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Thema: Phantasmagorien aus den unaussprechlichen Abgründen des Wahnsinns

  1. #451
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    Mujer lobo
    (She Wolf / She Wolf - Sie tötet in Exstase)

    Argentinien 2013 - Directed by Tamae Garateguy



    Nacht für Nacht begibt sich die einsame Wölfin auf die Pirsch, um ihren schier unersättlichen Hunger zu stillen. Ihr Jagdrevier ist groß und nennt sich Buenos Aires. Ihr Auftreten ist selbstsicher, ohne arrogant zu wirken. Sie ist sich ihres guten Aussehens ebenso bewußt wie ihrer starken Ausstrahlung, und sie weiß, daß sich der Erfolg über kurz oder lang einstellen wird. Irgendjemand beißt immer an, wenn das Lockmittel Sex heißt. Danach ist die Femme Fatale für kurze Zeit befriedigt und gesättigt, während das Leben ihrer Opfer in der Regel ein vorzeitiges Ende gefunden hat. Ein mürrischer Polizist kommt ihrem mörderischen Treiben auf die Spur. Wie ein Spürhund heftet er sich an ihre Ferse, läßt nicht mehr vor ihr ab, gedenkt, sie zur Strecke zu bringen, koste es was es wolle. Immer wieder entkommt sie seinem Zugriff, doch es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sich die Schlinge endgültig zuziehen wird.

    Einer der besten, interessantesten, originellsten und irgendwie auch schönsten Exploitationfilme der letzten Jahre kommt aus Argentinien! Tamae Garateguys Mujer lobo ist so etwas wie die Punkrock-Version von Ana Lily Amirpours A Girl Walks Home Alone at Night (2014). Während diese grandiose Vampirballade ihre Geschichte ruhig, zärtlich und melancholisch erzählt, umweht von einem wunderbar traumhaften Flair und einem sanften Hauch von Poesie, ist Mujer lobo wild, ungestüm, exzessiv und leidenschaftlich, ein abgründiger, hemmungsloser Fiebertraum mit einer Prise David Lynch und einer gesunden Dosis Jesús Franco. Beide Filme begeistern zudem mit einer ungemein stilvollen Schwarzweiß-Optik; lediglich einmal schleicht sich bei Mujer lobo etwas Farbe ins Geschehen, in einer kurzen aber imposanten, wuchtigen, kraftvoll gestalteten Schlüsselsequenz gegen Ende, wenn die Wölfin am Scheideweg steht.

    Um die titelgebende Figur interessanter zu gestalten, bedient sich Regisseurin Garateguy eines kleinen Kunstgriffes. Die Wölfin besteht nämlich aus drei unterschiedlichen Persönlichkeiten, welche auch von verschiedenen Frauen (Mónica Lairana, Guadalupe Docampo und Luján Ariza) gespielt werden. Mal hat die eine das Kommando, mal die andere, und der Übergang ist oft so fließend, daß mitunter sogar innerhalb einer Szene ein Wechsel stattfinden kann. Manchmal ist die Wölfin die eiskalte, erbarmungslose, blutrünstige Killerin, dann wieder die blonde, wollüstige Verführerin. Die dritte Persönlichkeit ist die Schwachstelle im fragilen Gefüge, ist sie doch die einzige, die Gefühle empfindet. Und die sich auch prompt verliebt. Kamera und Musik passen sich der jeweiligen Persönlichkeit an, die gerade aktiv ist. Bei der Blonden ist sie z. B. ruhig und sinnlich, bei der Killerin jedoch rasend und voller wilder Energie.

    Eine linear erzählte Geschichte sucht man in Mujer lobo vergebens. Was man stattdessen geboten bekommt ist eher ein dynamisches Sich-treiben-lassen durch das nächtliche Buenos Aires, eingefangen in einer eindrucksvollen Schwarzweiß-Ästhetik, welche dem Geschehen eine ganz eigene, irgendwie hypnotische Note verpaßt. Man fühlt sich wie in einem angenehmen Rausch, dem man nicht widerstehen und in dem man sich verlieren kann. Großartig. Das einzige, das ich dem Film vorwerfen kann, ist die fehlende emotionale Ebene sowie die mangelnde Charaktertiefe einiger Figuren, womit sich dieses Exploitation-Kunstwerk zumindest ein wenig den "Style over Substance"-Vorwurf gefallen lassen muß. Keine Frage, Mujer lobo zeigt dem konventionellen Genre-Mainstream gepflegt den Mittelfinger und wird bestimmt viele Fans ratlos zurücklassen. Aber so ist das nun mal mit Visionen, die eigenwillig, radikal und ohne Kompromisse umgesetzt werden.

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  2. #452
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    Bleeders
    (Hemoglobin / Hämoglobin / The Descendant)

    Kanada/USA 1997 - Directed by Peter Svatek



    Howard Phillips Lovecrafts Horror-Story The Lurking Fear (Die lauernde Furcht), geschrieben im November 1922 und erstveröffentlicht als vierteilige Fortsetzungsgeschichte von Januar bis April 1923 im Home Brew-Magazin, wurde bislang drei Mal verfilmt. Im Jahre 1989 entstand unter der Regie von David McCormick Dark Heritage, eine inoffizielle Umsetzung der Vorlage, die ich nicht kenne. Fünf Jahre später drehte C. Courtney Joyner für Full Moon Entertainment Lurking Fear (Shocking Fear, 1994), ein eher durchschnittliches, wenig bemerkenswertes Filmchen, das zumindest aufgrund der Besetzung einen Blick wert ist. Wesentlich gelungener ist da schon Bleeders (aka Hemoglobin), eine etwa acht Millionen CAD teure kanadisch-amerikanische Co-Produktion, die im Juli und August 1996 auf Grand Manan Island in New Brunswick, Kanada, gedreht wurde. Wie Dark Heritage ist auch Bleeders keine offizielle Adaption der Lovecraft-Story. Als Grundlage diente ein altes Skript von Dan O'Bannon (The Resurrected), welches er wohl zusammen mit Ronald Shusett (Dead & Buried) verfaßt hatte und das von Charles Adair und Gerald Seth Sindell be- bzw. überarbeitet wurde. Für die Regie verpflichtete man Peter Svatek, auf dessen Konto bereits die Filme Witchboard III: The Possession (1995) und Sci-fighters (1996) gingen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und ist meiner Ansicht nach einer der unterbewertetsten Genrefilme der 1990er-Jahre.

    Um ungestört seinen verbotenen, widernatürlichen und ungesunden Gelüsten nachgehen zu können, verlegte der reiche Van Daam-Clan einst seinen Wohnsitz von Holland nach New England, auf eine kleine, ruhige, abgeschiedene Insel. Mehr als dreihundert Jahre sind seitdem vergangen, und die Familie ist nach einem verheerenden Feuer, das vor einigen Jahrzehnten ihr Schloß verschlungen hat, wie vom Erdboden verschluckt. Auf der Suche nach seinen Vorfahren verschlägt es den todkranken John Strauss (Roy Dupuis, Screamers) auf ebendiese Insel. Es ist der letzte Strohhalm, nach dem er und seine Frau Kathleen (Kristin Lehman, The Loft) greifen, denn die mysteriöse, vererbte Blutkrankheit, an der er leidet, scheint unheilbar zu sein und schwächt ihn von Tag zu Tag mehr. Tatsächlich stellt sich heraus, daß John ein Nachfahre der Van Daams ist, und daß sein fragiler Gesundheitszustand die Folge jahrhundertelanger Inzucht ist. Noch während das Ehepaar auf der Insel verweilt kommt es zu alarmierenden Vorkommnissen. In den exhumierten Särgen - der Friedhof soll aufs Festland verlegt werden - fehlen die Leichen, Menschen verschwinden spurlos, und ein grotesk deformiertes Wesen wird von einer Schiffsschraube zerfetzt. Als ein Mädchen beim Versteckspielen in die Erde gezerrt wird und der Inselarzt Dr. Marlowe (Rutger Hauer, The Hitcher) bei der Suche nach dem Kind auf ein verzweigtes Tunnelsystem stößt, spitzen sich die Ereignisse rasant zu.

    Bleeders nimmt sich sehr viel Zeit, um die Figuren einzuführen. Das Geschehen entfaltet sich langsam und bedächtig, sodaß die erste halbe Stunde lang Geduld gefragt ist. In klassischer Monsterfilmtradition füttert man das Publikum häppchenweise mit Andeutungen, ohne konkret etwas zu zeigen. Eine POV-Aufnahme durch die vergitterte Luftschachtabdeckung hier, ein vorbeihuschender Schatten da, eine unförmige Hand dort. Erst als sich die unter Tage lebenden, lichtscheuen Kreaturen an den Inselbewohnern vergreifen, da man ihnen mit der Verlegung des Friedhofs den Nahrungsnachschub abgeschnitten hat, verdichtet sich das Mystery-Motiv zu einem grausigen Horror-Szenario, welches schließlich in einen blutigen Überlebenskampf im und um den sturmumtosten Leuchtturm gipfelt. Die schauspielerischen Darbietungen sind großteils in Ordnung. Rutger Hauer als trinkfreudiger Arzt agiert gewohnt souverän, Kristin Lehman kauft man ihre Liebe zu ihrem Mann ebenso ab wie ihre Verzweiflung hinsichtlich seiner Krankheit und ihre nackte Panik, als sie letztendlich mit dem monströsen Grauen konfrontiert wird, lediglich Roy Dupuis bleibt im wahrsten Sinne des Wortes blaß. Darüber hinaus ist er nicht sonderlich sympathisch gezeichnet, weshalb einen sein Schicksal auch mehr oder minder kalt läßt. Nein, in dieser Hinsicht macht Bleeders leider keinen Stich, aber das ist verschmerzbar, weil der Streifen genug Trümpfe in der Hinterhand hat, die er nach und nach geschickt ausspielt.

    Den ersten Trumpf knallt er recht zeitig auf den Tisch, indem er eine der sympathischsten Figuren über die Klinge springen läßt. Ein erster kleiner Schock, mit dem nicht zu rechnen war. Daß in weiterer Folge auch kleine Kinder gefressen werden, ist da nur konsequent. Selbst wenn das Blut nicht in Strömen fließt... harmlos ist Bleeders keineswegs, das garantieren schon die angerissenen Themen wie Inzest zwischen Zwillingen, genetische Mutationen, groteske Deformationen, Kannibalismus und Hermaphroditismus. Dazu passend ist die Stimmung trist und humorlos; der Film ist von der ersten bis zur letzten Minute völlig ernst angelegt. Erstklassige Arbeit haben einmal mehr die Maskenbildner geleistet, welche die degenerierten Kreaturen liebevoll designt und gestaltet haben. Wie sie da durch die dunklen Gänge huschen, torkeln oder sich auf andere Art und Weise fortbewegen (bei einigen endet der Körper im Beckenbereich), das ist einerseits bedrohlich und verstörend, andererseits jedoch auch irgendwie erbärmlich und mitleiderregend. Die dramaturgisch routiniert aufgebaute Horrormär erreicht ihren Höhepunkt im tollen, packenden Finale (untermalt von einem starken Score, der dem Geschehen zusätzliche Kraft und Intensität verleiht), welches nur ein Manko aufweist: Es ist leider ziemlich kurz geraten. Am bittersüßen Ende gibt es allerdings wenig auszusetzen. Erwähnenswert sind noch die schönen, wildromantischen Landschaften sowie eine heiße Sexszene, die einen etwas selbstzweckhaften Eindruck hinterläßt.

    Insofern ist, um auf den Begriff "unterbewertet" zurückzukommen, eine Wertung von schlappen 3,80 Punkten bei der Internet Movie Database einfach nur absurd, ein schlechter Witz. Das mag verstehen, wer will; ich tu's nicht. Selbst die unterdurchschnittliche OFDb-Wertung von 4,90 ist kaum verständlich, insbesondere wenn man berücksichtigt, daß Lurking Fear auf 5,32 Punkte kommt (alle Wertungen abgerufen am 28.04.2018). Und mit Lurking Fear wischt Bleeders, man möge mir meine saloppe Formulierung verzeihen, den Boden auf. Nein, ein vergessenes Meisterwerk ist der Streifen ebenso wenig wie ein übersehener Genreklassiker oder ein durch den Rost gefallenes Kleinod, dazu ist Svateks Regie zu durchschnittlich, die Figurencharakterisierung zu oberflächlich und der generelle Look zu bieder. Doch sowohl als (unautorisierte) Lovecraft-Verfilmung als auch als grimmig-düsteres Monster-Movie weiß Bleeders sehr wohl zu überzeugen. Eine Acht oder gar eine Neun (von möglichen Zehn) auf der üblichen Bewertungsskala ist für Bleeders definitiv außer Reichweite, aber eine (sehr) gute Sieben erachte ich als durchaus angemessen.

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  3. #453
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    The Neon Dead
    (Invasion of the Undead)

    USA 2015 - Written & Directed by Torey Haas



    Wer sich heutzutage dazu entscheidet, einen Zombiefilm zu drehen, sollte tunlichst seine kleinen grauen Zellen bemühen und ein originelles Konzept entwerfen, bevor er die Digitalkamera anwirft und sein großes Epos in Angriff nimmt. Ansonsten ist es gut möglich, daß der Film im Meer der Konkurrenz abgesoffen ist, lange bevor irgendjemand Notiz von ihm hätte nehmen können. Regisseur/Autor Torey Haas hat exakt das gemacht, weshalb sich sein Werk The Neon Dead (formerly known as Invasion of the Undead) auch problemlos über Wasser hält. Wer an preisgünstig produzierten, sympathischen und ambitionierten Horrorkomödien Gefallen findet, der ist bei The Neon Dead goldrichtig, obwohl die Geschichte selbst nicht der große Wurf ist. In der alten Villa von Allison Hillstead (Marie Barker) gehen plötzlich ausgesprochen häßliche Untote um. Die hübsche Blondine befolgt den Rat einer neunmalklugen Pfadfinderin (Josie Levy) und zieht zwei "Experten" zu Rate, den in einer Videothek jobbenden Desmond (Greg Garrison) sowie dessen Nerd-Kumpel Jake (D. Dylan Schettina). Gemeinsam stellen sie sich der Zombie-Plage entgegen, müssen jedoch schon bald feststellen, daß sie damit womöglich mehr abgebissen haben, als sie schlucken können.

    Womit hebt sich The Neon Dead also von seinen Mitbewerbern ab? Nun, erst einmal sind die Zombies keine richtigen Zombies, sondern bloß untote Diener des Dämons Z'Athax. Aus diesem Grund empfiehlt es sich auch, ihnen mit Salz zu Leibe zu rücken, und nicht mit gehirnzerstörenden Kugeln. Zweitens begeistert der Streifen mit seiner originellen Ästhetik. Haas setzt nicht nur auf eine grelle, gewollt künstlich wirkende Szenenausleuchtung in den Farben Rot, Grün und Blau, sondern läßt Teile seiner Kreaturen gleich selbst neonfarben leuchten. So gischt das unheilige Licht entweder aus den Augen oder aus den Mündern der zombieähnlichen Diener, was sie gleichermaßen unheimlich und komisch wirken läßt. Und drittens setzt Haas verstärkt auf ein cooles Comic- bzw. Videospiel-Flair, indem er seinen Helden viele Steine in den Weg legt und sie am Ende gegen den schier übermächtigen "Hauptgegner" (= Z'Athax) antreten läßt. Bei den Masken der Untoten hat man sich offensichtlich Mühe gegeben, sodaß jeder seinen eigenen Look hat und sie sich gut voneinander unterscheiden. Die erste Konfrontation von Allison mit einer grüngesichtigen Untoten im Badezimmer ist sehr gelungen und gibt hinsichtlich Ton und Stimmung auch gleich die Richtung vor.

    Siebzehntausend Dollar hat der in Georgia gedrehte Film gekostet, und jeder Cent davon ist auf dem Bildschirm zu sehen, eingefangen von Nick Lauingers erstklassiger Bildgestaltung, der sich hiermit für Größeres empfiehlt. Die für solcherart Low Budget-Projekt spektakulären Spezialeffekte sind ein bunter Mix aus praktischen, visuellen und Computer-Effekten, und bei den Auftritten des drolligen Dämons kommt sogar Stop-Motion zum Einsatz. Der Humor respektive die lustig gemeinten Sprüche zünden zwar nicht immer, jedoch findet Haas eine gute Balance zwischen campy Fun, lockerer Fantasy und gruseligem Horror. Die Hauptdarsteller liefern ordentliche Leistungen ab und kommen recht sympathisch rüber, wobei die Damsel in Distress über sich hinauswächst und den "Profis" in nichts nachsteht. Probleme gibt es mit der holprigen Dramaturgie und dem etwas unrunden Fluß des Streifens (die in Sepia getauchten Flashbacks in längst vergangene Zeiten sind zwar nett, drücken aber leider das Tempo), aber dieses Manko ist angesichts der spürbaren Begeisterung der Macher leicht zu verschmerzen. The Neon Dead ist ein launiger, cartoonesker, visuell bestechender Horrorspaß mit Herz, Charme und memorablen Kreaturen, der achtzig Minuten anspruchslose Kurzweil bietet. Groovy.

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  4. #454
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    Le malizie di Venere
    (Venus im Pelz / Das Mädchen Wanda / Venus in Furs / Devil in the Flesh / Fire in the Flesh / School Girl Temptations / Venere nuda / Venere in pelliccia)

    Deutschland/Italien/Schweiz 1969 - Directed by Massimo Dallamano



    Severin, Severin, speak so slightly
    Severin, down on your bended knee
    Taste the whip, in love not given lightly
    Taste the whip, now plead for me

    I am tired, I am weary
    I could sleep for a thousand years
    A thousand dreams that would awake me
    Different colors made of tears


    Venus in Furs, from the album The Velvet Underground & Nico (1967)
    The Velvet Underground
    Songtext (Auszug) - Written by Lou Reed

    Severin (Régis Vallée) hat Gelüste. Spezielle Gelüste. Geweckt wurden diese Gelüste bereits in seiner Kindheit, genau genommen an jenem Tag, an dem er das Dienstmädchen der Familie heimlich beim Sex mit dem Chauffeur beobachtete. Unglücklicherweise war der Junge nicht vorsichtig genug und wurde prompt beim fröhlichen Spannen erwischt, woraufhin ihm von der empörten Bediensteten ordentlich eine gescheuert wurde. Das hübsche Mädel bereute jedoch sofort ihre heißblütige Überreaktion und drückte den armen Kleinen fest an ihren wohlgeformten, nackten Busen, um ihn zu trösten. Die Saat war gesät, der Boden war fruchtbar, das Pflänzchen gedieh prächtig. Als Severin, nun so um die dreißig Jahre alt, der hübschen Wanda von Dunajew (Laura Antonelli, Malizia) begegnet, ist es um ihn geschehen. Er kann die Augen nicht von dieser Frau lassen, verfolgt sie mit seinen Blicken, spioniert ihr nach und sieht ihr schließlich sogar durch ein Guckloch beim Sex zu. Wanda bleibt der sie stalkende Voyeur nicht verborgen, und im Gegensatz zu den meisten Frauen genießt sie seine ungewöhnlichen Aktivitäten. Eine seltsame Liebesgeschichte nimmt ihren Lauf, die sogar in eine mehr oder weniger spontane Heirat gipfelt. Doch bald zeigen sich Risse in der ungesunden Beziehung, welche sich rasch vertiefen und bizarre Gewalt(phantasien) nach sich zieht (ziehen).

    Basierend auf der Novelle des österreichischen Schriftstellers Leopold von Sacher-Masoch aus dem Jahre 1870 inszenierte Massimo Dallamano (Cosa avete fatto a Solange? aka Das Geheimnis der grünen Stecknadel) Ende der 1960er-Jahre ein prickelnd-kontroverses, lustvoll-perverses Erotikdrama, das gleichermaßen erregt wie verstört. Das Verhältnis des getriebenen Protagonisten zur Sexualität ist zutiefst gestört. Lust und Schmerz, Hingabe und Demütigung, Zuschauen und Bestrafung, das alles gehört für ihn zusammen, ist untrennbar miteinander verwoben. Wobei die Rollenverteilung von Anfang an feststeht. Severin ist nicht der dominante Part der Beziehung, sondern der unterwürfige. "I want you to make me suffer!", fordert er von seiner Geliebten. "You are my mistress, I am your slave." Und weiter: "I want no limits... to your cruelty." Wanda kommt seinen Wünschen anfangs gerne nach. Bis sie einerseits des Spiels überdrüssig wird und sich andererseits herausstellt, daß es sehr wohl Grenzen für Severin gibt, und daß ein Überschreiten dieser Grenzen ihn um den Verstand zu bringen droht. Für das katholische Italien Ende der Sechziger/Anfang der Siebziger war diese freizügige SM-Phantasie viel zu starker Tobak; dem Film wurde erst die Freigabe verweigert, dann wurde er heftig zensiert und überarbeitet. Erst 1975, sechs Jahre nach seiner Entstehung, erblickte er in stark veränderter Form das Licht der italienischen Leinwände.

    "For a second I thought you wanted to kill me. It was beautiful. Absolutely beautiful."

    Selbst wenn man mit der SM-Thematik nichts anzufangen weiß, ist Le malizie di Venere ein faszinierendes, bisweilen sogar aufwühlendes Erlebnis. Die der Geschichte innewohnende Dynamik, die Wechselbäder der Gefühle des masochistisch veranlagten Antihelden, die einfallsreich in Szene gesetzten Liebesspiele, das Verwischen von Realität und Phantasie, die plötzlichen, eruptiven Gewaltausbrüche... Sergio D'Offizis dahingleitende Kamera fängt das alles brillant ein, mal zärtlich voyeuristisch, mal wuchtig brutal wie in der Sequenz, in der Wanda ohne Vorwarnung zur peitschenschwingenden Furie mutiert. Visuell ist der Film ein Genuß. Schöne Schauplätze, schöne Frauen, schöne Sets, schöne Gewänder (auch eines von der pelzigen Art), begleitet von Gianfranco Reverberis eingängigen, leicht psychedelischen Score, der trotz seiner nahezu omnipräsenten Aufdringlichkeit nicht wirklich stört. Das tröstet auch darüber hinweg, daß das Geschehen etwas distanziert abläuft, daß man nichts für die Figuren empfindet und daß es dem sich abspulenden Drama an Spannung und Dramatik mangelt. Böse Zungen behaupten sogar, der Streifen wäre langweilig. Eine Einschätzung, die ich nun wirklich nicht teilen kann, nimmt sich Le malizie di Venere seines quälerischen Themas doch so leidenschaftlich, verführerisch und lustvoll an, daß man auf eine verquere Weise angenehm-sinnlich unterhalten wird.

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    The Abomination
    USA 1986 - Written & Directed by Bret McCormick



    Millionen Menschen aus allen Herren Ländern haben sich bereits diese heikle Frage gestellt. Was passiert eigentlich, wenn man ein schleimiges Krebsgeschwür herauswürgt, welches ein bizarres Eigenleben sowie einen kaum zu stillenden Appetit auf Menschenfleisch entwickelt, das dabei rasant wächst und welches es sich schließlich in einem Küchenschrank gemütlich macht? Die Antwort auf diese nur allzu verständliche Frage lieferte Bret McCormick bereits im Jahre 1986 mit seinem penibel recherchierten und erfreulich zurückhaltend umgesetzten Dokumentarfilmdrama The Abomination. Okay, Spaß beiseite. The Abomination ist natürlich geschmackloser SOV-Monster-Splatter aus Texas, angesiedelt knapp über Amateurniveau, schlecht gespielt, schlecht inszeniert, schlecht gefilmt, schlecht nachsynchronisiert und schlecht geschnitten, aber der Gore-Score stimmt, und die blutigen Spezialeffekte machen durchaus Laune, vorausgesetzt man ist ein Fan der alten FX-Schule und hat ein Faible für hanebüchenen Billig-Trash.

    The Abomination erzählt die tragische Geschichte von Cody Lee (Scott Davis), der zusammen mit seiner krebskranken Mutter Sarah (Jude Johnson) in einem alten Häuschen auf dem Lande wohnt. Glücklicherweise wird seine fanatisch-religiöse Frau Mama vom dubiosen Fernsehprediger Brother Fogg (Rex Morton) durch Handauflegen auf das TV-Gerät geheilt, woraufhin sie das Krebsgeschwür auf den Boden kotzt. Unglücklicherweise weigert sich der eklige Klumpen zu sterben und schlüpft des Nachts durch den Mund in den schlafenden Cody. Glücklicherweise überlebt Cody diese Körperinvasion der heimtückischen Art. Unglücklicherweise vermehrt sich der Tumor in ihm jedoch, was dazu führt, daß Cody nach und nach mehrere klumpige Monster in die Welt setzt, deren hungrige Mäuler allesamt gestopft werden wollen. Cody steht bald völlig unter dem Einfluß der abscheulichen Kreaturen, und so begibt er sich auf die Suche nach Opfern, die er an die (noch) kleinen Racker, die sich überall in der Küche eingenistet haben, verfüttert. Mahlzeit.

    Phasenweise erinnert The Abomination stark an Filme, die weit, weit besser sind. David Cronenbergs Shivers (Parasiten-Mörder) etwa. Oder Douglas McKeowns The Deadly Spawn (Kosmokiller - Sie fressen alles). Oder natürlich Roger Cormans The Little Shop of Horrors (Kleiner Laden voller Schrecken). So wie die liebenswerte Audrey sind auch die gefräßigen Scheusale in diesem Film scheinbar nimmersatt und vertilgen so ziemlich alles, was man ihnen in die aufgerissenen Mäuler stopft. Die zusammengestoppelten Monster der Marke Augsburger Puppenkiste für Arme und Perverse verbreiten ein angenehm bizarres Homemade-Flair, das einem sehr dabei hilft, die manchmal langen neunzig Minuten zu überstehen. Wenn Cody z. B. einen der Klumpen in einer Kloschüssel platziert, damit er dem nächsten Benützer eine unschöne Überraschung beschert, dann kann man sich als fortgeschrittener Trashologe ein schadenfrohes Grinsen kaum verkneifen, zumal es der Typ, der beim Kacken ins Gras beißt, nicht besser verdient hat.

    Abgesehen von den lustigen Monsterszenen, die gar nicht so zahlreich sind wie sie zu sein scheinen (McCormick nutzt manche Einstellungen gleich mehrfach), gibt es dank Cody auch durchtrennte Kehlen und einen zersägten Schädel zu bestaunen, aus dem das bißchen Gehirn fröhlich herausflutscht. McCormick hatte wohl die örtliche Fleischerei leergeplündert, da er auch mit Eingeweiden nicht gerade sparsam umgeht. Außerdem hatte er anscheinend eine solche Freude mit den diversen Gore-Einlagen, daß er dem Film eine etwa dreieinhalbminütige Best-of-Splatter-Sequenz voranstellt, die er dem Publikum als Alptraum verkauft. Immerhin sorgt er so gleich mal dafür, daß es in Hinsicht auf The Abomination zu keinen Mißverständnissen kommen kann. Was hier zählt ist das enthusiastische Blutgemansche mit Monsterbeilage, der Rest ist bloß nötiges Beiwerk, über das man besser den Mantel des Schweigens hüllt. Obwohl die biblischen bzw. religiösen Untertöne für eine gewisse Originalität sorgen und der Dialog gegen Ende das ganze Geschehen zuvor in Frage stellt.

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  6. #456
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    Adventures Into the Woods: A Sexy Musical
    (Emmanuelle in Wonderland / Emmanuelle Through Time: Emmanuelle's Sex Tales)

    USA/Brasilien/Thailand/Ägypten 2012 - Written & Directed by Rolfe Kanefsky



    Ich muß zugeben, daß ich den amerikanischen B-Filmemacher Rolfe Kanefsky in den letzten Jahren aus den Augen verloren habe. Das war wohl ein Fehler. Erstmals aufgefallen ist mir der am 5. März 1969 geborene New Yorker mit seinem 1991 veröffentlichten Debütwerk There's Nothing Out There (Don't Scream... Die - Spur in den Tod aka The Bloody Cottage in the Forest), einem semi-professionellen Monster-Flick, das sich Bad-Movie-Freaks nicht entgehen lassen sollten. Seine beste Schaffensphase hatte er dann Mitte der 2000er-Jahre, als er mit The Hazing (Dead Scared, 2004), Corpses (2004) und Nightmare Man (2006) drei flotte, coole und sehr unterhaltsame Horrorstreifen drehte, die zwar keine Preise für Originalität oder Qualität gewinnen, die aber sympathisch und respektierlich genug sind, um nicht gänzlich in Vergessenheit zu geraten. Und das ist auch der Grund, wieso es mich eines Tages wieder in den Fingern juckte zu gucken, was denn Kanefsky in letzter Zeit so getrieben hat. Ein paar Klicks später und ich starrte verblüfft auf das DVD-Cover von Adventures Into the Woods: A Sexy Musical. Einen kurzen Blick auf die Inhaltsangabe und ein paar weitere Klicks später, und schon begab sich die US-DVD auf ihre mehrwöchige Reise. Bestimmungsort: Mein Briefkasten.

    Erzählt wird die abenteuerliche Geschichte der jungen, hübschen Emmanuelle (Brittany Joy aka Allie Haze), die während eines wissenschaftlichen Experiments in ein Wurmloch gesaugt und anschließend in eine andere Dimension geschleudert wird. Wie es der Zufall so will, tummeln sich in diesem Wunderland allerlei bekannte Figuren, die jedoch nicht ganz so agieren, wie man es sich von ihnen erwartet. Der große böse Wolfie (Jason Sarcinelli) frißt Emmanuelle zum Beispiel nicht, er vernascht sie auf eine andere Art und Weise. Die nackten Gäste der Tee-Party umgarnen verspielt den verrückten Hutmacher (Cameron Bass-Jackson), Humpty Dumpty (Chriss Anglin) ist der Hahn im Korb bzw. das Ei im Gefängnis, die kleine Dorothy (Victoria De Mare) tanzt ausgelassen in einer Kneipe herum, und die böse Königin (Ariauna Albright) müht sich mehr schlecht als recht mit dem magischen Spiegel ab, der an ihrer Art der Fragestellung so manches auszusetzen hat. Und bei einem Film dieser Art darf natürlich einer auch nicht fehlen: Ron Jeremy ist als Zauberer Merlin mit von der fröhlichen Partie. Seine dargebotene Nummer ist ein kleines Highlight, tänzelt er doch erstaunlich leichtfüßig durch die Gegend. Außerdem ist er Emmanuelles letzte Hoffnung, um wieder in ihre Welt zurückkehren zu können.

    Die in Form eines Märchenbuches gestaltete Rollschrift zu Beginn verkündet gleich mal die verschiedenen Quellen (unter anderem Lewis Carroll, die Brüder Grimm, Hans Christian Andersen, Carlo Collodi, Goethe und William King), bei welchen man sich ohne falsche Scham bedient hat. Und in diese wundersame Märchenwelt steckte man mit Emmanuelle eine weltbekannte Figur aus der erotischen Literatur, welche von Marayat Rollet-Andriane unter dem Pseudonym Emmanuelle Arsan in den späten 1950er-Jahren erschaffen wurde und die später auch in zahlreichen Filmen - in den ersten drei offiziellen Adaptionen verkörpert von Sylvia Kristel - ihr lustvolles Wesen trieb. Adventures Into the Woods: A Sexy Musical ist, das kann und will er auch zu keiner Zeit verhehlen, ein äußerst billig produzierter Streifen. Im Prinzip ist er eine moderne Variante von Bill Oscos und Bud Townsends Porno-Klassiker Alice in Wonderland: An X-Rated Musical Fantasy (1976), ohne den Hardcore-Sex, ohne dessen Klasse, dafür schräger und witziger. In Punkto ausgelassener Anything-Goes-Stimmung schenken sich die beiden jedenfalls nichts, und hier wie dort hat es den Anschein, als ob alle Beteiligte mit viel Freude und Engagement bei der Sache waren, wodurch sich der Spaß auch eins zu eins auf das Publikum überträgt.

    Und exakt das ist Adventures Into the Woods: A Sexy Musical: Ein großer, sympathischer Spaß, wo sämtliche negative Aspekte schnurstracks in den Hintergrund rücken. Allie Haze, Jahrgang 1987 und Akteurin in mehr als zweihundert Pornofilmen, mag keine schauspielerische Leuchte sein, aber sie ist ein niedliches Ding, sie agiert natürlich und unbekümmert (und oft nackt), und verwirrt, planlos, verwundert und/oder amüsiert gucken kann sie richtig gut. Die zwölf Songs (allesamt nachsynchronisiert; die Darsteller trällern nicht selbst) sind natürlich Geschmackssache, die dazugehörigen Tanznummern sind abwechslungsreich, schwungvoll und sehr ansprechend choreographiert, die Spezialeffekte sowie die Sets haben Camp-Appeal und sind herrlich cheesy, und Kanefsky schafft es, den ambitionierten Softcore-Spaß, der seinen Ursprung im Emmanuelle Through Time-Projekt hatte, launig und ohne nennenswerte Durchhänger über die Runden zu bringen. Insgesamt ist die Fantasy-Musical-Erotik-Komödie trotz aller Freizügigkeit recht zahm und harmlos geraten (einer Freigabe ab 16 Jahren hierzulande stünde meiner Ansicht nach nichts im Wege), aber dem Vergnügen tut das keinen Abbruch. Wesentlich schärferes und expliziteres Alternativ- bzw. Zusatzmaterial findet man übrigens bei den Extras.

    Zum Ausklang bekommt jeder der Stars noch einmal eine Würdigung in Form einer gesonderten Nennung samt Szenen-Einspieler spendiert, gefolgt von einer Handvoll Outtakes bzw. vermurkster Szenen (inklusive coolem Schlußgag), welche in den Abspann integriert wurden. Ein kleiner sympathischer Schlußpunkt für einen sympathischen kleinen Film. Adventures Into the Woods: A Sexy Musical ist grober Unfug, den man zu keiner Zeit ernst nehmen kann. Der launige Streifen weiß gut zu unterhalten, erfreut mit einer süßen (und oft nackten) Schnecke in der Hauptrolle (und zahlreichen weiteren süßen (und gelegentlich nackten) Schnecken in Nebenrollen), tut niemandem weh und versprüht einen ganz speziellen, fluffigen Charme. Und manchmal ist eben genau das das richtige für einhundert Minuten angenehmen, anspruchslosen, vergnüglichen Zeitvertreib.

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    The Naked Jungle
    (Wenn die Marabunta droht / Der nackte Dschungel / Marabunta)

    USA 1954 - Directed by Byron Haskin



    Christopher Leiningen: "In the jungle, man's just another animal."

    1901, irgendwo in Südamerika. Eine junge, hübsche Frau aus New Orleans namens Joanna (Eleanor Parker) schippert auf einem Dampfer den Rio Negro entlang. Die verwitwete Frau läßt ihr altes Leben hinter sich, um auf einer riesigen Kakaoplantage samt wuchtiger Villa ein Neues zu beginnen. Nicht als billige Arbeitskraft, wohlgemerkt, sondern als Frau des Besitzers Christopher Leiningen (Charlton Heston). Mittels Ferntrauung wurde sie bereits mit ihm verheiratet, obwohl sich die beiden weder gesehen noch je miteinander gesprochen haben. Christopher ist nämlich auf seiner Plantage dermaßen eingespannt, daß er für andere Dinge überhaupt keine Zeit mehr hat. Da jedoch die Einsamkeit an ihm nagt und er auch möglichem Nachwuchs nicht abgeneigt ist, hat sein Bruder diese riskante Form der Ehe arrangiert. Schließlich ist es für beide Seiten wie bei einem Überraschungsei: Man weiß nicht, was drin ist. Und tatsächlich tut sich gleich ein großes, scheinbar unlösbares Problem auf. Christopher, ein Alphamännchen par excellence, stört sich an der (ihm verheimlichten) Tatsache, daß Joanna bereits verheiratet war. "I don't know how to be second", meint er. "I can only be first." Und leitet alles in die Wege, um die "Mail-Order-Bride" zurückzuschicken. Doch ausgerechnet eine Armee kleiner Insekten macht ihm da einen Strich durch die Rechnung. Die Marabunta ist im Anmarsch...

    Es ist eigentlich unverständlich, daß dieser tolle Film - zumindest hierzulande - beinahe der Vergessenheit anheimgefallen ist. Nach der Kinoauswertung verschwand The Naked Jungle mehr oder minder in der Versenkung, trotz zugkräftigen Stars, trotz namhaftem Regisseur. Vor der Kamera agieren immerhin Charlton Heston (The Omega Man, Planet of the Apes, Earthquake), Eleanor Parker (Caged), Abraham Sofaer (Quo Vadis) und William Conrad (Cannon), während Byron Haskin (The War of the Worlds) auf dem Regiestuhl saß. Im Heimkino machte sich der Streifen rar, wenn man der OFDb Glauben schenken darf. Es gab einige Fernsehausstrahlungen sowie eine lieblose Kauf-DVD, aber keine Veröffentlichung auf VHS-Video oder sonstigen Formaten. Kein Wunder, daß der Film meiner Erinnerung fast komplett entschlüpft ist; lediglich eine Szene hatte sich im Gehirn festgebrannt. The Naked Jungle hat nämlich bereits meinen Weg gekreuzt (vermutlich im ORF), als ich noch ein Stöpsel war. Mit der Zeit ist die Erinnerung an den Streifen zwar verblaßt, gänzlich entschwunden ist sie - dank dieser einen Szene - jedoch nicht. Umso schöner war nun das Wiedersehen, geschätzte vierzig Jahre nach meiner ersten Sichtung. Denn obwohl bestimmt etwas Nostalgie mitschwingt, was sich einfach nicht vermeiden läßt... der von George Pal produzierte The Naked Jungle ist ganz großes Kino!

    Joanna Leiningen: "Leave something on me. I'm getting chilly."
    Christopher Leiningen: "You have a sense of humor. I don't like humor in a woman. It's been my..."
    Joanna Leiningen: "I'm just trying to be friendly."
    Christopher Leiningen: "And you interrupt."
    Joanna Leiningen: "You don't like being interrupted?"
    Christopher Leiningen: "No. But never mind. You'll get used to me."
    Joanna Leiningen: "I hope so."


    Ganz stark ist schon mal die Einführung der beiden Hauptfiguren. Joanna lernen wir bei der Bootsfahrt kennen, wo sie versucht, bei ihren Reisegefährten etwas über ihren unbekannten Ehemann in Erfahrung zu bringen. Und man merkt gleich: Diese Frau ist nicht nur schön, sie ist auch stark, selbstbewußt und zutiefst entschlossen, ihren Weg zu gehen. Klar ist sie unsicher und nervös, wer wäre das in so einer Situation nicht? Aber sie hat diese Entscheidung bewußt getroffen und glaubt fest daran, daß sie richtig ist. Dann der Auftritt von Christopher, inklusive erster Konfrontation. Der Plantagenbesitzer ist ein Egoist und ein Perfektionist, hart zu sich selbst, aber auch hart zu allen anderen. Dies hier ist sein Reich, er hat es quasi aus dem Nichts gestampft. Ein kleiner Palast, mit eigenen Händen aufgebaut, worauf er ungemein stolz ist. Sogar die Einrichtungsgegenstände und Bücher hat er selbst ausgesucht, nichts hat er dem Zufall überlassen, alles muß seinen hohen Ansprüchen genügen. Und dann kommt die Frau, seine Gefährtin, die Mutter seiner (möglichen) Kinder, in sein Heim. Auch sie muß - wie alles andere - perfekt sein. Christopher hat keine Erfahrung mit Frauen, überhaupt keine. Und natürlich kann Joanna seiner Wunschvorstellung nicht gerecht werden. Sie scheint tatsächlich perfekt zu sein, bis auf diesen einen Makel: Daß sie schon (zumindest) einmal mit einem Mann zusammen war.

    Nun, eigentlich gibt es noch einen zweiten Makel, der natürlich keiner ist, wie Christopher mit der Zeit feststellen wird. Joanna ist stur, ein Dickkopf, sie läßt sich nichts befehlen, und sie ist nicht auf den Mund gefallen. Die erstklassigen Dialoge, insbesondere der niemals zu enden scheinende Schlagabtausch zwischen den Eheleuten, sind eine der großen Stärken von The Naked Jungle. Aber auch die komplexe Zeichnung der Hauptfiguren trägt dazu bei, daß man als Zuschauer quasi in das Filmgeschehen hineingezogen wird, obwohl Christopher wahrlich kein Sympathieträger ist. Doch das Publikum spürt, wie er tickt. Warum er handelt, wie er handelt. Wie Eleanor Parker liefert auch Charlton Heston eine beeindruckende Vorstellung ab, verleiht seiner Figur Züge und Facetten, wie man sie zu Beginn niemals vermutet hätte. Und das ist wichtig, weil sich dem Zuseher nur so das ganze Ausmaß des entfaltenden Dramas erschließen kann. Der Film nimmt sich Zeit, seine Geschichte zu erzählen, aber diese Zeit ist gut investiert. Deshalb wäre es auch ein großer Fehler, The Naked Jungle bloß auf seinen Tierhorroraspekt zu reduzieren. Zwar hängt die Bedrohung dank einiger geschickter Andeutungen schon von Beginn an wie ein Damoklesschwert über dem Geschehen, konkret wird sie jedoch erst gegen Mitte, und zu sehen bekommt man sie gar erst nach zwei Dritteln des Filmes.

    Joanna Leiningen: "Everything I say seems to make things worse. I'm trying not to irritate you."
    Christopher Leiningen: "I've noticed that. I find it irritating."


    Dann aber spitzt sich die Geschichte des auf einer Short-Story (*) basierenden Filmes rasch zu und gipfelt in einen dramatischen Überlebenskampf, wenn die verbliebenen Menschen der Natur, diesmal in Form von anrückenden und alles auf ihrem Weg verschlingende Wanderameisen, die Stirn bieten. Eine Herkulesaufgabe, schließlich geht man der Marabunta aus dem Weg. Man bekämpft sie nicht! Das Finale bietet exzellent inszenierten Tierhorror, erstaunlich gut getrickst, wobei die eine oder andere Sequenz durchaus Alptraumqualitäten aufweist. Einer der eindrücklichsten und grausigsten Momente entsteht im Kopf des Zuschauers, wenn ein von Ameisen bedeckter Mann, die Hände vors Gesicht geschlagen, in Agonie schreit, die Insekten hätten seine Augen gefressen. Aber schon lange vorher gelingen Ernest Laszlo (Vera Cruz) einige beunruhigende Technicolor-Bilder, wie z. B. die schaurig-schöne Szene bei Morgendämmerung im Dschungel, bei der nicht ein einziges Tiergeräusch zu hören ist! Verdammt creepy. Und das ist das imposante an The Naked Jungle. Er funktioniert - auch ohne den nicht sonderlich subtilen Subtext zu berücksichtigen - auf vielen Ebenen. Als stimmiges, exotisches Dschungelabenteuer. Als mitreißendes, famos gespieltes (Melo-)Drama. Als ungewöhnliche, kernige Love-Story. Und natürlich als bedrohlicher, packender Horrorschocker. Klasse!


    (*) Leiningens Kampf mit den Ameisen (Leiningen Versus the Ants), geschrieben vom österreichisch-deutschen Autoren und Verleger Carl Stephenson und erstveröffentlicht im Jahre 1937; die Erzählung wurde 1948 auch als Hörspiel für das amerikanische Radio CBS adaptiert.

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    Gargoyles
    USA 1972 - Directed by Bill Norton



    Willie (Woody Chambliss, The Devil's Rain), Inhaber von Uncle Willie's Desert Museum, berichtet von einem sensationellen Fund. Und das bizarre Skelett, das er stolz vor dem Anthropologen, Bestseller-Autoren und Dämonologie-Experten Dr. Mercer Boley (Cornel Wilde, Sharks' Treasure) und dessen Tochter Diana (Jennifer Salt, Brian De Palmas Sisters) enthüllt, ist der handfeste Beweis, daß er nicht zu viel versprochen hat. Doch noch während er seine Geschichte über das seltsame Fundstück zum Besten gibt, sind lautes Flügelschlagen und seltsame Geräusche zu hören, und dann beginnt auch schon jemand oder etwas, heftig an den Wänden des Holzschuppens zu rütteln. Ein Dachbalken stürzt auf Willie, eine Petroleumlampe kippt um, und binnen Sekunden steht der Raum in Flammen. Für Willie kommt jede Hilfe zu spät, aber den Skelettschädel können Mercer und Diana aus dem Inferno retten. Bei der Fahrt zurück folgt der nächste Schock: Ein geflügeltes Wesen attackiert den Wagen und demoliert ihn, sodaß die beiden die Nacht im Cactus Motel von Mrs. Parks (Grayson Hall, Dark Shadows) verbringen müssen. Und dort kommt es alsbald zu den nächsten Angriffen der mysteriösen Kreaturen, die sämtliche Beweise, die auf ihre Existenz hindeuten, verschwinden lassen wollen. Als der Anführer der Gargoyles (Bernie Casey, In the Mouth of Madness) Diana entführt und in ihr Versteck, eine Höhle, verschleppt, macht sich Mercer, unterstützt von der örtlichen Polizei sowie ein paar jungen Bikern, auf die Suche nach seiner Tochter.

    Bill Nortons in achtzehn Tagen abgedrehter Gargoyles ist ein ambitionierter und kurzweiliger Monsterstreifen aus den frühen Siebziger-Jahren, produziert für das amerikanische Fernsehen (Erstausstrahlung: 21.11.1972 auf CBS). Der Film gewann 1973 einen Primetime Emmy in der Kategorie "Outstanding Achievement in Makeup", und die Gewinner sind keine Unbekannten. Del Armstrong (Return of the Living Dead: Part II), Ellis Burman Jr. (The Goonies) und Stan Winston (Aliens) schufen die titelgebenden Kreaturen, die nach der altbewährten Mann-im-Gummikostüm-Methode zum Leben erweckt wurden. Aus heutiger Sicht mögen die höllischen Wesen bisweilen zwar trashig und unfreiwillig komisch wirken, aber die Arbeit, die in die Ungeheuer investiert wurde, weiß den geneigten Fan auch fast fünfzig Jahre später noch zu beeindrucken. Die Masken sind liebevoll und einfallsreich gestaltet, und jede Kreatur unterscheidet sich von der anderen, insbesondere im Bereich des Kopfes. Das ist auch wichtig, da sich die Wesen, im Gegensatz zu vielen anderen Monsterfilmen, alles andere als rarmachen. Die Gargoyles haben sehr viel Screentime; so viel sogar, daß man sich mehr für sie als für die Menschen interessiert. Zwar führen sie - langfristig gesehen - Böses im Schilde, gedenken gar, die Ära der Menschheit zu beenden, aber im Augenblick wollen sie einfach nur in Ruhe gelassen werden, sich weiterbilden, dazulernen, sich vermehren und überleben. Ihre Brut wächst in großen Eiern heran, aus denen sie dann schließlich schleimverschmiert ausschlüpft.

    Die Gargoyles stehen im Dienste Satans und werden nicht eher ruhen, bis sie seine Prophezeiung ("My offspring, the gargoyles, will one day rule the Lord's works, earth and man.") erfüllt haben. Bis jetzt konnten sie von den Menschen immer in ihre Schranken gewiesen werden, doch endgültig besiegt sind sie deshalb nicht, werden sie doch alle fünfhundert Jahre erneut wiedergeboren, um ihre Mission auf ein Neues zu beginnen. Wieso diese reptilienartigen Kreaturen - die sich übrigens wie Amando de Ossorios "reitende Leichen" in Zeitlupe bewegen, was ihnen eine befremdliche, leicht außerweltliche Aura verleiht - den menschlichen Protagonisten die Show stehlen, liegt auf der Hand. Die Figuren sind nicht nur schwach charakterisiert, sie sind auch schlecht gespielt und überwiegend (sehr) unsympathisch. Die Hauptfigur etwa, Dr. Boley, gespielt von Cornel Wilde auf Autopilot, ist ein überheblicher, selbstgefälliger Widerling, der seine (auch nicht sonderlich liebenswerte) Tochter vorsätzlich in Gefahr bringt, den armen Willie abfällig behandelt und dessen Tod völlig emotionslos zur Kenntnis nimmt. Am sympathischsten ist da noch der junge Scott Glenn (The Silence of the Lambs) als Biker, der zumindest gegen Ende hin selbstlos agiert und dafür einen hohen Preis bezahlen muß. Ansonsten ist Gargoyles recht flott erzählt, erfreut das Herz mit staubig-kargen New Mexico-Schauplätzen, einer netten Actionsequenz sowie viel Monster-Action, die so manche dramaturgische Schwäche übertünchen. Ein charmant-schlockiges Creature-Feature also, dem man seine TV-Herkunft nicht ansieht.

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  9. #459
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    La bimba di Satana
    (Sexorgien im Satansschloss / Sexorgien im Satansschloß / Dr. Porno und sein Satanszombie / Satan's Baby Doll / A Girl for Satan / Orgasmo di Satana)

    Italien 1982 - Directed by Mario Bianchi



    Mario Bianchi eröffnet seinen schmuddelig-derben Sexploiter La bimba di Satana angenehm stimmungsvoll. Ein altes, wuchtiges Schloß, weit abseits der Zivilisation, Blitze zucken durch die Nacht, untermalt vom Krachen des Donners. Im Schloß ist eine Abschiedszeremonie im Gange. Maria (Marina Hedman), die Schloßherrin, hat unter mysteriösen Umständen das Zeitliche gesegnet (der Arzt tippt auf Herzinfarkt, aber ich würde da nicht drauf wetten). Die Bediensteten und Angehörigen stehen bzw. sitzen um die aufgebahrte Leiche herum. Dr. Juan Suarez (Giancarlo Del Duca), besagter Arzt; Isidro (Joe Davers), der Hausdiener; Antonio Aguilar (Aldo Sambrell), der Witwer; Ignazio (Alfonso Gaita), Antonios gelähmter Bruder; Sol (Mariangela Giordano), Krankenschwester und Nonne; sowie Miria (Jacqueline Dupré), die Tochter der Verblichenen. Just als sich letztere der Leiche nähert, bäumt diese sich urplötzlich auf. Miria schreit, die Kamera fängt ihr Gesicht in einer Nahaufnahme ein, das Bild friert ein, der Vorspann beginnt. Und während alldem dudelt Nico Cataneses rockiger Synthesizer-Score ominös vor sich hin und weckt wohlige Erinnerungen an unvergessene Meister wie Fabio Frizzi (Paura nella città dei morti viventi), Walter Rizzati (Quella villa accanto al cimitero) und natürlich Goblin (Contamination).

    Nach den Credits beruhigt der gute Onkel Doktor die geschockten Gemüter; sowas kann schon mal vorkommen, kein Grund zur Aufregung. Nun, das mag ja sein, aber mit rechten Dingen geht es im Schloß deshalb noch lange nicht zu. Miria hört die Stimme ihrer toten Mutter, und als sie sich die Leiche in der Familiengruft ansieht, öffnet diese unvermittelt die Augen. Isidro ist davon überzeugt, daß Miria Gefahr droht und versucht sie mittels eines bizarren Rituals zu retten, auf dessen Höhepunkt er einem Hahn die Gurgel durchbeißt. Und irgendeine böse Energieform bewegt sich lautlos durchs Schloß, welche selbst tote, vermoderte Körper wiederauferstehen läßt. Sehr langsam, fast schon quälend entschleunigt, dümpelt das mysteriöse Geschehen träge vor sich hin, ohne daß sich ein Plot herauszukristallisieren vermag. Alles bleibt lange nebulös; die Figuren, ihre Beziehungen zueinander, das Grauen. Das ist jedoch zu verschmerzen, ist die "Geschichte" doch eh nur ein Vorwand, um das mitunter absonderliche Sexploitation-Programm abzuziehen. Mit anderen Worten: T & A galore. Blut fließt kaum, der Horroranteil ist gering und weitgehend harmlos, explizite Gewaltdarstellungen glänzen durch Abwesenheit. Trotz der dichten Atmosphäre mag leider auch kein rechtes Grusel-Flair aufkommen.

    Und doch ist es genau diese morbide, ungesunde, sexuell aufgeladene Stimmung, in Kombination mit dem tollen Score, welche den Reiz des Filmes ausmacht. La bimba di Satana ist ein abgründiges Mood-Piece, garniert mit Sex, Lust, Haß und Tod. In seinen besten Momenten erinnert Bianchis Streifen an grausig-surreale Horror-Epen wie Paura nella città dei morti viventi (Ein Zombie hing am Glockenseil) oder ...E tu vivrai nel terrore! L'aldilà (Die Geisterstadt der Zombies), nicht zuletzt, weil Bianchi und seine Kameramänner Lucio Fulcis fulminanten Stil recht geschickt imitieren. Die langsamen Bewegungen der Figuren, die undurchschaubaren Blicke, mit denen sie sich gegenseitig mustern, die charakteristischen Zooms auf die Gesichter, die zahlreichen Nahaufnahmen, das unwirkliche, alptraumhafte Ambiente, und dazu - man kann es nicht oft genug erwähnen - Cataneses eindrückliche Klanggemälde. Das einzige, was fehlt, sind Fulcis exzessive Gore-Einlagen, und unwillkürlich fragt man sich, ob La bimba di Satana in der Fangemeinde ein ähnlich hohes Ansehen wie Fulcis große Klassiker genießen würde, wenn Bianchi einige deftige, blutrünstige Murder-Set-Pieces integriert hätte, anstatt die paar Todesszenen fast schon verschämt zu vernachlässigen und eher lustlos herunterzukurbeln.

    In schauspielerischer Hinsicht wird Abwechslung geboten. Die einen (Sambrell und Davers) chargieren über, die anderen (Gaita und Dupré, letztere in ihrem einzigen Filmauftritt) agieren hölzern. Porno-Aktrice Hedman (aka Marina Frajese) ist oft nackt und hat eine gewisse Ausstrahlung, aber der Star der Show ist zweifellos Mariangela Giordano. Sie ist einerseits eine gute Schauspielerin, die andererseits auch vor vollstem körperlichen Einsatz nicht zurückschreckt. Giordano war damals mit Gabriele Crisanti (Co-Autor und Produzent des Filmes) liiert, und anscheinend konnte sie ihm keinen Wunsch abschlagen. Das erklärt ihr so engagiertes wie berüchtigtes Mitwirken an solchen Sleaze-Klassikern wie Malabimba, Giallo a Venezia, Patrick vive ancora, Le notti del terrore und natürlich La bimba di Satana. Fans von schmierigem Italo-Schund sagen ihren Dank. Mal ehrlich: Was wäre denn die Horrorfilmgeschichte ohne die legendäre Szene in Le notti del terrore, in welcher der zombiefizierte, von Pietro Barzocchini aka Peter Bark gespielte Junge einen herzhaften Happen aus der Brust seiner Filmmutter (= Giordano) beißt? Eben. Solche ungeheuren WTF-Momente findet man in La bimba di Satana zwar nicht, Eurotrash-Fans bekommen dennoch genug geboten, um sich für knapp fünfundsiebzig Minuten wie die Made im Speck zu fühlen.

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