordneter der Bürgerbewegung in die Volkskammer ein und wurde zum Vorsitzenden des Parlamentarischen Sonderausschusses zur Kontrolle der Auflösung des Mfs und später zum Sonderbeauftragten für die Stasi-Unterlagen gewählt. Seit Verabschiedung des Stasi-Gesetzes des Deutschen Bundestages Ende 1991 in seinem gegenwärtigen Amt.

    Ehrhart Neubert ist Fachbereichsleiter in der Abteilung Bildung und Forschung des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Nach Jahren als Pfarrer der Evangelischen Kirche und Mitarbeit in thüringischen Friedensgruppen Kontakte zu sozialethischen Gruppen in der gesamten DDR. Mitarbeit am Zentralen Runden Tisch und in verschiedenen Untersuchungskommissionen. Zahlreiche Publikationen. Zuletzt erschienen: Vergebung oder Weißwäscherei?, Freiburg 1993; Untersuchung zu den Vorwürfen gegen den Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Dr. Manfred Stolpe, Berlin 1992; Geschichte der DDR-Opposition, Berlin 1997.

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    Das Buch ist krass, daß muß ich jetzt mal so sagen. Und ich denke grade, weil ich ein Ostdeutscher bin, der seine Kindheit und Jugend in DDR verlebt hat, hat es mich umso mehr schockiert.

    Wenn ich mal zurückdenke, wie man uns den lieben Genossen Wladimir Illitsch Uljanov aka LENIN dargestellt hat - der große Oktober-Revoluzzer, der nur nur das Beste für Rußland wollte - und dann lese ich, daß dieser Mensch ohne jede humane Regung täglich Anweisungen an seine Handlanger rausgegeben hat, die jedesmal mehrere 1.000 Menschen das Leben gekostet haben, daß unter LENIN die Konzentrationslager etabliert wurden, daß durch seine Befehle Massenhinrichtungen von 500 Menschen aufwärts an der Tagesordnung waren!!! Daß Stalin mit einer absichtlich ausgelösten, kontrollierten und nicht gelinderten Hungersnot über 5 Mio. Menschen umgebracht hat!!! Es war für mich ultra heftig, dieses Buch zu lesen und es hat mich ungemein aufgewühlt!!!

    Natürlich gibt es auch jede Menge negative Stimmen zu dem Buch, es hat schließlich nicht wenige Kontroversen und unzählige Diskussionen ausgelöst!!! Ich würde es auf jeden Fall empfehlen, mal reinzuschauen. Ist ein fetter Wälzer, aber es lohnt sich.

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    "HANDCRAFTED BY THE SIXTEEN MEN OF TAIN!"
    Mitglied des 1. Offiziellen DTM-Clubs der Scotch Single Malt Whisky Liebhaber

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    Das schwächere Geschlecht ist das stärkere wegen der Schwäche des stärkeren für das schwächere.


    #2
    ich glaube ich werde es auch lesen, aber es ist nicht der kommunismus der die menschen getötet hat, sondern derjenige der ihn ausgeführt hat.

    Kommentar


      #3
      Original geschrieben von niko
      ich glaube ich werde es auch lesen, aber es ist nicht der kommunismus der die menschen getötet hat, sondern derjenige der ihn ausgeführt hat.
      Du hast recht, es waren die "Macher" des Kommunismus, und darüber berichtet das Buch.


      Hier mal eine


      Leseprobe:

      Stéphane Courtois, Nicolas Werth, Jean-Louis Panné, Andrezey Paczkowski, Karel Bartosek, Jean-Louis Margolin:

      Das Schwarzbuch des Kommunismus.

      Einleitungskapitel von Stéphane Courtois

      "Die Geschichte ist die Wissenschaft vom Unglück des Menschen." Diesen Satz Raymond Queneaus scheint unser von Gewalttätigkeit bestimmtes Jahrhundert eindrucksvoll zu bestätigen. Gewiß, auch in früheren Jahrhunderten gab es kaum ein Volk, kaum einen Staat, in dem es nicht zu Gewaltausbrüchen gegen bestimmte Gruppen gekommen wäre. Alle großen europäischen Mächte waren in den Sklavenhandel verwickelt. Frankreich hat einen Kolonialismus praktiziert, der zwar auch Positives leistete, aber bis zu seinem Ende von vielen widerwärtigen Episoden gekennzeichnet war. Die Vereinigten Staaten durchdringt nach wie vor eine Kultur der Gewaltausübung, die in zwei großen Verbrechen wurzelt: der Versklavung der Schwarzen und der Ausrottung der Indianer.

      Aber man kann es nicht anders sagen: Was Gewalttätigkeit angeht, scheint dieses Jahrhundert seine Vorgänger übertroffen zu haben. Blickt man darauf zurück, drängt sich ein niederschmetterndes Resümee auf: Dies war das Jahrhundert der großen Menschheitskatastrophen - zwei Weltkriege und der Nationalsozialismus, einmal abgesehen von begrenzteren Tragödien in Armenien, Biafra, Ruanda und anderswo. Das Osmanische Reich hat sich zum Genozid an den Armeniern hinreißen lassen und Deutschland zu dem an Juden, Roma und Sinti. Das Italien Mussolinis massakrierte die Äthiopier. Den Tschechen fällt es schwer zuzugeben, daß ihr Verhalten gegenüber den Sudetendeutschen in den Jahren 1945/46 nicht über jeden Verdacht erhaben war. Und selbst die kleine Schweiz wird heute von ihrer Vergangenheit als Raubgoldverwalter eingeholt, auch wenn sich die Abscheulichkeit dieses Verhaltens nicht mit der des Völkermordes vergleichen läßt.

      In diese Epoche der Tragödien gehört der Kommunismus, ja, er ist eines ihrer stärksten und bedeutendsten Momente. Als wesentliches Phänomen dieses kurzen 20. Jahrhunderts, das 1914 beginnt und 1991 in Moskau endet, steht er im Zentrum des Geschehens. Der Kommunismus bestand vor dem Faschismus und dem Nationalsozialismus, er hat sie überlebt und sich auf den vier großen Kontinenten manifestiert.

      Was genau verstehen wir eigentlich unter "Kommunismus"? Schon an dieser Stelle muß man zwischen Theorie und Praxis unterscheiden. Als politische Philosophie existiert der Kommunismus seit Jahrhunderten, um nicht zu sagen Jahrtausenden. War es nicht Platon, der in seinem "Staat" die Idee eines idealen Gemeinwesens begründete, in dem die Menschen nicht von Geld und Macht korrumpiert werden, in dem Weisheit, Vernunft und Gerechtigkeit herrschen? Und ein so bedeutender Denker und Staatsmann wie Thomas Morus, um 1530 Lordkanzler in England, der die berühmte Schrift "Utopia" verfaßte und auf Befehl Heinrichs VIII. enthauptet wurde - war er nicht ein weiterer Wegbereiter dieser Vorstellung vom idealen Gemeinwesen? Die Utopie scheint absolut legitim als Maßstab der Gesellschaftskritik. Sie gehört zur Diskussion der Ideen, dem Sauerstoff unserer Demokratien. Doch der Kommunismus, von dem hier zu reden ist, befindet sich nicht in der überirdischen Sphäre der Ideen. Es ist ein sehr realer Kommunismus, der in einer bestimmten Zeit in bestimmten Ländern bestand und von gefeierten Führern verkörpert wurde - Lenin, Stalin, Mao, Ho Chi Minh, Castro usw., sowie, der französischen Geschichte näher, Maurice Thorez, Jacques Duclos, Georges Marchais.

      Wie groß auch immer der Einfluß der kommunistischen Lehre vor 1917 auf die Praxis des realen Kommunismus gewesen sein mag - wir kommen darauf zurück -, es war dieser real existierende Kommunismus, der eine systematische Unterdrückung einführte bis hin zum Terror als Regierungsform. Ist die Ideologie deshalb unschuldig? Nostalgiker oder Spitzfindige werden immer behaupten können, daß der reale nichts mit dem idealen Kommunismus zu tun hatte. Und natürlich wäre es absurd, Theorien, die vor Christi Geburt, in der Renaissance oder selbst noch im 19. Jahrhundert aufgestellt wurden, für Ereignisse verantwortlich zu machen, die im 20. Jahrhundert geschehen sind. Dennoch erkennt man, wie Ignazio Silone schreibt, in Wirklichkeit die Revolutionen wie die Bäume an ihren Früchten. Und nicht von ungefähr beschlossen die als "Bolschewiken" bekannten russischen Sozialdemokraten im November 1917, sich "Kommunisten" zu nennen. Auch war es kein Zufall, daß sie an der Kremlmauer ein Denkmal für die errichteten, die sie für ihre Vorläufer hielten: Morus und Campanella.

      Über einzelne Verbrechen, punktuelle, situationsbedingte Massaker hinaus machten die kommunistischen Diktaturen zur Festigung ihrer Herrschaft das Massenverbrechen regelrecht zum Regierungssystem. Zwar ließ der Terror nach einer bestimmten Zeit - vor einigen Jahren in Osteuropa bis zu mehreren Jahrzehnten in der Sowjetunion oder in China - allmählich nach, und die Regierungen stabilisierten sich in der Verwaltung der alltäglichen Unterdrückung mittels Zensur aller Kommunikation, Grenzkontrollen und Ausweisung von Dissidenten. Doch garantierte die Erinnerung an den Terror weiterhin die Glaubwürdigkeit und damit die Effektivität der Repressionsandrohung. Keine Spielart des Kommunismus, die einmal im Westen populär war, ist dieser Gesetzmäßigkeit entgangen - weder das China des "Großen Vorsitzenden" nach das Korea Kim Il-sungs, nicht einmal das Vietnam des freundlichen "Onkel Ho" oder das Kuba des charismatischen Fidel, dem der unbeirrbare Che Guevara zur Seite stand, nicht zu vergessen das Äthiopien Mengistus, das Angola Netos und das Afghanistan Najibullahs.

      Aber eine legitime und normale Bewertung der Verbrechen des Kommunismus fand nicht statt, weder aus historischer noch aus moralischer Sicht. Wahrscheinlich ist das vorliegende Buch einer der ersten Versuche, sich mit dem Kommunismus unter dem Gesichtspunkt der verbrecherischen Dimension als einer zugleich zentralen und globalen Fragestellung zu beschäftigen. Man wird diesem Ansatz entgegenhalten, daß die meisten Verbrechen einer "Legalität" entsprachen, die wiederum von Institutionen ausgeübt wurde, die zu etablierten, international anerkannten Regierungen gehörten, deren Chefs von unseren eigenen politischen Führern mit großem Pomp empfangen wurden. Doch verhielt es sich mit dem Nationalsozialismus nicht genauso? Die hier dargestellten Verbrechen werden nicht nach der Gesetzgebung kommunistischer Diktaturen definiert, sondern nach den nicht schriftlich niedergelegten, natürlichen Rechten des Menschen.

      Die Geschichte der kommunistischen Regime und Parteien, ihrer Politik, ihrer Beziehungen zur Gesellschaft in den jeweiligen Ländern und zur Völkergemeinschaft erschöpft sich nicht in dieser Dimension des Verbrechens, auch nicht in einer Dimension des Terrors und der Unterdrückung. In der Sowjetunion und den "Volksdemokratien" schwächte sich der Terror nach Stalins, in China nach Maos Tod ab, die Gesellschaft gewann wieder Farbe, die "friedliche Koexistenz" wurde - selbst als "Fortsetzung des Klassenkampfs in anderer Form " - zu einer Konstante der internationalen Beziehungen. Dennoch belegen die Archive und unzählige Zeugenaussagen, daß der Terror von Anfang an ein Grundzug des modernen Kommunismus war. Verabschieden wir uns von der Vorstellung, diese oder jene Geiselerschießung, dieses Massaker an aufständischen Arbeitern oder jene Hungersnot, der man zahllose Bauern zum Opfer fallen ließ, sei lediglich dem zufälligen Zusammentreffen unglückseliger Umstände zuzurechnen, die sich nur in eben diesem Land oder zu jener Zeit ergeben konnten. Unser Ansatz geht über spezifische Themenkomplexe hinaus und untersucht die verbrecherische Dimension als eine, die für das gesamte kommunistische System charakteristisch war, solange es existierte.

      Von welchen Verbrechen sprechen wir also? Der Kommunismus hat unzählige begangen: vor allem Verbrechen wider den Geist, aber auch Verbrechen gegen die universale Kultur und die nationalen Kulturen. Stalin ließ in Moskau Hunderte von Kirchen niederreißen. Ceaucescu zerstörte den historischen Stadtkern Bukarests, um Gebäude megalomanischen Ausmaßes zu errichten. Auf Geheiß Pol Pots wurden die Kathedrale von Phnom Penh Stein für Stein abgetragen und die Tempel von Angkor dem Dschungel überlassen. Während der maoistischen Kulturrevolution zerschlugen oder verbrannten die Roten Garden Kunstwerke von unschätzbarem Wert. Doch wie schwer diese Zerstörungen auf lange Sicht für die einzelnen Nationen und die ganze Menschheit auch wiegen, was sind sie gegen den Massenmord an Männern, Frauen, Kindern?

      Deshalb geht es hier nur um die Verbrechen gegen Personen, den Kern des terroristischen Phänomens. Sie haben eine gemeinsame Nomenklatur, auch wenn, je nach Regime, die eine oder andere Praxis stärker ausgeprägt ist: Hinrichtung mit verschiedenen Mitteln (Erschießen, Erhängen, Ertränken, Prügeln; in bestimmten Fällen Kampfgas, Gift, Verkehrsunfall), Vernichtung durch Hunger (Hungersnöte, die absichtlich hervorgerufen und/oder nicht gelindert wurden), Deportation (wobei der Tod auf Fußmärschen oder im Viehwaggon eintreten konnte oder auch am Wohnort und/oder bei Zwangsarbeit durch Erschöpfung, Krankheit, Hunger, Kälte). Die Zeiten sogenannten Bürgerkriegs sind komplizierter zu beurteilen: Hier ist nicht leicht zu unterscheiden, was zum Kampf zwischen Staatsmacht und Rebellen gehört und was ein Massaker an der Zivilbevölkerung ist.

      Dennoch können wir eine erste Bilanz ziehen, deren Zahlen zwar nur eine Annäherung und noch zu präzisieren sind, die aber, gestützt auf persönliche Schätzungen, die Größenordnung aufzeigen und klarmachen, wie wichtig dieses Thema ist:

      - Sowjetunion: 20 Millionen Tote

      - China: 65 Millionen Tote

      - Vietnam: 1 Million Tote

      - Nordkorea: 2 Millionen Tote

      - Kambodscha: 2 Millionen Tote

      - Osteuropa: 1 Million Tote

      - Lateinamerika: 150 000 Tote

      - Afrika: 1,7 Millionen Tote

      - Afghanistan: 1,5 Millionen Tote

      - Kommunistische Internationale und nicht an der Macht befindliche kommunistische Parteien: etwa 10 000 Tote.

      Alles in allem kommt die Bilanz de Zahl von hundert Millionen Toten nahe.

      Hinter diesem groben Raster verbergen sich große Unterschiede zwischen einzelnen Ländern. Relativ gesehen, gebührt der erste Platz zweifellos Kambodscha, wo es Pol Pot gelang, in dreieinhalb Jahren rund ein Viertel der Bevölkerung auf grausamste Weise umzubringen, mit allgemeinem Hunger und Folter. Beim Maoismus hingegen macht die immense Masse von Toten schaudern. Was das leninistische und stalinistische Rußland betrifft, so gefriert einem das Blut in den Adern, betrachtet man den einerseits experimentellen, andererseits jedoch absolut durchdachten, logischen und politischen Charakter der Maßnahmen.

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        #4
        Re: Das Schwarzbuch des Kommunismus

        Klingt ganz interessant, werd ich auf jeden Fall mal reinschauen.

        Mal sehen, was man dazulernt. Wird denn auch erwähnt, dass es noch nie einen Kommunismus gegeben hat, der die Theorie wirklich in die Praxis umsetzte ?

        Das Kapitel über Kuba und China ist bestimmt verdammt geil - also ok du hast mich überzeug ich werd auf jeden Fall mal reingucken

        Und denk dran : während wir Weihnachten feiern, stehen die mutigen Männer an der Grenze, um uns vor dem Feind zu beschützen. Aber wieso schauen die Soldaten dann ins eigene Land und nicht in das feindliche

        Kommentar


          #5
          Re: Re: Das Schwarzbuch des Kommunismus

          Original geschrieben von Jason2017
          Klingt ganz interessant, werd ich auf jeden Fall mal reinschauen.

          Mal sehen, was man dazulernt. Wird denn auch erwähnt, dass es noch nie einen Kommunismus gegeben hat, der die Theorie wirklich in die Praxis umsetzte ?

          Ob es wörtlich so drinsteht, weiß ich jetzt leider nicht aus dem Hut. Aber so auf die Art kommt es schon rüber.


          Mich haben natürlich fast zwangsläufig die Abschnitte über die UDSSR und die DDR ganz besonders interessiert und berührt.

          Mittlerweile gibt es eine Ergänzung zum Schwarzbuch:

          Der rote Holocaust und die Deutschen. Die Debatte um das 'Schwarzbuch des Kommunismus'.




          Kleiner Tip - schau mal bei Ebay nach dem Schwarzbuch. Wenn Du Glück hast bekommst du dort ein gut bis sehr gut erhaltenes Exemplar zwischen 5 und 10 Euro!

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            #6
            Hui, das klingt echt interessant! Brisantes aber mitreißendes Thema!

            No One Can Escape Me
            On Black Death I Ride
            When Kissed By The Sword Of Vengeance
            Your Head Lays There By Your Side
            I Take The Lives Of All That I Once Knew
            The Torn Flesh Of A Slow Death Wait For You



            I love the smell of
            NAPALM IN THE MORNING

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              #7
              Wohl, wohl! Und da es zum Thema Verbrechen des Nationalsozialismus wahrlich mehr als genug Literatur gibt, ist es mehr als an der Zeit, auch mal die andere Seite der Medaille vorzuzeigen!

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                #8
                Irgendwie war der Kommunismus auch nicht viel mehr als ein roter Faschismus. Das einzige sympathisierende kommunistische Land war eigentlich keins - nämlich Kuba.

                Mal abgesehen von der Unterdrückung politischer Oppositionen in Kuba, wurden nie Wahlen manipuliert, es gab nie Sowjets in Kuba, die Rote Armee bzw. das kubanische Militär (oder die sogenannten "Kommitees zum Schutze der Revolution") waren zwar existent, verloren aber zeitweise immer mehr an Bedeutung und eine kommunistische Partei gab es in Kuba auch nicht. Es wurde zudem auch niemals die "Diktatur des Proletariats" angestrebt. Das wurde in den anderen Ländern ja zumindestens theoretisch angestrebt.

                Kurz und knapp gesagt : Fidel Castro war und ist niemals ein Kommunist gewesen, war aber kommunistischer als seine sowjetischen Genossen (Wollte nur erklären, warum ich kurzweise nen Fidel Castro Avatar hatte)

                Außerdem war Castro auch der einzige Anti-Imperialist, der es geschafft hat, gegen die USA seinen Willen durchzusetzen und sich in seinem Land zu manifestieren. Das muss man erstmal nachmachen - vor allem in einer Zeit wie der jetzigen.

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                  #9
                  dem kann ich nur zustimmen.
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